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[Var]: Soziolinguistik, Sprachliche Varianz  » nicht erledigt "Alterssprache"
▶ Substandard - Standard

17.10.2013, 10:32:57
Beitrag #1
"Alterssprache"
Hallo,

inwieweit kann die sogenannte Alterssprache (Sprache und Kommunikation älterer Sprecher) als Substandard bezeichnet werden?

Freundliche Grüße


Hallo, ich bin chrissidiene und seit 16.10.2013 22:16 hier angemeldet.
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17.10.2013, 10:43:59
Beitrag #2
RE: "Alterssprache"
Wer macht denn sowas?

Es ist vermutlich ok, Gerolekte als "nicht gleich dem Standard" zu kategorisieren, weil edr Standard ja abstrahiert wird über den Gebrauch der Gesamten Sprechergemeinschaft. In dem Sub- ist aber für meinen Geschmack eine Wertung impliziert oder zumindest konnotiert, die da nicht hingehört.


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17.10.2013, 11:50:57
Beitrag #3
RE: "Alterssprache"
Es gibt ja verschiedene theoretische Konzeptionen um Sprache und Kommunikation im Alter zu beschreiben.
Zum Beispiel das Merkmalsmodell, den Stereotypenansatz und das Interaktionsmodell.
Die Literatur, die ich gelesen habe (Fiehler, Thimm) spricht in diesem Zusammenhang aber nicht von Gerolekten.
ich habe keine direkte Bezeichnung bzw. Einordung für die Sprache im Alter gefunden.

Traurig

Die Aufgabe, die mir gestellt wurde, ist es, "Alterssprache" im Kontext Standard-Substandard zu diskutieren.


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17.10.2013, 14:58:35
Beitrag #4
RE: "Alterssprache"
Und was fiele Dir dazu so spontan ein? Was zeichnet denn generations-/altersspezifisches Sprtechen aus mit Bezug auf einen Standard?

(Ich kanndarfwill hier nicht alles vorzaubern. Nur Hilfe zur Selbsthilfe geben).


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17.10.2013, 15:34:46
Beitrag #5
RE: "Alterssprache"
Auf Anekdoten-Ebene: Meine Omi benutzt ganz selbstverständlich (und nicht übelmeinend) "Neger" für Dunkelhäutige und "der/die Schwatte" für Menschen mit schwarzen oder sehr dunklen Haaren.


Starfleet Yeah
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17.10.2013, 20:14:44
Beitrag #6
RE: "Alterssprache"
"Substandard" finde ich auch ziemlich abwertend... vielleicht eher "Varietät", analog zur Jugendsprache, die ja auch als solche bezeichnet wird?


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(Wittgenstein)
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18.10.2013, 09:23:11
Beitrag #7
RE: "Alterssprache"
(17.10.2013 20:14:44)lletraferit schrieb:  "Substandard" finde ich auch ziemlich abwertend... vielleicht eher "Varietät", analog zur Jugendsprache, die ja auch als solche bezeichnet wird?

ja, aber kann man nicht Begrifflichkeiten wie Varietät, Stil, Register....Gruppensprache..usw. unter dem großen Sammelbegriff Substandard zusammenfassen?


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18.10.2013, 09:36:26
Beitrag #8
RE: "Alterssprache"
Kann man. Muss man aber nicht. Es gibt ja durchaus auch Varietäten oder Register, die man nicht "unterhalb" (Sub-) sondern eher "oberhalb" des Standards ansieldeln würde, z.B. Literatursprache, Sprache der "Oberschicht", Bühnen(aus)sprache etc.

Insofern wäre meiner Meinung nach das passende Begriffspaar Standard ↔ Varietät.

Wenn ich es richtig sehe, geht es Dir aber eigentlich weniger um diese terminologische Frage als vielmehr um den Inhalt, oder?


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18.10.2013, 12:25:12
Beitrag #9
RE: "Alterssprache"
hier meine noch nicht ganz strukturierten Gedanken dazu:

also Varietäten kann man gliedern: räumlich..(Dialekt) soziokulturell (Soziolekte/Gruppensprachen...) stilistisch bzw. situationsbezogen (Sprechregister)

deswegen die Diskussion, Altersprache als Varietät oder eben als Register. besser müsste es aber heißen Soziolekt oder Register, beides wird ja anscheinend unter dem Oberbegriff Varietät geführt!!!

Ich bin für Register, weil-lekte eben den Anschein geben, dass es um eine feste Gruppe geht (alle alten Sprecher...)

Register ist besser, weil das auch die Konversation in den Mittelpunkt rückt, weil Register situationsbezogen benutzt werden, also je nach Interaktions(typ/partner) --> Stereotypenansatz und Interaktionsmodell

so, und als Oberbegriff für alles, würde ich dann Substandard nehmen...

Undecided


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22.10.2013, 00:01:21
Beitrag #10
RE: "Alterssprache"
Hm, auch wenn ich grundsätzlich janwo zustimme der ja meine Gedanken ganz gut zusammengefasst hat, verstehe ich Deine Überlegungen chrissidiene. Das Wort "Substandard" würde ich aus o.g. Gründen dennoch nicht dafür verwenden.

Das zentrale "Problem" bei Deiner Fragestellung ist wohl, dass "alte Menschen" keine homogene Gruppe sind und ihre Sprachverwendung im Alter wohl auch stark damit zusammenhängt, wie sie als junge Menschen gesprochen haben. Da spielt alles zusammen, was auch auf die "normale, alltägliche" Sprache zutrifft, sei es Dialekt oder Soziolekt oder Register. Generell kann man bestimmt nicht festlegen was "die Alterssprache" eigentlich ist. Soll heißen, eine Hofratswitwe aus der Innenstadt spricht anders als ein greiser Bergbauer, auch wenn sie beide zufällig 80 Jahre alt sind. Zwinker

Für mich stellt sich jetzt die zentrale Frage, worauf Du mit Deiner Fragestellung hinaus willst? Du hast situationsbezogene Register angesprochen, was meinst Du denn genau damit? Wenn Du Deine Forschungsfrage ganz gezielt weiter einschränkst - z.B. auf Redewendungen die heute veraltet sind, oder auf die Konnotation gewisser Begrifflichkeiten die früher gang und gebe waren aber heute als "politisch unkorrekt" gelten (jemand sprach ja schon den "Neger" an) oder auch z.B. auf den durch einen Generationswechsel bedingten Rückgang von regionalem/sozialem Dialekt oder auch Vernakularsprachen wie Plattdeustch als Umgangssprache - dann wirst Du Dir wohl wesentlich leichter tun zu einem Ergebnis zu kommen...


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23.10.2013, 10:44:14
Beitrag #11
RE: "Alterssprache"
Ich werde in meiner Staatsexamensprüfung zum Thema "Alterssprache" geprüft. Das Rahmenthema ist Standard-Substandard.
Daher wird eine Frage sein: Inwieweit "Alterssprache" Substandard ist.
Zudem werde ich drei Modelle vorstellen, die die Altersspezifik beschreiben: das Merkmalsmodell, das Stereotypenmodell und das interaktionalistische Modell.
Innerhalb der Beschreibung der Modelle muss auch geklärt werden, welche Auffassunf von "Alterssprache" diesen zu Grunde liegt.

Es gibt bei mir also kein bestimmtes Forschungsinteresse, eher große Angst vor der Prüfung Eek!


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23.10.2013, 17:29:54
Beitrag #12
RE: "Alterssprache"
Don't Panic.


Wenn Du magst, können wir hier Deine Thesen diskutieren. Ich hab etwas Übung in Soziolinguistik-Prüfungen.


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23.10.2013, 23:29:06
Beitrag #13
RE: "Alterssprache"
...and don't forget your towel.

Ich drücke Dir mal alle Daumen, die ich habe! Lächel

Habe die genannten Theorien gerade nicht so präsent, aber wenn Du mir einen schnellen Link schickst, helfe ich gerne mit bei der Thesendiskussion!


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24.10.2013, 09:52:19
Beitrag #14
RE: "Alterssprache"
Vielen Dank für euer Interesse.

hier findet ihr den Sammelband von Fiehler, der mit zu meiner Grundlagenliteratur für die Prüfung gehört.


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24.10.2013, 11:02:22
Beitrag #15
RE: "Alterssprache"
direkt ausformulierte fertige Thesen habe ich noch nicht

Ein Punkt in der Prüfung wird sein (laut Auskunft des Prüfers) inwieweit Sprache und Kommunikation von älteren Menschen als Substandard bezeichnet werden kann.
Diskutierbar ist dies über das Varietätenmodell und das Stilkonzept.
Zu diesem Punkt würde ich ausführen, dass es für die Kommunikation und Sprache von älteren Menschen innerhalb des Varietätenmodells verschiedene Bezeichnungen gibt: Alterssprache (Gruppensprache), Gerolekt, transitorischer Soziolekt (Löffler)
Kritisierbar an der Beschreibung als Varietät ist, dass diese eine interne relative Homogenität innerhalb der Varietät, "Alterssprache" impliziert.
Sprache und Kommunikation von älteren Menschen wird so als abgeschlossenes Ssystem definiert, indem die Varianzerfahrungen kategoriegebunden generaliseirt werden.

Ein weiterer möglicher Diskussionspunkt könnte sein: Wofür im Varietätenkonzept in Bezug auf die Altersspezigik der Sprache Varianz behauptet wird.
Zu diesem Punkt könnte man den Unterschied von Performanz und Kompetenz erläutern.

Der wichtigste Punkt jedoch ist die Zusammenführung des bisher angesprochenen mit den 3 Modellen, die Sprache und Kommunikation im höheren Lebensalter bearbeiten:

Merkmalsmodell
Stereotypenmodell
Interaktionsmodell

Da komme ich nicht wirklich weiter.
Kann man denn zum Bespiel sagen, dass das Merkmalsmodell eine Beschreibung der Sprache und Kommunikation von älteren Menschen als Varietät impliziert bzw nahelegt?
Und wie verhält sich dies dann in den 2 anderen Modellen?


Hallo, ich bin chrissidiene und seit 16.10.2013 22:16 hier angemeldet.
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