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[Text]: Textlinguistik, Diskursforschung  » nicht erledigtBeschreibungsebenen einer Online-Hilfe
17.07.2012, 15:56:26,
Beitrag #1
Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
Hallo zusammen,

ich verfasse zur Zeit eine Magisterarbeit zum Thema Online-Hilfen bei Webanwendungen. Ziel dabei ist es, Ansätze der Linguistik und Kommunikationswissenschaft zu recherchieren , die dazu verwendet werden können, um Online Hilfen zu optimieren bzw. um daraus Gestaltungsempfehlungen abzuleiten.

Besonders ertragreich ist dabei bis jetzt die Pragmatik (z.B. Sprechakte, Konversationsmaximen), die textlinguistische Textsortenforschung, Hypertextlinguistik sowie der Bereich Textverstehen und Textverständlichkeit.

Was mir fehlt, ist eine Art grobes Raster nach der die Arbeit strukturiert werden kann: Es wäre toll wenn ich die Gestaltungsempfehlungen entlang verschiedener Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe beschreiben könnte (in Klammern die jew. Ansätze der Linguistik):

Bildebene (z.B. Bildverstehen, Bildlinguistik)
Textebene:
Gesamttext
Absätze/Paragraphen
Sätze ( z.B. Thema-Rhema, Sprechakte, Grice)
Wörter ( z.B Terminologie, Fremdwortlexik, Metaphern)

Es wäre schön wenn es ein Modell gibt, dass die Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe umschreibt. Ich hoffe man kann einigermaßen nachvollziehen was ich hier vorhabe Zwinker

Vielen Dank im Voraus


Hallo, ich bin Linguine und seit 17.07.2012 13:26 hier angemeldet.
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17.07.2012, 20:33:56,
Beitrag #2
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
(17.07.2012, 15:56:26)Linguine schrieb: Es wäre schön wenn es ein Modell gibt, dass die Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe umschreibt. Ich hoffe man kann einigermaßen nachvollziehen was ich hier vorhabe Zwinker

Ich kann leider noch nicht ganz nachvollziehen, was du genau untersuchen willst bzw. was das Ziel der Arbeit sein soll. Die Kategorien, die du aufzählst, verstehe ich als Kriterien, die konkret untersucht werden könnten. Unter welchem Gesichtspunkt dies geschehen könnte bzw. wie dies im Zusammenhang mit der Optimierung steht, habe ich noch nicht ganz verstanden.

Wie auch immer: Das einzige, mir im Moment bekannte Werk aus der germanistischen Linguistik dazu ist
Heine, Carmen (2010): Modell zur Produktion von Online-Hilfen. Berlin: Frank & Timme.

Wie dem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen ist, geht Heine darin unter anderem auch auf das Konzept des Hypertextes aus, von dem du ja auch ausgehen willst. Es geht dann wohl mehr um Schreibprozessmodelle, schlägt aber eben auch ein konkretes Modell vor, das für dich vielleicht hilfreich sein könnte.

Ein ganz anderer Punkt ist sicherlich die Perspektive auf den Gesamttext.
Die einzelnen Kriterien, die du aufzählst, beziehen sich ja auf einzelne Modalitäten des insgesamt multimodalen Textes, der eben nicht nur aus Schrift bzw. schriftlichem Text besteht, sondern eben auch Buttons und Pfeile, Symbole, Bilder, Links, vielleicht sogar Videos, etc. beinhaltet.
Wenn es vor allem um Textoptimierung geht, müsste man bei einem solchen Hypertextsystem vor allem auch danach fragen, wie der schriftliche Text beispielsweise von Bildern, Videos, etc. unterlegt, verbessert oder auch verschlechtert wird.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob deine Arbeit in diese Richtung gehen sollte. Deswegen will ich das gar nicht so sehr ausführen.
Wenn ja, müsstest du dich mit Arbeiten zur Multimodalität auseinandersetzen, innerhalb derer es einige Analysen von Webseiten und möglicherweise auch Online-Hilfen/-Tutorials gibt.

Wenn du noch einmal näher ausführst, wie genau deine Untersuchung vorgehen soll, kann ich vielleicht noch mehr dazu sagen...

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18.07.2012, 14:13:55,
Beitrag #3
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
Hallo neous,
erst einmal vielen Dank für die ausführliche und hilfreiche Antwort!

Zu meiner Vorgehensweise:
Mein Untersuchungsgegenstand sind Online-Hilfen bei Webanwendungen (genauer sog. Rich Internet Applications wie z.B. GMail, Facebook etc.). Zum Thema Online-Hilfen exisitert eine Fülle an Fachliteratur und Ratgebern. Mir geht es in meiner Arbeit aber hauptsächlich um die Perpektive der Linguistik auf die Thematik: Welche Ansätze und Methoden bietet diese Disziplin, um Online-Hilfen zu optimieren. Unter Optimierung verstehe ich die anwendungs- und nutzerorientierte Aufbereitung der Inhalte.

Zunächst spezifiziere ich den Begriff Webanwendung und gebe eine Definition von Online-Hilfen.
Online-Hilfen umfassen alles, was den Nutzer unmittelbar bei der Arbeit mit der WA unterstützt (z.B. Tooltips, FAQ, Hilfeseiten etc.). Ausgenommen ist hier der Bereich der CVK (Chats, Foren etc.). Die kommunikative Funktion von OH entspricht dabei dem Instruieren und Beschreiben. Ausgehend davon ziehe ich Parallelen zu den Textsorten Instruktion und technische Beschreibung.

Mein Problem sind die Beschreibungsebenen bzw. wie du meintest, Kriterien anhand derer ich eine Online-Hilfe beschreiben und optimieren kann. Das liegt evtl. daran das mein Begriff von Online-Hilfe sehr breit gefasst ist und eine Vielzahl von Hilfemöglichkeiten mit unterschiedlichen Modalitäten mit einschließt (z.B. Tooltips, Hilfeseiten, Videotutorials). Eine Ebene/ ein Kriterium ist auf jeden Fall die textuelle/inhaltliche Seite:

Auf dieser Ebene bietet z.B. die Pragmatik u.a mit Sprechakten und Sprechaktklassen (Direktiva und Repräsentativa) einen Ansatz um Online-Hilfen zu beschreiben und zu optimieren, z.B. ist es verständnisfördnernd wenn die Sprechaktklasse eines Hilfetextes mit grammatikalischen Mitteln deutlich herausgestellt wird (instruieren vs. beschreiben).

Außerdem kann man hier den Bereich der Fachsprachenforschung miteinbeziehen. Welche Bedingungen sind an das Verständnis von Fachwörtern geknüpft?

Aber welche Ebenen/Kriterien gibt es noch? Daher habe ich nach einem Modell gefragt, dass mir den Rahmen für solche Ebenen vorgibt bzw. dass sagt: "Online-Hilfen bestehen aus Inhalt,Bild, Navigation etc". Diese einzelnen Ebenen/Kriterien sollen dann mit Hilfe der linguistischen Ansätze (wie bspw. oben erwähnt: Sprechakte und Inhalt) optimiert werden.

Ein weiterer Schritt wäre dann die Modalität bzw. Multimodalität der Online-Hilfen: welches Zeichensystem eignet sich gut/schlecht in einem bestimmten Zusammenhang?


LG Julian


Hallo, ich bin Linguine und seit 17.07.2012 13:26 hier angemeldet.
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18.07.2012, 14:36:22,
Beitrag #4
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe

Hallo Julian,

ich glaube, dass ich deine Ziele jetzt besser verstehe, allerdings kann ich auch kein konkretes Modell dazu liefern, deine Herangehensweise besser herauszuarbeiten.
Das Problem, das ich dabei erkenne, ist nämlich Folgendes:

(18.07.2012, 14:13:55)Linguine schrieb: Eine Ebene/ ein Kriterium ist auf jeden Fall die textuelle/inhaltliche Seite:

Damit hast du zwar Recht, ich glaube jedoch, dass diese "textuelle/inhaltliche Seite" aus linguistischer Perspektive viel zu allgemein gesehen ist bzw. alle anderen "Seiten" miteinschließt. Du befindest dich ja sozusagen damit auf der höchsten Ebene linguistischer Beschreibung und könntest lediglich auf kleinere Einheiten wie die Satzebene oder Wortebene zurückgreifen. Das wäre dann aber doch immer noch die inhaltliche Seite, oder? Damit hast du dann noch kein Modell zur Beschreibung und könntest lediglich formal beschreiben, wie ein Satz in einem schriftlichen Text aufgrund seiner Syntax vielleicht diesen oder jenen Sprechakt äußert. Wie das das Video oder ein Bild tut, kannst du damit aber nicht genauer beschreiben, oder?

Deine Ansatzpunkte zum Beispiel zur Pragmatik klingen spannend, aber ich kann mir noch nicht vorstellen, wie du die alle unter einen Hut bekommen willst. Ist dein Ausgangspunkt insgesamt ein rein linguistischer und wenn ja, wäre es dann nicht sinnvoller, eine spezifischer Herangehensweise, zum Beispiel über die Sprechakttheorie, zu wählen und die anderen Fragen außen vor zu lassen?

Oder aber: Warum nimmst du nicht die "textuelle/inhaltliche Seite" als Ausgangspunkt und fragst ganz grundsätzlich, wie du die verschiedenen Modalitäten Bedeutung erzeugt wird und der jeweilige Sprechakt erzielt wird? So müsstest du nicht auf verschiedenen Ebenen operieren, sondern könntest gezielt danach fragen, wie das geschieht, in welchem Zusammenspiel und durch welche Hinzufügen/Veränderungen/Hilfestellungen durch z.B. Videos oder Links die "Instruktion" oder die "Beschreibung" erreicht wird. Das ist im Grunde die Herangehensweise von multimodalen Analysen, die eben nicht mehr nur den schriftlichen Text als Ausgangspunkt nehmen, sondern davon ausgehen, dass jede Modalität in diesem Gesamttext irgendwie zur Bedeutungskonstruktion beiträgt. Die Frage ist eben nur, wie die Videos, Links, Bilder und Texte dies tun und was man braucht, um sie zu beschreiben. Ein häufig genutztes Mittel zur Beschreibung dieser Zusammenhänge (also der Kohärenz und Struktur dieser Gesamttexte) sind beispielsweise Diskursrelationen, die zwischen einzelnen Aussagen oder auch einzelnen Modalitäten im Text gefunden werden können.
Mit dieser Herangehensweise könntest du dann auch alle drei von dir geäußerten Fragen zusammenbringen und im Besonderen danach fragen, wie sich beispielsweise Videos zu schriftlichem Text verhalten bzw. ob sie diesen tatsächlich unterstützen können oder ganz neue Informationen bringen, etc. Das wäre dann sowohl eine semiotische als auch text- bzw. diskurstheoretische Erarbeitung.




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18.07.2012, 15:09:20,
Beitrag #5
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
Hallo neous,

danke für die Hinweise! Das bringt mich auf jeden Fall weiter!

LG Julian


Hallo, ich bin Linguine und seit 17.07.2012 13:26 hier angemeldet.
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18.07.2012, 15:49:13,
Beitrag #6
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
(17.07.2012, 15:56:26)Linguine schrieb: Hallo zusammen,

[...]

Besonders ertragreich ist dabei bis jetzt die Pragmatik (z.B. Sprechakte, Konversationsmaximen), die textlinguistische Textsortenforschung, Hypertextlinguistik sowie der Bereich Textverstehen und Textverständlichkeit.

Was mir fehlt, ist eine Art grobes Raster nach der die Arbeit strukturiert werden kann: Es wäre toll wenn ich die Gestaltungsempfehlungen entlang verschiedener Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe beschreiben könnte (in Klammern die jew. Ansätze der Linguistik):

Bildebene (z.B. Bildverstehen, Bildlinguistik)
Textebene:
Gesamttext
Absätze/Paragraphen
Sätze ( z.B. Thema-Rhema, Sprechakte, Grice)
Wörter ( z.B Terminologie, Fremdwortlexik, Metaphern)

[...]

Hallo,

neben dem Buch von Carmen Heine, das neous schon erwähnt hat, könnten auch Schreibmethoden die in der TD verwendet werden ein Modell bieten. Stichworte sind hier Funktionsdesign (linguistisch fundiert aber leider nur wenige Publikationen vorhanden) oder DITA.
Diese Methoden gliedern TechDok-Content auf topic-Ebene, wobei das Topic zur zentralen Struktureinheit wird. Topics werden funktional klassifiziert, also "Warnung", "Handlungsanleitung", "Beschreibung" etc.

Viele Grüße,
Markus

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18.07.2012, 16:28:23,
Beitrag #7
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
Hallo Markus,

guter tipp, werde ich mir anschauen!

Grüße


Hallo, ich bin Linguine und seit 17.07.2012 13:26 hier angemeldet.
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23.07.2012, 16:13:11,
Beitrag #8
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
Hi,
ich bin es nochmal. Ich möchte in meine Arbeit eine Argumentation einbeziehen, die begründet, weshalb es möglich ist die Sprechakttheorie auch auf schriftliche Texte zu beziehen. Das wird an vielen Stellen unreflektiert impliziert, z.B. in Literatur zu Schreibdidaktik.

Kennt Ihr bestimmte Literatur/Autoren die dazu etwas schreiben? Austin und Searle soweit ich weiß nicht, oder Lächel

Grüße


Hallo, ich bin Linguine und seit 17.07.2012 13:26 hier angemeldet.
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23.07.2012, 16:50:03,
Beitrag #9
RE: Beschreibungsebenen einer Online-Hilfe
So weit ich weiß ist es bei Austin eher explizit als implizit ausgenommen: wenn ich mir seine bemerkungen zum phonetischen Teilakt ansehe, wird dort sehr viel auf Schallwellen herumgeritten und nirgends erwähnt, dass es auch andere Modalitäten gibt.



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