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 » nicht erledigt Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
▶ Was Sie schon immer über Deutsch wissen wollten, aber nie zu fragen wagten

20.06.2011, 22:08:39
Beitrag #1
Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
So der allgemein gehaltene Titel dieses Threads, der dazu beitragen soll, dass nicht aus jeder kleinen Frage ein Thread wird. Denn der Anlass ist eine Frage, die ich nicht zuordnen kann. Betrifft wohl Phraseologie. Aber das sei hier nur die erste Frage:

Man kennt die Wendung Fernsehen gucken. Ich glaube, manche Gebildetere sagen lieber fern sehen. Mir ist aber Fernsehen gucken viel vertrauter. Und was mich daran wundert, ist, dass man nicht einmal sagt Fernseher gucken, was zwar ebenfalls blöd klingt, aber doch die Praxis immerhin besser beschreibt als Fernsehen gucken. Wie kommt es zu dieser Wendung?

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21.06.2011, 08:50:45
Beitrag #2
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Ich weiss zwar nicht, wo Fernsehen gucken herkommt, aber in Westsachsen sagt man auch (mindestens genauso oft) Fernseher gucken. Lächel

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21.06.2011, 09:36:30
Beitrag #3
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Guck an. In meinem Idiolekt heißt es fernsehgucken.


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21.06.2011, 12:06:21
Beitrag #4
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Zitat:in Westsachsen sagt man auch (mindestens genauso oft) Fernseher gucken.
Zitat:In meinem Idiolekt heißt es fernsehgucken.
Na, dann spricht wohl einiges dafür, dass Fernsehen gucken von Fernseher gucken kommt und man sich das Sprechen dann durch Angleichung des Endkonsonanten bzw. sogar Wegfall einer Silbe erleichterte.

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21.06.2011, 12:20:11
Beitrag #5
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Joah. Es gibt ja auch andere Kollokationen mit gucken/kucken, insofern dürfte das mit dem Fernsehen dann nur eine analoge Bildung sein.


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22.06.2011, 14:07:05
Beitrag #6
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Liege ich falsch, oder sind nicht Fernsehen und Fernseher zwei verschiedene Dinge? Der Fernseher ist das Gerät und das alles zusammen, der Inhalt, das Wesen an sich etc.. Daher würde ich nicht sagen, dass es eine Assimilation ist, Fernsehen gucken zu sagen, sondern ein anderer Inhalt.


Hawaiiereieraueraueeuter [ha.'vaɪ̯.eɐ̯.aɪ̯.eɐ̯.aʊ.eɐ̯.aʊ.ə.ˌɔʏ̯teɐ̯] ist kein Hexadeziphthong.

Komm doch mal vorbei und besuche den Verein der gotischen Sprache n. e. V. Uns gibt es auch bei Facebook. Wir würden uns freuen.
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22.06.2011, 18:56:52
Beitrag #7
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Zitat:Daher würde ich nicht sagen, dass es eine Assimilation ist, Fernsehen gucken zu sagen, sondern ein anderer Inhalt.
Ja, eben das war Teil des 'Problems': Wieso sagt man, wörtlich genommen, man gucke Fernsehen, was man doch gar nicht meint?

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22.06.2011, 19:25:31
Beitrag #8
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Vielleicht liegts daran, dass "Fernsehen" umgangssprachlich als "Fernsehgerät" gebraucht wird.
"Wir haben kein Fernsehen."


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23.06.2011, 08:14:55
Beitrag #9
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
(22.06.2011 19:25:31)Jannyna schrieb:  "Fernsehen" umgangssprachlich als "Fernsehgerät" gebraucht
war mir gar nicht bewusst

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10.08.2011, 18:38:13
Beitrag #10
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Ich kenne eher 'Fernseher' als Bezeichnung für 'Fernsehgerät'.

Nächste Frage:
Während meiner Schulzeit im Pleistozän habe ich gelernt:
1. Es gibt Wortarten, z.B. Substantive und Verben.
2. Es gibt Satzbestandteile, z.B. Subjekt, Prädikat, Objekt.

In letzter Zeit lese ich jedoch oft, auch und gerade bei Linguisten, so etwas:
- Das Verb des Satzes steht vor / hinter dem Objekt. -

Meine Deutschlehrer hätten mir das als 'uneinheitliche Gliederungsgrundlage' angestrichen.
Ist der Begriff 'Prädikat' mittlerweile falsch / ausgestorben / politisch inkorrekt?


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10.08.2011, 19:07:04
Beitrag #11
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Wenn man (wie ich, oder Dein Deutschlehrer) Terminologiefetischist ist, ist das durchaus eine kritische Bemerkung wert.

Es ist nur so, dass in der sogenannten basic order typology der Satzgliedfolgen (Subjekt-Prädikat-Objekt, oder Subjekt-Objekt-Prädikat oder oder oder) man sich oft entscheiden muss. In vielen Sprachen ist das Prädikat mehrteilig, nimm nur deutsche Konstruktionen mit HIlfsverb als Beispiel. Was zählt man bei der Typologie solcher Abfolgen, wo vielleicht S oder O noch zwischen Hilfs- und Vollverb treten, jetzt als Prädikatsposition? Da hat man sich mehr oder weniger explizit darauf geeinigt, dass das ((am meisten) flektierte) Vollverb ausschlaggebend ist. Daher hat der begriff "Verb" in solchen Abfolgetypologien durchaus eine gewisse Daseinsberechtigung.

Und wenn wir schon von Typologie reden: Viele Kollegen glauben heutzutage gar nicht mehr daran, dass es so etwas wie Wortarten wirklich außerhalb der Köpfe und Bücher von Linguisten gibt. Zwinker


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10.08.2011, 20:30:02
Beitrag #12
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Und wieder wurde ich geholfen! Lächel
Insofern macht das 'Verb' allerdings Sinn. Kleiner Scherz am Rande:
"Ist das macht Sinn ein Anglizismus? Nicht wirklich." Big Grin

Nur dies verwirrt mich:
(10.08.2011 19:07:04)janwo schrieb:  Und wenn wir schon von Typologie reden: Viele Kollegen glauben heutzutage gar nicht mehr daran, dass es so etwas wie Wortarten wirklich außerhalb der Köpfe und Bücher von Linguisten gibt. Zwinker
Klar, die Grenzen sind durchlässig; man kann z.B. Verben und Adjektive substantivieren. Aber was sollte grundsätzlich an der Einteilung in Wortarten falsch sein? In meinem nicht-linguistischen Kopf schwirren die jedenfalls noch herum.


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10.08.2011, 20:36:07
Beitrag #13
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Es gibt Sprachen, wo man schlichtweg nicht die "üblichen" oder "klassischen" Wortartgrenzen ziehen kann. Auch ohne Wortartkonversion. Diese Kategorien machen da einfach keinen Sinn.

A propos Sinn machen: Auch da gibt es etwas leswenswertes zu, nämlich die fachliche Meinung im Sprachlog.


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10.08.2011, 20:49:30
Beitrag #14
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Ein weiterer Punkt ist, dass Begriffe wie "Subjekt" oder "Adjektiv" aus der Schulgrammatik stammen, die an klassischen Sprachen wie Latein und Griechisch sowie an modernen europäischen Schulsprachen orientiert und sich über die Jahrhunderte entwickelt hat. Wenn man sich allerdings mit Nicht-Indoeuropäischen Sprachen befasst, wird schnell klar, dass die dafür entwickelten Konzepte und Begriffe nicht immer greifen. Und welche Kategorien setzt man an, um Wortarten/Wortklassen zu definieren? Da gibt's viel Literatur zu. Selbst solche Begriffe wie "Wort" die trivial erscheinen, sind nicht unproblematisch im Sprachvergleich.

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14.11.2011, 11:23:14
Beitrag #15
Gesucht: Wortart und Satzfunktion des Ausdrucks "derjenige".
Hallo liebe Ratgeber,

ich bin verzweifelt auf der Suche nach einer Antwort auf die folgenden Fragen:

(1.) um welche Wortart handelt es sich bei dem Ausdruck "derjenige" und
(2.) welche Satzfunktion (syntaktische Funktion) nimmt der Ausdruck "derjenige" in einem Satz ein?
Ferner interessiert mich (3.), ob der Ausdruck "derjenige" (prinzipiell) in die Kategorie der singulären Termini (Eigennamen, definite Beschreibungen (i.S.v. Kennzeichnung) oder Indikatoren [=indexikalische-/ deiktische Ausdrücke]) eingeordnet werden kann.

Im Grunde genommen geht es mir um alle möglichen (grammatischen, syntaktischen, pragmatischen, semantischen, metasprachlichen, logischen, linguistischen usf.) Eigenschaften eines solchen Ausdrucks. Ein relevanter Beispielsatz wäre: "Derjenige, der die Stelle bekommt, hat 10 Münzen in der Tasche".


Vielen vielen Dank für Eure Hilfe!

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