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[Allg]: Allgemeines, Linguistik als Disziplin  » nicht erledigt Gegen das Sprachensterben!

01.08.2013, 02:03:10
Beitrag #91
RE: Gegen das Sprachensterben!
Ein bemerkenswerter Beitrag im Schweizer Fernsehen:


http://www.srf.ch/player/tv/rundschau/vi...06b77012cc

Die Schweiz zeigt, daß die (sprachliche) Eingliederung von Ausländern auch ohne Weiteres klappen kann, selbst wenn im Alltag fast alle die örtliche Mundart sprechen. In Deutschland könnte es heute so ähnlich wie in der Schweiz laufen, wenn es in vergangenen Zeiten keine rücksichtslose Bekämpfung der landschaftlich gefärbten Sprache gegeben hätte.


Was Regionalsprachen noch zusätzlich geschadet hat, ist das schon krankhafte Pressen der Staatssprache in enge Schablonen am grünen Tisch, wo sich vor allem Frankreich, Deutschland und England hervorgetan haben. Das wichtigste bei Verkehrssprachen ist einfach, daß man sich einwandfrei versteht. Weil selbst ein von der Regionalsprache gefärbter Tonfall in der Verkehrssprache für Benachteiligung in der Arbeitswelt gesorgt hat oder noch sorgt, hat das dafür gesorgt, daß viele Eltern mit ihren Kindern nur noch in der Verkehrssprache sprechen. Der Benachteiligung nur aufgrund der Einfärbung in der Sprache muß entgegengetreten werden!


Alex


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
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05.09.2013, 12:02:08
Beitrag #92
RE: Gegen das Sprachensterben!
... und mal wieder ein Blick in die weite Welt, fast genau ans andere Ende: Rapa Nui, die bodenständige (indigene) austronesische Sprache der "Osterinsel" zeigt sich Resilient:

http://www.pri.org/stories/politics-soci...14916.html

Eine Wiederbelebung und -erstarkung soll nichht nur Selbstzweck sein sondern auch dazu beitragen, die Insel touristisch interessanter zu machen. Wow...


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05.09.2013, 12:50:59
Beitrag #93
RE: Gegen das Sprachensterben!
Rongorongo - Schreibkurse wären sicher auch 'ne Attraktion dort. Lächel

(Hoffentlich geht's denen dort nicht zu arg um die Touristen?)


Lächel
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05.09.2013, 13:27:50
Beitrag #94
RE: Gegen das Sprachensterben!
Dafür müsste Rongorongo aber erst einmal entziffert sein. Zwinker
Das bringt mich auf eine Idee: Dechiffrier-Camps für Kryptogeeks!

So wie ich den Artikel verstehe, geht es den Leutchen schon darum, auch für die Touristen etwas "authentischer" rüberzukommen. Spanisch ist wohl zu allerweltig.


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05.09.2013, 13:40:18
Beitrag #95
RE: Gegen das Sprachensterben!
Oh, also zur "Entzifferung" von Rongorongo wird doch publiziert...
Soweit ich weiss, gibt's aber noch keine Schreibkurse dazu. ;-)

Wenn du so ein Camp organisierst, dann leite ich das an den Rongorongo-Entzifferer weiter.


Lächel
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05.09.2013, 14:38:42
Beitrag #96
RE: Gegen das Sprachensterben!
Mit Rongorongo ist das genau so ein Ideologiestreit wie anfänglich mit Linear A, dem Diskos von Phaistos oder immer noch mit dem Voynich-Manuskript. Ohne eine Bilingue kann man sich nie sicher sein, dass man es entziffert hat. OK, bei Rongorongo weiß man im Gegensatz zu Voynich und Phaistos zumindest mit extremer Sicherheit, dass und welche Sprache da geschrieben ist, aber eben immer noch nicht, nach welchem Prinzip. Mir ist bislang nicht bekannt, dass sie überprüfbar wirklich "geknackt" wurde.


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05.09.2013, 14:43:21
Beitrag #97
RE: Gegen das Sprachensterben!
(05.09.2013 14:38:42)janwo schrieb:  Mit Rongorongo ist das genau so ein Ideologiestreit wie anfänglich mit Linear A, dem Diskos von Phaistos oder immer noch mit dem Voynich-Manuskript. Ohne eine Bilingue kann man sich nie sicher sein, dass man es entziffert hat. OK, bei Rongorongo weiß man im gegensatz zu Voynich und Phaisos zumindest mit extremer Sicherheit, dass und welche Sprache da geschrieben ist, aber eben immer noch nicht, nach welchem Prinzip. Mir ist bislang nicht bekannt, dass sie überprüfbar wirklich "geknackt" wurde.

Jepp!
Mir sind nur "Knackversuche", bzw. Beschreibungsversuche bekannt...


Lächel
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18.09.2013, 21:29:25
Beitrag #98
RE: Gegen das Sprachensterben!
Ich habe einen lesenswerten Abschnitt über den Zusammenhang zwischen Lese- und Schreibfähigkeit im Volk und der Muttersprache vor Ort in früheren Zweiten gelesen.

http://www.ieg-ego.eu/de/threads/hinterg...etisierung



Darin liegt wohl eine Ursache unter anderen für den Niedergang einiger Regionalsprachen. Weil die Kinder nur in der Staatssprache unterrichtet worden waren und nur in ihr Lesen und Schreiben gelernt hatten, ist der Eindruck entwtanden, daß die Regionalsprache der Staatssprache unterlegen sei. Am Anfang hatten Kinder mit einer anderen Muttersprache weniger gelernt, weil sie zur Einschulung nichts oder kaum etwas verstanden hatten und später nicht alles verstanden hatten. Weil das Schulwesen von Regierenden geleitet worden war, die wie Kolonialherren gedacht haben, ist man an der Lebenswirklichkeit vor Ort völlig vorbeigegangen. Es ist widersinnig, daß ausgerechnet im Zeitalter, wo man vorgegeben hat, fortschrittlicher als in den althergebrachten König- und Kaiserrechen zu sein, die Unterdrückung von Regionalsprachen einen Höhepunkt in Europa erreicht hatte. Den französischen Königen war es recht gleichgültig, welche Sprache die Untertanen im Alltag gesprochen haben. Nur wer höhere Berufe und Bildung anstrebte, mußte Französisch und gegebenfalls Latein lernen. Erst die französische Revolution hatte den Gedanken hervorgebracht, daß französische Einsprachigkeit mit Fortschritt gleichzusetzen sei.



Um so schnell wie möglich alle Bürger zu Lese-und Schreibkundigen zu machen, wäre es angezeigt gewesen, die Kinder in ihrer Muttersprache zu unterrichten und ihnen die Staatssprache zu lehren, sobald sie Lesen und Schreiben in ihrer Muttersprache in Grundzügen beherrschen. Für die meisten Regionalsprachen haben altüberliefertes Schrifttum. Man hätte an Altüberliefertes im Schulwesen anknüpfen können. Selbst die deutschen Regionalsprachen hatten Schreibsprachen hervorgebracht. Eine gleichgeschaltete Bevölkerung läßt sich leichter lenken und beeinflussen als wenn in jeder Gegend die Einwohner ihre eigene Sprache zur Muttersprache haben. Ich habe den Verdacht, daß aus diesem Grund die weltweite Wirtschaft die Sprachlandschaft auf wenige Großsprachen beschränkt sehen würden. Menschen ohne große Bindung zur Heimat lassen sich einfacher wie Schachbrettfiguren nach Belieben von Arbeitgebern hin- und herschieben. Das Pflegen heimatlicher Kultur und Sprache ist somit auch Widerstand gegen eine gleichgeschaltete Menschheit, die zum Großteil den Konzernen nützt.



Gruß, Alex


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07.11.2013, 10:13:18
Beitrag #99
RE: Gegen das Sprachensterben!
Sechs kurze Portraits von letzten Sprechern (englisch):

omniglot schrieb:Linguists often race to study a language before it dies, tracking the extinction process much as conservationists would an endangered species. In a surprising number of cases, they have been able to pinpoint a single remaining speaker who will in some sense take that language to their grave. It gets a little complicated here, as this designation may indicate the last native-born speaker, the last monoglot speaker, or simply the last fluent speaker. Here are all the known people who currently qualify as "last speakers" of a language:

Quelle und mehr: http://www.omniglot.com/language/article...eakers.htm

Das Ganze ist natürlich auch eine Liste der Sprachen, die vermutlich als nächste aussterben werden.


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09.12.2013, 00:47:50
Beitrag #100
RE: Gegen das Sprachensterben!
http://www.washingtonpost.com/blogs/worl...languages/

Washington Post schrieb:Less than five percent of current world languages are in use online, according to a recent study by prominent linguist András Kornai -- and the Internet may be helping the other 95 percent to their graves.


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13.02.2014, 13:32:20
Beitrag #101
RE: Gegen das Sprachensterben!
reuters schrieb:The last known native speaker of the Klallam language, which the U.S. government once sought to phase out before funding an effort to preserve it, died in Washington state on Tuesday at age 103, friends and tribal leaders said.

The death of Hazel Sampson, who was taught the Klallam language by her parents before learning English, marks the end of an era, said Ron Allen, chairman of the Jamestown S’Klallam Tribe. Sampson died at a hospital in Port Angeles, Washington.

Klallam belongs to the Salish family of Native American languages, spoken in the Pacific Northwest and southwestern Canada.

"It’s the final chapter of one of our tribal citizens who grew up in the culture before we were exposed extensively to the non-Indian culture and language," Allen said. "We lost an elder who kept the culture and language of the S’Klallam people fresh in the younger generation."

Quelle: http://reut.rs/1iz9ni7
Via blog.linguisten.de

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15.02.2014, 19:24:02
Beitrag #102
RE: Gegen das Sprachensterben!
Ein paar Beispiele zeigen, daß eine Sprache wieder zur lebenden Sprache werden kann und der letzte fließende oder muttersprachliche Sprecher nicht das Ende bedeuten muß. Wenn einige Eltern sich entschließen, den Sprachwechsel zurück zu vollziehen und viele Kinder dasselbe tun, dann ist die natürliche Weitergabe der Sprache wieder im Gange. Ein Kern von muttersprachlichen Sprechern sorgt für Ansporn für andere, sie zu lernen, es sei denn, die Sprache wird von vielen als minderwertig gesehen und bewußt nicht mehr im Alltag benutzt. Für eine Wiederbelebung bedarf es der Überwindung von abwertenden Vorurteilen gepaart mit einigen Leuten, die beherzt an die Wiederbelebung als Alltagssprache gehen. Natürlich wird eine wiederbelebte Sprache nicht ganz genau deckungsgleich mit jener der Vorfahren sein. Aber wenn althergebrachte Schriftstücke wieder verstanden werden und die Sprache wieder im Alltag gesprochen wird, ist das ein Gewinn für die Nachkommen.

Alex

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