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 » nicht erledigt Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
▶ Beispiele werden gesucht

30.01.2012, 12:11:16
Beitrag #1
Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Hallo, ich schreibe an einer Arbeit über aktuelle Fälle des Sprach- bzw. Bedeutungswandels und bin nun auf der Suche nach guten Beispielen. Zur Aufgabe gehört es auch, Entwicklungstendenzen aufzuführen.

Hat jemand aktuelle Beispiele parat? Schwerpunkte sind Beispiele aus den Bereichen Jugendsprache und Denglisch. Zu diesen Unterthemen habe ich inzwischen genügend Beispiele gefunden.
WIchtig wären Beispiele für grammatikalischen Wandel.

Ich danke schon einmal!


Hallo, ich bin Andrea1987 und seit 30.01.2012 09:56 hier angemeldet.
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30.01.2012, 12:25:59
Beitrag #2
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Was meinst du denn mit aktuell? Ich frage deshalb, weil grammtischer Wandel sehr viel langsamer und unbemerkter vonstatten geht, als lexikalischer Wandel. Da sprechen wir von mehreren hundert Jahren, bis sich ein Phänomen deutlich von der Ursprungsfunktion bzw. -bedeutung entfernt hat.

Aber prinzipiell könntest du dir Präteritumschwund im Deutschen ansehen, Wandel im bzw. Wegfall des Kasus (z.B. Genitiv - achte mal darauf, wie oft deine Umwelt "Alexander sein Fahrrad ist gestern geklaut worden" sagt (bevor du einwenden möchtest, dass das nicht vorkommt... - es ist momentan mein Lieblingsbeispiel, andere bei der Verwendung von Konstruktionen zu ertappen, die sie ihrer Meinung nie (!) sagen würden)). Das sind zwei von vielen, vielen Fälle von grammatischem Wandel, die man wohl als halbwegs "aktuell" ansehen könnte bzw. wo es auch ausreichend Literatur geben dürfte.

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30.01.2012, 12:29:09
Beitrag #3
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Oh ja, auch beliebt: weil mit Verbzweitstellung - weil ich will das wissen

...lieg ich sehr daneben, wenn ich sage: irgendwie alles, worüber Bastian Sick sich in Syntax so echauffiert?

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30.01.2012, 12:44:02
Beitrag #4
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Ohne groß recherchiert zu haben, ob sich jemand damit schon beschäftigt oder eine Tendenz diesbezüglich ausgesprochen hat:
Wie wäre es mit Aussagen wie "Ich geh Hause." oder "Ey, lass mal Kino gehen.", in denen Präpositionen überhaupt gar keine Verwendung mehr finden.

Es ist nur meine persönliche Meinung, aber ich glaube, dass da Potenzial drin steckt, über gewisse aktuelle Entwicklungstendenzen nachzudenken.

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30.01.2012, 12:55:20
Beitrag #5
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Ist ein sehr spannendes und sehr fruchtbares Thema - ist momentan m.W. aber (noch) auf einige Soziolekte beschränkt. Auch toll: was mir auffällt (aber geografisch unterschiedlich ist, d.h. wie Präpositionen kein Wandel, der die gesprochene Standardsprache in Gänze betrifft) ist Ich geh zum Aldi (süddt.) vs. Ich geh zu Aldi (norddt.). Da hätteste auch gleich die Verbindung zur Morphosyntax.

Was ist es denn für eine Arbeit? Wandel im Gebrauch von Präpositionen ist noch nicht so gut erforscht und würde sich daher für eine Master- oder Magisterarbeit besser eigenen, als z.B. für eine Haus- oder Bachelorarbeit. Wenn es also um Beispiele gehen soll (also anstatt dem Hauptgegenstand der Arbeit), würde ich allgemeiner bleiben; auch vom Aufwand her. Just my two cents.

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30.01.2012, 13:00:11
Beitrag #6
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
(30.01.2012 12:55:20)suz schrieb:  Was ist es denn für eine Arbeit? Wandel im Gebrauch von Präpositionen ist noch nicht so gut erforscht und würde sich daher für eine Master- oder Magisterarbeit besser eigenen, als z.B. für eine Haus- oder Bachelorarbeit. Wenn es also um Beispiele gehen soll (also anstatt dem Hauptgegenstand der Arbeit), würde ich allgemeiner bleiben; auch vom Aufwand her. Just my two cents.

Ja, dafür ist sicherlich ein größerer Aufwand notwendig. Das sehe ich auch so.
Man könnte diese Beispiele vielleicht als Ausblick oder in einer Zusammenfassung mit anführen, aber je nach Vorgaben für die Arbeit den Schwerpunkt der Analyse dann doch lieber auf etwas anderes legen.

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30.01.2012, 13:19:45
Beitrag #7
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
(30.01.2012 12:55:20)suz schrieb:  Wandel im Gebrauch von Präpositionen ist noch nicht so gut erforscht und würde sich daher für eine Master- oder Magisterarbeit besser eigenen, als z.B. für eine Haus- oder Bachelorarbeit.
Würden unter diese Art des grammatischen Wandels auch so Sachen wie "ich bin größer wie du" vs. "ich bin größer als du", oder die rheinische Verlaufsform fallen ("ich bin gerade am schreiben")? Und wie sieht es mit "einzige" vs. "einzigste" aus?

Oder ist das was ganz anderes?

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30.01.2012, 13:55:26
Beitrag #8
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Sicher. Bzw. sicherlich dann, wenn man Grammatik nicht mit Syntax gleichsetzt (was ich nicht tue).

Beim wie-Komparativ müsste man m.E. dann allerdings schauen, ob dieser sich ausbreitet - wenn der Fokus auf einer Wandeltendenz liegen soll. Derzeit ist es ja eher ein geografisches Phänomen, obwohl meine These ist, dass es in Norddeutschland viel häufiger auftaucht, als angenommen. Die Zunahme zu belegen wäre dann das Ziel.

Bei einzige vs. einzigste (auch überwiegend stabil-regional, würde ich sagen) würde ich aber auch Semantik und kognitive Linguistik mit ins Boot holen - weil das über morphosyntaktische Kategorisierung hinaus geht. Also warum bzw. unter welchen außerlinguistischen Bedingungen steigere ich ein eigentlich nicht-steigerbares Adjektiv? (Im Süden, wo ich herkomme, stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Dort ist einzigstes ja die unmarkierte Form.)

Für die Rheinische Verlaufsform im engeren Sinne - auch die ist eher regional begrenzt (ich bin das Fahrrad am putzen). Was aber auf jeden Fall gesamtsprachlich im Wandel bzw. im Entstehen (hypothetisch) begriffen ist (auch in der gesprochenen Standardsprache!), ist die "abgeschwächte" Variante dieser Progressivform (also im weiteren Sinne), ich bin am staubsaugen.

Aber ich bin keine Germanistik Lächel

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30.01.2012, 16:04:53
Beitrag #9
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
(30.01.2012 12:29:09)suz schrieb:  Oh ja, auch beliebt: weil mit Verbzweitstellung - weil ich will das wissen

...lieg ich sehr daneben, wenn ich sage: irgendwie alles, worüber Bastian Sick sich in Syntax so echauffiert?

Nö. Die Aufregung sprachkonservativer Oberlehrer ist immer ein guter Indikator, dass sich da etwas am Wandeln ist. Oh — die "am-Verlaufsform" ist stelbstversändlich auch ein Beispiel. Big Grin


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
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30.01.2012, 21:39:11
Beitrag #10
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Ich bin mir nicht sicher, ob das auch ein allgemeinsprachlicher Wandel oder doch eher nur dialektal ist, aber mir fällt immer wieder auf, dass Leute teilweise gar kein Plusquamperfekt gebrauchen und die Vorvergangenheitsstufe dann zum Beispiel nur durch Adverbiale ausdrücken, zum Beispiel "Ich sah das Haus, das letzte Woche zerstört wurde."


Hallo, ich bin kunterbunt und seit 20.11.2011 14:12 hier angemeldet.
Hier könnte meine Signatur stehen.
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30.01.2012, 21:56:26
Beitrag #11
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Ach ja, noch was: "trotz dass" als Konjunktion.

(Muss man mal googlen, ist ganz lustig Big Grin )


Hallo, ich bin kunterbunt und seit 20.11.2011 14:12 hier angemeldet.
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31.01.2012, 00:33:36
Beitrag #12
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Lesetipp für den Einstieg mit Anregungen und über einiges, was an Sprachnörglern so nagt:

Denkler, Markus et al. (Hrsg). 2008. Frischwärts und unkaputtbar: Sprachverfall oder Sprachwandel im Deutschen. Münster: Aschendorff.

Da ist z.B. auch ein Überblicksartikel von Susanne Günthner zu weil+V2 drin.


(30.01.2012 21:56:26)kunterbunt schrieb:  Ach ja, noch was: "trotz dass" als Konjunktion.

(Muss man mal googlen, ist ganz lustig Big Grin )

In der That.

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31.01.2012, 10:16:24
Beitrag #13
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Auch interessant finde ich "von daher" bzw. "von dem her" statt einfach nur "daher" oder "darum".


Hallo, ich bin kunterbunt und seit 20.11.2011 14:12 hier angemeldet.
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09.05.2012, 21:02:18
Beitrag #14
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
Ein sehr bekanntes Beispiel für Sprachwandel ist "geil".
Vor einigen Jahrhunderten bezeichnete es die Lebensfreude und wurde nicht negativ aufgefasst.
In neuester Zeit (seit vielleicht 20 Jahren) hat es eine ähnliche positive Bedeutung wiedererlangt - "vorzüglich".

"Sexy" scheint auch außerhalb sexuellen Kontextes jetzt oft aufzutreten: "Dein Handy ist sexy."


Hallo, ich bin Hutschi und seit 28.04.2012 10:13 hier angemeldet.
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10.05.2012, 10:20:32
Beitrag #15
RE: Aktueller Sprach- und Bedeutungswandel
(09.05.2012 21:02:18)Hutschi schrieb:  Ein sehr bekanntes Beispiel für Sprachwandel ist "geil".
Vor einigen Jahrhunderten bezeichnete es die Lebensfreude und wurde nicht negativ aufgefasst.
In neuester Zeit (seit vielleicht 20 Jahren) hat es eine ähnliche positive Bedeutung wiedererlangt - "vorzüglich".

Das ist ja nur die halbe Geschichte dieses Bedeutungswandels.


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