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[Sem]: Semantik, Etymologie, Semiotik  » nicht erledigt Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...

06.11.2015, 01:05:37
Beitrag #1
Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
... nach ihrer 'Bedeutungsstärke' in Bezug auf die Satzbedeutung klassifiziert werden? À la " das Subjekt macht etwa 25% aus, das Prädikat 30%"...

Ich habe leider kein Hauptseminar zur Semantik und Pragmatik gehabt, mich würde interessieren, ob es Arbeiten oder Theorien gibt, die in diese Richtung zielen.

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06.11.2015, 12:09:08
Beitrag #2
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
Die Relevanz der Satzglieder drückt sich meines Erachtens eher in syntaktischen Merkmalen aus, zumindest im Deutschen. (Wortstellung. Ist das Satzglied ein Substantiv oder Pronomen? Wird ein Substantiv mit dem bestimmten oder unbestimmten Artikel eingeführt?).

Bezüglich der Wortstellung im Mittelfeld gibt es natürlich Rangfolgen, die aber im Deutschen recht flexibel sind:
http://www.canoo.net/services/OnlineGram...index.html

Meine eigene Theorie ist da, dass im Deutschen die Verbundenheit mit dem Prädikat die Relevanz der anderen Satzglieder (Argumente und Adjunkte) bestimmt. Im Deutschen ist das mit der Satzklammer ja ziemlich paradox: Als je enger mit dem finiten Verbteil verbunden ein Satzglied empfunden wird, desto weiter entfernt von ihm positioniert man es. Ausnahme: Bei Ausklammerung ins Nachfeld hinter den infiniten Verbteil bedeutet das eher eine Abschwächung; Topikalisierung ins Vorfeld bedeutet hingegen eher eine Verstärkung.

Im übrigen aber ergibt sich die Gewichtung aus den Abweichungen von der neutralen Grundstellung im Mittelfeld eines deutschen Satzes.

Ob es aber in der linguistischen Fachliteratur bereits Vertreter dieser meiner These gibt, dafür habe ich mich bisher nicht interessiert.


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06.11.2015, 14:06:52
Beitrag #3
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
Hallo Gernot,

ich habe wohl mal wieder meine Frage nicht deutlich genug gestellt, da deine Antwort ziemlich stark auf die lineare Syntax abzielt. Ich versuchs nochmal. Jeder Satz hat ja (mindestens) eine Bedeutung. Dabei stehen manche Teile mehr im Fokus oder weniger (Stichwort topic /focus; Thema Rhema). Das Prädikat kann selbverständlich bespielsweise aufgrund eines vorherigen Fragekontextes Thema oder Rhema sein. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob es Studien oder pauschalisierungen gibt bezüglich des Prädikates, inwieweit es an der Satzaussage / Bedeutung beteiligt ist.

Lustigerweise ging deine Antwort in den Bereich der linearen Syntax, also Topologie, was ich jetzt wochenlang pauken musste/ durfte.

"Meine eigene Theorie ist da, dass im Deutschen die Verbundenheit mit dem Prädikat die Relevanz der anderen Satzglieder (Argumente und Adjunkte) bestimmt."

Da verstehe ich nicht genau, was du meinst.

"Im Deutschen ist das mit der Satzklammer ja ziemlich paradox: Als je enger mit dem finiten Verbteil verbunden ein Satzglied empfunden wird, desto weiter entfernt von ihm positioniert man es. Ausnahme: Bei Ausklammerung ins Nachfeld hinter den infiniten Verbteil bedeutet das eher eine Abschwächung; Topikalisierung ins Vorfeld bedeutet hingegen eher eine Verstärkung."

Paradox würde ich das mit der Satzklammer nicht nennen, eher die Tatsache, dass im Gegensatz zum Englischen im Deutschen beispielsweise in Aussagesätzen mit finitem Verb und Infinitiv die Objekte sich zwischen finitem und infinitem Verb befinden. Ich würde das anti-intuitiv benennen- Mark Twain, wenn ich mich richtig erinnere, hat das mal sogar als pervers tituliert.

Gerade der metaphorische und meiner Meinung nach tolle Begriff für den Deutschunterricht 'Satzklammer' ist in neueren Arbeiten schon neu definiert bzw. verworfen worden (Höhle 1986 und Pavel 2009 ohne Gewähr Zwinker) Die neueren Modelle definieren auch mehr Positionen bzw. Slots als die 'herkömmlichen' 5. Beispielsweise gibt es vor dem Vorfeld ein Topikfeld, was eventuell durch ein hängendes Topik besetzt wird.

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06.11.2015, 15:36:40
Beitrag #4
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
(06.11.2015 14:06:52)Chano schrieb:  Das Prädikat kann selbverständlich bespielsweise aufgrund eines vorherigen Fragekontextes Thema oder Rhema sein. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob es Studien oder pauschalisierungen gibt bezüglich des Prädikates, inwieweit es an der Satzaussage / Bedeutung beteiligt ist.
Üblicherweise definiert man das Prädikat als DIE Satzaussage! Ich würde es zumindest immer als den bei weitem wichtigsten Teil des Satzes ansehen. Dass das Prädikat topikalisiert wird, ist ja auch eher ungewöhnlich, aber kommt vor!

Etwa:
 Spazieren gehe ich heute nicht.
Rad fahre ich morgen.

Ich habe hier bewusst zwei Beispiele gewählt, die früher als trennbare Verben behandelt wurden und in infiniten Verbformen zusammengeschrieben wurden. Rad fahren hat man dabei wohl auch bewusst an die Schreibweise von Auto fahren angeglichen, das schon immer so geschrieben wurde. Ich hätte es ja genau umgekehrt gemacht, denn ich denke Auto in Auto fahren ist Teil des Prädikats. Auto bzw. Rad ist hier nicht Aktant/Argument/Komplement.

Ebenso würde ich verneinen, dass zu Mittag in dem Satz
 Ich esse um zwölf Uhr zu Mittag.
... ein Adjunkt, eine Angabe oder eine freie Adverbialbestimmung ist. Zu Abend/Mittag essen, das ist analog zu frühstücken Teil des Prädikat und verhält sich, auch wenn es in drei getrennten Wörtern geschrieben wird, wie ein Verb mit trennbarer Vorsilbe: Außer bei Topikalisierung bildet es eine Satzklammmer mit dem finiten Prädikatsteil. Als infiniter Bestandteil mit zum Prädikat zu gehören, ist die engste denkbare Verbindung mit dem finiten, konjugierten Prädikatsteil.

(06.11.2015 14:06:52)Chano schrieb:  "Meine eigene Theorie ist da, dass im Deutschen die Verbundenheit mit dem Prädikat die Relevanz der anderen Satzglieder (Argumente und Adjunkte) bestimmt."

Da verstehe ich nicht genau, was du meinst.
Na, wenn wir uns die anderen Tendenzen anschauen, die Canoo.net für die Wortstellung im Mittelfeld als relevant nennt:
Canoo.net schrieb:
Mitteilungswert
„Alt vor neu“
Form Satzgliedes
Bestimmt vor unbestimmt
Pronomen vor Nomen
Bedeutung
Belebt vor unbelebt
http://www.canoo.net/services/OnlineGram...entence531
... so fällt auf, dass diese von der Bedeutung für den Satz her umso stärker gewichtet werden oder sind, je näher sie vor der schließenden Satzklammer bzw. ganz am Ende des Satzes stehen. Die Regel bestimmt vor unbestimmt würde ich dabei sogar unter die Regel Alt vor neu subsumieren.


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06.11.2015, 16:49:18
Beitrag #5
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
...genau, das ist die Richtung, die ich ansteuern wollte. Das Prädikat ist die Satzaussage. Gibt es dazu weitere Forschung bzw. Modelle unter der Lupe der Semantik?Ist das Prädikat ein Träger von semantischen Informationen, die für die Satzaussage wichtig, unentbehrlich oder vielleich sogar unnötig sind? Hier geht es mir aber nicht um syntaktische Funktionen.

"Ich esse um zwölf Uhr zu Mittag."

Ich würde zu Mittag als fakultatives Argument /Adverbiales Temporal des Prädikats bezeichnen. Deine Argumentation mit frühstücken kann ich allerdings voll nachvollziehen und dies zeigt mal wieder, wie unlogisch manche Kategorisierungen und dementsprechend Schreibweisen im Duden sind.

canoo.net kannte ich gar nicht- vielen Dank!!! Ich habe leider die Seite mit den Mittelfeldabfolgepräferenzen nicht gefunden. In der Literatur habe ich bislang immer nur genau diese Präferenzen in Hinblick auf topologische abfolgen entdeckt, nicht aber, speziell auf den Mitteilungswert bezogen.

" Die Regel bestimmt vor unbestimmt würde ich dabei sogar unter die Regel Alt vor neu subsumieren. "

Ja, das finde ich auch. Natürlich gibt es für alles Ausnahmen, aber generell stehen diese Präferenzen für Unmarkeiertheit.

".. so fällt auf, dass diese von der Bedeutung für den Satz her umso stärker gewichtet werden oder sind, je näher sie vor der schließenden Satzklammer bzw. ganz am Ende des Satzes stehen."

Da muss aucht beachten, dass es sehr viele Sätze ohne rechte Satzklammer gibt. Also beispielsweise alle Aussagesätze (V2), deren finites Verb ohne Hilfs- oder Modalverb auskommt.

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06.11.2015, 18:33:47
Beitrag #6
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
(06.11.2015 16:49:18)Chano schrieb:  Da muss aucht beachten, dass es sehr viele Sätze ohne rechte Satzklammer gibt. Also beispielsweise alle Aussagesätze (V2), deren finites Verb ohne Hilfs- oder Modalverb auskommt.
Naja, meine Theorie ist ja gerade, dass es immer eine Satzklammer gibt und diese aus dem finiten Verb als öffnender Satzklammer und demjenigen Element als schließender Satzklammer gebildet wird, das mit diesem in der engsten Verbindung steht. Die anderen Satzglieder richten sich je nach Gewichtung ihrer Relation zum Prädikat davor ein. Ausnahmen bilden, wie gesagt, das Vor- und das Nachfeld mit einer Auf- bzw. Abwertung der Bedeutung des betreffenden Satzteils innerhalb des Satzes als Ganzes.

Die Übergänge zwischen Aktanten- bzw. Adjunktstatus einerseits und Prädikatsteil der eine Satzklammer bildet andererseits sind fließend; das wollte ich mit meinen Beispielen von "zu Mittag essen", "Rad fahren" etc. sagen. Klar, kann man "zu Mittag essen" auch im Sinne von "zur Mittagszeit essen" verstehen und "Rad fahren" auch im Sinne von "ein (bestimmtes) Zweirad fahren"; dann ist "zu Mittag" Adjunkt bzw. "Rad" Akussativergänzung/Akkusativobjekt. Das ist aber wohl nicht das gängige Verständnis dieser Aktivitäten.

(06.11.2015 16:49:18)Chano schrieb:  Ich habe leider die Seite mit den Mittelfeldabfolgepräferenzen nicht gefunden.
Sorry, ich hatte den Link zu setzen vergessen:
http://www.canoo.net/services/OnlineGram...entence531
Ich hole das auch in meinem obigen Beitrag nach.


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06.11.2015, 20:41:14
Beitrag #7
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
Nach dem (oft nach Frege benannten) Kompositionalitätsprinzip hängt die Bedeutung des Aussagesatzes von den Bedeutungen der - dafür relevanten - Teile des Satzes ab. Die Formulierungen stimmen nicht immer ganz überein und sind auch schwammig. Beispiel (Zitat aus einem noch zu veröffentlichenden Buch von C. Schlaberg):

<< „Die Interpretation eines komplexen Ausdrucks ist eine Funktion der Interpretation seiner Teile“ (L.T.F. GAMUT, Logic, Language, and Meaning, 2. Band, 1982: 140, Übers. d. Verf.). Für manches Beispiel ist das intuitiv einsehbar: Was „Peter schwitzt“ bedeutet, hängt davon ab, was „Peter“ zum einen und was „schwitzt“ zum anderen bedeutet. Wir verzichten allerdings möglichst auf die Rede von Bedeutungen. Stattdessen [kann] das Kompositionalitätsprinzip [auch mit Bezug] auf Wahrheitsbedingungen von Interesse [sein]: Allgemein hängt auch, ob eine Äußerung „Peter schwitzt“ wahr ist, davon ab, was mit „Peter“ gemeint ist zum einen und was mit „schwitzt“ gemeint ist zum anderen. Überdies wird sich eine derartige Äußerung auf eine Situation in Raum und Zeit beziehen. Und ob die Äußerung wahr ist, hängt auch davon ab, ob es in der betreffenden Zeit an dem betreffenden Ort eine Situation in der Welt gibt, in der Peter schwitzt. Welcher Art diese Situation sein muss, um die Äußerung wahr zu machen, hängt wiederum davon ab, was mit „Peter“ und was mit „schwitzt“ gemeint ist. Jedenfalls trägt sowohl „Peter“ als auch „schwitzt“ zu den Wahrheitsbedingungen der Äußerung bei. Wohl weisen Äußerungen eine Fülle von Ausdrücken auf, die eher keinen Beitrag zur deren Wahrheitsbedingungen leisten, als Annahmen oder Gesinnungen des Sprechers zum Ausdruck zu bringen, die nicht zur eigentlichen Argumentation gehören. So drückt das „dennoch“ in „Dennoch ist Leben entstanden“ vielleicht aus, dass der Sprecher die Entstehung des Lebens verwunderlich findet. >>

Zur Frage nach einer semantischen 'Gewichtung' von Satzgliedern lässt sich demnach auf jeden Fall sagen, dass bestimmte Ausdrücke, die als Satzglieder funktionieren können, typischerweise keinen wahrheitsfunktionalen Beitrag leisten, sondern eher über Sprechereinstellungen informieren (dazu genauer z.B. Stephen C. Levinson: Pragmatik). Was die Teile, die einen wahrheitsfunktionalen Beitrag leisten, betrifft, weiß ich gerade keinen Grund für eine unterschiedliche Gewichtung. Unter welchen Bedingungen "Peter schwitzt" wahr ist, hängt doch 'gleichermaßen' von "Peter" wie von "schwitzt" ab. Schließlich ist es ein Grundzug von Aussagesätzen, dafür, wahr oder falsch zu sein (Wahrheitsbedingungen zu haben), sowohl eines Prädikats ('Satzaussage') als auch eines 'Argumentors' zu bedürfen - daher charakterisierte Frege die Ergänzung des Begriffsaudrucks (z.B. "schwitzt") durch einen Gegenstandsausdruck (z.B. "Peter") als 'Sättigung'.

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06.11.2015, 23:52:34
Beitrag #8
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
(06.11.2015 18:33:47)Gernot Back schrieb:  Naja, meine Theorie ist ja gerade, dass es immer eine Satzklammer gibt und diese aus dem finiten Verb als öffnender Satzklammer und demjenigen Element als schließender Satzklammer gebildet wird, das mit diesem in der engsten Verbindung steht. Die anderen Satzglieder richten sich je nach Gewichtung ihrer Relation zum Prädikat davor ein. Ausnahmen bilden, wie gesagt, das Vor- und das Nachfeld mit einer Auf- bzw. Abwertung der Bedeutung des betreffenden Satzteils innerhalb des Satzes als Ganzes.

Ich verstehe genau, was du meinst. Allerdings gibt es da für eine Pauschalisierung, meiner Meinung nach, zu viele Ausnahmen, wo keine rechte oder schließende Satzklammer vorhanden ist.
Beispiel:
Gustav duscht sich jeden morgen um halb 5.
Jeden morgen um halb 5 duscht sich Gustav.

Die Topologen sagen hier, dass die rechte Satzklammer leer sei. Nach der LSK komme nur noch das Mittelfeld. Sätze mit ähnlicher Struktur gibt es zu Hauf. Insofern möchte ich deiner Theorie, dass es immer eine (rechte) Satzklammer gebe, widersprechen und hoffe, dass du dies nicht negativ wertest. Die Diskussion finde ich sehr interessant. Sry, ich bin neu hier und kein großer Wissenschaftler-ich bin in verschiedenen Foren wie Sport, Medizin, Gesellschaftsspiele u. Ä. aktiv und habe es schon oft erlebt, dass schnell 'Stunk entsteht', was ich hier aber nicht annehme.Prost

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07.11.2015, 00:10:51
Beitrag #9
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
(06.11.2015 20:41:14)kunnukun schrieb:  Nach dem (oft nach Frege benannten) Kompositionalitätsprinzip hängt die Bedeutung des Aussagesatzes von den Bedeutungen der - dafür relevanten - Teile des Satzes ab. Die Formulierungen stimmen nicht immer ganz überein und sind auch schwammig. Beispiel (Zitat aus einem noch zu veröffentlichenden Buch von C. Schlaberg):


Zur Frage nach einer semantischen 'Gewichtung' von Satzgliedern lässt sich demnach auf jeden Fall sagen, dass bestimmte Ausdrücke, die als Satzglieder funktionieren können, typischerweise keinen wahrheitsfunktionalen Beitrag leisten, sondern eher über Sprechereinstellungen informieren (dazu genauer z.B. Stephen C. Levinson: Pragmatik). Was die Teile, die einen wahrheitsfunktionalen Beitrag leisten, betrifft, weiß ich gerade keinen Grund für eine unterschiedliche Gewichtung. Unter welchen Bedingungen "Peter schwitzt" wahr ist, hängt doch 'gleichermaßen' von "Peter" wie von "schwitzt" ab. Schließlich ist es ein Grundzug von Aussagesätzen, dafür, wahr oder falsch zu sein (Wahrheitsbedingungen zu haben), sowohl eines Prädikats ('Satzaussage') als auch eines 'Argumentors' zu bedürfen - daher charakterisierte Frege die Ergänzung des Begriffsaudrucks (z.B. "schwitzt") durch einen Gegenstandsausdruck (z.B. "Peter") als 'Sättigung'.

Vielen Dank für diese tolle Antwort. Ich wollte hier eigentlich nicht den Fokus auf den Wahrheitsgehalt beziehen, sondern mehr auf die Informationen, die abgesehen vom Wahrheitsgehalt vom Prädikat gespeichert bzw. bereitgestellt werden.
Naja, ich druckse hier eigentlich schon die ganze Zeit so herum. Aber ich habe eine Hypothese, wenn man das überhaupt so nennen kann, und zwar, dass die Gewichtung des Prädikats für die Satzinformationen sehr gering und oft sogar fakultativ sind. Undecided Allerdings suche ich halt noch immer nach Forschungsliteratur diesbezüglich.

Zu meiner Verteidigung muss ich anführen, dass ich grad mitten im Examen stecke und jetzt wochenlang in der Sprachwissenschaft rumgewuselt habe, mit der Folge, dass ich den ganzen Tag über irgendwelche Phänomene nachdenke und diese, ohne großes wissenschaftliches Begründen, in Frage stelle. Jetzt gerade bin ich etwas auf dem Feldzug "Das Prädikat wird überbewertet". Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Verb den Kasus zuweist...

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07.11.2015, 08:35:50
Beitrag #10
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
Zitat:eigentlich nicht den Fokus auf den Wahrheitsgehalt beziehen, sondern mehr auf die Informationen, die abgesehen vom Wahrheitsgehalt vom Prädikat gespeichert bzw. bereitgestellt werden

Wahrheitsbedingungen (nicht nur: ob der Satz wahr oder falsch ist) hängen wohl eng mit 'Bedeutung' zusammen. "Bedeutung" ist ein Wirrwarr von Intuitionen und Konzepten, dem man - als Gewusel - wohl systematisch in einem Familienähnlichkeitenmodell gerecht werden könnte; :-) wenn man das mal wollte. Jedenfalls: Die mitgeteilten Informationen sind ja nur Informationen, wenn der Satz oder die Äußerung wahr ist. Daher trifft "Wahrheitsbedingungen" das, worauf du hinaus willst, vielleicht durchaus besser?
In den 80ern kam die 'Situationssemantik' (Barwise u.a.) auf, nach der Äußerungen über Situationen informieren. Über "Situations" gibt es in der Stanford-Encyclopedia online einen Aufsatz von der Linguistin Angelika Kratzer.

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07.11.2015, 10:44:08
Beitrag #11
RE: Gibt es ein Modell, nach dem Wortarten und Satzglieder ...
(06.11.2015 23:52:34)Chano schrieb:  Ich verstehe genau, was du meinst. Allerdings gibt es da für eine Pauschalisierung, meiner Meinung nach, zu viele Ausnahmen, wo keine rechte oder schließende Satzklammer vorhanden ist.
Beispiel:
Gustav duscht sich jeden morgen um halb 5.
Jeden morgen um halb 5 duscht sich Gustav.
Dieses Beispiel ist in der Tat wenig geeignet, eine Aussage über eine wortstellungsbedingt höhere oder niedrigere Relevanz des Satzgliedes im Satz zu treffen:
In diesem Satz sind das Subjekt und die Zeitangabe die einzigen Satzglieder, wenn man von dem inhaltlich mit dem Subjekt identischen Reflexivpronomen sich einmal absieht. Das Subjekt, hier Gustav, dessen häufigste Stellung ohnehin jene im Vorfeld des Satzes ist, wird aber dadurch, dass es an die Stelle der rechten Satzklammer rückt auch nicht abgewertet. Bei nur zwei Satzgliedern trifft das wohl auch auf jedes andere Satzglied zu. Wenn wir jeden Morgen und um halb fünf jedoch als zwei getrennte Satzglieder verstehen, sieht das schon anders aus:
 Jeden Morgen duscht sich Gustav um halb fünf.
Um halb fünf duscht sich Gustav jeden Morgen.
Hier sehe ich eine deutliche Herabstufung der Gewichtung des Subjekts gegenüber den Zeitangaben.
(06.11.2015 23:52:34)Chano schrieb:  Die Topologen sagen hier, dass die rechte Satzklammer leer sei. Nach der LSK komme nur noch das Mittelfeld. Sätze mit ähnlicher Struktur gibt es zu Hauf. Insofern möchte ich deiner Theorie, dass es immer eine (rechte) Satzklammer gebe, widersprechen und hoffe, dass du dies nicht negativ wertest. Die Diskussion finde ich sehr interessant. Sry, ich bin neu hier und kein großer Wissenschaftler-ich bin in verschiedenen Foren wie Sport, Medizin, Gesellschaftsspiele u. Ä. aktiv und habe es schon oft erlebt, dass schnell 'Stunk entsteht', was ich hier aber nicht annehme.Prost
Naja, wir sind doch unter anderem auch hier, um konkurrierende Modelle und Sichtweisen zu diskutieren. Wir beschimpfen uns deshalb ja nicht gleich. Im übrigen geht es diesbezüglich in diesem Forum vergleichsweise sehr entspannt zu, wie ich meine.


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