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 » nicht erledigt Dǯutabvuŋ̄

22.07.2015, 20:32:18
Beitrag #1
Dǯutabvuŋ̄
Hallo, ich bin ein bvuŋ - Angehöriger einer fiktiven* außerirdischen humanoiden Spezies. Mein Name tut hier erst einmal noch nichts zur Sache. Ich möchte Euch hier meine Sprache vorstellen, das Dǯutabvuŋ̄. Da sich menschliche Artikulationsorgane in einigen Details von denen der bvuŋ unterscheiden, kann ich Euch hier erst einmal nur eine näherungsweise Aussprachehilfe für den Namen der Sprache geben:
<Dǯutabvuŋ̄> wird ungefähr [ɖʐu!abvuŋː] gesprochen.

Der Name unserer Sprache lässt sich wunderbar erklären und zeigt damit gleich schon ein paar Charakteristika der Sprache auf, die in den folgenden Beiträgen noch näher erläutert werden.
Zunänst einmal ist das Wort eine Art Genitivkompositum, das man mit 'Sprache der bvuŋ' oder Bvuŋsprache' 'übersetzen kann:
dǯut-a-bvuŋ̄
Sprache-REL-bvuŋ.PL
Doch das ist noch nicht alles!
dǯut lässt sich analysieren in {dǯu} 'sprach-' + {t} 'Nomen-actionis' = 'Sprache'
bvuŋ̄ lässt sich analysieren in {bvu} 'sein' + {ŋ} 'Nomen-agentis' + Pluralmarkierung (Länge des Auslauts)

Na? Interessant? Dann freut Euch auf mehr zu dieser Sprache in den kommenden tagen und Wochen.
Bitte fragt auch gerne nach, wenn Ihr etwas wissen wollt.


-----------------------------------
*) Sowohl die bvuŋ als auch deren Sprache sind entstanden im Rahmen des Seminars "Exo- und Xenolinguistik" an der Uni Münster. Das Konstruieren dieser Sprache ist ein noch andauernder Prozess, der uns Einblicke verschaffen soll in die Zusammenhänge von Sprachsystem, Gesellschaft, Geschichte, Evolution und Kultur.


ombvubimēle, ich bin ein bvuŋ!
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22.07.2015, 23:07:14
Beitrag #2
RE: Dǯutabvuŋ̄
Bevor ich Euch die Phonetik und Phonologie unserer Sprache vorstellen kann, muss ich ein wenig ausholen und Euch erklären, inwiefern unsere(.EXCL) Artikulationsorgane sich von Euren unterscheiden.

Wir sind eine humanoide Spezies, haben also im Prinzip einen Bauplan, der dem Eures Körpers ähnelt. Auch unsere organische Chemie ist weitgehend kohlenstoffbasiert und wie eigentlich überall im uns bekannten Universum ist Wasserstoff bzw. Wasser ein enorm wichtiger Bestandteil aller Lebensvorgänge. Ein fundamentaler Unterschied zu Eurer Evolution ist jedoch, dass die Wiege unserer Spezies nicht in einer Savanne sondern in einer Übergangszone zwischen Regenwald und Sumpfgebieten lag. Kurzum: wir sind das, was Ihr amphibisch nennen würdet, und leben sowohl an Land als auch im Wasser. Bevor ich jetzt mich in Details versteigere, googelt einfach mal nach "aquatic ape theory", dann bekommt Ihr eine ungefähre Vorstellung davon, was in unserer Evolutionsgeschichte passiert ist und ein paar phantasievolle Menschen für Eure Evolution postuliert haben. (neidisch?)

Was das für unsere Sprache bedeutet ist, dass unsere Artikulationsorgane anders strukturiert sind. Wir haben verschließbare Nasenlöcher, was uns Modulationen erlaubt, die Ihr nicht ohne Zuhilfenahme der Finger nachmachen könntet. Aber seid beruhigt, das nutzen wir nur parasprachlich, weil das Sprechen unter Wasser sonst ungemütlich würde. Da wir einen funktionierenden Kiemenausgang haben, der ungefähr da liegt, wo bei Euch das Rachenzäpfchen ist, hört der Raum, innerhalb dessen wir Verschlusslaute bilden können, bei uns etwas früher auf. Vereinfachend gesagt, alles was "hinter" dem weichen Gaumen liegt, nutzen wir nicht zur Artikulation. Es gab früher Gruppen, die ausschließlich an Land lebten, und die sich auch die weiter hinten gelegenen Artikulatoren erschlossen haben, aber deren Sprachen sind Exoten, so wie bei Euch z.B. die Klicksprachen.

Unsere Artikulationsstellen benenne ich hier der Einfachheit halber einmal mit Euren Termini, wozu soll ich jetzt unnötig Verwirrung stiften, indem ich unsere Fachbegriffe verwende? Wir bilden Verschlusslaute an sechs Stellen, die ungefähr den folgenden entsprechen:
  • Labial (Bilabial)
  • Dental
  • Alveolar / Postalveolar
  • Retroflex
  • Palatal
  • Velar

Grundsätzlich steht uns dieselbe Bandbreite an Artikulationsarten zur Verfügung, wie Euch auch:
  • Plosive
  • Affrikaten
  • Frikative
  • Nasale (wobei die bei uns unter Wasser mit doppeltem Verschluss gesprochen werden und die Luft durch die Kiemenöffnung entweicht; aber das ist jetzt nicht so wichtig. Ihr redet eh lieber über Wasser...)
  • Liquide
  • Klicks
Eine phonologisch relevante Unterscheidung zwischen stimmhaften und stimmlosen Lauten oder behauchten und unbehauchten Lauten machen wir nicht.

Daraus ergibt sich folgendes Konsonanteninventar:
LabialeDentaleAlveolareRetroflexePalataleVelare
Plosive b d ɖ g
Affrikaten bv ɖʐ
Frikative v ð z, ʒ ʝ ɣ
Nasale m n ɳ ɲ ŋ
Liquide r, l
Klicks ʘ ! ǂ
Phonologisch gesehen variiert /j/ zwischen [j] und [ʝ] und /k/ zwischen [ǁ] und [ǂ].
Die beiden Paare [z], [ʒ] bzw. [r], [l] unterscheiden wir mit einer Distinktion, die Ihr nicht habt: Die jeweils links stehenden Laute nennen wir trocken, die jeweils rechts stehenden nennen wir feucht.

Unsere Vokale sind im Grunde für Euch kein Problem. Wir haben fünf Kardinalvokale [i, u, ɛ, o, a], die stellungsbedingt einen relativ großen Variationsspielraum erlauben. Es ist, verglichen mit z.B. dem Englischen, wirklich schwer, einen "falschen" Vokal zu erwischen. Wer authentisch klingen will, versucht jedoch, vor allem das /a/ möglichst weit vorne zu artikulieren ([a] eben, nicht [ɑ]) und das [ɛ] sehr breit zu spreizen.

Diphthonge haben wir nicht. Treffen zwei Vokale aufeinander, könnt Ihr Euch sicher sein, dass da eine Silbengrenze ist, die öfter als nicht auch eine Morphemgrenze ist. Aus den oben erwähnten Gründen sprechen wir an so einer Stelle auch kein [ʔ].

Die Länge der Segmente ist sowohl bei Konsonanten als auch Vokalen distinktiv und wird von unseren Phonologen aus morphologischen Erwägungen als eigenes klassenloses Segment /ː/ geführt, genauso wie die drei Tonlagen normal (unbezeichnet), hoch (´) und tief (`).

Unsere minimale Silbenstruktur ist V, die maximale Silbenstruktur ist CCVCC, wobei es folgende Einschränkung gibt: die Klicks können nicht in C-Clustern stehen, dafür aber sowohl an- als auch auslautend. Im Silbenkern (V) können die Vokale stehen, die Nasale und die Liquide.

Wie das alles in einer praktischen Orthographie aussieht, zeige ich Euch beim nächsten Mal.


ombvubimēle, ich bin ein bvuŋ!
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07.08.2015, 13:06:15
Beitrag #3
89_rainbow RE: Dǯutabvuŋ̄
Achduschreck, ich habe ja die Orthographie vergessen. Eek!

/b/ = <b>
/d/ = <d>
/ɖ/ = <ď> oder <d> mit < ̌>
/g/ = <g>
/bv/ = <bv>
/ʤ/ = <dʒ> oder <dzh>
/ɖʐ/ = <dǯ> oder <dzh'>
/v/ = <v>
/ð/ = <ð> oder <dh>
/z/ = <z>
/ʒ/ = <ʒ> oder <zh>
/ʝ/ = <j>
/ɣ/ = <ɣ> oder <gh>
/m/ = <m>
/n/ = <n>
/ɲ/ = <nj>
/ɳ/ = <ň> oder <nh>
/ŋ/ = <ŋ> oder <ng>
/r/ = <r>
/l/ = <l>
/ʘ/ = <p>
/ǃ/ = <t>
/ǂ/ = <k>
/i/ = <i>
/ɛ/ = <e>
/a/ = <a>
/o/ = <o>
/u/ = <u>
/ː/ = < ̅>
/hoher Ton/ = <´>
/neutraler Ton/ = unbezeichnet
/tiefer Ton/ = <`>

Die Formen hinter "oder" sind jeweils Behelfslösungen für Systeme, die mit den Diakritika sonst Probleme haben.


ombvubimēle, ich bin ein bvuŋ!
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07.08.2015, 13:22:29
Beitrag #4
RE: Dǯutabvuŋ̄
So, die Phonologie haben wir weitgehend abgehakt. Ein paar morphophonologische Prozesse gibt es noch, aber die kriegen wir später. Jetzt geht es erst einmal in die

Morphologie

Pronomina
Personal-Relational-Reflexiv-Objekt-Demonstrativ-
1SGbivipimibvi
2SGbevepemebve
3SGbavapamabva
1PLbvī
2PLbvē
3PLbvā

Anmerkungen:
  • Alle Pronomina können frei stehen oder enklitisch an ihre Bezugswörter heran treten
  • Klusivität und Genus werden nicht ausgedrückt; Reziprozität verlangt das Reflexivpronomen in Subjekt- und Objektslot.
  • /b,v,p/ fallen bei enklitischen Formen weg, wenn sie auf einen anderen Konsonanten folgen
  • Das Suffix {-le} markiert ein Pronomen als höflich; Formen der ersten Person mit diesem Suffix findet man nur ironisch oder als Ausdruck großer Herablassung

Beispielformen:
  1. dǯútimē = {dǯút} + {i} + {mē} = SpracheVerb + 1SG + 2PL.OBJ = 'ich spreche (mit) euch'
  2. ombvubimēle = {om} + {bvu} + {bi} + {mē} + {le} = NEG + sein + 1SG + 2PL.OBJ + HÖFL = wörtlich: 'ich bin nicht Ihr'; dies ist eine höfliche Begrüßungsformel, in der man seinen Respekt gegenüber der Individualität und Identität des/der Angesprochenen ausdrückt; je nach Situation können natürlich auch 1PL und 2SG.OBJ stehen, unter Freunden und in der Familie darf das {-le} wegfallen



Aufmerksamen Beobachtern fällt auf, dass es zwei Morpheme gibt, die phonologisch basiert sind:
  • Um Plural auszudrücken wird der Auslaut eines Wortes oder Morphems verlängert. Das geht auch mit allen Konsonanten! Bei den Plosiven und Klicks wird der Verschluss länger gehalten, bevor er gelöst wird.
  • Ein hoher Ton (´) macht aus einer Basis ein Verb. Mehr dazu später im Kapitel Wortbildung.


ombvubimēle, ich bin ein bvuŋ!
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