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 » nicht erledigt Der Sinn von indirekten Anaphern?

19.04.2013, 22:16:54
Beitrag #1
Der Sinn von indirekten Anaphern?
Hallo,

ich würde folgendes verstehen wollen:

Welchen Sinn haben indirekte Anaphern? Also, was hat der Rezipient davon, wenn er die indirekten Anaphern im Text identifizieren kann?

Nehmen wir ein Beispielsatz: Die Vorlesung war amüsant. Der Dozent war sehr detailorientiert.

Dozent wäre die indirekte Anapher, welche sich auf den Anker Ausdruck Vorlesung bezieht.


Was hat der Rezipient nun davon, wenn er die indirekte Anapher erkannt hat?
Was nützt ihm das?



Gruß


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19.04.2013, 22:34:50
Beitrag #2
RE: Der Sinn von indirekten Anaphern?
Uff - was meinst du denn damit, was es dem Rezipienten "nützt", die indirekte Anapher "erkannt zu haben"? Man könnte was dazu sagen, warum er sie erkennt, aber das ist nicht das, was du meinst, oder?

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20.04.2013, 17:19:26
Beitrag #3
RE: Der Sinn von indirekten Anaphern?
(19.04.2013 22:16:54)FlorianAir schrieb:  Welchen Sinn haben indirekte Anaphern? Also, was hat der Rezipient davon, wenn er die indirekten Anaphern im Text identifizieren kann?
Ich würde mal eher fragen: Was hat der Text davon, dass das mit der Identifikation indirekter/assoziativer Anaphern funktioniert?

Ich würde sagen: Der Text gewinnt an Kohärenz, vermeidet dabei wie mit Pronomen Redundanzen und liefert dabei auch noch Zusatzinformationen.

Ich kann z.B. eine Person im nächsten Satz auch wieder aufnehmen, indem ich sie einfach als Einwohner einer bestimmten Stadt mit dem bestimmten Artikel bezeichne (der Leimener, die Brühlerin, der Kerpener).

Dabei ist es noch nicht einmal erforderlich, dass ich bereits weiß, dass Boris Becker in Leimen wohnt(e), Steffi Graf in Brühl und Michael Schumacher in Kerpen.

Sportreporter nehmen der Variation wegen gerne solche an sich überflüssigen Zusatzinformationen als assoziative Anaphern.

Was den Bezug zwischen Antezedens und Anapher herstellt, ist hier meines Erachtens die Verwendung des bestimmten Artikels bei der nominalen Pro-Form. Dieser wäre regelwidrig, wenn nicht zuvor -zumindest indirekt- von diesem Nomen die Rede gewesen wäre:

Eine Jacke (frz. veste) hat z.B. Ärmel (frz. manches). Also kann man nach Erwähnung des Wortes Jacke auch von den Ärmeln sprechen.

Mir ist da aus meinem Studium der Name Kalverkämper in Erinnerung geblieben.

http://books.google.de/books?id=BUpip55x...22&f=false


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20.04.2013, 19:32:04
Beitrag #4
RE: Der Sinn von indirekten Anaphern?
Zitat:Ich würde sagen: Der Text gewinnt an Kohärenz,

Dass der Text an Kohärenz gewinnt stimmt schon, wobei letzten Endes es vom Rezipienten abhängt, ob er einen Text als kohärent bewertet, wenn es für ihn plausibel genug ist.

Nach Überlegungen macht meine Frage wohl doch keinen Sinn, genau so könnte man Fragen, was hat der Leser davon, wenn er das Perfekt in einem Satz erkennen kann.


Allerdings würde ich gern bei indirekten Anaphern bleiben.

Wie weit kann sich eine indirekte Anapher auf einen Anker Ausdrück beziehen?
Gibt es eine Grenze? ist es möglich, dass sich eine indirekte Anapher im 10. Satz eines Textes auf ein Wort im ersten Satz beziehen kann? Oder sogar auf mehrere Sätze?


Und eine andere Frage:


"Sie gingen nach Bremen. Am Stand hatten sie viel gefiert."

Allen ist klar, dass es in Bremen keinen Strand gibt.
Wenn es aber nun jemanden gibt, der sich denkt, dass es wohl so stimmen wird, dann ist für diesen Rezipienten der "Strand" die indirekte Anapher und der Anker-Ausdruck "Bremen".

Gilt das dann auch für uns? Wir wissen, dass es in Bremen keinen Strand gibt, der Strand kann sich nicht auf Bremen beziehen, insofern gibt es keine indirekte Anaphern, oder?

Falls meine Überlegungen stimmen sollten, dann sind indirekte Anaphern eine Konstruktion dessen, was sich der Rezipient selber erschafft?


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20.04.2013, 19:58:43
Beitrag #5
RE: Der Sinn von indirekten Anaphern?
(20.04.2013 19:32:04)FlorianAir schrieb:  Wie weit kann sich eine indirekte Anapher auf einen Anker Ausdrück beziehen?
Gibt es eine Grenze? ist es möglich, dass sich eine indirekte Anapher im 10. Satz eines Textes auf ein Wort im ersten Satz beziehen kann? Oder sogar auf mehrere Sätze?
Ne, da ist die Grenze bestimmt spätestens nach drei Sätzen erreicht, würde ich vermuten.

(20.04.2013 19:32:04)FlorianAir schrieb:  Allen ist klar, dass es in Bremen keinen Strand gibt.
Wenn es aber nun jemanden gibt, der sich denkt, dass es wohl so stimmen wird, dann ist für diesen Rezipienten der "Strand" die indirekte Anapher und der Anker-Ausdruck "Bremen".

Gilt das dann auch für uns? Wir wissen, dass es in Bremen keinen Strand gibt, der Strand kann sich nicht auf Bremen beziehen, insofern gibt es keine indirekte Anaphern, oder?
Also ich würde als jemand, der sich in der bremischen Topografie nicht so auskennt, zuerst einmal vermuten, dass es wohl doch irgendeinen Strand in Bremen geben muss, denn ansonsten wäre ja die Verwendung des bestimmten Artikels bei Strand (versteckt im Portemanteau am) falsch. Zuerst würde ich es also auf meine mangelnde Sachkenntnis schieben, bevor ich sagen würde: "Apfeltorte ohne Gräten? - Der spinnt ja komplett, Apfeltorte hat doch nie irgendwelche Gräten!"

http://www.youtube.com/watch?v=emO4oniForQ#t=1m40s

Allerdings würde ich beim Thema "Am Strand von Bremen" auch gleich denken: Muss man den kennen?

*********
Nachtrag (20.04.2013):
Wo wir gerade von Hansestädten sprechen: Die werden ja auch gerne immer wieder als assoziative Anaphern variiert im Text wieder aufgenommen. In einem Satz also Bremen, Hamburg, Lübeck, Rostock oder Wismar; im nächsten Satz dann: die Hansestadt. Selbst bei Köln würde das (auch heute noch) funktionieren, obwohl die meisten nicht von vornherein wissen dürften, dass Köln tatsächlich mal der Hanse angehörte und es erst bei dieser Gelegenheit lernen würden. Bei Wittenberg kann man im nächsten Satz von der Lutherstadt sprechen und auch das würde bei einigen deutschen Städten funktionieren, auch wenn man diese Liste nicht vorher kennt.

Ob allerdings etwa die Bezeichnung Bundesstadt bei gleichzeitiger Erwähnung mehrerer x-beliebiger deutscher Städte in einem Text eindeutig zur Referenzierung Bonns taugen würde, darf bezweifelt werden.

Den abgedroschensten Spitzenreiter in dieser Reihe assoziativer Stadt-Anaphern bildet aber Frankfurt, die "Mainmetropole" oder sollte ich schreiben Main-"Metropole"? Dabei hat der einzige Mainmetropolit seinen Sitz als Vorsteher einer Kirchenprovinz auch noch in Bamberg und nicht in Frankfurt!
http://de.wikipedia.org/wiki/Bist%C3%BCm...eutschland


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