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[Sem]: Semantik, Etymologie, Semiotik  » nicht erledigt Das Wort ''unvermeidbar''

28.11.2014, 08:46:35
Beitrag #1
Das Wort ''unvermeidbar''
Hallo Leute,

Jemand hat mal gesagt: ''wenn man Fußball spielt, dann werden unvermeidbar Muskeln aufgebaut''

Ist das wort-wörtlich genommen richtig? Der Muskelaufbau durch das Fußball Spielen ist ja nicht unvermeidbar, da man auch einfach nicht Fußball spielen könnte.
Also wort-wörtlich genommen ist der obige Satz falsch, da es in der Tat etwas gibt, womit man den Muskelaufbau vermeiden kann, indem man nicht Fußball spielt. Und das Wort ''unvermeidbar'' ist ja (wort-wörtlich genommen) in einem verschachtelten Satz wie: ''wenn man das und das tut, dann'' falsch, da unvermeidbar (wort-wörtlich genommen) alles betrifft (also alles oder gar nicht).

Natürlich benutzt man das oft, aber mich interessiert mal das Theoretische, also dass es im Grunde genommen, wenn man das Wort unvermeidbar wort-wörtlich nimmt, falsch ist, in dem obigen Satz.

Was meint ihr? (Ich hoffe ihr versteht was ich meine)


Hier könnte Kanyes Signatur stehen.
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28.11.2014, 11:20:24
Beitrag #2
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Hallo,
meinem Verständnis nach stimmt der obige Satz. Dass 'nicht Fußball gespielt wird' steht hier gar nicht zur Debatte, da im Nebensatz bereits die Bedingung aufgestellt wurde, dass eben Fußball gespielt wird. Worauf du hinaus willst, ist, dass es 'unvermeidbar' sei, Fußball zu spielen. Aber dann müsste es heißen: 'Es ist unvermeidbar, dass man Fußball spielt und dann Muskeln aufbaut.' Aber wenn man Fußball spielt (eine freie Entscheidung), dann werden unvermeidbar (da keine freie Entscheidung, ob man beim Fußballspielen Muskeln aufbaut oder nicht) Muskeln aufgebaut. Das 'unvermeidbar' bezieht sich hier darauf, dass unter der Bedingung, dass definitiv Fußball gespielt wird, es nicht vermeidbar ist, dass Muskeln aufgebaut werden. Weißt du in etwa, wie ich das meine?


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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28.11.2014, 18:21:55
Beitrag #3
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Hallo Kevin,

Vielen Dank für Deine Antwort.
Aber genau um diese Bedingung geht es mir. Also das Wort "unvermeidbar" ist wort-wörtlich genommen nicht geeignet für so eine Bedingung, da es bedeutet "egal was man macht, man kann es nicht vermeiden". Solche Bedingungen werden zwar oft verwendet, aber das wird theoretisch gesehen dem Wort "unvermeidbar" nicht gerecht. Es ist nicht mehr das selbe Wort, weil es eine Bedingung gibt. Es wäre also meiner Ansicht nach falsch, das Wort zu verwenden.
Kaum etwas in der Alltagssprache ist wort-wörtlich zu nehmen. Aber wort-wörtlich genommen ist es doch nicht falsch dieses Wort zu verwenden, wenn es eine Bedingung gibt, oder?


Hier könnte Kanyes Signatur stehen.
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28.11.2014, 20:02:33
Beitrag #4
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Ich weiß nicht genau, was du meinst. Es hat hier doch genau die Bedeutung von 'egal was man macht, man kann es nicht vermeiden'. Du kannst dich nicht entscheiden, keine Muskeln zu bilden, wenn du Fußball spielst. Der Fakt, dass Fußball gespielt wird, wird hier als gegeben vorausgesetzt durch den Bedingungssatz. Es ist keine Bedingung, die Einfluss auf das Wort 'unvermeidbar' hat, sondern soll die Ausgangssituation bestimmen, unter der eine Situation 'vermeidbar' oder 'unvermeidbar' ist. Es muss nichtmal als Bedingung formuliert sein, du kannst auch sagen: 'Beim Fußballspielen ist es unvermeidbar, dass Muskeln gebildet werden.'


"So the whole reason the French people can't really dance
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Martin Solveig ~ Heart of Africa
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28.11.2014, 21:32:39
Beitrag #5
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Ich stimme Kevin zu.

Die Ausgangsfrage hatte ich so verstanden, dass 'unvermeidbar' halt bedeuten soll, dass es immer, universell gilt, also ohne Bedingungen. Allerdings ist diese Bedeutung für mich schwer nachvollziehbar. Ein Beispiel wäre daher interessant.

Solche Konditionalsätze kann man denke ich als logische Implikationen auffassen. So betrachtet gilt, dass der Fall, dass man Fußball spielt (Antezedenz), ohne dass man Muskeln aufbaut (Konsequenz) nicht vorkommen darf. Und meiner Meinung nach ist es das, was 'unvermeidbar' macht: Es stellt diesen Bedeutungsaspekt noch einmal besonders heraus.

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28.11.2014, 23:38:53
Beitrag #6
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Zitat: Dass 'nicht Fußball gespielt wird' steht hier gar nicht zur Debatte, da im Nebensatz bereits die Bedingung aufgestellt wurde, dass eben Fußball gespielt wird. Worauf du hinaus willst, ist, dass es 'unvermeidbar' sei, Fußball zu spielen. Aber dann müsste es heißen: 'Es ist unvermeidbar, dass man Fußball spielt und dann Muskeln aufbaut.'
Ja.

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04.04.2015, 11:13:34
Beitrag #7
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Kurzbemerkung:

Kanyes Überlegung scheint mir am ehesten verständlich zu sein, wenn man ein typisches Beispiel für ein Adjektiv mit "umfassenden Skopus" heranzieht und es dann mit den Referenzbedingungen von "unvermeidbar" vergleicht.

Ein Adjektiv wie "allwissend" hat einen sehr umfassenden Skopus. Traditionell und im kulturellen Gedächtnis abrufbar: eine Eigenschaft/Fähigkeit von Gottesfiguren und entsprechenden Modellen.

Es mag so sein, dass ein Satz wie "in der Soziobiologie und ihrer Forschung ist er allwissend" mehr - vielleicht nur spielerisch - gesagt wird, als "darin weiß er alles" und insofern ein absolutes Paradigma als Referenz installiert ist. Anders ausgedrückt: Kontexte restringieren nur bis zu einem bestimmten Maß den Skopus von "allwissend".

Aber da Ausdrücke wie "bei Vorlage bestimmter Bedingungen oder bei Ausbleiben bestimmter Bedingungen ist xy unvermeidbar" eher gängig sind und keine "absolute Modellvorstellung" abrufen, dürfte das "unvermeidbar" funktional einen anderen, begrenzteren Stellenwert als "allwissend" haben.


Hallo, ich bin Willi Wamser und seit 09.04.2012 15:42 hier angemeldet.
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06.04.2015, 09:35:49
Beitrag #8
RE: Das Wort ''unvermeidbar''
Korrektur eines Satzteiles

(04.04.2015 11:13:34)Willi Wamser schrieb:  Kurzbemerkung:

Kanyes Überlegung scheint mir am ehesten verständlich zu sein, wenn man ein typisches Beispiel für ein Adjektiv mit "umfassenden Skopus" heranzieht und es dann mit den Referenzbedingungen von "unvermeidbar" vergleicht.

Ein Adjektiv wie "allwissend" hat einen sehr umfassenden Skopus. Traditionell und im kulturellen Gedächtnis abrufbar: eine Eigenschaft/Fähigkeit von Gottesfiguren und entsprechenden Modellen.

Es mag so sein, dass in einem Satz wie "in der Soziobiologie und ihrer Forschung ist er allwissend" - vielleicht nur spielerisch - MEHR gesagt wird, als "darin weiß er alles" und insofern ein absolutes Paradigma als Referenz installiert ist. Anders ausgedrückt: Kontexte restringieren nur bis zu einem bestimmten Maß den Skopus von "allwissend".

Aber da Ausdrücke wie "bei Vorlage bestimmter Bedingungen oder bei Ausbleiben bestimmter Bedingungen ist xy unvermeidbar" eher gängig sind und keine "absolute Modellvorstellung" abrufen, dürfte das "unvermeidbar" funktional einen anderen, begrenzteren Stellenwert als "allwissend" haben.


Hallo, ich bin Willi Wamser und seit 09.04.2012 15:42 hier angemeldet.
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