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 » nicht erledigt Betonung vom Präfix {un-}

22.09.2015, 17:51:47
Beitrag #1
Betonung vom Präfix {un-}
Hallo,
eine kurze Frage: Gibt es eine Regel im Deutschen, wann die Vorsilbe {un-} betont ist und wann nicht? Fast immer kommt der Hauptton ja auf die erste Silbe: [ˈʊnfɛɐ̯haɪ̯ʀaːtət], [ˈʊnbəkant], [ˈʊnɡəˌnaʊ̯]. Aber dann gibt es noch [ʊnˈɡlaʊ̯plɪç] und [ʊnbəˈʃʀaɪ̯plɪç], die den Hauptton auf der Stammsilbe haben.

Und [ˈʊnmøːklɪç] (so der Duden) kenn ich aus meinem Regiolekt mit Hauptton auf der zweiten Silbe, mit der anderen Bedeutung von "unangemessen".
Und dann ist da noch [ˈʊnˌhaltbaːɐ̯], wo ich manchmal auch den Hauptton auf der zweiten Silbe höre und selbst benutze, wo die Bedeutung dann von "Haltbarkeit bei Lebensmitteln" zu "Haltbarkeit einer Aussage" wechselt.
Wie passt da "ungemein" rein, wo die Betonung entweder auf {un-} liegt oder auf {-mein-}?
Und ist es allgemeines Phänomen im Deutschen, dass sich je nach gewünschtem Fokus und Nachdruck, die Betonung ändert bei manchen? Wenn ich nämlich das Adjektiv/Adverb extra betonen will, kommt bei mir manchmal Betonung auf die Stammsilbe: "Das war ja [ʊnɛɐ̯ˈhœɛɐ̯t]!"

Kann es sein, dass bei einer Neubildung mit {un-} der Hauptton auf der ersten Silbe liegt und wenn das Wort immer mehr lemmatisiert (wie sagt man das?), also zum eigenen Lemma wird, sich der Hauptton oft auf die Stammsilbe verschiebt? Ich würde sagen, dass Wörter wie "unglaublich, unbeschreiblich, unerhört, ungemein, unmöglich" oft auch in dieser Form auftreten, ohne jemals ad hoc abgeleitet zu werden, und im Falle von "ungemein, unerhört, unmöglich" auch in der Bedeutung changieren. Ist das im letzteren Falle wirklich vielleicht so, dass sich der Hauptton verschiebt, um die Bedeutung zu changieren oder ist das ein sekundärer Prozess?
(Vielleicht ist da jetzt viel Unsinn bei, aber das kam mir gerade spontan in den Kopf.)
Vielen Dank und viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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23.09.2015, 07:00:01
Beitrag #2
RE: Betonung vom Präfix {un-}
Die Antwort hast du dir eigentlich mit deinen Beispielen bereits selbst gegeben, schau:

Zu [ˈʊnfɛɐ̯haɪ̯ʀaːtət], [ˈʊnbəkant], [ˈʊnɡəˌnaʊ̯] existiert jeweils das nicht durch un- negierte Pendant und die Betonung erfolgt daher auf dem Präfix -u.
Bei [ʊnˈɡlaʊ̯plɪç] und [ʊnbəˈʃʀaɪ̯plɪç] ist das nicht der Fall (*glaublich, *beschreiblich).

Zu [ˈʊnˌhaltbaːɐ̯] mit Hauptakzent auf der Stammsilbe kann ich nichts sagen, in der Bedeutung habe ich das wirklich noch nie gehört. Wenn bei [ˈʊnmøːklɪç] der Hauptakzent auf der Stammsilbe liegt, würde ich eher vermuten, dass hier der Hauptaktzent weiter auf dem Präfix liegt und ein Nebenakzent auf der Stammsilbe dazu kommt? Aber auch dazu müsste ich es hören. Eine Akzentverschiebung bei Bedeutungsakzentuierung (ha.) scheint jedoch nicht unwahrscheinlich, denn dann passiert nämlich das:
Zitat:Und ist es allgemeines Phänomen im Deutschen, dass sich je nach gewünschtem Fokus und Nachdruck, die Betonung ändert bei manchen? Wenn ich nämlich das Adjektiv/Adverb extra betonen will, kommt bei mir manchmal Betonung auf die Stammsilbe: "Das war ja [ʊnɛɐ̯ˈhœɛɐ̯t]!"
und wenn du dich richtig ereiferst, könntest du sogar [ˈʊnˈɛɐ̯ˈhœɛɐ̯t] äußern Zunge Besonders effektiv, wenn man bei jeder Silbe noch mit der Faust auf den Tisch klopft.


Math puns are the first sine of madness.
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23.09.2015, 09:22:21
Beitrag #3
RE: Betonung vom Präfix {un-}
Hallo, danke für die Antwort. Das klärt die Sache doch, da habe ich einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Lächel
Ich glaube, die verschiedentliche Bedeutung bei "unmöglich" und "unerhört" kommt aus dem eben von dir beschriebenen Grund: "unmöglich" im Sinne von, dass es nicht im Bereich des Möglichen liegt, hat auch die antagonistische Bedeutung "möglich" und daher den Hauptakzent auf der Vorsilbe. Bei "unmöglich" im Sinne von "unangebracht" gibt es kein Pendant *möglich im Sinne von "angebracht" und es wird wie "unglaublich" auf der Stammsilbe betont. Zumindest kenne ich es so aus meiner sprachlichen Umgebung. Das Gleiche trifft dann wohl auch auf "unerhört", *erhört zu. Obwohl ich mir hier auch gerade nicht sicher bin.* Auch bei "ungemein" könnte so Bedeutung unterschieden werden: [ˈʊnɡəˌmaɪ̯n] im Sinne von "nicht gemein" und [ˌʊnɡəˈmaɪ̯n] als Adverb im Sinne von "sehr" mit Stammbetonung da kein Pendant *gemein = *kaum. Zumindest finde ich beide Aussprachen beim DWDS.

(* Da ich erst mit 5 angefangen habe zu sprechen und deswegen ein paar kleine Sprechfehler habe, habe ich auch manchmal bei Betonung ein paar Probleme. "unhaltbar" ist auch so ein Kandidat, ich glaube ich spreche es wohl einfach falsch aus.)


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