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[Text]: Textlinguistik, Diskursforschung  » Erledigt: Heute Heute Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
▶ Dringend Anregungen zum methodischen Ansatz gesucht , Sprechaktforschung

08.06.2011, 14:49:27
Beitrag #1
Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
Hallo, liebe Linguisten.

Ich habe ein großes Problem. Für einen Unikurs in der Anglistik soll ich im Bereich Sprachtransfer eine kleine Studie durchführen. Ich habe mich dazu entschieden, soziopragmatischen Transfer (forward, L1-L2, written Discourse) zu beleuchten.
Insbesondere möchte ich schauen: wie realisieren englische Muttersprachler Requests, d.h. Forderungen, und wie machen das deutsche Muttersprachler in ihrer L2 Englisch. Eine Datenanalyse möchte ich dann in Relation setzen zu gängigen Modellen (linguistischer) Höflichkeit, zu "Politeness" gibt es ja im englischsprachigen Raum auch eine ganze Menge verschiedener Ansätze.

Nachdem ich mich nun an These und Grundlagen versucht habe und auf 12 Seiten Wesentliches exzerpiert habe, bin ich im empirischen Teil steckengeblieben. Mein Problem: ich finde kein technisches Szenario, nach welcher Methode ich meinen Korpus erfassen soll. Ich habe bisher so gedacht: ich definiere ein Problem, das aus dem Berufsleben bekannt ist, und das auf einer Forderung von A an B aufbaut. Nun lasse ich diese konkrete Forderung von Testpersonen sprachlich realisieren. Da der Rahmen meiner Arbeit begrenzt ist und meine Professorin ein kleines Datenset will, es geht nur darum zu zeigen, dass man mit Sprache arbeiten kann, darf das auch nicht uferlos werden. Wir reden also von einem Minimalding, trotzdem möchte ich, dass es gut durchdacht ist.

Wie würdet ihr das machen. Situation vorgeben und dann einfach z.B. zwei native English speaker die Forderung in einer E-Mail verfassen lassen und zum Vergleich die selbe Aufgabe zwei L2 Englisch sprechenden deutschen Muttersprachlern stellen? Dazu kommt, dass ich viel über die IFIDs nach Searle nachgedacht habe, und mit Stress und Intonation fällt es ja schwer, im schriftlichen Diskurs umzugehen, oder? Performative Verben, Satzbau, Tempus und Modus stehen natürlich zur Verfügung und könnten die Analyse fundieren.

Hmm, ich hoffe, das ist für einen Newby nicht zu unverständlich geschrieben. Bitte helft, denn ich komme einfach gerade nicht weiter und das wurmt mich.

Alles Liebe und Danke,

Micha


Hallo, ich bin JohnStanier und seit 08.06.2011 12:33:00 hier angemeldet.
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08.06.2011, 16:09:41
Beitrag #2
RE: Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
Ich bin in diesen Dingen wahrlich kein Experte, aber ein paar Anmerkungen erlaube ich mir mal:

Den "Versuchsaufbau", Sprechern eine Situation vorzugeben, aus der heraus sie eine Email verfassen sollen, hört sich vernünftig an. Wenn du wirklich Prosodie mit reinnehmen willst, kannst Du ja statt Email (auch) ein Telefongespräch simulieren lassen.

Noch eleganter wäre es allerdings, wenn du an (anonymisierte) natürliche Daten heran kämest, also z.B. Mails oder Anrufe aus betriebsinterner Kommunikation oder von Studenten an Profs o.ä. oder aber das eigentliche Experiment/die eigentliche Datenerhebung hinter etwasd anderem tarnst. Mit solchen Daten könnte man dann methodisch ausschließen, dass die Probanden sich verstellen oder eben unnatürlich verhalten (was in einer Simulationssituation nie auszuschließen ist). Aber das ist für eine Pilotstudie vermutlich schon recht viel Aufwand.


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08.06.2011, 17:21:34
Beitrag #3
RE: Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
Hey, danke Dir für die Antwort, schon sehr hilfreich für den Anfang! Ja, mit den Telefongesprächen war ich schon dicht dran, ich wollte ursprünglich an Technics of Elicitation ein Rollenspiel akustisch aufzeichenn, d.h. den oral discourse untersuchen. Leider sind alle meine native English friends im Urlaub oder sonstweise im Ausland. Das wird also nichts. Daraufhin schwenkte ich dann auf den schriftsprachlichen Diskurs um.

Hmmm, das hieße, ich untersuchte so lediglich den Weg vom Sender zum Adressaten (Hearer und Sender/ Speaker nach Searle).

Ich bin mir halt unsicher, ob ich nicht fast schon den dualen Weg nehmen sollte, d.h. zwei Schreibern eine Situation gebe, in der jeweils jeder eine Forderung hat, deren Einhaltung für die jeweils andere Partei wie ihn gleichermaßen nicht selbstverständlich ist (Voraussetzung für einen "Directive" nach Searle, zu denen ja auch der Request als Forderung im Besonderen gehört.

Allerdings liefe das dann in Richtung Konversationsanalyse, Conversational Analyzis, nicht reine pragmatische Sprechaktanalyse. Jedoch lässt sich eventuell mit einer deartigen Richtung besser an Models of Politeness anschließen, denn die reine Sprechaktanalyse gibt eventuell gar nicht genug her an "Stoff".

Passt das hier vllt. besser in einen anderen Bereich des Forums! Bitte addet noch ein paar Meinungen, ich brauche wirklich dringend Input!

Micha


Hallo, ich bin JohnStanier und seit 08.06.2011 12:33:00 hier angemeldet.
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08.06.2011, 19:26:43
Beitrag #4
RE: Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
Du könntest auch online verfügbare Korpora durchsuchen. Damit kannst du oftmals sehr viele Situationen erfassen und hast den Vorteil, dass es natürlichsprachliche Daten sind, die nicht durch ein quasi- oder pseudo-experimentelles Design beeinflusst sind. (Quasi- und pseudo-experimentell ist dabei nicht abwertend gemeint, sondern heißt nur, dass dein Vorgehen kein Experiment im engeren Sinne ist, was auch nicht schlimm ist.) Außerdem müsstest du die Daten nicht erst selbst erheben, sondern hast sie schon in auswertbarer Form vorliegen.

Englische Korpora sind z.B.
Ein Korpus zum L2-Englisch ist International Corpus of Learner English (ICLE) v2. Der ist nicht frei verfügbar, aber vielleicht hast du über deine Uni/Uni-Bibliothek darauf Zugriff oder die Uni ist bereit, das anzuschaffen.

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09.06.2011, 13:03:19
Beitrag #5
RE: Hilfe, methodischer Untersuchungsansatz gesucht
Danke Dir, klingt natürlich sehr gut. Ich werde das näher anschauen. Ich hoffe, ich kann über derart verschiedene Beispiele Vergleichbarkeit herstellen, ich möchte ja gezielt Forderungen untersuchen. Wobei vllt. die Möglichkeit, eine Textsorte zu bestimmen oder nach bestimmten Strings zu suchen, schon reichen kann, um hier erfolgreich zu sein. Aber in jedem Fall eine super Idee! Danke für den Tipp!

Micha


Hallo, ich bin JohnStanier und seit 08.06.2011 12:33:00 hier angemeldet.
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