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[Phil]: Sprachphilosophie, Logik  » nicht erledigt Definition "niedriges Niveau"

25.04.2014, 19:06:58
Beitrag #1
Definition "niedriges Niveau"
Fall:
In einer Diskussion zur Definition des Wortes Serie fiel folgender Satz des Gesprächpartners a:
"Ich muss es dir auf einem niedrigen Niveau beibringen".

Gesprächspartner B definiert dies als Beleidigung und verneinte eine positive Verwendungsmöglichkeit des Satzes. Und erachtete den Satz als nicht zielführend, so wie kontraporduktive.
Gesprächspartner A, bezeichnete den Satz als Füllsatz (Übergang) und als nicht zwangsläufig beleidigend und stellte die Bedeutung des Satz (in diesem Zusammenhang) als vergleichbar zu Sätzen wie "Fangen wir unten an und gehen dann nach oben", sowie mit "Nehmen wir eine einfacherer Erklärung" dar.

Frage: Inwiefern kann nun der Satz "Ich muss es dir auf einem niedrigen Niveau beibringen", unter gängiger Definition, als nicht beleidigend, bzw. beleidigend erfasst werden? Und wie wird allgemein dieser Satz aufgefasst?
Insofern die Definition des Gesprächspartners A oder B als nicht gängig bezeichnet wird, inwiefern kann diese dann dennoch allgemein anerkannt (neben der allgemeiner Definition), oder als korrekt bezeichnet werden?

Vielen Dank für die Antworten (auf am liebsten alle Fragen).

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01.05.2014, 23:11:15
Beitrag #2
RE: Definition "niedriges Niveau"
Ich glaube, eine kontextfreie Interpretation bringt uns hier nicht weiter. Der Satz ist – für sich genommen – vielleicht nicht beleidigend, da ausdrücklich nur gesagt wird, dass man etwas auf einem bestimmten Niveau erklären muss. Das ist an und für sich vielleicht wertfrei.
Das ist aber nicht relevant.
Die Gesprächssituation kann man nicht außer Acht lassen. Wer spricht mit wem? Was ist vielleicht vorher schon gesagt worden, das zu einer bestimmten INterpretation dieses Satzes führen könnte?
Selbst die Intention des Sprechers ist letztlich zweitrangig. Ob A nun beleidigen wollte oder nicht macht nämlich keinen Unterschied mehr, wenn B sich durch die Äußerung beleidigt, d.h. in seiner Ehre gekränkt, fühlt. Das sieht übrigens auch das Strafrecht so: Beleidigung ist, was vom Beleidigten als Beleidigung aufgefasst wird.


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28.09.2014, 11:47:49
Beitrag #3
RE: Definition "niedriges Niveau"
Ich wage mal eine Antwort auf diesen Beitrag, obwohl ich mich erst im 2. Semester (jetzt bald im 3.) befinde.

Ich kenne die von dir oder Ihnen (duzt man sich in diesem Forum oder siezt man sich?) genannte Aussage natürlich auch in mehr oder weniger exakter Form (sie wird häufig anders ausgedrückt, sinngemäß bleibt sie aber relativ gleich).

Zu deinen Fragen:

Ich beantworte mal zuerst Frage 2: Der Satz wird allgemein als beleidigend aufgefasst, da implikiert wird (und selbst, sollte dies gar nicht vom Äußernden beabsichtigt sein, wird es implkiert), dass Person B kognitiv nicht zu größeren gedanklichen Leistungen in der Lage ist oder dass Person zumindest den Sachverhalt nicht verstanden hat, Person A aber eigentlich erwartete, dass Person B den Sachverhalt schon auf dem höheren Niveau hätte verstehen müssen.

In jedem Fall wird also eine kognitive Geringschätzung des Gegenübers vorgenommen und diese gemäß der herkömmlichen Kommunikationsnormen, in diesem Fall: Man sagt niemandem ins Gesicht, dass er zu dumm ist, außer man will ihn beleidigen, vermittelt.

Deine erste Frage finde ich schwieriger zu beantworten. Ich nehme an, du verstehst unter gängiger Definition auch den kommunikativen Beiklang des Satzes und nicht nur den reinen semantischen Wortsinn? Habe ich deine Definition richtig aufgefasst, würde ich sagen: Man kann es in keinem Fall (mit ein paar Ausnahmen) als nicht beleidigend auffassen. Ausnahmen wären eben: große Vertrautheit der Personen, eine von der Norm abweichende Kommunikationsweise, deren Regeln und Normaußerkraftsetzungen meistens zuvor schon in der Beziehung definiert wurden, andere Möglichkeiten, die mir nicht einfallen.

Zu deiner 3. Frage: Deine Frage lautet ja im Grunde: Wie kann etwas, das nicht gängig ist, allgemein anerkannt sein? - Eigentlich nur dadurch, dass über den Äußernden (also Person A) bekannt ist, dass er Implikaturen nicht im gängigen Sinne verwendet.

"Das sieht übrigens auch das Strafrecht so: Beleidigung ist, was vom Beleidigten als Beleidigung aufgefasst wird."

Mal rein logisch gefragt:
A ist was B als A auffasst. Wobei A nur vorhanden ist, wenn B vorhanden ist. A ist aber die Voraussetzung für B, denn ohne Beleidigung kein Beleidigter. Sehe ich das richtig? Also, was sich sagen will: Setzen sich A und B nicht gegenseitig voraus, wodurch die Existenz beider unmöglich wird?


Alpun
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