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 » nicht erledigt Definition "Lehrmeinung"

08.11.2013, 00:40:44
Beitrag #1
Definition "Lehrmeinung"
Hallo,
ich frage mich in letzter Zeit, wie man eigentlich objektiv Lehrmeinung definieren will. Sicher ist die Lehrmeinung eines wissenschaftlichen Bereichs nicht durch ein Werk festgehalten, noch gibt es Ausschüsse und Tagungen, die aus einer Vielzahl von Wissenschaftlern den Konsens feststellen. Dennoch ist der Begriff "Lehrmeinung" doch ziemlich oft als Floskel zu finden, vor allem in den Medien. Was denkt ihr darüber: Kann man den Begriff Lehrmeinung irgendwie näher definieren und auch objektiv festhalten? Von vielen wird der Begriff in Diskursen ja oft missbraucht, um durch eine angebliche günstige Lehrmeinung seinen Argumenten mehr Gehalt beizugeben. Daher kann ich da keinen richtigen seriösen und sachlichen Inhalt in diesem Begriff ausmachen.
Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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08.11.2013, 23:10:00
Beitrag #2
RE: Definition "Lehrmeinung"
Ich wäre grundsätzlich misstrauisch, wenn mir jemand etwas als "die Lehrmeinung" verkauft. Das ist allenfalls in den dogmatisch gebundenen Fächern so, die damit dann ihr Recht verlieren, sich "Wissenschaft" zu nennen. Selbst Dinge wie Evolution oder Gravitation sind letztendlich "nur" Theorien die von sehr großen Mehrheiten der Fachwelt für das nach derzeitigem Stand der Dinge Plausibelste gehalten werden.

In den Geisteswissenschaften herrscht ja ein ganz anderer Spielraum. Es liegt bei vielen der Themen in der jeweiligen Natur der Sachen, dass man sie nicht exakt vermessen kann. Und überall, wo Interpretation möglich ist, gibt es auch das Potential, die Sachverhalte auf mehr als eine Weise zu interpretieren. Mitunter gibt es da sehr klare Mehrheiten, aber so wirklich unabänderliche und unumstrittene Lehrmeinungen gibt es da eigenrlich nicht. Ich "verkaufe" in meinem grundkurs Linguistik auch viele Informationen, an dnen hinten unterschiedlich große "Aber" dranhängen.

Weil ich's gerade abgehandelt habe ein Beispiel aus der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft. Es gibt einen relativ großen Konsens darüber, dass es eine Indo-Europäische Sprachfamilie gibt. Über deren genauen Stammbaum und den Status einiger Trümmersprachen herrscht schon gößerer Dissens. Über eventuelle Zusammenhänge jenseits dieser Familie (ich sage nur: Eurasiatisch oder Nostratisch) wird schon so herzhaft gestritten, dass man als "Lehrmeinung" bestenfalls anführen darf, dass hierüber eben gestritten wird. Wissen, wirklich mit naturwissenschaftlicher Sicherheit wissen können wir viele dieser Zusammenhänge nicht, so lange wir nicht irgendeine Form der Zeitreise zur Verfügung haben. Bis dahin reicht ja, ähnlich wie in manchen Bereichen der Paläontologie, schon ein einziger Zufalls(be)fund, um ganze Theoriegebäude und Weltbilder nachhaltig zu ershüttern. Insofern sollte jede noch so sicher geglaubte Meinung mi einer gesunden Distanz betrahtet werden.

Dem klassischen Geisteswissenschaftler sagt man ja das kritische Denken, das Hinterfragen und das Die-Dinge-Von-Mehreren-Seiten-Sehen als Tugenden nach. Von da her haben Lahrmeinungen bei unsereins einen etwas schwereren Stand.

Es mag immer Kollegen geben, die ihre Sicht der Dinge für die einzig richtige und/oder einzig erwähnenswerte Meinung halten und dies auch ihren Studenten oder der Presse gegenüber so verkaufen. Ja, es gibt sicher auch in beiden Zuhörerkreisen viele, die lieber eine Interpretation serviert bekommen wollen, als sich mit der Abwägung verschiedener Meinungen zu befassen.

Fazit: Wenn ich von Lehrmeinung(en) rede, dann nahezu ausschließlich mit unbestimmten Artikeln und/oder Qualifikationen wie gängige, weit verbreitete usw.


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09.11.2013, 18:06:55
Beitrag #3
RE: Definition "Lehrmeinung"
Ich mag den Begriff überhaupt nicht und bilde mir ein, dass er auch überwiegend negativ besetzt ist. Ich nutze ihn nicht und habe auch den Eindruck, dass er im wissenschaftsinternen Diskurs nicht verwendet wird. Erinnert mich etwas an Schulmedizin. Auch ein Begriff der aus den Kreisen, die davon benannt werden, nicht verwendet wird, sondern eigentlich von außerhalb kommt.

Edit: also ich würde mich hüten, da eine Definition liefern zu wollen, die *nicht* die negative Konnotation beinhaltet. Als Fachbegriff, der eine Definition erfordern würde, sehe ich ihn nicht (weshalb fraglich ist, ob man ihn definieren *muss*).

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