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[Phon]: Phonetik & Phonologie  » nicht erledigt Ausnahmen zur Auslautverhärtung

09.05.2016, 22:16:26
Beitrag #1
Ausnahmen zur Auslautverhärtung
In dem Lehrbuch zur Transkription des Deutschen wird zunächst die Regel der Auslautverhärtung erläutert, danach werden aber auch einige Ausnahmen angeführt. Und eben das, was da zu den Ausnahmen steht, kapiere ich nicht. Vermutlich, weil ich nicht bestimmen kann, wie weit der Wortstamm reicht. Vielleicht könnt ihr ja helfen?

Die Stelle lautet jedenfalls: "Folgen auf [bdɡ] im Wortstamm [l], [ʁ] oder [n] und folgt auf diese Lautverbindung ein Suffix, tritt keine Auslautverhärtung ein." Beate Rues et al.: Phonetische Transkription des Deutschen. Ein Arbeitsbuch, 2. Auflage, Tübingen: Narr, 2009. Hier S. 36.

Es werden auch Beispiele gegeben. Auslautverhärtung bei <Wandleuchte>, aber nicht bei <Wandlung>. Auslautverhärtung bei <Zeugnis>, aber nicht bei <leugnen>.
Könnte mir jemand die Ausnahmeregel anhand der Beispiele erklären?

Schon jetzt vielen Dank!

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09.05.2016, 22:28:05
Beitrag #2
RE: Ausnahmen zur Auslautverhärtung
Bei Wandleuchte vs. Wandlung ist es so, dass {Leuchte} eben kein Suffix ist. Das spricht die Regel oben an. Bei Zeugnis kkönnte man sich herauszureden versuchen, dass {-nis} nicht als Suffix erkannt wird, weil es im Grunde nicht mehr produktiv ist.


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10.05.2016, 11:59:18
Beitrag #3
RE: Ausnahmen zur Auslautverhärtung
Nur anekdotisch: Bei "Zeugnis" sage ich (norddeutsch) auch [tsɔıçnıs] während die Frikativierung bei "leugnen" nicht möglich ist [lɔıgnən].


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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10.05.2016, 13:07:20
Beitrag #4
RE: Ausnahmen zur Auslautverhärtung
Naja, es hat etwas damit zu tun, ob man innerhalb von einem prosodischen/phonologischen Wort (p-Wort) als Domäne unterwegs ist oder nicht. Denn: In p-Wörtern finden Resilbiefiezierungen statt, außerhalb davon nicht.
<Wandlung> und <leugnen> stellen hier ganz gute Beispiele dar: Entsprechend der Phonotaktik werden Silben nach dem Maximum Onset Principle gebildet, daher landen die Obstruenten d und g nicht in der Koda, sondern im Onset, daher auch keine Auslautverhärtung.
In <Wandleuchte> sind es eindeutig zwei p-Wörter, daher auch keine Resilbifizierung, ergo: d in der Koda wird stimmlos. In <Zeugnis> kommt jetzt die Streitfrage, was als p-Wort zählt und was nicht. R.Wiese (1996) sagt, dass alle Suffixe, die einen Konsonanten in erster Position haben, stets p-Wörter sind. Suffixe, die mit einem Vokal beginnen nicht, weil sie eben die Resilbifizierung zulassen (s. Wandlung). Wenn man sich dem ganzen anschließt, würde es auch für -nis bedeuten, dass es einen p-Wort-Status besitzt und daher eine Grenze setzt -> g in der Koda als t. (Aus dem gleichen Grund übrigens auch die Spirantisierung bei [tsɔıçnıs] und nicht bei [lɔıgnən]).
Mein persönliches Sprachgefühl sagt mir aber, dass ich das g in den Onset der -nis-Silbe ziehe und daher stimmhaft lasse. Vielleicht weil -nis wirklich nicht so produktiv ist und meine Grammatik das nicht als p-Wort parsed oder weil ich das so als Lexem abgespeichert habe. Dazu hatten wird schon mal hier im Forum den Fall mit dem <Spieglein>, theoretisch mit einem stimmlosen g, real aber doch nicht Lächel

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