Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
[Allg]: Allgemeines, Linguistik als Disziplin  » nicht erledigt Gegen das Sprachensterben!

15.03.2012, 03:08:36
Beitrag #46
RE: Gegen das Sprachensterben!
Ja, es gibt Gesetze zugunsten der französischen Sprache. Der Gebrauch anderer Sprachen ist nicht verboten. Aber es wird festgelegt, daß immer eine französische Übersetzung vorhanden sein muß. Gewisse Schriftstücke müssen auf Französisch vorhanden sein, z. B. Gebrauchsanweisungen. Es ist allerdings richtig, daß amtliche Papiere nur auf Französisch rechtsgültig sind.
Es gibt auf zentralstaatlicher Ebene und bei Tageszeitungen einige jakobinische Betonköpfe, die Gift und Galle gegen Regionalsprachen schleudern. Der Senat ist z. B. eine Sammelstelle von Betonköpfen. Auch im Volk gibt es unverbesserliche Zentralstaatsanhänger, was sich bei Kommentaren auf Zeitungsberichte ablesen läßt.

Richtige Beschimpfungen kommen heute überwiegend von einzelnen Zeitungsmitarbeitern und Bürgern in Leserbriefen, Kommentaren und Karikaturen. Es gibt in der örtlichen und reginalen Politik neben eindeutigen Verfechtern für Regionalsprachen einzelne Personen, z. B. Bürgermeister, welche sich querstellen, wo sie es können. Unübersehbar ist aber auch in Frankreich ein Sinneswandel bei vielen Bürgern und vielfach in der Politik vor Ort.

In Paris ist die Meinung einiger Vertreter der Politik zwiegespalten. Das Lehren von Regionalsprachen wurde von einem Verantwortlichen im Bildungswesen z. B. gebilligt und gutgeheißen, während er sich deutlich gegen Eintauchunterricht ausgesprochen hat. Ich habe den Eindruck, daß nach den Zugeständnissen der letzten 30 Jahre keine weiteren nötig und möglich seien, weil sonst Frankreich im Inneren zerfallen würde. Das Mantra der einen und unteilbaren Republik wird ständig aufgesagt. Das heutige Spanien wird gerne als schlechtes Beispiel genannt.

Kevin, da habe ich etwas Neues gelernt! Das wußte ich nicht, daß es in Volkshochschulen ein nennenswertes Angebot für Niederdeutsch gibt! Das für Niederdeutsch einiges an Geld fließt, war mir auch noch nicht bekannt.

Vor Kurzem hat der Bundesrat für Niederdeutsch einen Bericht, daß die Verpflichtungen der Sprachschutz-Charta für Niederdeutsch insgesamt nur mangelhaft umgesetzt worden sind, als zutreffend bestätigt Es wurde der Verdacht geäußert, daß die Unterschrift nur eine halbherzige Bekundung des Wohlwollens war und die Verpflichtungen kaum ernstgenommen würden. Die Landesregierung von Niedersachsen, brachte dann fadenscheinige Ausflüchte, daß man doch tätig geworden sei. Nur in Schleswig-Holstein und bei der Landschaft Ostfriesland sehe ich eindeutige Lichtblicke.

Wenn man das echte Bairisch oder Alemannisch betrachtet, kann ich das nicht als dieselbe Sprache wie Standarddeutsch ansehen. Es sind verwandte, aber verschiedene Sprachen.

Standarddeutsch ist eine Art Mitteldeutsch mit teils oberdeutschem Lautstand und Einsprengseln aus dem ganzen deutschen Raum. Die im Volk gewachsenen Sprachformen kann ich deshalb nicht als bloße Dialekte einer einzigen deutschen Sprache sehen. Die Regionalsprachen haben natürlich wie alle Sprachen einige örtliche Mundarten hervorgebracht. Das Bestehen eines deutscher Kultur- und Sprachraum steht nicht im Widerspruch dazu. Ich betrachte Deutsch, Nordisch, Angelsächsisch und Friesisch als Zweige germanischer Sprachen so wie Gälisch und Britanmisch Zweige keltischer Sprachen sind.

Genau das habe ich gemeint, daß in der Schweiz in Ballungsräumen zwar Mundartausgleiche stattfinden, die Einwirkung des Standarddeutschen aber eher abnimmt. Während sich in Deutschland Standarddeutsch und Regionalsprachen vermischt haben, findet in Schweizer Ballungsräumen eine Vermischung von Ortsmundarten untereinander mit geringer Beteiligung des Standarddeutschen statt.

In den meisten Gebieten in Deutschland wird weniger für Regionalsprachen getan als in Frankreich. Das ist nicht zu bestreiten. Nur in Schleswig-Holstein sowie den friesischen und sorbischen Gebieten sieht es besser aus. Nur Griechenland ist da insgesamt noch schlechter. Frankreich sehe ich im Punkt Regionalsprachen an drittletzter Stelle in Europa.

Alex

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 12:28:26
Beitrag #47
RE: Gegen das Sprachensterben!
Also Schleswig-Holstein ist auch nicht unbedingt der Engel. Sicher, wenn man den Zwischenbericht mal durchblättert und überhaupt irgendwelche Punkte erfüllt oder teilweise erfüllt sind, ist Schleswig-Holstein häufiger da. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass irre viel noch zu machen ist.
Das meiste scheitert aber eher am fehlenden Engagement der Sprecherschaft. Es existiert scheinbar kaum Druck auf irgendwelche staatlichen Organe seitens der Sprecherschaft, höchstens durch wenige Vertreterorganisationen wie dem Institut für Niederdeutsche Sprache.
Niedersachsen ist aber nicht schlechter als andere. Bremen und Hamburg scheitern eigentlich genauso oft darin, Punkte der Charta durchzusetzen. Es wird sich ganz oft auf irgendwelchen Pseudodingen ausgeruht. Offiziell ist in Schleswig-Holstein Plattdeutsch Amtssprache, aber eigentlich hat das gar keine Bedeutung, weil nichts davon umgesetzt wurde, es wurde nur einfach so genannt.

Zu Bairisch und Alemannisch:
Dass sich Varietäten einer Sprache von dieser unterscheiden, ist ja klar. Das kann auch große Ausmaße annehmen. Aber was soziolinguistische Funktionen angeht, wie Gebrauch der Sprache etc. sind es eher Dialekte. Und geschichtlich gehören die oberdeutschen Dialekte mit den mitteldeutschen zusammen, auch wenn sie teils stark differieren. Das Standarddeutsche ist ohnehin eher eine Plansprache, die sich eben aus der Quintessenz der Dialekte zusammensetzt.
Ich bin kein Feind davon, Bairisch oder Alemannisch als Sprachen einzuteilen, nur meistens wird da einfach nur gesagt, die sind so unterschiedlich, also müssen sie Sprachen sein. Ich als absolute Nordleuchte verstehe eigentlich beides einigermaßen, selbst wenn es tiefstes Sprachgut ist. Woran ich allerdings häufiger scheitere ist das Schwytzerdütsch, was ich vielleicht wirklich als eigene Sprache einteilen würde, was auch mit seiner Funktion und immer größer werdende Bedeutung zusammenhängt.
Ich weiß gar nicht woher es kommt, aber auch mir hängt es an, dass Dialekte immer als schlechter betrachtet werden denn Sprachen. Auch Dialekte sind total schützenswert und haben ihr eigenes System.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 15:53:49
Beitrag #48
RE: Gegen das Sprachensterben!
Fehlende Entschiedenheit der Sprecher ist in Deutschland ein großer Schwachpunkt. Es scheint verpönt zu sein, für Regionalsprachen entschieden im politischen Raum einzutreten. In der deutschen Politik steht politische Korrektheit vielem im Weg. Außerdem wird in der deutschen Politik viel geheuchelt und hingehalten.
Wenn in Frankreich irgendwo etwas geschieht, was sich deutlich gegen Regionalsprachen richtet, sorgt das für heftige Proteste und Schlagzeilen. Immerhin gibt es dort einige Leute, welche die politische Auseinandersetzung über Regionalsprachen nicht scheuen.

Ich habe den Eindruck, daß Politiker in Frankreich eher offen ihre wahre Meinung vertreten anstatt etwas anderes vorzugeben. Wären wir in Frankreich, hätten die norddeutschen Bundesländer wohl die Sprachschutz-Charta einfach nicht unterzeichnet und es als Unfug bezeichnet, weil man sich ein weltgewandtes Gesicht geben will. Ich finde so Einstellungen alles andere als gut, aber wenn Politiker offen dazu stehen, wie sie zu etwas stehen, weiß man, wo man dran ist.

Tiefes, gesprochenes Bairisch verstehe ich kaum noch, wohingegen ich Niederdeutsch recht gut verstehe. Es gibt im tiefen Bairisch noch mehr Wörter wie im Niederdeutschen, deren Sinn sich mir nicht erschließt.

Lesen kann ich alle deutsche Regionalsprachen und auch Niederländisch recht gut, weil sie eben miteinander verwandt sind. Auch beim Friesischen verstehe ich schriftlich noch den grundsätzlichen Inhalt.

In der Gesellschaft hat Niederdeutsch heute auch eher eine Stellung wie ein Dialekt. Aber es ist wie Bairisch und Alemanmisch als Abstandsprache zu betrachten. Das gleiche gilt für Scots in Schottland. Für die Einstufung als Sprache spricht auch die Tatsache, daß die Baiern zusammen mit Österreich eine geschichtlich gewachsene Landsmannschaft bilden. Diese Ansicht wird auch von einigen Baiern vertreten und sprechen sich dafür aus, in die Sprachschutz-Charta aufgenommen zu werden.

Beim Flämischen reicht mir der Abstand genauso wenig aus wie beim Luxemburgischen, um sie als Sprachen für sich einzurufen. Flämisch ist der in Belgien gesprochene Dialekt des Niederländischen und Luxemburgisch der moselfränkische Schriftdialekt in Luxemburg. Österreichisch gibt es auch nicht. In Österreich (und Südtirol) gibt es bairische Dialekte und österreichisches Standarddeutsch.

Zum deutschen Sprach- und Kulturraum wiederum gehören auch die Niederlande (ohne Friesland), Flandern, die Deutsch-Schweiz und das Elsaß mit Teilen von Lothringen.
Bis mindestens ins 18. Jahrhundert gibt es für das Niederländische auch die Bezeichnung "deutsche Sprache der niederen Lande", was viele Niederländer heute wohl nicht mehr gerne hören.
Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 18:17:44
Beitrag #49
RE: Gegen das Sprachensterben!
Zitat:Tiefes, gesprochenes Bairisch verstehe ich kaum noch, wohingegen ich Niederdeutsch recht gut verstehe. Es gibt im tiefen Bairisch noch mehr Wörter wie im Niederdeutschen, deren Sinn sich mir nicht erschließt.
Wo kommst du denn her? Also bei tiefstem Bairisch verstehe ich 80-90%. Wenn ich mit meiner Oma auf Plattdeutsch spreche, die einen anderen Dialekt spricht als ich, und wir wohnen nur eine halbe Autostunde auseinander, verstehe ich 60-70%, andersherum wohl ähnlich.
Man sagt, dass noch etwa 20% des niederdeutschen Wortschatzes keine direkten hochdeutschen Kognate hat. In richtigem Plattdeutsch, also ein nicht hochdeutsch beeinflusstes, wird der Prozentsatz wohl noch höher sein. Wie es im Bairischen ist, weiß ich nicht. Aber, wenn auch eher unwissenschaftlich, wenn ich mal auf der bairischen Wikipedia lese, kommt mir alles einfach nur vor wie ein deutscher Dialekt, weil das meiste einfach eine Aussprachevariation/-varietät der deutschen Sprache ist. Also um als Abstandssprache zu gelten, reichen mir das, was ich vom Bairischen kenne, lange nicht aus.

Zitat:In der Gesellschaft hat Niederdeutsch heute auch eher eine Stellung wie ein Dialekt.
Was genau meinst du damit? Die Ansicht der Menschen? Das trifft oft nach zu, auch wenn in der Öffentlichkeit so langsam die Aufklärung eintritt, dass es sich um eine Sprache handelt. Was die soziolinguistischen und funktionellen Bereiche angeht, ist es auch heute noch nicht zum Dialekt geworden. Es wird nicht als reine informelle Sprache benutzt, wie es bei Dialekten ist. Es wird in Literatur, in regionalen Institutionen etc. benutzt. Selbst der Bundestag hat mal auf Plattdeutsch getagt. Jedes Jahr gibt es mehr als 100 neue Bücher, die erscheinen, es hat seinen festen Platz in Funk- und Fernsehen und wird auch in anderen Domänen benutzt.

Zitat:Beim Flämischen reicht mir der Abstand genauso wenig aus wie beim Luxemburgischen, um sie als Sprachen für sich einzurufen.
Gewiss, Flämisch ist keine Abstandssprache zum Niederländischen; Luxemburgisch auch nicht zum Moselfränkischen (allerdings zum Standarddeutschen). Aber der Abstand ist ja nicht das einzige Kriterium. Auch die staatliche Anerkennung und der staatliche Gebrauch zählen als Kriterium. Und dies trifft auf beide Varietäten zu, weil sie als Amtssprachen ihrer Lande anerkannt sind.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 19:37:04
Beitrag #50
RE: Gegen das Sprachensterben!
Auf fbsd.de bringt der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte Beispielsätze in unterschiedlich tiefem Bairisch. Und die echt bairischen Sätze sind für mich nicht mehr ohne übersetzung verständlich. Auf Wikipedia wird nur selten tiefes Bairisch benutzt. Das Niederdeutsch auf Wikipedia ist wohl auch standarddeutsch beeinflußt.

Ich bin Rheinländer. In der ripuarischen Wikipedia fällt mir beim Lesen auch auf, daß manches stark ans Standarddeutsche angelehnt ist.

Ich meinte, daß Niederdeutsch heute auch von vielen Sprechern für gewisse Anlässe an sich als unpassend und ungeeignet gehalten wird. Manche halten Niederdeutsch für einen Dialekt so wie manche Baiern Bairisch für eine Sprache halten.

Beim Niederdeutschen haben sich weitaus weniger Mischformen mit Standarddeutsch gebildet wie bei den anderen Regionalsprachen. So Formen nach Art vom Missingsch haben vielfach die Oberhand gewonnen und werden deshalb vielfach für die Sprachen an sich gehalten.

Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 21:46:11
Beitrag #51
RE: Gegen das Sprachensterben!
Nee, Missingsch ist etwas anderes. Die meisten denken, dass Missingsch abgeflachtes Plattdeutsch ist. Missingsch ist eine Mischsprache die komplett hochdeutschen Wortschatz hat, natürlich mit plattdeutschem Substrat wie aber in ganz Norddeutschland ohnehin. Die Grammatik ist eher plattdeutsch basiert. Wenn bei Plattdeutschsprechern weniger Distanzformen vorkommen und sie viele hochdeutsche Entlehnungen haben, ist das noch kein Missingsch.
Das Ohnsorgtheater wechselt zu Missingsch, wenn die Kamera an ist, damit auch Quiddjes sie verstehen.

Bairische Sprache und Dialekte
Ich muss sagen, dass deren Argumentation vollkommen hinkt. Die drei Punkte beweisen gar nichts. Sie sagen halt einfach nur: Bairisch ist eine Sprache und kein Dialekt der Amtssprache. Aber das ist eine Behauptung und weder Beweis noch Argument.
Und das über Niederdeutsch ist auch gleich wieder schlecht recherchiert...
Kannst du mir eben helfen? Ich finde da keine Rubrik, wo sie Sätze vorstellen und so.

Das Niederdeutsche in der Wikipedia hat eher die Tendenz sich vom Hochdeutschen zu unterscheiden. Natürlich gibt es dort auch Schreiberlinge, die viele hochdeutsche Entlehnungen haben, aber im Allgemeinen wird schon eher auf Distanz Wert gelegt.

Ik heff dat Föhl, wi dreiht us in'n Kreis. Dat lett, as harrn wi verschillen Menen doröver, wat Bairsch en egen Spraak is, or nich. Aver de hele Fraag, wat is en Dialekt un wat en Spraak, is woll blots subjektiev toenn to föhren, linguistsch sehn gifft dat dor ja jümmers noch vele Problemen, de nich optolösen sünd. Bavento lett sik dat ok mehrstendeels blots för elk Spraak sülven klären, en allgemeen gellen Regelwark is dor nich mehr mööglich.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
15.03.2012, 23:13:27
Beitrag #52
RE: Gegen das Sprachensterben!
(15.03.2012 21:46:11)Kevin schrieb:  Ik heff dat Föhl, wi dreiht us in'n Kreis. Dat lett, as harrn wi verschillen Menen doröver, wat Bairsch en egen Spraak is, or nich. Aver de hele Fraag, wat is en Dialekt un wat en Spraak, is woll blots subjektiev toenn to föhren, linguistsch sehn gifft dat dor ja jümmers noch vele Problemen, de nich optolösen sünd. Bavento lett sik dat ok mehrstendeels blots för elk Spraak sülven klären, en allgemeen gellen Regelwark is dor nich mehr mööglich.

Mecker Ob Kreis oder nicht, die Frage wäre in einem separaten Thread vermutlich besser aufgehoben.

Für die Sprachrettung ist die Unterscheidung zwischen 'Sprache' und 'Dialekt' eh müßig. Manche Kollegen haben daher auch vorgeschlagen, Termini wie Languoid oder Doculekt zu verwenden. Wenn es eine sprachliche Eintität ist, die einen eigenen Namen hat, ist es auf jeden Fall auch etwas, das dokumentiert / verwendet / geschützt werden sollte.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
16.03.2012, 02:32:05
Beitrag #53
RE: Gegen das Sprachensterben!
Entschuldigung. Ich habe zwei Netzseiten verwechselt. Die Beispielsetze finnen sich auf der österreichischen Seite

http://bairische-sprache.at

Dort muß man auf "Sprachlehrgang" klicken. Da gibt es eine Ausführung über Dialektebenen.

Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
18.03.2012, 18:17:50
Beitrag #54
RE: Gegen das Sprachensterben!
Bei den Friesen, vor allem den Saterfriesen, und Sorben sollte die Vermittlung von Sprachkenntnissen in den Schulen über das heute übriggebliebene Kerngebiet hinaus ausgedehnt werden. Man sollte nach irischem Vorbild so die Sprachen dorthin zurückbringen, wo sie (nahezu) ganz verschwunden sind. So lassen sich noch mehr neue Sprecher gewinnen. Das schließt bei Bedarf auch Schulen und Kindergärten mit Spracheintauchen ein.

Ich weiß von Ost-Friesland, daß dort immer noch ein friesisches Bewußtsein vorhanden ist, auch wenn das Friesische bis auf das Saterland verschwunden ist. Reste sind noch in Personen- und Flurnamen erhalten. Die gezielte Wiederbelebung des Friesischen in Form des Saterfriesischen würde ein verlorenes Teil der Eigenheit wieder einfügen. Das Saterfriesische ist schließlich ein Teil des Emsfriesischen.

In den weserfriesischen Gebieten würde sich die Wiederbelebung auf Grundlage des Wangerooger Friesischen anbieten. Diese Mundart wurde noch bis in die 50-er Jahre gesprochen und, hat reichlich überliefertes und erhaltenes Schriftgut und gehört zum Weserfriesischen. So könnte man der damals verlorenem Sprache recht nahe kommen.

Im Umkreis der Sorben wäre die Frage, wo das Sorbische überall wiederbelebt werden soll, schwieriger als in Ost-Friesland. Es gibt dort nicht ein klar umrissenes Gebiet, wo die Bürger trotz verlorener Sprache immer noch ein deutliches Eigenbewußtsein pflegen.

Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
18.03.2012, 22:21:06
Beitrag #55
RE: Gegen das Sprachensterben!
Eine Spitzfindigkeit am Rande. Wenn Du schon die friesischen Varietäten separat betrachtest, sollte dies für Ober- und Niedersorbisch auch geschehen.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
19.03.2012, 02:43:00
Beitrag #56
RE: Gegen das Sprachensterben!
Was ich hier aber schwierig finde, ist, dass Sprache nicht zu einem Gebiet sondern zu seinen Sprechern gehört. Wenn diese auf einem kleineren Gebiet als früher leben, wie die Ober- und Niedersorben, so kann man nicht unbedingt sagen, dass die anderen Nichtethnier auch diese Sprache annehmen sollen, weil sie auf einem ehemaligen Gebiet leben. Um es überspitzt darzustellen, würde niemand sagen, dass alle aus dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches wieder Latein lernen sollten.
In einigen australischen Völkern herrscht der Glaube, dass Sprache etwas Außermenschliches ist und auch ohne sie und auch an dem Ort, wo das Volk lebt, existiert. Das kann man allerdings nicht auf uns übertragen.
Zuerst sollte die Sprache in dem heutigen Gebiet gestärkt werden. Es kann sich danach vielleicht von alleine weiter ausweiten und eventuell seine ehemalige Verbreitung einnehmen. Aber nun Menschen dazu forcieren, eine Sprache zu lernen, die ehemals in ihrem Gebiet gesprochen wurde, halte ich für weniger förderlich. Die Menschen in Polen und dem Baltikum sollten ja nun auch kein Niederdeutsch lernen, nur weil es damals dort gesprochen wurde.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
19.03.2012, 22:21:43
Beitrag #57
RE: Gegen das Sprachensterben!
Eine Sprache gehört zuallererst einem Volk. Und ein Volk hat ein angestammtes Gebiet. Ob alle Menschen eines Volkes sie beherrschen und anwenden, ist eine andere Frage.

Niederdeutsch ist die Sprache des sächsischen Volksstammes. Trotz Vermischungen sehe ich die Deutschen volkskundlich nicht als eine Einheit, sondern als einen Verbund verwandter Völker. Das ist mit der Einteilung von Indianerstämmen vergleichbar. Kulturelle Unterschiede sind durchaus auszumachen, auch wenn in neuerer Zeit eine Angleichung stattfindet. Ich selbst fühle mich zuerst als rheinischer Franke und erst in zweiter Linie als Deutscher. Das Niederfränkische ist zusammen mit dem Niederländischen ist vom Niederdeutschen gesondert zu betrachten. Mit dem Ausspruch "unsere Sprache" meine ich nur das Rheinische.

Ich fasse Nieder- und Obersorbisch zusammen, weil das, was ich schreibe, auf beide zutrifft. Das gleiche gilt manchmal für die Friesen. Trotz der sprachlichen Unterschiede sind sie jeweils ein Volk.

Für das sorbische Kerngebiet bin ich für Sorbisch als Pflichtfach ohne Rücksicht auf die Volkszugehörigkeit. Dort finde ich es erstrebenswert, daß alle Einwohner des Sorbischen mächtig sind. Woanders im südlichen Brandenburg sollte es in Grundschulen eine einmalige Einführung ins Sorbische durch Wanderlehrer und ein Wahlfach Sorbisch in weiterführende Schulen geben.

Verpflichtenden Unterricht von Regionalsprachen befürworte ich überall dort, wo noch ein eigenes Volksbewußtsein und ein nennenswerter Anteil an Sprechern vorhanden ist. Zwecklos dürfte das Unterfangen überall dort sein, wo es (zu) viele erbitterte Gegner gibt.

Niederdeutsch sollte im angestammten Gebiet mit einer einheimischen Mehrheit verbreitet werden. Das trifft für Hinterpommern nicht mehr zu. Gleichwohl wäre es als Wahlfach vor allem in Orten mit verbliebenen niederdeutschen Einwohnern sinnvoll.

Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
20.03.2012, 00:32:10
Beitrag #58
RE: Gegen das Sprachensterben!
Zitat:Niederdeutsch sollte im angestammten Gebiet mit einer einheimischen Mehrheit verbreitet werden. Das trifft für Hinterpommern nicht mehr zu. Gleichwohl wäre es als Wahlfach vor allem in Orten mit verbliebenen niederdeutschen Einwohnern sinnvoll.
Aber warum möchtest du dann die anderen Sprachen auch außerhalb ihres heutigen Sprachgebietes wieder ansiedeln? Ich würde meinen, wenn Menschen in einem Gebiet eine Sprache lernen "müssen", obwohl es für das Gebiet keine Sprecher mehr gibt, weckt das nur Unmut dafür, weil erst recht kein Grund gesehen wird. Ich bin eher dafür, eine Sprache so in seinem heutigen Gebiet zu stärken, dass es von alleine wieder ungefähre Größe annimmt. Alles andere wäre nicht anzuraten.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
20.03.2012, 01:18:06
Beitrag #59
RE: Gegen das Sprachensterben!
Ich glaube, da gibt es eine Wechselwirkung zwischen Kerngebiet und drumherum. Wenn es wieder in einem größeren Gebiet Sprecher gibt, wird das den Sprechern im Kerngebiet Auftrieb geben. Ein sprachlich starkes Kerngebiet wird den Sprechern drumherum Rückendeckung geben.

Ob eine gezielte Wiederbelebung sinnvoll und durchsetzbar ist, hängt wiederum von verschiedenen Größen ab. Ein wichtiger Nährboden ist ein erhaltenes Volksbewußtsein. Irland ist ein gutes Beispiel für eine starke Abgrenzung gegenüber anderen trotz des Niedergangs der eigenen Sprache. Mit der Übernahme der englischen Sprache ist nicht einhergegangen, daß man sich immer mehr als Engländer oder Brite fühlt. Die Musik, der katholische Glaube und auch die verbliebene irischsprachige Minderheit haben auch einen Beitrag zum Erhalt des irischen Volksbewußtseins geleistet.

Das ist der Grund dafür, daß eine Wiederbelebungsbewegung entstanden ist und bis heute das verpflichtende Lehren der irischen Sprache im Bildungsgefüge von einer Mehrheit unterstützt oder gebilligt wird. Natürlich gibt es auch Gegner, die sich aber kaum durchsetzen konnten. Leider hat es nicht dazu geführt, daß viele Iren es wieder im ganzen Land als Muttersprache an Kinder vermittelt haben und somit das ganze Land wieder irischsprachig geworden ist.
In Wales hat das erhaltene Volksbewußtsein auch dazu geführt, daß Walisisch als Pflichtfach im ganzen Land in neuerer Zeit durchgesetzt werden konnte.

Ich bin keineswegs für blindes Durchsetzen mit der eisernen Faust. Das schadet einer Sprache mehr als das es nützt. Aber jede Wiederbelebungsbewegung hat einmal in einem kleinen Kern angefangen und hat Kreise gezogen, wo der Nährboden vorhanden war. Wo keinerlei Eigenbewußtsein und keine Sprecher mehr vorhanden sind, fehlt für eine Neubelebung jeder Nährboden. Gleichwohl ist das Anbieten einer Sprache als Wahlfach in benachbarten Gegenden sinnvoll.

Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
21.03.2012, 16:51:22
Beitrag #60
RE: Gegen das Sprachensterben!
Sorry für das halbe Off-Topic, aber es passt trotzdem irgendwie zur Sprachsterbendiskussion:
Ich komme gerade aus der Bremischen Bürgerschaft und habe zugeschaut wie die Landesfraktion darüber diskutiert hat, einen "Biraat för Plattdüütsch" zu machen, so wie es ihn in einigen Bundesländern bereits gibt. Die Diskussion war ernüchternd und typisch...
"Plattdüütsch ist eine heimliche und lustige Sprache..."
"Das Schimpfen klingt lustig auf Platt..."
"Nur ein Dialekt..."
"Warum schützen? Kann doch eh jeder Hochdeutsch..."
Sie wollten immer die wichtige Stellung des Deutschen herausstellen, danach käme Englisch und dann Spanisch/Französisch und vielleicht auch Türkisch und Russisch und dann erst käme Plattdeutsch. Dass ihr Deutsch in Norddeutschland eine Einwandersprache ist und nicht die heimische, ist den wenigsten wirklich klar geworden.
Nun wurde das Thema an die Kulturdelegation verschoben, wo es noch weniger ernst genommen werden wird und wo es erst recht nichts an den Schulen und Kindergärten ausrichten kann. Aber das war abzusehen.
Over and out.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema:VerfasserAntworten:Ansichten:Letzter Beitrag
  [Graph] Verstoß gegen Prinzipien der Schrift? paladino 2 915 24.05.2015 13:05:35
Letzter Beitrag: Anna K.
  [Allg]  Gegen Sprachmissionare! AlexderFranke 18 6.902 18.09.2012 17:58:03
Letzter Beitrag: thf
  [HowTo] Aktion gegen Sprachstigmatismus Kevin 6 3.397 14.03.2012 11:40:46
Letzter Beitrag: Sebastian
  Was tun gegen Mobbing? maaskantje 8 3.432 14.11.2011 16:30:36
Letzter Beitrag: Kevin
  Argumente für und gegen IP im Deutschen caesarforever 4 5.012 14.01.2009 22:47:18
Letzter Beitrag: Don Dunkel

Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste