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[HowTo]: Anleitungen, Tutorials, Techniken  » Erledigt: Heute Heute Baumstrukturen, wie zeichnen?

18.04.2005, 11:00:06
Beitrag #1
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Hallo!

Ich beschäftige mich zur Zeit im Studium mit den diversen Baumstrukturen, insbesondere dem X-Bar Modell. Ich verstehe auch alles ganz gut (Transformationen, Strukturbeziehungen etc.) nur wenn es dann an die Grundlagen geht und ich eine Baumstruktur nach X-Bar Schema zeichnen soll weiß ich nicht mehr weiter.
Kann mir jemand einen Tip geben wie man an so eine Struktur herangeht? Die termindalen Knoten zu benennen ist ja kein Problem, aber dann! Was vereinigt sich womit und warum? Geht um deutsche Sätze.

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19.04.2005, 19:20:03
Beitrag #2
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Das ist natürlich eine ziemlich globale Frage, und es wäre hilfreich etwas genauer zu erfahren, was Dir daran Schwierigkeiten macht. ABer ich probiere es erstmal so.
Die Baumstruktur gibt die Konstituentenstruktur von Sätzen bzw. Phrase wieder, also was hängt mit was zusammen, und wie eng. Je enger zwei Elemente/Knoten zusammenhängen, desto weiter unten verzweigen sie. Es ist daher häufig hilfreich mit den Standarttest (Umstellprobe, ersetzen von Phrasen durch einzelne Wörter, nach welchen Konstituenten kann man Fragen) sich Klarheit über die Konstituentenstruktur zu verschaffen.
Also zum Beispiel im Satz 'Der blaue Bär hat Hunger', lassen sich durch Umstellprobe ( 'Hunger hat der blaue Bär') 3 Konstituenten bestimmen 'der blaue Bär'; 'hat' und 'Hunger'.
'hat Hunger' lässt sich durch 'schläft' ersetzen (das ändert zwar den Sinn, wichtig ist aber nur, dass der Satz grammatisch bleibt) => 'hat' hängt enger mit 'Hunger' zusammen und verzweigt folglich zuerst damit, bevor es sich an den blauen Bären ranmacht. 'blaue Bär' lässt sich ebenfalls ersetzen, z.B. einfach durch 'Bär' (oder auch 'Blaubär' wenn's beliebt), man kriegt jedoch keinen grammatischen Satz heraus, wenn man 'der Bär' ersetzen möchte und 'blaue' beibehält.

Geklammert sieht der Satz dann also so aus:
[ [der [blaue Bär] [hat Hunger] ]

Im Prinzip lässt sich das mit beliebig komplexen Sätzen so anstellen.

Teilweise gibt es für die Struktur eines Satzes aber auch mehrere Bäume, das klassische Beispiel: Er sieht Maria mit dem Fernglas

kann so geklammert werde (bzw. verzweigen):
[Er [ [sieht [die Maria] [mit [dem Fernglas] ] ] ] , wenn er das Fernglas hat (die PP sich also auf den Akt des 'Maria-sehens' bezieht.

oder so:
[Er [sieht [Maria [mit [dem Fernglas] ] ] ] , wenn Maria das Fernglas hat (die PP also Maria spezifiziert).

Da geht dann halt beides (und es gibt kein richtig oder Falsch, es sei den man hat die Information, wer das Fernglas hat).

Ich weiß nicht ob das Dir bei Deinem Problem hilft, oder ob Deine Schwierigkeiten anderer Natur sind (sonst versuch vielleicht noch mal genauer zu beschreiben, was das Problem ist).

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20.04.2005, 17:53:04
Beitrag #3
Baumstrukturen, wie zeichnen?
... und wer dann aus den Klammersätzen nette Bildchen machen will, geht hierhin: http://bibiko.de/klammer/index.html Zwinker

Gruß,
jan


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21.05.2005, 14:59:48
Beitrag #4
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Hi Miguel,

falls Deine Frage noch aktuell ist:
Das X-bar-Modell ist eindeutig definiert. Die einzelnen Phrasen (gramm.Einheiten) weden wie in einem Baukastensystem aneinandergehängt, wobei alle Phrasen folgende Struktur haben:

XP
/ \
XSpec / X' (X-bar)
/ \
X / CompX
(head)
(sorry, graphisch haut das nicht so hin)

Diese Struktur kann die sog: Determiner Phrase "im Garten" aber auch die kommplette IP (InflectPhrase): "Im Garten war es sehr heiß" ausdrücken, wobei in diesem Beispiel die DP ein Teil der IP ist. Die beiden Positionen SpecX und CompX sind ebenfalls Phrasen, also ebensolche "Baukasteneinheiten" wie die oben aufgezeichneten.

Nehemen wir den einfachen Satz: "I love Jessica". Man sagt, der Satz wird innerhalb einer VP basisgeneriert. Schau dir nochmals das Modell an! Der Kopf V wird von "love", die Phrase (SpecX) von "I" und das Complement zu X (CompX)(ebenfalls Phrase) von "Jessica" besetzt. Der Grund dafür ist, dass V sog. Theta-Rollen an SpecX und CompX vergibt. Das sind semantische Einheiten, die gewisse Relationen zwischen den Verben und seinen Argunmenten ausdrücken.
VP konstituiert jetzt jedoch noch keinen Satz. Deswegen wird der VP eine IP übegeordnet, wobei VP nun in der Complement-Position von IP (CompI) steht (Baukastensystem!!). Weil "I" jedoch nicht in SpecV stehen bleiben kann, da ihm dort kein Kasus zugewiesen werden kann, wandet es nach nach SpecI. Die leere Stelle SpecV wird mit einem sog. trace markiert. "Jessica" muss nicht bewegt werden, da es innerhalb der VP kasusmarkiert wird.
Somit hast Du den ersten Satz generiert.
Um den Überblick zu behalten, so denke ich, ist es erst mal wichtig die "Adjunkte", also fakultative Phrasen wie "im Hof" bei dem Satz "Ich spiele im Hof" wegzulassen.

Chomsky hat die X-bar-Struktur entwickelt um ein restiktives Modell zu haben, mit dem man quasi jeden Satz in jeder Sprache generieren kann. Ich habe ein Referat über die Generierung von Sätzen in einer indonesischen Sprache gehalten. Die Regeln, die ich vorstelle habe, haben wenig mit dem zu tun, was ich vor einem halben Jahr gelernt habe. So schön formell ist das also doch nicht.

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02.06.2005, 19:53:51
Beitrag #5
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Miguel schrieb:Was vereinigt sich womit und warum? Geht um deutsche Sätze.
Problem im Deutschen: Die Satzklammern. Bei einem Satz wie in (1) greift eine oberflächenorientierte Syntax nur sehr schwerfällig.

(1) Peter hat den Hund gesehen

Wenn es dir aber nur um "einfache" deutsche Sätze geht, hilft mir zumindest immer die folgende Herangehensweise (ist wohl auch allgemein nicht ganz verkehrt):

Welche Argumente (Subjekt, Komlemente) hat das Verb? Haben diese Komplemente Komplemente (so Nomina wie Entdeckung oder Treffen vielleicht). Was sind Adjunkte und was modifizieren sie? Und dann noch: Was ist dann jeweils Kopf?
Wenn du diese Fragen alle beantworten kannst, bist du eigentlich auch schon fertig (s. X'-Schema). (und brauchst auch nicht mehr weiterzulesen Zwinker

Wenn du nun aber nicht-triviale Fälle hast (wie den in (1)), musst du auch so Dinge wie Verbbewegung repräsentieren. Wenn ich mich recht erinnere, macht man in (1) die Annahme, dass sich das finite Verb "von hinten nach vorne" bewegt hat, dass man also zunächst

(2) Peter den Hund gesehen hat

hat. Kann aber auch sein dass ich da gerade granatenfalsch liege... zur Sicherheit hilft da ja immer ein wenig Literatur, z.B. hat Stefan Müller auf seiner Homepage eine Lehrbuch für HPSG, das dieses und andere Phänomene wie ich finde recht anschaulich erklärt. Wenn du dich mit dem Formalismus nicht auskennst, ist das nicht wirklich tragisch, da die zugrundeliegende Analyse auch in anderen Grammatikmodellen nachvollzogen werden kann.

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08.06.2005, 11:42:04
Beitrag #6
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Hi,

das mit der Verbbewegung im Deutschen von "hinten" nach "vorne" ist schon richtig. Im Deutschen sind die Positionen von Kopf und Kompement vertauscht. D.h. das Verb muss sich um die ganze VP herumbewegen.

Die Bewegungen sind die wesentlichen Elemente der Government & Binding - Therory. Man geht zunächst von einer Tiefenstruktur (D) aus. Nach bestimmten Bewegungen erreicht man Die Oberflächsnstruktur (S); diese Struktur ist der Satz, wie er dasteht. Nach weiteren Bewegungen erreicht man die Logical Form (LF), die gewisse semantische Relationen ausdrückt. (man entfernt sich wieder von dem Satz wie er dasteht.)
Wenn das Verb im Deutschen "ganz hinten" man sagt basisgeneriert wird, so muss es sich logischerweise sich erst nach vorne bewegen um ein
in S einen grammatischen Satz zu bilden.
Die Tiefenstruktur (D) sieht im Deutschen also folgendermaßen aus:
Der Franz das Schweinchen gegessen hat. Das Aux. "hat" bewegt sich in S nach vorne: Der Franz hat das Schweinchen gegessen.

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08.06.2005, 15:34:59
Beitrag #7
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Team schrieb:Die Bewegungen sind die wesentlichen Elemente der Government & Binding - Therory. Man geht zunächst von einer Tiefenstruktur (D) aus. Nach bestimmten Bewegungen erreicht man Die Oberflächsnstruktur (S); diese Struktur ist der Satz, wie er dasteht. Nach weiteren Bewegungen erreicht man die Logical Form (LF), die gewisse semantische Relationen ausdrückt. (man entfernt sich wieder von dem Satz wie er dasteht.)
Wobei alle diese Bewegungen nur eine einzige Bewegung sind, Move Alpha. Bestimmte Constraints sorgen dann eben dafür, dass Bewegungen lizenziert oder ausgeschlossen werden.

Team schrieb:Wenn das Verb im Deutschen "ganz hinten" man sagt basisgeneriert wird, so muss es sich logischerweise sich erst nach vorne bewegen um ein
in S einen grammatischen Satz zu bilden.
Die Tiefenstruktur (D) sieht im Deutschen also folgendermaßen aus:
Der Franz das Schweinchen gegessen hat. Das Aux. "hat" bewegt sich in S nach vorne: Der Franz hat das Schweinchen gegessen.

Ich würde eher sagen, man hat (modulo Spuren/Kopien)

der Franz das Schweinchen gegessen hat =>
hat der Franz das Schweinchen gegessen =>
der Franz hat das Schweinchen gegessen ||
das Schweinchen hat der Franz gegessen ||
gegessen hat der Franz das Schweinchen

Also erst Kopfbewegung von V0 und dann eine Konstituente aus dem Mittelfeld extrahieren.

Das führt aber mittlerweile arg weit weg vom Problem des OP Zwinker

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08.06.2005, 18:04:06
Beitrag #8
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Hat diese Auffassung, daß das Verb ganz hinten im Satz generiert wird, eine logische bzw. psychologische Motivierung? Gibt es unabhängige Beweise dazu?

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08.06.2005, 21:14:14
Beitrag #9
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Wenn du psycholinguistische Gründe willst, kann ich dir keine nennen.
Zugegeben, Vokabeln wie "basisgeneriert" oder "Phasen" die an Interfaces weitergereicht werden und der Begriff der Bewegung als solcher klingen alle sehr prozedural, so als ob das menschliche Sprachorgan tatsächlich so arbeitet... Das würde ich aber so nicht sehen wollen.
Letztlich soll eine Grammatik einfach nur dafür sorgen, dass genau die Sätze erzeugt werden, die auch Bestandteil der Sprache sind. Ob die Formalisierung der Grammatik genau so arbeitet wie unser Gehirn interessiert zunächst nicht, hauptsache die Grammatik ist schwach äquivalent zu dem was aus unserem Hirn kommt Zwinker

Der Hauptgrund für eine solche Analyse liegt also in seiner formalen Eleganz. Man kann sehr schöne Generalisierungen über strukturelle Eigenschaften des deutschen Satzes machen, wenn man ihn so analysiert.

Welcher Form sollten denn unabhängige Beweise sein?

EDIT:
Jackendoff/Pinker haben im Rahmen der Debatte über die Evolution des Sprachorgans zumindest gesagt, dass Konstruktions-/Unifikationsbasierte Modelle geeigneter zur Erklärung von Spracherwerb und Sprachproduktion wären.

Zum Nachlesen

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08.06.2005, 22:15:03
Beitrag #10
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Arne hat geschrieben:
"Letztlich soll eine Grammatik einfach nur dafür sorgen, dass genau die Sätze erzeugt werden, die auch Bestandteil der Sprache sind."

Das Problem ist, daß, wenn man dieser mechanischer Vorstellung der Grammatik folgen will, muß man viele "Devices" erfinden, damit das Ganze gut funktioniert. Man hat also eine Theta-Theorie, eine Kasus-Theorie, eine Spracherwerbs-Rechtfertigung (denk mal, daß die Auffassung, daß etwas "gelernt werden muß" als Panakeia von den Generativisten vor dem Unerklärlichen verwendet wird) usw.
Die Frage ist: wer kann beweisen, daß mit so vielen Devices aus so verschiedenen Bereichen "die Bombe richtig explodiert"? Ich meine, wenn man eine richtige Bombe konstruiert, dann ist man erfolgreich, wenn diese Bombe richtig platzt und Zerstörung hervorbringt. Aber was passiert mit der Sprache? Auch wenn all diese Devices falsch sind, kann alles ruhig als Explosion erscheinen, z.B. in der Form eines grammatischen Satzes, aber wo ist die Entsprechung in der Wirklichkeit? Vielleicht sagst Du mir, in der Kommunikation, daß man gut miteinander kommunizieren kann. Aber dann müssen zur Syntax so viele Faktoren hinzukommen, die nichts mit der Syntax zu tun haben. Faktoren wie das Kooperationsprinzip, Sprechakten usw. Ist also ein grammatisch richtiger Satz auch ein mitteilsamer Satz? Eine erfolgreiche Bombe? Ansonsten gibt es auch erfolgreiche Gemälde, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Die können aber auch nach den strengsten Prinzipien gemalt sein :twisted:

Weiter hast Du gefragt:
"Welcher Form sollten denn unabhängige Beweise sein?"

Ich habe Beweise aus anderen semiotischen Systemen gemeint, z.B. aus der Musik, aus der Tierkommunikation, usw. Laufen auch andere Systeme "generativ"?

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08.06.2005, 23:13:13
Beitrag #11
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Neuter schrieb:Das Problem ist, daß, wenn man dieser mechanischer Vorstellung der Grammatik folgen will, muß man viele "Devices" erfinden, damit das Ganze gut funktioniert. Man hat also eine Theta-Theorie, eine Kasus-Theorie, eine Spracherwerbs-Rechtfertigung (denk mal, daß die Auffassung, daß etwas "gelernt werden muß" als Panakeia von den Generativisten vor dem Unerklärlichen verwendet wird) usw.

Meinst du damit, dass behauptet wird es gäbe etwas wie Theta-Theorie, dass nach Meinung der "Generativsten" im Rahmen des Spracherwerbs erlernt werden muss? Ich verstehe das nicht so recht... Denkst du, dass das menschliche Sprachvermögen per se unerklärbar ist?

Neuter schrieb:Die Frage ist: wer kann beweisen, daß mit so vielen Devices aus so verschiedenen Bereichen "die Bombe richtig explodiert"? Ich meine, wenn man eine richtige Bombe konstruiert, dann ist man erfolgreich, wenn diese Bombe richtig platzt und Zerstörung hervorbringt. Aber was passiert mit der Sprache? Auch wenn all diese Devices falsch sind, kann alles ruhig als Explosion erscheinen, z.B. in der Form eines grammatischen Satzes, aber wo ist die Entsprechung in der Wirklichkeit?

Du fragst dich also, ob die Strukturen, die von verschiedenen Syntaxtheorien postuliert werden, tatsächlich die sind, die auch in der Sprachproduktion entstehen? Dann wäre die Grammatik quasi stark äquivalent zum Sprachorgan und wir Linguisten könnten unsere Koffer packen und Urlaub machen Lächel
Den Rest verstehe ich nicht. Was meinst du mit "Entsprechung in der Wirklichkeit"? Wenn du formal Syntax betreibst, interessiert dich die Wirklichkeit/Welt so gut wie gar nicht. Es geht nur darum, die Kompetenz des Sprechers abzubilden.

Neuter schrieb:Vielleicht sagst Du mir, in der Kommunikation, daß man gut miteinander kommunizieren kann. Aber dann müssen zur Syntax so viele Faktoren hinzukommen, die nichts mit der Syntax zu tun haben. Faktoren wie das Kooperationsprinzip, Sprechakten usw. Ist also ein grammatisch richtiger Satz auch ein mitteilsamer Satz?

Das geht doch jetzt in eine völlig andere Richtung. Im strengen formalen Sinne spielen diese Dinge tatsächlich keine Rolle für eine Grammatik - hauptsache du bekommst deine grammatischen Sätze. Ob diese jetzt in einer gewissen Redesituation Sinn machen oder nicht ist eine ganz andere Baustelle. Wie gesagt, du bildest nur die möglichen Sätze einer Sprache ab.

Neuter schrieb:Ansonsten gibt es auch erfolgreiche Gemälde, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Die können aber auch nach den strengsten Prinzipien gemalt sein :twisted:

Die Analogie, die du anstößt, kommt nicht bei mir an. Willst du Sprache im formalen Sinn und Gemälde miteinander vergleichen?

Neuter schrieb:Ich habe Beweise aus anderen semiotischen Systemen gemeint, z.B. aus der Musik, aus der Tierkommunikation, usw. Laufen auch andere Systeme "generativ"?

Öhm... neben der Tatsache, dass ich keinen blassen Schimmer habe Zwinker, wüsste ich schon gerne welche Vorstellung du mit "generativ" verbindest. Etwas in Richtung der Prinzipien- und Parametertheorie, sprich sowohl universelle Prinzipien eines formalen Systems identifizieren als auch Parameter, die für Varianten dieser Prinzipien und im Zusammenspiel dann zu unterschiedlichen Ausprägungen des formalen Systems führen?

EDIT:

Dass mir das aber auch immer erst hinterher einfällt: Wenn ich dich richtig verstanden habe gehen deine Fragen in dieselbe Richtung wie das, was in diesem Ansatz zur Syntaxtheorie vertreten wird.

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09.06.2005, 00:26:09
Beitrag #12
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Arne hat geschrieben:
"Meinst du damit, dass behauptet wird es gäbe etwas wie Theta-Theorie, dass nach Meinung der "Generativsten" im Rahmen des Spracherwerbs erlernt werden muss?"

Nein, ich meine z.B., daß wenn eine Präposition eine eindeutige Semantik hat, wie z.B. das räumliche "through" in English immer eine Route , während eine andere Präpositon wie das räumliche "under" eine Route oder ein Ziel usw. ausdrückt, dann greift man zum Spracherwerb, und sagt, daß diese Lesarten "gelernt werden müssen". Kapitulation also vor dem, was man nicht erklären kann.

Weiter hat Arne geschrieben:
"Was meinst du mit "Entsprechung in der Wirklichkeit"? Wenn du formal Syntax betreibst, interessiert dich die Wirklichkeit/Welt so gut wie gar nicht. Es geht nur darum, die Kompetenz des Sprechers abzubilden."

Was ist für Dich "Kompetenz des Sprechers"?

Weiter hat Arne geschrieben:
"Die Analogie, die du anstößt, kommt nicht bei mir an. Willst du Sprache im formalen Sinn und Gemälde miteinander vergleichen?"

Sprache will etwas mitteilen, wie ein Gemälde. Sprache und Gemälde können eine komplizierte Struktur aufweisen. Die Frage ist, was können sie als Strukturen mitteilen? Für mich ist das zu mitteilende die Wirklichkeit.
Ist der Prozeß bei der Konstruktion eines Gemäldes von Anfang an ein Prozeß, der die Mitteilung zum Zweck hat und zu einem größen Teil bewußt ist? Wenn ja, ist das nicht auch bei der Sprache so?
Wenn die Prozesse nicht bewußt sind, warum sollte man RESULTIERENDE Strukturen bei Sätzen und Gemälden so fleißig vermuten? Und die triviale Frage dazu: warum Regeln und Rekursionen annehmen, die einfach nur Nachahmungen von festen Mustern sein können?

Weiter hast Du geschrieben:
"wüsste ich schon gerne welche Vorstellung du mit "generativ" verbindest."

Ich meine besonders die Rekursions- und Regelfixierung in der generativen Tradition.

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11.06.2005, 21:48:56
Beitrag #13
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Anonymous schrieb:Weiter hat Arne geschrieben:
"Was meinst du mit "Entsprechung in der Wirklichkeit"? Wenn du formal Syntax betreibst, interessiert dich die Wirklichkeit/Welt so gut wie gar nicht. Es geht nur darum, die Kompetenz des Sprechers abzubilden."

Was ist für Dich "Kompetenz des Sprechers"?

Kompetenz im Sinne Chomskys (hoffe ich *g*). Der Sprecher einer Sprache ist in der Lage, zu beurteilen, ob ein geäußerter Satz zu seiner Sprache gehört (grammatisch ist) oder nicht. Vielleicht sollte man das dann aber eher I-Language nennen...

Anonymous schrieb:Sprache will etwas mitteilen, wie ein Gemälde. Sprache und Gemälde können eine komplizierte Struktur aufweisen. Die Frage ist, was können sie als Strukturen mitteilen? Für mich ist das zu mitteilende die Wirklichkeit.
Hm, Sprecher wollen etwas mitteilen, Sprache nicht wirklich. Zwinker

Anonymous schrieb:Ist der Prozeß bei der Konstruktion eines Gemäldes von Anfang an ein Prozeß, der die Mitteilung zum Zweck hat und zu einem größen Teil bewußt ist? Wenn ja, ist das nicht auch bei der Sprache so?
Natürlich ist Sprechen ein bewusster Prozess. Du planst deine Äußerungen, weißt z.B. welche Mittel du in deiner Sprache hast um Dinge zu betonen (also, inhaltlich, so Dinge wie Topikalisierung oder Passiv) und letztlich willst du ja etwas mitteilen.
Anonymous schrieb:Wenn die Prozesse nicht bewußt sind, warum sollte man RESULTIERENDE Strukturen bei Sätzen und Gemälden so fleißig vermuten? Und die triviale Frage dazu: warum Regeln und Rekursionen annehmen, die einfach nur Nachahmungen von festen Mustern sein können?

Sprache ist in dem Sinne nicht bewusst als dass ein Sprecher nicht weiß, wie seine Grammatik tatsächlich arbeitet. Er weiß aber schon, was er tun muss, damit er das ausdrücken kann was er ausdrücken will...
Die Sache mit der Nachahmung ist... so eine Sache. Wie würdest du erklären, dass ein Sprecher einer Sprache unbegrenzt viele neue Sätze ausdrücken kann, die er vorher noch nie gehört hat?

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04.03.2009, 21:27:34
Beitrag #14
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Hallo an alle,

ich habe die gleichen Probleme mit Baumstrukturen...

In wie fern unterscheiden sich die Baumstrukturen bei englischen und deutschen Sätzen?

Und wie gehe ich am besten bei dem Satz, wie diesen, vor?;

Wenn ein Schlumpf keine Miesel mehr hat,brohlt man ihm einen Pimpfel ein!

Wäre wirklich suuuuuper wenn mir jemand weiterhelfen könnte!!!!!
Ich steh völlig auf´m Schlauch....

Liebste Grüße von Madlen

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05.03.2009, 05:55:02
Beitrag #15
Baumstrukturen, wie zeichnen?
Naja, schau dir doch zuerst den normalen Satz an, ohne den Nebensatz.

Man brohlt ihm einen Pimpfel ein.
Bei 'einbrohlen' scheint es sich um ein ditransitives Verb zu handeln, also hat es einmal das Subjekt 'man' in SpecV Position, das direkte Objekt 'einen Pinpfel' in Komplementposition und das indirekte Objekt 'ihm' in Adjunktposition. 'man' wandert nach SpecC, da das Deutsche topikalisiert (es könnte natürlich auch eines der anderen beiden an Satzinitiale Position wandern, je nachdem was topikalisiert werden soll, aber der Einfachheit halber nehmen wir mal das Subjekt, das an Satzinitiale Stelle geht). Dann haben wir "man" in SpecC, 'brohlt' in C° (da kein Hilfsverb da ist und somit eine I-nach-C-Bewegung durchgeführt wird), 'ihm' in Adjunktposition (also Tochter von V' und Schwester von V') und 'einen Pimpfel' in Komplementposition (also Tochter von V' und Schwester von V°). 'ein' bleibt als Rest des Partikelverbes übrig in V°.

Nun betrachten wir es mit Nebensatz. Dieser wird topikalisiert, also als komplette CP nach SpecC geschoben. 'brohlt' geht weiterhin in C° Position, 'man' steht in SpecI und hat sich nicht nach SpecC bewegt, 'ihm' bleibt in Adjunktposition und 'einen Pimpfel' bleibt in Komplementposition. Auch 'ein' ist wieder übrig.

Im Nebensatz steht 'wenn' in SpecC, die DP 'ein Schlumpf' steht in SpecI, die DP 'keine Miesel' in Komplementposition der VP, die AP 'mehr' in Adjunktposition der VP, und 'hat' in I° (V-nach-I), wobei I° rechtköpfig ist, wodurch das Verb am Ende erscheint (Im Nebensatz muss offenbar keine I-nach-C-Bewegung stattfinden).

Der Unterschied zum Englischen ist, dass im Deutschen die VP rechtsköpfig ist, V° also auf der rechten Seite steht, im Englischen aber linksköpfig ist, V° also auf der linken Seite steht. Das sieht man daran, dass der Partikel 'ein' rechts stehen bleibt, im Englischen aber links.

"If a smurf has no more measels, one brools pimpels into him."

Man sieht im Nebensatz, dass I° linksbündig ist, da 'has' vor 'no more measels' steht. Man sieht auch, dass V° linksbündig ist, da der Partikel 'into' vor 'him' steht. 'brools' steht weiterhin in C°, 'pimpels' in SpecI und 'him' in Adjunktposition.
Das Deutsche ist also eine SOV Sprache, welche das Topik an den Satzbeginn stellt und das Verb dann in Zweitposition bewegt, das Englische ist eine SVO Sprache, welche das Subjekt immer vor das Verb stellt.

Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen. Komme auch gerade erst ins vierte Semester, also nicht böse sein, wenn der Fehlerteufel sich eingeschlichen haben sollte und ich alles ein wenig kompliziert erkläre.

Grüße
Mölle


Das Pferd heißt Pferd
Weil es läuft auf der Erd.
Nannte man es Pfluft
Flög es in der Luft!
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