Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
[Allg]: Allgemeines, Linguistik als Disziplin  » nicht erledigt Gegen Sprachmissionare!
▶ (ausgegliedert aus "Gegen das Sprachensterben")

22.01.2012, 15:51:25
Beitrag #1
Gegen Sprachmissionare!
Wenn Sprachwissenschaftler in den letzten 50 Jahren weniger Zeit verschlafen hatten, könnte es heute in den vereuropäischten Ländern mit eingeborenen Sprachen besser aussehen und weniger verlorengegangen sein.

Überall dort, wo nur ein paar Sprecher übrig sind, kann etwas aufgezeichnet werden. Und dazu sollten die Sprecher davon überzeugt werden, daß sie ihre Kenntnisse an junge Menschen des Volkes weitergeben, bevor sie sterben.

Die evangelikalen Vereine erzeugen gespaltend Meinungsbilder. Auch Erzählen von seinem Glauben ist ein Menschenrecht, wenn nicht zu Unterdrückung und Gewalt aufgerufen wird oder mit unlauteren Mitteln gearbeitet wird. Das SIL hat gewiß ein Anliegen für das sprachliche Erbe. Aber dessen Träger sind eben Evangelikale und wollen gleichzeitig von ihrem Glauben erzählen. Jene können wohl nicht Vereine mittragen, wo das Erzählen vom Glauben womöglich verboten ist. Wenn sie für Unterstützung werben, sollten sie aber mit offenen Karten spielen. Niemand ist gezwungen, sie zu unterstützen. Ich selbst würde auch keinen Verein unterstützen, der eifrig für den Islam eintritt. Wer mit mir darüber weiter reden will, der kann mir PNs schicken, damit das hier nicht ausufert.


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
22.01.2012, 17:03:31
Beitrag #2
RE: Gegen Sprachmissionare!
(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  Die evangelikalen Vereine erzeugen gespaltend Meinungsbilder. Auch Erzählen von seinem Glauben ist ein Menschenrecht, wenn nicht zu Unterdrückung und Gewalt aufgerufen wird oder mit unlauteren Mitteln gearbeitet wird.
Das Menschenrecht ist das auf die Ausübung der eigenen Religion.
Andere missionieren zu dürfen ist kein Menschenrecht, sondern eher menschen(rechts)verachtend.

(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  Das SIL hat gewiß ein Anliegen für das sprachliche Erbe. Aber dessen Träger sind eben Evangelikale und wollen gleichzeitig von ihrem Glauben erzählen. Jene können wohl nicht Vereine mittragen, wo das Erzählen vom Glauben womöglich verboten ist. Wenn sie für Unterstützung werben, sollten sie aber mit offenen Karten spielen. Niemand ist gezwungen, sie zu unterstützen
Sie wollen vor allem von ihrem Glauben erzählen, wozu sie notgedrungen auch etwas Linguistik betreiben müssen.
In Indonesien beispielsweise ist ihnen das Missionieren verboten, wesewegen sie dort auch linguistisch kaum aktiv sind.

(22.01.2012 15:51:25)AlexderFranke schrieb:  . Ich selbst würde auch keinen Verein unterstützen, der eifrig für den Islam eintritt. Wer mit mir darüber weiter reden will, der kann mir PNs schicken, damit das hier nicht ausufert.

Och, wieso? So lange es nicht ausufert, ist das doch auch ein Thema, das öffentlich diskutiert werden kann. Ich hab's mal aus dem anderen Thread ausgeklinkt in einen eigenen Thread hier.
Wenn es ausufert, kann ich immer noch Admin spielen: Mecker


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
22.01.2012, 21:35:45
Beitrag #3
RE: Gegen Sprachmissionare!
An den Bereich "Allgemein" hatte ich noch nicht gedacht! Danke für den Gedankenblitz!

Zum Freien Ausleben des Glaubens gehört auch, für ihn werben zu dürfen. Nicht mit unlauteren Mitteln, wie z. B. Geld anbieten für den Glaubenswechsel oder ständiges Drohen mit ewigen Strafen oder Vergünstigungen anbieten usw.

Der auf einen Glauben Angesprochene muß die Freiheit haben, auch zeitweise oder für immer abzulehnen. Es kann aber genauso sein, daß jemand es erwidert wie:"Das ist ja viel besser als das was ich bisher kannte! Erzähl mir mehr davon!" Es verstößt aber gegen die Menschenrechte, wenn man wie ein Übeltäter bestraft wird, nur weil man einem Einheimischen in einem Gespräch etwas vom christlichen Glauben erzählt hat.. Es ist ein Menschenrecht, jedem seine Überzeugung frei mitteilen zu dürfen, sei es über Glauben, Politik oder sonst was.

Ich finde aber, Vereine sollten bei der Werbung für sich vor allem in freiheitlichen Ländern klar sagen, daß sie neben Sprachwissenschaft auch anderes im Blick haben, damit Leute, die nicht damit einverstanden sind, nicht hinters Licht geführt werden. Ich wäre auch verärgert, wenn ich im guten Glauben spende und erst später aus der Presse oder Berichten erfahre, daß der Verein eifrig auch den Islam, den Hinduismus oder auch Gedanken des Lebens ohne jede Maßstäbe verbreiten will. Jeder ist bei uns drei, Verein X oder Y zu unterstützen.

Das Handwerk muß Vereinen gelegt werden, die für freiheitsfeindliches Gedankengut werben, wie z. B. Rassenhaß oder den Islam iranischer oder saudi-arabischer Prägung oder auch einfach ihr weiteres Ziel verschweigen.

Indonesien ist ein islamisch regierter Staat mit zunehmend freiheitsbedrohendem Einfluß. Und die freie Mitteilung der Überzeugung mögen solche Länder nicht, wenn es auch noch von Ausländern kommt. Vor allem Amerikaner haben da einen schlechten Ruf, teils zu Recht, teils zu Unrecht.


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
22.01.2012, 22:19:04
Beitrag #4
RE: Gegen Sprachmissionare!
Es ist ein feiner Unterschied zwischen "mitteilen" und "werben für".


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 02:06:24
Beitrag #5
RE: Gegen Sprachmissionare!
Ich hatte in dem anderen Faden gemeint, daß es zu sehr vom Leitgedanken weggeht, sich darüber auszulassen.

Versetz Dich einmal in einen Evangelikalen oder auch anderer bekennender Christen hinein. Die haben den Drang, überall von ihrem Glauben zu erzählen, weil es so ungemein wichtig ist, daß allen auf der Welt das mit dem christlichen Glauben bekannt wird, ob sich Menschen nun dafür oder dagegen entscheiden. Alle müssen nach überzeugt christlicher Lesart die freie Wahl haben, es abzulehnen oder anzunehmen. Wie soll das der Fall sein, wenn einige Menschen davon abgeschirmt werden? Aber wer kein verbissener Sektierer ist, glaubt, daß echter Glaube nur aus freier Entscheidung entstehen kann, sobald der Inhalt des Glaubens bekannt ist.

Ich finde, alle Menschen auf der Welt sollten am besten den Inhalt aller wichtigen Glaubensrichtungen kennen und auch, wie es um deren Geschichte und Gegenwart steht. Die Erziehung spielt eine Rolle, aber manche entscheiden sich tatsächlich für einen anderen Glauben, nachdem sie ihn kennengelernt haben. Manchmal auch unter Lebensgefahr in ihrem Umfeld.

Aber man muß Glaubensgemeinschaften am Verbreiten ihrer Botschaft hindern, die auf Unterdrückung, Haß, Gewalt und hinterlistiger Unterwerfung der Welt beruhen. Das ist bei einzelnen Sekten und beim saudi-arabischen Wahhabismus und iranischen Shiismus eindeutig der Fall. So Gruppen dürfen genauso wenig geduldet werden wie solche, die Rassenhaß verkünden.

Ich finde es eine Menschenrechts-verletzung, Mission von nicht gefährlichen Gruppen grundsätzlich zu verbieten. Unter Mission verstehe ich nichts anderes, als andere zum eigenen Glauben einzuladen, sei es im Gespräch oder als hauptberuflicher Missionar. Was ich ablehne, ist Zwang, Gewaltandro-hung, Locken mit handfesten Vorteilen oder Geld oder Fürsorge für die Annahme des Glaubens anbieten. So etwas ist unmöglich! Dann ist Glaubens-und Gewissensfreiheit nicht mehr gegeben!

Bei nicht freiheitlichen Ländern finde ich es richtig, wenn Menschen aus dem Ausland in Gesprächen trotzdem von ihrem eigenen Glauben erzählen. Das ist ein Menschenrecht wie auch freie Meinungsäußerung. Wenn einer herumreist und Vorträge darüber hält, warum Jesus der Weg zu Gott ist, ist das sein gutes Recht wie auch von jenen, die Vorträge halten, warum der Kommunismus die Lösung ist oder warum es keinen Gott geben kann. Das gehört zur Glaubens- und Gewissens-freiheit dazu! Aber niemand darf gezwungen werden, so Vorträgen beizuwohnen oder irgendetwas gegen seinen Willen zu unterstützen!

Gewissens- und Glaubensfreiheit ist eine der wichtigsten Freiheiten, die es gibt!

Vor allem islamisch regierte Länder erkennen Gewissens- und Glaubensfreiheit nicht oder nur begrenzt an mit eher abnehmender Bereitschaft, sie anzuerkennen. Indonesien sehe ich da in einer Linie mit anderen islamisch regierten Ländern, die Bevölkerung gezielt vor dem Einsickern nicht-islamischen Glaubensgutes von außen abzuschirmen. Ein Einschreiten ist dann gerechtfertigt, wenn sich berechtigte Beschwerden über o. g. unlautere Vorgehensweisen häufen. Bei einzelnen Sektierern schließe ich so etwas nicht aus.

Wie es bei SIL aussieht, weiß ich nicht. Wenn die Sprachwissenschaften betreiben und sich als von Christen getragene Vereinigung verstehen, die Teilnehmer ermutigen, auch von ihrem Glauben zu erzählen, dann habe ich nichts dagegen. Wenn Mission das Hauptziel ist und die Sprachwissen-schaft nur Nebensache, finde ich das merkwürdig. In freien Ländern mit Gewissens- und Glaubensfreiheit sollten die aber möglichen Unterstützern klar sagen, daß sie die Bekanntmachung des christlichen Glaubens im Blick haben.


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 10:53:42
Beitrag #6
RE: Gegen Sprachmissionare!
(23.01.2012 02:06:24)AlexderFranke schrieb:  Ich finde, alle Menschen auf der Welt sollten am besten den Inhalt aller wichtigen Glaubensrichtungen kennen und auch, wie es um deren Geschichte und Gegenwart steht. Die Erziehung spielt eine Rolle, aber manche entscheiden sich tatsächlich für einen anderen Glauben, nachdem sie ihn kennengelernt haben.

Im Prinzip ist das eine Vorstellung, wie sie z.B. von der Bahá'í-Religion vertreten wird. Jeder Gläubige soll eine "informierte Entscheidung" treffen können. Dort ist es aber die Aufgabe eines jeden, selbst aktiv zu werden, nicht darauf zu warten, was ihm jemand "vorbetet".

Ich muss mich immer wieder an eine Geschichte erinnern, die Dan Everett in seinem jüngsten Buch erzählt hat. (Dan ist übrigens ehemaliger SIL-Missionar, der über diese Story üzum Atheisten geworden ist.) Im Grunde geht es darum, dass die von ihm besuchten Pirahā keinerlei Interesse an Jesus hatten. Einem Kerl, den Dan nicht einmal gesehen hatte geschweige denn persönlich kannte, Und so wie die Pirahā leben auch Tausende andere Völker iin der Welt ziemlich glücklich und zufrieden ohne jemals ernsthaft mit Jesus, Moses oder Mohammed konfrontiert worden zu sein.



Ganz generell zum Thema des Threads:
Es ist meiner Meinung nach nicht mit den Ansprüchen an seriöse und ethisch korrekte Wissenschaft und Forschung vereinbar, wenn sie in so enger Verquickung mit missionarischer Arbeit o.ä. stattfindet. Dasselbe gilt im Grunde auch für andere Dinge, die ich für unmorlaisch halte, z.B. Kriegsvorbereitung, wirtschaftliche Ausbeutung, politische Unterdrückung, aber das gehört hier vermutlich nicht hin.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 15:01:28
Beitrag #7
RE: Gegen Sprachmissionare!
Woher weißt Du, daß jeder Einzelne von jenen Völkern nicht vielleicht denkt:"Auf so etwas habe ich gewartet. Also ich lasse mich taufen!". Woher soll man sich Wissen über Glaubensrichtungen holen, wenn man nicht weiß, daß es sie überhaupt gibt? Ich finde es nichts Schlimmes, wenn Menschen der Meinung sind, daß jeder Mensch auf der Erde unbedingt irgendetwas erfahren sollte. Man kann es auch andersherum deuten, daß nicht-gläubige Europäer einfach bestimmen, daß jeder Einzelne im Volk mit dem glücklich zu sein hat, was er an Glauben hat, oder er nichts anderes kennenlernen sollte. Es ist aber schädlich, wenn Gedanken verbreitet werden, daß man mit allen, die Glauben X oder Y nicht teilen oder annehmen, nichts zu tun haben darf und dergleichen. Es geht nach Überzeugung von Glaubensrichtungen auch nicht nur ums Diesseits, sondern um Hoffnung für das Jenseits.

Ich könnte als überzeugter Katholik bei keiner Vereinigung mitarbeiten oder sie unterstützen, die jede Art des Erzählens vom eigenen Glauben verbieten oder einen Glauben verbreiten wollen, den ich ablehne. Vereinigungen, die eher neutral sind und den Mitarbeitern und Teilnehmern selbst überlassen, was sie in Gesprächen erzählen, die kann ich unterstützen.

Sollten die Vorwürfe, die auf Wikipedia genannt werden, wahr sein, dann muß ich allerdings sagen, daß ich so etwas unter aller Kanone finde. Da ist die Rede von US-amerikanischer (nicht nur christlicher) Einflußnahme und der wirtschaftlichen Ausnutzung von Eingeborenen-Gebiete. So etwas ist auch mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar!

Auch in der Vergangenheit waren nicht alle Missionare schlecht! Sogar heute noch verwahren sich manche Stämme dagegen, daß die Missionare nicht hätten kommen sollen, wenn Europäer davon sprechen, vorher sei alles besser gewesen! Es gab Missionare, die entschieden widersprochen haben, Eingeborene X oder Y seien nur Tiere oder Untermenschen. Manchmal unter eigener Bedrohung!


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 17:17:26
Beitrag #8
RE: Gegen Sprachmissionare!
Die oben erwähnte Pirahā-Geschichte noch einmal aus erster Hand:

.pdf  everett-excerpt.pdf (Größe: 100,62 KB / Downloads: 8)

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Autors aus: Daniel L. Everett: Language: The Cultural Tool. Profile Books, 2012.
Voraussichtliches Publikationsdatum in Europa: 22.03.2012; in dem Buch erzählt Everett an mehreren Stellen über seine (erfolglosen) Missionierungsversuche und die Folgen dieser Erfolglosigkeit. Sehr, sehr lesenswert, wie alles von ihm.



Und noch ein passendes Video zu der Story...


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 21:27:58
Beitrag #9
RE: Gegen Sprachmissionare!
Es wäre ganz nett, wenn sich die Diskussion mal ein bisschen verkonkretisieren könnte. Entweder es soll hier um Sprachwissenschaft und damit verbundene Missionierung gehen (z.B. vom SIL). Das wäre ein Thema, das interessant wäre, wozu man aber mal noch ein paar Informationen einbringen müsste. Oder es soll nur darum gehen, wie schlecht alles in Saudi-Arabien oder im Iran ist. Dann gehört das a) nicht in ein sprachwissenschaftliches Forum und b) muss man sehr aufpassen, dass es nicht einfach Anti-Islam-Plattitüden sind, die hier abgefeuert werden. Das gehört hier nämlich auch nicht hin.

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
23.01.2012, 23:59:01
Beitrag #10
RE: Gegen Sprachmissionare!
Ich habe Beispiele für Glaubensinhalte gegeben, wo ich nicht mit einverstanden wäre, wenn das von sprachwissenschaftlichen Vereinigungen mitvertreten würde. Da fiel mir der Islam saudi-arabischer und iranischer Prägung im Stehgreif ein.

Mir fällt gerade ein, daß SIL auch an Bibelübersetzungen in andere Sprachen beteiligt ist. Es wird auf ethnologue.com auch angeben, wann die Bibel oder Teile davon in Sprache X oder Y übersetzt wurde. Das ist doch nichts Schlimmes, wenn man an Bibelübersetzungen arbeitet. Das benötigt Fingerspitzengefühl, um beim Überseetzen die Geisteshaltung im Volk zu berücksichtigen. Da ergibt sich für christliche Sprachwissenschaftler ein anspruchsvolles und reizvolles Betätigungsfeld. Warum sollen Völker nicht so ein wichtiges und weitverbreitetes Buch wie die Bibel in ihrer Sprache vorliegen haben? Sollen kleinere Völker auf größere Sprachen angewiesen sein, um Zugang zur Bibel zu haben? Es ist nie ausgeschlossen, daß einer im Volk einmal in der Bibel lesen will. Ich halte es als Katholik für eine unterstützenswerte Sache. Ich bin froh darüber, daß es die Bibel heute in Deutsch gibt und damals irische und angelsächsische Mönche unserem Volk den christlichen Glauben nahegebracht haben. Ich muß aber in einer freiheitlichen Ordnung das Recht haben, wie unsere Vorfahren den altgermanischen Kult auszuüben. Es ist klar, daß so etwas nur überzeugte Christen unterstützen wollen. Keiner ist gezwungen, dafür Geld zu geben oder dort mitzuarbeiten.

Mich nervt die heutzutage in Europa vielfach christenfeindliche Stimmung, wobei der Islam im Vergleich ziemlich wenig hinterfragt wird. Platte Hetze ist natürlich nicht förderlich. Christen sind auch Menschen . Und Menschen machen Fehler, auch wenn sie gute Absichten haben. Manche Missionare haben sich früher allerdings für böse Absichten europäischer Eroberungspolitik vor den Karren spannen lassen.

Sollte es wahr sein, daß SIL die Absicht hat, eingeborene Kulturen zu unterhöhlen, um dem Fördern von Bodenschätzen oder Verkehrsvorhaben im Gebiet der Völker den Weg zu bereiten, dann wäre das einfach niederträchtig. Es gibt auf Wikipedia Verweise auf Berichte, welche das behaupten. So etwas hat weder mit ehrlicher Sprachwissenschaft noch mit guten Absichten von Christen etwas zu tun. Es wird weiter behauptet, daß Militär bereitstehe, um dann die Förderung von Bodenschätzen oder Verkehrsvorhaben anschließend abzusichern. Ich weiß nicht, ob da etwas dran ist oder ob von christenfeindlichen Gruppen einfach etwas falsch dargestellt wird, um gegen den christlichen Glauben zu hetzen. Solche Gruppen gibt es.


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
24.01.2012, 12:01:31
Beitrag #11
RE: Gegen Sprachmissionare!
Sebastian hat Recht. Um es noch einmal deutlich zu machen: Es soll hier schon um die Verquickung von Sprachwissenschaft/Forschung und Missionstätigkeit gehen, nicht um Missionare als solche. (Das wäre auch bestenfalls im Off-Topic-Bereich gelandet!)


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
24.01.2012, 15:10:47
Beitrag #12
RE: Gegen Sprachmissionare!
Abgesehen von den grundsätzlichen Problemen, die ich damit habe[1], finde ich vorallem auch, wie bereits angedeutet wurde, dass es methodisch unsauber ist.

Meiner Meinung nach lässt sich das Ideal einer deskriptiven Linguistik oder Ethnographie nicht mit dem Konzept der Missionierung in Einklag bringen.

Mission beinhaltet anderen den eigenen Glauben näher zu bringen. Die Vorstellung ist soweit ich das verstanden habe, dass die jeweiligen Zumissionierenden durch die Möglichkeit, etwa die Bibel in ihrerer eigenen Sprache zu lesen selbst zu Gott finden. Abgesehen davon, dass da natürlich auch der Gedanke hintersteckt, dass die eigene Religion übernommen wird, stellt dies meiner Ansicht nach einen Eingriff in die jeweilige Kultur dar; der Linguist oder Ethnologe modifiziert seinen Untersuchungsgegenstand. Natürlich kann man hier das Beobachter-Paradoxon anführen, dass man also grundsätzlich immer eingreift. Für mich hat das allerdings ehrlich eher gesagt den Charakter einer Infiltration: Man versucht die fremde Sprache und Kultur von Innen heraus zu verstehen, um dann den eigenen Glauben zu propagieren.

Nur gibt es ja durchaus auch Wissenschaftler, die aus dieser Position heraus mindestens anerkenneswerte Dinge geleistet haben. Etwa Kenneth Pike, der eng mit SIL verknüpft ist und u.a. die Tagmemik hervorgebracht hat, Daniel Everett der zumindest ursprünglich missionieren wollte (Larry Wall, der das eigentlich im Sinn hatte, aber aus gesundheitlichen Gründen absprang, und stattdessen die Programmiersprache Perl erfand Zwinker ), Eugene Nida oder Thomas Payne. SIL bietet auch umfangreiches Material für Linguisten, stellt Fonts und Software zur Verfügung, bietet Kurse an, betreibt den Ethnologue, und sorgt eben auch für Sprachdokumentation.

Die Frage, auf die ich keine Antwort habe, ist, wie man nun damit umgeht. Wendet man den literaturwissenschaftlichen Kniff vom "Tod des Autors" an, trennt also Person/Glaube und Werk? Ignoriert man die Arbeit mit dem Verweis, dass sie auf bedenkliche Weise entstanden sind?

[1] Beim Überfliegen einiger Publikationen zu dem Thema, wie etwa der Ausgabe 85.3 von "Language" bekam ich den Eindruck, dass mein Einwand nicht sonderlich neu ist. Alle weiteren würden aber in den Bereich der Religionskritik resp. Missionskritik gehen und das soll soweit ich das verstanden habe, ja außen vor bleiben, wenngleich ich, solänger ich über das Thema nachdenke, den Eindruck habe, dass alles andere eigentlich nur an der Oberfläche kratzt.)

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
25.01.2012, 08:16:01
Beitrag #13
RE: Gegen Sprachmissionare!
Ja, das ist in der Tat ein Dilemma. Ich denke auch, dass der Linguist/Ethnologe nicht in die Kultur eingreifen sollte, sondern eher als teilnehmender Beobachter arbeiten sollte. Denn jeder Missionierungsversuch greift in die Kultur ein und wer glaubt, Sprache und Kultur könne man unabhängig von einander betrachten, wird kein leichtes Leben als Feldforscher haben.

Es gibt auch sehr viele Fedlforscher, die sehr sauer auf die Missionare sind, weil die entweder schon in der Community sind, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, oder weil sie schon da waren und es verbockt haben und jetzt weit und breit keine Sprechergemeinschaft mehr was mit den Westlern zu tun haben möchten.

Ich denke, dass man die bereits entstandenen Materialien nicht ignorieren sollte. Dazu sind Feldforschungs-/Dokumentationsdaten nun wirklich zu wertvoll und prinzipiell machen die Leute bei SIL ja solide linguistische Arbeit. Und welcher Fedlforscher benutzt nicht Toolbox oder FLEx?

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
25.01.2012, 11:23:42
Beitrag #14
RE: Gegen Sprachmissionare!
Ich glaube, dieses Dilemma und die Zurverfügungstellung der zweifellos nützlichen Tools und Resourcen ist Teil der Überlebensstrategie von SIL. Wer so viele Sachen nacht, die alle nutzen, kann sich sicher sein, dass diese "alle" ihn trotz aller Kritik nicht abzuschaffen versuchen werden. Zumal den meisten anderen Institutionen schlichtweg die Mittel und Erfahrungen fehlen, auf die Schnelle für adäquaten Ersatz zu sorgen.

Wenn es einen Text gibt, den man für alle Völker der Erde übersetzen und ihnen zugänglich nachen sollte, wäre es die Menschenrechtsdeklaration. Sonst nix. Wer als Forscher, als Gast zu einem anderen Volk geht tut gut daran, erst einmal zuzuhören, bevor er seine eigenen Werte, Weltanschauungen usw. predigt, propagiert oder auch nur präsentiert.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
25.01.2012, 16:11:00
Beitrag #15
RE: Gegen Sprachmissionare!
Die Herrnhutter haben das ganz toll gemacht, mit der Dokumentation, obwohl das schon so lange her ist.


Hallo, ich bin Privileg und seit 01.07.2011 14:50:17 hier angemeldet.
Hier könnte meine Signatur stehen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema:VerfasserAntworten:Ansichten:Letzter Beitrag
  [Graph] Verstoß gegen Prinzipien der Schrift? paladino 2 912 24.05.2015 13:05:35
Letzter Beitrag: Anna K.
  [Allg] Gegen das Sprachensterben! AlexderFranke 101 35.551 15.02.2014 19:24:02
Letzter Beitrag: AlexderFranke
  [HowTo] Aktion gegen Sprachstigmatismus Kevin 6 3.393 14.03.2012 11:40:46
Letzter Beitrag: Sebastian
  Was tun gegen Mobbing? maaskantje 8 3.430 14.11.2011 16:30:36
Letzter Beitrag: Kevin
  Argumente für und gegen IP im Deutschen caesarforever 4 5.012 14.01.2009 22:47:18
Letzter Beitrag: Don Dunkel

Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste