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 » nicht erledigt Esperanto
▶ gute oder schlechte Sprache?

21.02.2013, 01:45:25
Beitrag #1
Esperanto
Hallo Lächel

Wisst ihr zufällig, ob mit Esperanto schon irgendwelche Erfahrungen gemacht wurden? Ist das eine gute, schlechte, komplizierte, geliebte, gehasste ... Sprache?

Woran liegt es, dass Esperanto noch keine Weltsprache ist?


Hallo, ich bin fbecker und seit 17.02.2013 00:20 hier angemeldet.
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21.02.2013, 10:19:10
Beitrag #2
RE: Esperanto
Ich bin mir sicher, dass hierzu einige Leute eine sehr deutliche Meinung haben, nicht zuletzt @Vortarulo.
Hast Du schon mal die Forensuche bemüht? Der Name Esperanto taucht ja häufiger auf hier.


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21.02.2013, 10:22:56
Beitrag #3
RE: Esperanto
Zitat: Ist das eine gute, schlechte, komplizierte, geliebte, gehasste ... Sprache?
Ich schätze, da müsstest du präzisieren, was "gut" und "schlecht" heißen sollen. Ebenso lässt sich objektiv nicht sagen, dass eine Sprache kompliziert ist. Finnisch ist für Deutsche kompliziert, weil sie komplett anders ist. Für Esten ist sie in etwa so leicht wie für uns das Niederländische. Chinesen würden also Esperanto kompliziert finden, weil es sich von ihrer Sprachstruktur ziemlich unterscheidet. Geliebt wird die Sprache wohl von denen, die sie freiwillig lernen und gehasst von denen, die sie lernen müssen.
Sie ist keine Weltsprache, weil es Plansprachen weitaus schwerer haben, Verbreitung zu finden, weil sie bei Null anfangen und keine natürlichen Sprachen sind. Esperanto ist zwar so weit, dass es als Plansprache die meisten Sprecher hat und sogar einige Muttersprachler hat. Dennoch liegt der Fokus zu sehr auf Europa und würde wenn dann eher nur hier Anwendung finden. Aber wie gesagt, von den meisten werden natürliche Sprachen bevorzugt, und da zeigt sich bisher das Englische als engster Kandidat einer Weltsprache, was es inoffiziell quasi schon ist.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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21.02.2013, 12:16:03
Beitrag #4
RE: Esperanto
Zitat:Ich schätze, da müsstest du präzisieren, was "gut" und "schlecht" heißen sollen.
Hat sich schon mal irgendwer die Mühe gemacht, Sprachen zu bewerten? Falls ja, würde mich das Ergebnis interessieren.


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21.02.2013, 12:45:23
Beitrag #5
RE: Esperanto
Provokante, aber auch schon ziemlich ausgelutschte Frage: Was soll denn da bewertet werden? Kevin hat sich oben ja auf Schwierigkeitsgrad bezogen, der, wie er ja sehr gut beschreibt, von so vielen Faktoren abhängig (ergo: sinnfrei) ist. Oder Funktion? Dann ist Esperanto streitbarerweise unnötig, weil es schlicht nicht von genügend Leuten gesprochen wird, um ernsthaft eine Lingua Franca zu sein. Klang? Jaja, das ist auch so ein seltsames (und höchst subjektives) Kriterium, was viele Leute anbringen (und meist immer ihre eigene Sprache am besten 'bewerten').

Also: solche 'Bewertungen' hat bestimmt mal jemand versucht, sie entbehren aber jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

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21.02.2013, 12:58:26
Beitrag #6
RE: Esperanto
(21.02.2013 12:16:03)fbecker schrieb:  Hat sich schon mal irgendwer die Mühe gemacht, Sprachen zu bewerten? Falls ja, würde mich das Ergebnis interessieren.

Die Sprachwissenschaft hütet sich eigentlich heutzutage vor Wertungen und Bewertungen. Das sind ja auch zutiefst subjektive, nicht quantifizierbare und mitunter chauvinistische Aussagen, wenn man Sprachen unterschiedlichen Wert, unterschiedliche Grade an Schönheit u.ä. beimisst. Insofern wird das als unwissenschaftlich angesehen und gerne der Laienwelt überlassen. Zwinker
Das "heutzutage" im vorletzten Satz deutet es an — dem war nicht immer so. In der Sprachwissenschaft des 18./19, Jahrhunderts ist Wertung sehr prominent. Da wurden z.B. verschiedene Sprachbautypen als unterschiedlich "vollkommen" bewertet.


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21.02.2013, 16:41:54
Beitrag #7
RE: Esperanto
Die Mathematik brüsket sich damit, mit der Algebra eine klare, unmisverständliche Sprache zu haben. Gerne weisen Professoren darauf hin, wie unklar so manche Aussagen - spezielle von Politikern - sind. Also sollte das schon mal ein Qualitätskriterium darstellen können. Wie viel Aufwand muss man in einer Sprache betreiben, um eine Sachlage unmissverständlich formulieren zu können.

Als weiteres Qualitätsmerkmal könnte ich mir die Aussprache vorstellen. Ich persönlich kann dieses th in der englischen Sprache nicht leiden, ich tu mir einfach schwer, das richtig hinzubekommen. Einige Asiaten sollten ein Problem mit dem r haben. Also scheinbar gibt es Laute, die auf dieser Welt einigen Leuten sehr unbequem ist.

Und natürlich wäre ein weiteres Qualitätsmerkmal, wie leicht man die Sprache erlernen kann.

Ehrlich gesagt, wundert mich das, dass noch niemand versucht hat, Qualitätsmerkmale zusammenzustellen und die Sprachen dann dementsprechend zu bewerten. Wird man von Islamisten geköpft, wenn man es wagt, an deren Sprachen Mängel zu finden?

EDIT:

Zitat:Das "heutzutage" im vorletzten Satz deutet es an — dem war nicht immer so. In der Sprachwissenschaft des 18./19, Jahrhunderts ist Wertung sehr prominent. Da wurden z.B. verschiedene Sprachbautypen als unterschiedlich "vollkommen" bewertet.
Ah, ok, habe ich erst jetzt gelesen Lächel

Also mich würde das freuen, wenn irgendwer dieses Thema weiterverfolgt hätte. Schließlich hat sich in der Zwischenzeit schon wieder einiges getan.


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21.02.2013, 16:56:37
Beitrag #8
RE: Esperanto
Das ist so, als ob Du einen Chemiker fragst, welches Element "besser" sei oder einen Biologen fragst, ob Pflanzen oder Tiere wertvoller seien. Das kann man fast nicht beantworten, ohne unwissenschaftlich zu werden.

Die Idee, dass eine Sprache "logischer" oder "klarer" sein müsse als andere (oder als sie selbst gerade ist), ist so ein Denkfehler aus dem vorvergangenen Jahrhundert, der sich – interessanterweise mit all seinen riesigen Nebenwirkungen – in so Sprachen wie Vulkanisch oder Ithkuil niederschlägt. Andersherum gefragt: Kannst Du einen Sonnenuntergang in Algebra beschreiben? Einen Liebesbrief? Was sagt das über die "Qualität" von Algebra aus? Nüscht.


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22.02.2013, 04:33:14
Beitrag #9
RE: Esperanto
Hallo,
Ich bin etwas spät dazugestoßen. Ich bin tatsächlich fließender Sprecher vom Esperanto (freiwillig). Aber eigentlich ist alles wichtige schon gesagt worden. Sprachen kann man nicht objektiv bewerten, vor allem nicht deren Erlernbarkeit in Bezug auf die Welt. Ja, man kann durchaus sagen, dass Esperanto für die meisten Europäer einfacher zu erlernen ist als Ungarisch oder Russisch oder Chinesisch (oder Französisch oder Englisch), doch wie Janwo schon andeutete, sind eng verwandte Sprachen für einsprachige Sprecher doch oft *noch* leichter. Und für Asiaten ist Esperanto ebenso schwierig wie Englisch oder Spanisch, beispielsweise. Die meisten euroäischen Esperantosprecher, die ich kenne, haben die Sprache schnell gelernt und sprechen sie auch sehr gut, während viele Chinesen, die ich Esperanto hab sprechen hören, etwas schwer zu verstehen sind und auch nicht immer grammatikalisch korrekte Sätze bilden — genau wie im Englischen.

Ob Esperanto schwer oder leicht ist, hängt von so vielen Faktoren ab... Muttersprache, andere bekannte Sprachen, Einstellung, Abstraktionsvermögen, Möglichkeit an Material oder andere Sprecher zu kommen... es ist schon schwer, das für einzelne Personen zu beantworten, für eine Nation ist es noch schwerer, für die Welt ist eine allgemeine Aussage m.M.n. nicht möglich.

Ich denke, dass es allerdings doch einige Faktoren gibt, die objektiv vergleichbar bzw. objektiv für oder gegen die Leichtigkeit einer Sprache sprechen. Das ist zum einen im Fall der Aussprache die Vermeidung von (statistisch) seltenen Lauten. Für eine geplante Weltsprache sollte man Klicklaute, Ejektive oder Implosive vermeiden, sondern sich auf die verbreitetsten Laute beschränken. Das gilt auch für die Silbenstruktur. In letzterem ist Esperanto im globalen Vergleich wirklich nicht ideal, da es Wörter wie scii, strangajn oder kvar gibt, die für uns Europäer nicht schwer, für Asiaten beispielweise dafür umso umständlicher sind.
Eine zweite Sache ist die Regelmäßigkeit einer Sprache. Linguistisch ausgedrückt: wie viele Paradigmen muss man lernen, um alle Formen aller Wörter bilden zu können; wie viel morphophonologische Regeln muss ich beachten, damit ich alle Endungen korrekt ausspreche. Also Flexionsklassen, phonologische Prozesse zwischen Morphemen, Allomorphie und Allophonie, unvorhersehbare Veränderungen im Wortstamm (Umlaut) oder in suprasegmentalen Eigenschaften (Vokallänge oder Akzentverschiebung) — diese Dinge gibt es im Esperanto tatsächlich nicht. Trotzdem bleibt es syntaktisch gesehen sehr eurozentrisch.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Esperanto als konstruierte Sprache eben kaum Phraseologismen und Redewendungen kennt, die undurchsichtig sind, also Sprichwörter die mehr bedeuten als die Summe ihrer Teile, oder Wendungen, die etwas ganz anderes bedeuten, das schließt auch "phrasal verbs" wie im Englischen oder Deutschen ein. Im Esperanto werden solche Sachen vermieden, da sie eben kulturabhängig und von Sprache zu Sprache verschieden sind.

Esperanto hat also gewisse Vorteile, die das Erlernen erleichtern — auch objektiv. Allerdings gilt ähnliches auch für isolierende Sprachen. Während man für die Konjugation von Verben im Esperanto nur eine Handvoll Suffixe lernen muss (in 1 Minute hat man sich diese gemerkt, Ausnahmen gibt es keine), braucht man für einige Sprachen wie Chinesisch, Thai o.ä. gar keine Suffixe zu lernen (0 Minuten, 0 Ausnahmen).
Also ich denke, solche Dinge sind in der Tat objektiv vergleichbar. Anzahl der Paradigmen für Verben und Nomen, Anzahl der morphophonologischen Regeln, Anzahl der Tempora/Aspekte/Kasus usw., Vorhersagbarkeit des Hauptakzents, Genera usw.; Umfang der Allomorphie... diese Dinge kann man vergleichen, aber ob sie dann die "Leichtigkeit" der Sprache darstellen, ist eine andere Frage.

Und warum Esperanto nicht längst die Weltsprache geworden ist? Ganz einfach, weil die meisten Menschen es ablehnen, einen Kunstsprache zu lernen, vor allem wenn sie nur wenige Sprecher hat. Und an zweiter Stelle, weil sich eben keine Nation dahinter verbirgt, die irendwie wirtschaftlichen Vorteil brächte oder in die man man vereisen könnte (obwohl letzteres kaum mehr ein Argument sein kann bei den heutigen Angeboten an Aktivitäten). Da sich das alles auch kaum ändern wird, bleibt "Esperanto als weit verbreitete Weltsprache" für lange Zeit eine Utopie. Alle Esperantisten, die das anders sehen, sind in meinen Augen Träumer. Ob ich das auch mal war, vor 10 Jahren, weiß ich nicht mehr... aber ich versuche, das realistischer zu sehen. Ich sehe Esperanto lieber losgelöst von der "Weltsprache"-Idee. Ob es sich mal als Weltsprache "durchsetzt", ist mir egal, ich werde das nicht erleben. Aber als Sprache an sich (i.S. eines Kommunikationsmittels) funktioniert es bestens.

Weitere Fragen beantworte ich gerne.
- André


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22.02.2013, 12:20:47
Beitrag #10
RE: Esperanto
André, was ich auch spannend finde - wo du die fehlenden Phraseologismen bzw. eine erhöhte Transparenz ansprichst - ist die Frage, was passieren würde, wenn Esperanto (oder welche Plansprache auch immer) von mehreren Leuten gesprochen und/oder flächendeckend als Muttersprache erlernt werden würde. Dann hätte man vermutlich sehr flott idiomatischen Sprachgebrauch, Verlust von Transparenz - sowie vermutlich auch die Entstehung von Paradigmen, Unregelmäßigkeiten, Abnutzungserscheinungen bei frequenten Elementen. Sprich: ganz normalen Sprachwandel.

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22.02.2013, 12:33:32
Beitrag #11
RE: Esperanto
Esperantomuttersprachler gibt es. Die müsste man mal befragen.

Was die fehlenden Idiome angeht sollte man aber auch bedenken, dass selbst Wortbildung schon idiiomatisch-kulturbehaftet ist und die Wortbildungsprodukte oft mehr sind als die Summe ihrer Teile. Derartiges müsste es im Esperanto auch geben.


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22.02.2013, 19:16:30
Beitrag #12
RE: Esperanto
Ja, das stimmt, es gibt ca. 2000 Muttersprachler, die aber keinen stärkeren Einfluss und auch keine höhere Instanz bilden. Oftmals sprechen "gelernte" Esperanto-Sprecher sogar besser als Muttersprachler. Im Allgemeinen sind sie aber deutlich in der Unterzahl. Auf einem Esperanto-(Jugend)-Treffen von ca. 200 Leuten findet man höchstens 10 Muttersprachler. Da diese auch verstreut leben, bildet sich so keine L1-Sprechergemeinschaft heraus. Würde man die aber alle mal auf einer einsamen Insel absetzen, ja, ich denke, dann würde sich nach einiger Zeit viel verselbstständigen.

Es gibt übrigens einige Phraseologismenbücher oder Sprichwörtersammlungen für Esperanto, nur kennt kaum ein Sprecher die. Das ist wirklich so. Was ein bisschen bekannter ist, sind kurze Zeilen aus Gedichten oder Liedern, die im Esperanto sehr bekannt sind, das sind aber keine Sprichwörter im eigentlichen Sinn, sondern eher feste Wendungen mit doch recht transparenter Bedeutung, die man manchmal abwandeln kann um sie der Situation anzupassen. Was ab und zu vorkommt, sowohl absichtlich als auch unbeabsichtigt, ist das Übersetzen von Ausdrücken aus anderen Sprachen ins Esperanto. Das verstehen dann eben auch nur diejenigen, die den Originalsatz kennen (und selbst dann nur nach einigem Nachdenken; mein Lieblingsbeispiel: Mia kara sinjoro kantoklubo!). Es wäre denkbar, dass sich solche Phrasen dann festigen. Sonst bleiben solche Sachen entweder Fehler oder Wortspiele.
Und ja, dann entstünden auch Abschleifungen, Unregelmäßigkeiten, Synkretismen und vielleicht auch Paradigmen.

Und ja, auch Wortbildung ist z.T. kulturbehaftet, bei einigem findet man Parallelen in europäischen, aber nicht in asiatischen Sprachen, es gibt ein paar Calques, die nicht wörtlich zu verstehen sind, z.B. nubskrapulo für Wolkenkratzer (auch auf Esperanto könnte man hier denken, dass das ein Beruf oder eine Person ist, die das macht). Es gibt dann aber auch wieder Bewegungen, sowas einzuschränken und die Sprache "logisch" zu halten. Allgemein ist das Bewusstsein für die Sprache auch sehr viel höher als bei Muttersprachlern von natürlichen Sprachen, da es ja eine Kunstsprache ist.

Es gibt übrigens tatsächlich leichte Sprachwandelprozesse zu erkennen, in den letzten 125 Jahren. Wenige zwar, aber es gibt welche. Es gibt einen sehr guten Artikel dazu, der dafür einige Beispiele auflistet und zeigt, dass es tatsächlich Sprachevolution gibt:
http://claudepiron.free.fr/articlesenang...lution.htm


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23.02.2013, 17:27:38
Beitrag #13
RE: Esperanto
Zitat:Dann hätte man vermutlich sehr flott idiomatischen Sprachgebrauch, Verlust von Transparenz - sowie vermutlich auch die Entstehung von Paradigmen, Unregelmäßigkeiten, Abnutzungserscheinungen

Das glaube ich auch. Ich bin so froh, dass sich das
Zitat: Englische als engster Kandidat einer Weltsprache
durchgesetzt hat. Mir ist auch völlig egal, ob nicht eine andere Sprache vorzuziehen ist - eben weil man das kaum bewerten kann. Was sollen denn die Chinesen sagen? Nervig sind häufig zu beobachtende Rivalitäten bei Tagungen oder allgemeiner in Disziplinen, bei denen z. B. Sprecher romanischer Sprachen meinen sich abgrenzen zu 'müssen' von der Herrschaft des Englischen.
Für Zwecke der MODELLIERUNG z. B. logischen Schließens entwickelt man ja gerade Sprachen, die sich von Alltagssprachen deutlich unterscheiden. Was da 'modelliert' wird, gehört schließlich nicht zu den alltäglichen sprachlichen Praktiken: Small Talk, Bezahlen im Supermarkt, Anbaggern, Beschimpfen, ... All das kann man sehr gut in den vielen verschiedenen natürlichen Sprachen.

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12.03.2013, 08:42:48
Beitrag #14
RE: Esperanto
(21.02.2013 10:22:56)Kevin schrieb:  
Zitat: Ist das eine gute, schlechte, komplizierte, geliebte, gehasste ... Sprache?
Sie ist keine Weltsprache, weil es Plansprachen weitaus schwerer haben, Verbreitung zu finden, weil sie bei Null anfangen und keine natürlichen Sprachen sind.

Ich bin mir nicht so sicher, dass Esperanto als Plansprache es wirklich weitaus schwerer hatte und hat, Verbreitung zu finden (wenn man mal von den Gegnern des Esperanto absieht, wie sie beispielsweise beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen zu finden sind; da ist Esperanto als Plansprache ausdrücklich ausgeschlossen). Ich habe sogar den Eindruck, dass Esperanto in den letzten 125 Jahren eine Entwicklung erreicht hat, die keine nationale Sprache je geschafft hat: 1887 gab es nur ein Büchlein von ein paar Seiten über Esperanto - heute erscheinen jährlich etwa 120 Esperanto-Bücher (vielleicht die Hälfte Belletristik). 1887 gab es außer Ludwig Zamenhof vielleicht noch ein paar Freunde und Verwandte - heute schätzt man, dass ein paar hunderttausend Leute Esperanto regelmäßig sprechen und es ein paar Millionen zumindest in Ansätzen gelernt haben. 1887 hatte Esperanto von damals vielleicht 7000 Sprachen also die allerkleinste Sprachgemeinschaft - heute findet sich Esperanto stets unter den 50 bis 100 Sprachen, die international am meisten gebraucht werden. (Z.B. Wikipedia nach Artikelzahl: Platz 29, nach Seitenaufrufen etwa Platz 40; eine von etwa 65 Sprachen in Google Translate; Platz 16 bei den Fremdsprachen, die in Ungarn beherrscht werden, ebenso in Litauen...) Insofern vermute ich, dass Esperanto die am schnellsten gewachsene Sprache der Menschheitsgeschichte ist (und eigentlich damit in das Guinness Buch der Rekorde gehört Lächel )

Ich habe auch mal die Größe der jeweiligen Sprachgemeinschaft und die Anzahl der Fremdsprachenlerner miteinander verglichen. Englisch hat etwa 300 bis 500 Millionen Muttersprachler und vielleicht eine bis zwei Milliarden Zweitsprachler; in Ungarn geben eine Million Menschen an, Englisch zu sprechen. Esperanto hat, wie geschrieben, ein paar hunderttausend regelmäßige Sprecher; in Ungarn sprechen es laut Volkszählung 2001 etwa 4500 Menschen. Esperanto ist also im Vergleich zu der Größe seiner Sprachgemeinschaft attraktiver als das Englische.

Vielleicht klingt diese Aussage banal, weil ja Esperanto nur ein paar tausend Muttersprachler hat. Ich finde es allerdings faszinierend, dass Esperanto gelernt wird, obwohl es eine nur sehr kleine Sprachgemeinschaft hat. 1887 gab es sogar praktisch gar keine Sprachgemeinschaft, nur den Vorschlag, Esperanto zu lernen (und damit und mit anderen eine Sprachgemeinschaft zu schaffen). Und trotzdem haben Leute gesagt, ja, prima, das lerne ich, und zwar sofort!


Warum kompliziert,
wenn's auch einfach geht?
Esperanto
die internationale Sprache
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12.03.2013, 09:55:45
Beitrag #15
RE: Esperanto
(22.02.2013 04:33:14)Vortarulo schrieb:  Und warum Esperanto nicht längst die Weltsprache geworden ist? Ganz einfach, weil die meisten Menschen es ablehnen, einen Kunstsprache zu lernen, vor allem wenn sie nur wenige Sprecher hat. Und an zweiter Stelle, weil sich eben keine Nation dahinter verbirgt, die irendwie wirtschaftlichen Vorteil brächte oder in die man man vereisen könnte (obwohl letzteres kaum mehr ein Argument sein kann bei den heutigen Angeboten an Aktivitäten).

Zunächst schon mal danke für den netten Tippfehler zum Thema 'vereisen'; Lächeln soll ja sooo gesund sein...
Wie eben dargelegt, kann ich nicht erkennen, dass Menschen es generell ablehnen, eine geplante Sprache zu lernen. Normalerweise lernen die Leute eine Sprache vor allem wegen der Größe der Sprachgemeinschaft (eher noch der Wirtschaftskraft der Sprachgemeinschaft, vgl. GDP by language) - Esperanto wird aber weitaus mehr gelernt, als es der Größe der Sprachgemeinschaft oder ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspräche. Es hat sich als "Feriensprache" durchaus einen festen Platz erobert.

Ich sehe den Hauptgrund des Nichtlernens von Esperanto relativ einfach in unzureichender Information über Esperanto. Sprachen werden aus eigenem Antrieb vor allem zwischen 14 und 25 Jahren gelernt - und gerade in dieser Altersgruppe wissen erstaunlich wenige Leute, was Esperanto ist, und noch viel weniger wissen, was man mit Esperanto alles anfangen kann. Ich habe an der Humboldt-Uni Berlin vor der Mensa Süd (Sprachwissenschaften u.a.) mal nach Esperanto gefragt - nur 17 von 30 Studis und Doktoranden konnten sagen, was das ist. Eine genauere Befragung nach dem Detailwissen steht noch aus, aber jedenfalls fragte mich eine Sprachwissenschafts-Studentin dann, ob es auch Bücher in Esperanto gibt... Wenn man nicht weiß, dass es z.B. viele tausend belletristische Bücher in Esperanto gibt (und Musik, internationale Treffen...), dann erscheint Esperanto natürlich nicht besonders attraktiv, sondern bloß als eine schöne Idee, "die sich nicht durchgesetzt hat". Und dann kommt man auch kaum auf die Idee, es zu lernen.

(22.02.2013 04:33:14)Vortarulo schrieb:  Da sich das alles auch kaum ändern wird, bleibt "Esperanto als weit verbreitete Weltsprache" für lange Zeit eine Utopie. Alle Esperantisten, die das anders sehen, sind in meinen Augen Träumer. Ob ich das auch mal war, vor 10 Jahren, weiß ich nicht mehr... aber ich versuche, das realistischer zu sehen. Ich sehe Esperanto lieber losgelöst von der "Weltsprache"-Idee. Ob es sich mal als Weltsprache "durchsetzt", ist mir egal, ich werde das nicht erleben. Aber als Sprache an sich (i.S. eines Kommunikationsmittels) funktioniert es bestens.

Auch ich sehe Esperanto vor allem unabhängig von der Vorstellung, es könnte eine weit verbreitete Weltsprache werden. Ob sich allerdings in Sachen Verbreitung etwas ändern wird, das wird davon abhängen, denke ich, ob sich die Rahmenbedingungen ändern:
- Werden die Esperantosprecher es im Laufe der Zeit erreichen, dass die Gymnasiasten ab etwa 12 Jahren über Esperanto zumindest soweit informiert werden, dass sie sich fundiert entscheiden können, ob sie Esperanto lernen möchten (oder nicht). Das könnte gehen, indem in der Schule z.B. zwei Unterrichtsstunden zu Esperanto angeboten werden oder mit allgemeiner Werbung.
- Wird der Bundeswettbewerb Fremdsprachen eines Tages Esperanto als Wettbewerbssprache zulassen? Das ist ein bisschen symptomatisch für den Widerstand gegen Esperanto bei Fremdsprachenlehrern. Übrigens waren beim zugehörigen Oberstufenwettbewerb 2010/11 unter etwa 50 Leuten in der Endrunde zwei Esperantosprecher (die halt mit anderen Sprachen teilnahmen). Wer sich für Fremdsprachen interessiert, der lernt eben öfter Esperanto als andere (ich schätze grob, von den Leuten, die zwei Fremdsprachen sprechen, sprechen etwa ein Prozent auch Esperanto).
- Wird die EU eines Tages aufhören, Esperanto einseitig darzustellen? Auf der Seite "Häufig gestellte Fragen: Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen" ist zu lesen: "Hin und wieder werden Latein oder Esperanto als einzige, europaweite Sprache für die EU vorgeschlagen." Einen solchen Vorschlag, dass Esperanto "einzige", europaweite Sprache für die EU wäre, gibt es zumindest nicht offiziell; der Deutsche Esperanto-Bund erklärt z.B.: "Wir unterstützen die Mehrsprachigkeit.". Die Aussage der EU ist nach meinem Eindruck eher ein Konstrukt, das die Mitarbeiter der EU-Kommission lieben, um besser gegen Esperanto argumentieren zu können. Nach meiner Vermutung deshalb, weil die Dolmetscher, Übersetzer und auch die sonstigen mehrsprachigen EU-Mitarbeiter Esperanto so fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich hängen ihre gutbezahlten Arbeitsplätze davon ab, dass sich Europas Bürger nicht oder nur schlecht verständigen können. Leider.
- Wird Esperanto eines Tages als Minderheitensprache (o.ä.) anerkannt werden? Siehe die Diskussion dazu. Sowas in der Richtung wäre der heutigen Nutzung von Esperanto angemessen. Dann wäre auch der Stand in der Öffentlichkeit etwas verbessert.
- Werden die Esperanto-Verbände eines Tages aufhören, vor allem davon zu reden, was Esperanto werden soll ("Zweitsprache für jeden"), und sich darauf beschränken, Esperanto einfach als das darzustellen, was es ist und wie es heute benutzt wird - in etwa 120 Ländern weltweit, bei internationalen Veranstaltungen, bei Facebook, Mozilla Firefox usw.? Die Europäische Esperanto-Union hat sogar gefordert, dass die europäische Hymne in Esperanto gesungen werden soll; der Deutsche Esperanto-Bund unterstützt das; die Deutsche Esperanto-Jugend unterstützt das indirekt, weil sie "Jugendverband" des Esperanto-Bundes ist (und sie sich nie davon distanziert hat und Vertreter von ihr vielleicht sogar an dem Text mitgearbeitet haben).
Der Vorschlag wird voraussichtlich nicht angenommen werden... und ist nach meinem Verständnis ein tatkräftiger Beitrag, um jedem vernünftigen Menschen klarzumachen, dass die Esperanto-Leute nicht ganz ernst zu nehmen sind und ohnehin von einem Mißerfolg zum nächsten wackeln... Ewige Verlierer halt, nicht abzubringen von ihrer fixen Idee...

Wenn diese und vielleicht noch ein paar mehr Bedingungen erfüllt wären, würde sich Esperanto voraussichtlich auch nicht etwa blitzartig verbreiten. Die Verbreitung von neuen Dingen wird von der Theorie der "Diffusion of Innovations" beschrieben; in der ersten Runde ist normalerweise nur mit etwa zwei Prozent der Leute zu rechnen, die mit einer neuen Sache etwas anfangen könnten; alle anderen warten erstmal ab, was für Erfahrungen diese zwei Prozent denn so machen. So ist das mit Smartphones und mit häuslichen Espressomaschinen usw.

Das ist allerdings keine rein linguistische Frage mehr, sondern eine Frage des "Sprachenmarketings". Allerdings gibt es nach meinem Eindruck nur wenig solide Forschung darüber, was letztlich die Verbreitung von Sprachen bewirkt. Warum hat das Französische vor ein paar hundert Jahren einen Aufstieg in Europa erlebt - und letzthin einen Niedergang? Welche Faktoren sind für die Verbreitung des Englischen maßgeblich? (Nur so am Rande: Schon vor hundert Jahren hatte Englisch mit etwa 100 Millionen die zweitgrößte Sprachgemeinschaft der Welt; heute hat es nur noch den dritten Platz. Der Anteil der Muttersprachler an der Weltbevölkerung ist von etwa 10 % um 1950 auf heute um 5 % zurückgegangen.) Oder irre ich mich und es gibt dazu Studien, die ein allgemeines Modell der Sprachenverbreitung erstellt haben, in das auch z.B. die Verbreitung von Kisuaheli passt?


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