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 » Erledigt: 28.12.2012, 23:40:16 28.12.2012, 23:40:16Enklitische Artikel hinten am Nomen

29.06.2011, 19:35:50,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.06.2011, 19:45:34 von Kevin
Beitrag #1
Enklitische Artikel hinten am Nomen
Moin moin. Ich habe mich schon immer gefragt und nichts dazu gefunden, wie es dazu kam, dass in manchen Sprachen Artikel am Ende eines Nomens generiert werden, obwohl die Vorläufer es wohl vor dem Nomen generierten. So sind die skandinavischen Sprachen in vielen Kontexten solcher Natur und auch das Rumänische generiert den Artikel hinten. Wie waren die Vorgänge, dass es dazu kam, gab es andere Zwischenstufen?
LG
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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29.06.2011, 19:50:32,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.06.2011, 19:54:37 von thf
Beitrag #2
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Die Quelle des nordgermanischen Artikels ist so weit ich weiß ein ehemaliges Demonstrativpronomen.

Das ist ja auch noch recht transparent, wie du in dem Betrag zum Adjektiv anhand des schwedischen Beispiels selbst zeigtest.

Der Artikel 1. Sg. M. NOm im Isländischen etwa ist 'hinn', das Konstruktions/Registerabhängig ist; bei Affigierung verschwindet das /h/.



Ich denke, dass das auch übereinzelsprachlich ein guter Kandidat sein könnte, und wenn ich mich nicht vertue gilt das für Artikel insgesamt.

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29.06.2011, 20:02:30,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.06.2011, 20:15:57 von thf
Beitrag #3
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Noch als Ergänzung:
Braunmüller (2007) schreibt für's Schwedische dazu:
"Historisch gesehen war es so, daß ein nachgestelltes Demonstrativum, altskand. (h)in(n), (h)it, in einer bestimmten Verwendungsweise jegliche Betonung verlor. Dann fielen die Wortgrenzen und Junkturen zwischen den Substantiven und diesen nachgestellten Demonstrativa, was schließlich zu einer Vereinigung, einer Univerbierung führte. Das Ergebnis war eine Art Flexion." Braunmüller (2007: 55)

Braunmüller, Kurt. 2007³. Die skandinavischen Sprachen im Überblick.. Tübingen: Francke.

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29.06.2011, 20:03:36,
Beitrag #4
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Ja, zumindest im Skandinavischen sind die postpositionellen Artikel aus Demonstrativa entstanden. Faarlund (1994:50) sagt dazu folgendes:
Zitat:The origin of the definite article in Scandinavian is the demonstrative hin, originally 'that one over there' or 'the other'. Since this particular root ends in n, the assimilations of r to n apply: sg. nom. m. hinn, dat. f. hinni. The n of the root assimilates to the neuter ending f, whereupon tt is shortened (probably due to unstressed position): hit.
The definite article has a form without an initial h which is cliticized to the noun. This results in a definite form of the noun consisting of a nominal root + nominal case ending + in + adjectival case ending, as in hest-s-in-s 'the horse's'. In the cliticization process the i of the article is lost if the noun ends in an unstressed vowel (saga-n 'the story') or in the plural r (sogur-nar 'the stories'). In the dative plural -um-inum is generally shortened to unum (hestunum).

(Quelle: Faarlund, J. T. (1994). Old and Middle Scandinavic. In König, E. und van der Auwera, J., Hrsg., The Germanic Languages, Kapitel 3, S. 38–71. Routledge, London.)

Wie das in anderen Sprachen ist, weiß ich nicht. Ich tue mich immer schwer, von Entwicklungen im Germanischen auf generelle Tendenzen zu schließen. Die Germanischen Sprachen (und die europäischen im Allgemeinen) sind dazu einfach zu exotisch. Dazu gibt es auch einen netten Artikel von Michael Cysouw.

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29.06.2011, 20:34:21,
Beitrag #5
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Der Cysouw-Artikel ist inzwischen übrigens auch publiziert:
Cysouw, Michael. 2011. Quantitative explorations of the world-wide distribution of rare characteristics, or: the exceptionality of northwestern European languages. In: Horst Simon & Heike Wiese (Eds.): Expecting the Unexpected. Berlin: De Gruyter Mouton. 411-431. URL: http://www.reference-global.com/doi/abs/...219098.411



Zurück zu den Artikeln und der Wortstellung: auch am Althochdeutschen kann man noch sehen, dass die Wortstellung in den alten Germania schlichtweg flexibler war. Attributive Adjektive, Demonstrativ- und Possesivpronomina konnten ihrem Bezugsnomen auch folgen. Bekannt ist das bis heute erhaltene Relikt in der berühmten Formel Vater unser....




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30.06.2011, 00:58:06,
Beitrag #6
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Also, dass die Wörter mit der Zeit heranklitisieren, war mir schon irgendwie klar. Ich war nur so verdutzt darüber, dass die Artikel zumeist vor dem Nomen stehen und dort nun hinter dem Nomen und gleichzeitig alle Variationen, die es hinter dem Wort haben, mit diesem auch verschmolzen sind. Gibt es germanische Fälle, wo ein Artikel postnominal ist, aber nicht klitisiert? Gibt es Beispiele, wo Artikel pränonimal klitisieren? Ist es nicht in manchen deutschen Variationen so?
Also war damals die Wortstellung so frei, dass es auch grammatikalisch normal war, Adjektive und Artikel hinter das Wort zu stellen? Aus dem Gotischen kenne ich das halt, dass Adjektive und Possessivpronomina meist hinter dem Nomen generiert werden. Ist das quasi ein Relikt dessen, dass ursprünglich eine generelle postnominale Generierung von nominalmodifizierenden Wörtern gegeben war?


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30.06.2011, 10:27:51,
Beitrag #7
RE: Enklitische Artikel hinten am Nomen
Ich hab's versucht, es zu unterdrücken, aber der Terminologiefetischist in mir gibt keine Ruhe.
Zitat:Enklitische Artikel hinten am Nomen
Das ist eine Tautologie Teach Enklitika treten immer "hinten" an. Träten sie "vorne" an, wären es Proklitika.


(30.06.2011, 00:58:06)Kevin schrieb: eine generelle postnominale Generierung von nominalmodifizierenden Wörtern
Nicht generell, sondern als eine von mehreren (naja, zwei) Möglichkeiten.


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