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[Pragma]: Pragmatik, Kommunikationstheorie  » nicht erledigt "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
▶ Performanz, Austin, Fehlschlag

04.12.2013, 23:53:56
Beitrag #1
"Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
Habe mich erst oberflächlich mit dem Thema befasst, dann bekam ich allerdings diesen Satz zu Ohren und frage mich jetzt aber sofort was es damit auf sich hat!

Meine bisherigen Gedanken:
Nach Austins verworfenem Modell ist das eine konstative Äußerung, keine performative. Mit seiner verbesserten Auffassung, dass alles Sprechen Handeln ist, wäre es dann eine implizite Performative, da man z.B. auch sagen könnte: "Ich stelle hiermit fest, dass ich dich küssen muss!"

Im Vorläufermodell heißt es ja, dass nur konstative Äußerungen entweder einen wahren oder einen falschen Bericht über etwas geben, performative nicht. Da jetzt aber alle Äußerungen performativ sind, gibt es gar kein Wahr und Falsch mehr, oder was passiert dann mit meinem Kuss?

Falls man hier doch nach wahr/falsch fragen kann: Wie ist das dann zu verstehen, wenn er mich dann aber nicht küssen wird? War die Äußerung nach Austin dann ein sprachlicher Unglücksfall? Ein Fehlschlag oder gar Missbrauch?

Edit: Ein Fehlschlag läge wohl eher nie vor, da mit der Ergänzung um "Ich stelle hiermit fest" eigentlich auch tatsächlich festgestellt wird. Außer z.B er dankt man habe ihn zum Küssen verpflichtet und denkt daher, er müsse mich küssen, tatsächlich muss er das aber gar nicht - eine Fehlberufung wäre das dann, oder? Was wäre dann eine Fehlanwendung?

Missbrauch hingegen scheint mir nach wie vor Sinn zu ergeben: Die Handlung kommt zustande - die Behauptung, er würde das feststellen, ist durch die Äußerung selbst erfüllt. Die Handlung ist aber "hohl", wenn er mich dann nicht küsst, es kommt zum Bruch. Unaufrichtig wäre es, wenn er bewusst behauptet, er stelle seinen Kusszwang fest, obwohl er das gar nicht tut..

Kann es auch sein, dass es hier nicht sehr sinnvoll ist, diesem Ansatz zu folgen und ich sollte mir besser mal die Illokution anschauen?

Ps.: Auch über eine Antwort zu nur irgendeiner dieser Fragen/Überlegungen würde ich mich freuen!


Hallo, ich bin linguasi.

Lightbulb A person who knows two languages can be a translator. Lightbulb
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05.12.2013, 10:43:31
Beitrag #2
RE: "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
Zitat:"Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
[Bild: 11.png]

Ja was sagt man dazu? "Mach doch!" ?
*scnr*



Davon mal ganz abgesehen halte ich diese Äußerung für eine Deklarative (Konstative). Was soll daran (implizit) Performativ sein. Performativa erkennt man immer gut daran, dass man sie mit "Hiermit + performatives Verb" explizit machen kann.


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05.12.2013, 22:18:06
Beitrag #3
RE: "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
@janwo

Bitte unbedingt eine LIKE-Funktion im Forum einbauen! Big Grin

Sorry - off topics.


Lächel
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06.12.2013, 14:52:33
Beitrag #4
RE: "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
Als deklarativen Sprechakt würde ich das gar nicht sehen (was für ein Zustand wird denn damit hergestellt?), eher als direktiven. Das war zunächst meine erste und spontane Einschätzung. Ich sage aus, dass ich mein Gegenüber damit zu dem Kuss verpflichten will, es bleibt aber erst einmal ein Wunsch, der noch erfüllt werden muss.

Aber beim weiteren Überlegen finde ich außerdem, dass es auch ein expressiver Sprechakt sein kann, wenn man bedenkt, dass der Wunsch nicht unbedingt erfüllt wird, ich aber darauf bestehe, ihn als meinen psychischen Zustand zu äußern.

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06.12.2013, 16:17:44
Beitrag #5
RE: "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
Gnaaah. Natür- und fensterlich. Expressiv und deklarativ verwechle ich fast schon aus Tradition.
Direktiv ist das aber auch bestenfalls indirekt. Es ist ja weniger die Aufforderung "lass dich küssen" als vielmehr die Ankündigung einer Handlung.


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06.12.2013, 16:27:08
Beitrag #6
RE: "Ich muss dich küssen!" - was sagt man denn dazu?
Ich stelle fest, dass Modalverben und Sprechakte gar nicht so einfach sind...
Grad mal kurz recherchiert, finde ich aber die Meinung von Thomas Gloning, die hier vertreten wird, ganz gut, nämlich eine "Kennzeichnung nachdrücklicher Ausdrucksweisen".

Gloning, Thomas (2001): "Gebrauchsweisen von Modalverben und Texttraditionen", in: Reimar Müller / Marga Reis (Hg.) Modalität und Modalverben im Deutschen. Linguistische Berichte, Sonderheft 9, S. 183.

Wäre interessant zu fragen, ob jedes Modalverb wirklich immer nur die Bedeutung des weiteren Verbs modifiziert...

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