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[Theor]: Sprach- und Grammatiktheorie  » nicht erledigtGrammatizität jenseits der Sprache

31.01.2013, 22:29:35,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.02.2013, 00:30:04 von kunnukun
Beitrag #1
Grammatizität jenseits der Sprache
Es gab einige Versuche, eine Architekturtheorie auf semiotischer Basis zu entwickeln, z. B. bei Eco, Broadbent, Krampen. Siehe hierzu auch in Winfried Nöths "Handbuch der Semiotik"!
In Celle stehen zwei Siedlungen, die grammatische Aspekte modernen Wohnungsbaus der Zwanzigerjahre sehr beispielhaft und zugleich in einzigartiger Weise verdeutlichen: die Siedlungen Georgsgarten und Blumläger Feld von Otto Haesler, der den Zeilenbau in die Moderne einführte.
Hierzu folgender Aufsatz:

http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/182/

Führungen durch diese Siedlungen:

http://otto-haesler.schlaberg.net/otto_h...online.pdf


Attachment ... gelingt mir nicht. Die verlinkten Texte enthalten Bilder. Weitere in

http://www.flickr.com/photos/58021590@N0...971101888/

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07.03.2013, 20:21:05,
Beitrag #2
RE: Grammatizität jenseits der Sprache
Da ich diesen Thread schon einmal eröffnet habe, kann ich ihn gleich fortsetzen mit einem Beitrag, von dem jeder Linguist zugeben wird, dass er hier nicht ganz unpassend ist. Denn es geht um eine Bezugnahme syntaktischer Theorie auf Nichtsprachliches durch einen der bekanntesten Linguisten! Ray Jackendoff schrieb zusammen mit Fred Lerdahl „A Generative Theory of Tonal Music“ (Erstausgabe 1983).
Es geht um Folgendes: Aus der Gestaltpsychologie kennen wir Gruppierungsphänomene. Zum Beispiel wird man in xxx xxxx eher eine kleinere Gruppe links und eine größere rechts sehen als eine größere linke und eine kleinere rechts, und zwar in diesem Fall bedingt durch den größeren Abstand an einer Stelle zwischen zwei x’s. Doch außer Abstand kann anderes für Gruppierung verantwortlich sein, z. B. Größe:
xxxXXXX
Beide können die gleiche Einteilung unterstützen:
xxx XXXX
Abstand und Größe können allerdings auch einander widersprechende Gruppierungen unterstützen:
xxxXX XX
Derartige Phänomene prägen ganz besonders unser Erleben von Musik.

Mit Recht schreiben die Autoren: „The process of grouping is common to many areas of human cognition.“ In der Tat wird man leicht ähnliche Phänomene in anderen kulturellen Praktiken ausmachen – ich meine: ganz besonders auch in der Architektur, man denke an Fenstergliederungen , Aufteilung in Baukörper, Gliederung eines Ensembles nach Bauhöhen, …
In Bezug auf Musik geben die Autoren einige Regeln an und machen sie eine hierarchische Struktur aus.
In anderen Arbeiten der Achtziger unterstreicht Jackendoff übrigens die Relevanz des Phänomens für die Wortsemantik, wenn es darum geht, der Rolle von Familienähnlichkeiten Rechnung zu tragen.
Ich selbst glaube, dass Grammatizität allgemein durch Familienähnlichkeiten zwischen wesentlichen Phänomenen verschiedener kultureller Praktiken ‚zusammengehalten’ wird – Syntax wird ja durchaus als Teil der Semiotik angesehen und sollte sich daher in Themen der Kultursemiotik wiederfinden, die nicht direkt zum Kernbereich der Linguistik gehören.

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27.03.2013, 10:27:09,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.03.2013, 09:37:51 von thf
Beitrag #3
RE: Grammatizität jenseits der Sprache
(31.01.2013, 22:29:35)kunnukun schrieb: Es gab einige Versuche, eine Architekturtheorie auf semiotischer Basis zu entwickeln, z. B. bei Eco, Broadbent, Krampen. Siehe hierzu auch in Winfried Nöths "Handbuch der Semiotik"!

Was ich mich dabei frage: in der Architektur gibt es die Richtung des Dekonstruktivismus, die so weit ich das verstanden habe (kenne mich mit Architektur nicht aus), ja auf der Dekonstruktion bzw. dem Poststrukturalismus aufsetzt. Ist das nicht auch schon eine semiotische Architekturtheorie?
(Bzw.: Wie ist der Zusammenhang zwischen Semiotik und Poststrukturalismus; zumindest wird dort ja zeichentheoretisch argumentiert.)

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28.03.2013, 16:44:54,
Beitrag #4
RE: Grammatizität jenseits der Sprache
(27.03.2013, 10:27:09)thf schrieb:
(31.01.2013, 22:29:35)kunnukun schrieb: Es gab einige Versuche, eine Architekturtheorie auf semiotischer Basis zu entwickeln, z. B. bei Eco, Broadbent, Krampen. Siehe hierzu auch in Winfried Nöths "Handbuch der Semiotik"!

Was ich mich dabei frage: in der Architektur gibt es die Richtung des Dekonstruktivismus, die so weit ich das verstanden habe (kenne mich mit Architektur nicht aus), ja auf der Dekonstruktion bzw. dem Poststrukturalismus aufsetzt. Ist das nicht auch schon eine semiotische Architekturtheorie?
(Bzw.: Wie ist der Zusammenhang zwischen Semiotik und Poststrukturalismus; zumindest wird dort ja zeichentheoretisch argumentiert.)

Ja, eine naheliegende Frage, denn in der Tat: Semiotiker neigten traditionell zu poststrukturalistischem Jargon. Ich meine: leider. Und: Es geht besser, was den Theorieanspruch angeht. Andere, weniger stark rezipierte, Ansätze - zum Teil mehr an wissenschaftstheoretischen Arbeiten des Wiener Kreises geschult und entsprechend näher einer Tradition der linguistischen Semantik - finden sich u. a. in: Semiotik /Semiotics. Ein Handbuch zu den zeichentheoretischen Grundlagen von Natur und Kultur /A Handbook on the Sign-Theoretic Foundations of Nature ... of Linguistics & Communication Science), hrsg. v. Roland Posner, Klaus Robering, Thomas A. Sebeok. Ich selber ertrage Derrida usw. schlecht und sage daher hier nichts weiter dazu. Nur allgemein: "Zeichen" ist ein alltagssprachliches Wort, das Explikationsversuchen ("Explikation" im Sinne Carnaps) zugänglich ist. Daher wäre eine Bindung von Semiotik und Zeichentheorie an eine Theorie oder gar einen Jargon ziemlich fragwürdig. (Sogar der populäre Eco ist da zum Glück offener.)
Ein Hinweis: 2011 erschien eine Superarbeit, die eine Theorie der Architektur auf Goodmans Symboltheorie aufbaut!!! → Christoph Johannes Baumberger: "Gebaute Zeichen". Natürlich mit zahlreichen Beispielen.

"in der Architektur gibt es die Richtung des Dekonstruktivismus" - OK, allerdings beansprucht eine semiotische Architekturtheorie eher, Bauwerke generell unter einem Zeichenaspekt zu begreifen, nicht nur solche, die allzu bewusst unter einem Zeichenaspekt geplant wurden. Ich meine: Letztere sind eher uninteressant, und es ist ein Armutszeugnis für Semiotiker, wenn sie sich besonders stark solchen 'theoriegeladenen' Bauwerken zuwenden.
Wenn sich eine Mietskaserne oder ein typisches Fünfzigerjahreeinfamilienhaus unter zeichentheoretischen Aspekten mit Erkenntnisgewinn beschreiben lassen, taugt das mehr als eine Fixierung auf Zaha Hadid,
Peter Eisenman, ... Und schließlich: Von Lotman ging eine Idee von Werkzeugen einer Kultur als 'Texten' dieser Kultur aus - da kann ein Verständnis von Architektur sicher anknüpfen. (Posner hat Ähnliches z. B. mit Bezug auf Äxte u. ä. versucht: "Was ist Kultur?", 1992.
Aber das Buch von Baumberger ist, glaube ich, DAS neuere Ereignis auf dem Gebiet.

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03.04.2013, 21:51:15,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.04.2013, 22:27:25 von thf
Beitrag #5
RE: Grammatizität jenseits der Sprache
Danke für die Rückmeldung, das ist sehr interessant Lächel

(28.03.2013, 16:44:54)kunnukun schrieb: Ja, eine naheliegende Frage, denn in der Tat: Semiotiker neigten traditionell zu poststrukturalistischem Jargon. Ich meine: leider. Und: Es geht besser, was den Theorieanspruch angeht. [...] Ich selber ertrage Derrida usw. schlecht und sage daher hier nichts weiter dazu.
Teilweise heißt es ja, dass Theoretiker, die zum Poststrukturalismus gezählt werden, in der Philosophie nicht so richtig hoch im Kurs sind - während sie in der Literaturwissenschaft etwa recht populär sind (waren?). Da wär dann die Frage, wie die Semiotker zu dem Jargon gekommen sind, bzw. wie da die "Wanderbewegungen" so sind.

(28.03.2013, 16:44:54)kunnukun schrieb: [...] OK, allerdings beansprucht eine semiotische Architekturtheorie eher, Bauwerke generell unter einem Zeichenaspekt zu begreifen, nicht nur solche, die allzu bewusst unter einem Zeichenaspekt geplant wurden. Ich meine: Letztere sind eher uninteressant, und es ist ein Armutszeugnis für Semiotiker, wenn sie sich besonders stark solchen 'theoriegeladenen' Bauwerken zuwenden.
Wenn sich eine Mietskaserne oder ein typisches Fünfzigerjahreeinfamilienhaus unter zeichentheoretischen Aspekten mit Erkenntnisgewinn beschreiben lassen, taugt das mehr als eine Fixierung auf Zaha Hadid,
Peter Eisenman, ...
Da ist was dran, das hatte ich übersehen. Tatsächlich war das etwas, was mir etwa beim lesen von Werken von Jan Kjærstad ("Rand", ist da so ein Beispiel) aufgefallen ist, wo der Eindruck entsteht, dass er Romane zur Theorie schreibt; beurteilt man Theorien allerdings danach, welche Vorhersagen sie treffen, bzw. welche neuen Erkenntnisse sie bringen, ist das eher zirkulär (was nach meinem Eindruck aber zugleich wieder genau zu dieser Haltung passt).

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04.04.2013, 13:32:37,   Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.04.2013, 17:47:42 von kunnukun
Beitrag #6
RE: Grammatizität jenseits der Sprache
Und nun gehe man einmal 'bewusst' durch einen Vorort mit Einfamilienhäusern der Fünfziger bis Achtziger: Was da gewissermaßen 'zum Ausdruck kommt' bzw. kommen soll hinsichtlich des Selbstverständnisses von Bauherrn oder Architekten, etwa "Ich bin modern", und wie da 'zitiert' wird, sogar Mies van der Rohe u. a. Und wenn bloß im Garten eine Lampe aufgestellt wird, solch eine:
http://wohnideen-mobel.com/luxus/garten/...en-garten/
oder solch eine:
http://www.badspiegel.org/leuchten/au-en...a-3004190/
Man mag sagen: nur 'Geschmackssache'. Aber doch wohl auch Ausdruck von Selbstverständnissen, Versuche, Atmosphären herzustellen oder zu 'zitieren' ...
Und was ist 'Zitieren' in der Architektur? Meint man das nur metaphorisch? ich denke nicht, siehe etwa die typisch Postmodernen: http://en.wikipedia.org/wiki/Piazza_d%27Italia
(zum Zitieren z. B. Claus Dreyer "Zitat und Zitieren in zeitgenössischer Architektur" in Zeitschrift für Semiotik Band 14, 1-2)
Und ist die Rede von Formensprache bzgl. Architektur nur eine Metapher oder immerhin eine Metapher?
----> Wittgenstein: Familienähnlichkeiten

"dass er Romane zur Theorie schreibt" - ich habe ihn nicht gelesen. Aber auch bei Eco war der Theoriebezug im Roman wohl immer recht groß (was nicht heißt, dass er nicht ein guter Erzähler ist)

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