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 » Erledigt: Heute Heute Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?

07.09.2011, 11:07:50
Beitrag #1
Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Den Unterschied höre ich bei Freunden nicht, deshalb die Frage.


Hallo, ich bin maaskantje und seit 23.07.2011 12:42 hier angemeldet.
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07.09.2011, 11:16:07
Beitrag #2
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Das unterliegt räumlichen Variationen. Ich habe immer so den Eindruck, dass es in Süddeutschland verbreiteter ist, aber da kann man bestimmte noch präziser werden. Auch könnten Alter und Umfeld Auswirkungen haben. Zusätzlich gibt es auch noch das vokalische Schwa-A.

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07.09.2011, 11:21:18
Beitrag #3
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Wie sieht es in IPA LAUTEN das Schwa A aus? Ist es diese -er - a?


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07.09.2011, 11:26:26
Beitrag #4
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Ja, genau das meine ich: http://de.wikipedia.org/wiki/Fast_offener_Zentralvokal

Schwa-A oder Lehrer Schwa ist halt so'n bisschen umgangssprachlich. Zwinker

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07.09.2011, 12:52:04
Beitrag #5
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Wie spricht man dieses Rachen R aus? Bei mir errinert es eher an Schnarchen, deshalb spreche ich das Zungenspitzen R.


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07.09.2011, 14:35:57
Beitrag #6
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
In der Standardsprache ist das Rachen-R das eigentliche "r". Die Dialekte sind zum Glück aber sehr unterschiedlich und eine Standardsprache eigentlich kaum existent. In Soziolekten, die ferner von Dialekten sind, wird das Rachen-r benutzt. Fast ausschließlich in Süddeutschland ist das Zungenspitzen-r zu finden, im Norden auch noch durch das Plattdeutsche bei Älteren.
Im Grunde gibt es drei Arten des rs in Deutschland: [r ʀ ʁ]. Das erste ist das Zungenspitzen-r wie du es sprichst (vielleicht auch durch deine polnische Muttersprache), das zweite ist ein Vibrant, der am Gaumen gesprochen wird (viele haben damit Probleme, für die das nicht zur eigenen Aussprache gehört) und das dritte ist ein Frikativ am Gaumen. Letzteres wird auch oft gesprochen, wenn man den Vibranten nicht richtig aussprechen kann.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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07.09.2011, 16:33:43
Beitrag #7
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Genau durch meine polnische Muttersprache spreche ich das Zungenspitzen-R.


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07.09.2011, 21:06:25
Beitrag #8
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Macht doch nix. Das [r] verwenden die Sprecher der südlichen Varianten des Deutschen auch.


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08.09.2011, 11:24:45
Beitrag #9
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Macht doch nichts. Ein polnischer Kumpel von mir rollt das r auch. Das klingt eher sympathisch denn schlimm. Zwinker


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08.09.2011, 11:39:20
Beitrag #10
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
ich mache mir nichts drauß. ist sogar glück dass ich es so spreche. denn wenn ich dass rachen r in polen aussprechen würde dann würden sie mich auslachen.(mein vater hatte zur schulzeit einen kunpel, der dank seinen norddeutschen opa das rachen r gelernt hat.)


Hallo, ich bin maaskantje und seit 23.07.2011 12:42 hier angemeldet.
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09.09.2011, 19:11:17
Beitrag #11
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Ich sage meistens ein Rachen-R, am Wortende habe ich es ein Bisschen schwächer, aber nicht so schwach, dass es ein Schəwa wäre. Das 'a', am Wortende, klingt völlig anders.


Hallo, ich bin Privileg und seit 01.07.2011 14:50:17 hier angemeldet.
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29.04.2012, 23:03:18
Beitrag #12
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
Bei Reimen kann ich beobachten, dass im Norden sehr oft das "r" verschluckt wird, so reimt man "fahr'n" auf "Bahn".
Zumindest ist das in einigen Songs für jeden deutlich zu merken.

Sehr entscheidend für die Aussprache scheint die Stellung im Wort zu sein. Wenn ein Vokal folgt, wird das "r" eher ausgesprochen, als am Silbenende ohne folgenden Vokal.

In sehr betonter Aussprache wird es immer ausgesprochen.

Einen guten vergleich findet man, wenn man Nena und Karl Valentin ("Wie herrlich ist doch der Winter ...") vergleicht.

Es scheint einen Sprachwandel zu geben, bei dem das "r" abgeschwächt wird, zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich heutige mit älteren Filmen oder Schallplatten/CDs vergleiche.
Es kann natürlich täuschen, weil die Textarten recht unterschiedlich sind und auch die Stichproben nicht übereinstimmen, trotzdem habe ich den Eindruck.

Ich selbst spreche ein Rachen-R, ich kann mich auch noch erinnern, dass meine Mutter es mir im Vergleich zum Gurgeln beigebracht hat - eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen. Wir zogen dann vom südlichen Thüringer Wald nach Dresden, hier wird es etwas weniger gerollt.


Hallo, ich bin Hutschi und seit 28.04.2012 10:13 hier angemeldet.
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30.04.2012, 11:03:08
Beitrag #13
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
(29.04.2012 23:03:18)Hutschi schrieb:  Es scheint einen Sprachwandel zu geben, bei dem das "r" abgeschwächt wird, zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich heutige mit älteren Filmen oder Schallplatten/CDs vergleiche.
Ich glaube, es hat da weniger einen Sprachwandel gegeben als einen Wandel in der Ausbildung professioneller Sprecher und Schauspieler: Früher wurden Schauspieler in der Sprecherziehung dazu angehalten, ihr "R" künstlich und übertrieben zu akzentuieren, weil es so einfach auch auf den hintersten Rängen im Theater noch als solches hörbar war, auch ohne künstliche Verstärkung der Akustik über Mikrofone und Lautsprecher. Das muss aber nicht unbedingt etwas mit der Aussprache des "R" im Alltag zu tun gehabt haben, wie es damals Hinz und Kunz benutzten.

Die wenigstens Sprecher und Schauspieler reden heute noch wie Elisabeth Flickenschildt und auch die wurde zu ihrer Zeit wegen ihres "R"s, das sie normalerweise im Rachen, in Clustern nach bilabialen, labiodentalen und alveolaren Konsonanten aber auch mal an der Zungenspitze rollte, schon als recht schrullig empfunden: http://www.youtube.com/watch?v=u83CfBVsN6g#t=0m49s


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30.04.2012, 19:37:09
Beitrag #14
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
(29.04.2012 23:03:18)Hutschi schrieb:  Bei Reimen kann ich beobachten, dass im Norden sehr oft das "r" verschluckt wird, so reimt man "fahr'n" auf "Bahn".
Zumindest ist das in einigen Songs für jeden deutlich zu merken.

Sehr entscheidend für die Aussprache scheint die Stellung im Wort zu sein. Wenn ein Vokal folgt, wird das "r" eher ausgesprochen, als am Silbenende ohne folgenden Vokal.

Richtig, in der Stellung vor Konsonant und im Auslaut wird das r vokalisiert, also zum sogenannten Schwa-a oder Lehrer-Schwa (IPA ɐ) und bildet dann einen Diphthong.
Das ist Standardaussprache und wird auch im Ausspracheduden so angegeben: der /dɛɐ̯/, Herd: /hɛɐ̯t/.

So entstehen dann Dubletten wie Herr /hɛɐ̯/ - Herren /hɛʁn̩/ oder andersherum /fa:ʁn̩/ - fa:ɐ̯n/.
Die zugrundeliegende phonologische Form ist /hɛʁ-/, /hɛɐ̯/ ist die Oberflächenrealisation vor Nullendung.

In meinem Heimatdialekt wird - wie in anderen Teilen Norddeutschlands wohl auch - dieses ɐ̯ nach a übrigens gar nicht gesprochen, wir sagen /fa:n/, /a:baɪt/, /ha:t/.
Dies führt dann auch zu hyperkorrekten Schreibungen wie "Farden", also quasi ein "Dehnungs-r".


Ich erinnere mich, in einer Phonetik/Phonologie-Vorlesung mal gehört zu haben, dass in der deutschen Bühnen- (und damit auch frühen Film- und Gesangsaussprache) das Zungenspitzen-r fünfmal anschlagen musste, wohingegen der umgangssprachliche alveolare Vibrant mit zwei Berührungen auskommt, weswegen es für uns so übertrieben/gekünstelt klingt.


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
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30.04.2012, 22:58:27
Beitrag #15
RE: Ist das deutsche "R" das Rachen-R oder das Zungen(spitzen) R?
(30.04.2012 19:37:09)Mindaugas schrieb:  ...
In meinem Heimatdialekt wird - wie in anderen Teilen Norddeutschlands wohl auch - dieses ɐ̯ nach a übrigens gar nicht gesprochen, wir sagen /fa:n/, /a:baɪt/, /ha:t/.
Dies führt dann auch zu hyperkorrekten Schreibungen wie "Farden", also quasi ein "Dehnungs-r".
...

Und genau dieser Effekt führt dann zu den beschriebenen Reimen. In anderen Sprachgebieten wirken sie als "unsaubere" Reime.

Zu hören sind auch Übergangsformen, bei denen das "a" sehr schwach diphtongisiert wird, aber leicht gespannt ausgesprochen wird. (Ich weiß nicht, wie ich es in IPA ausdrücken kann.

Aber zusammengefasst kann man sagen, es gibt zwei Aussprachegruppen:
1. am Silbenanfang (als "t"-Laut, gerollt)
2. am Silbenende (vokalisiert) - wobei dem "r" kein Vokal folgt

Dabei sind Sprachsilben entscheidend, nicht die Silbengrenzen in etymologischer Betrachtung.

Ich hatte eine Kollegin aus Israel, sie sprach meinen Namen wie "Berend" - sie fügte offensichtlich einen Vokal ein, um das "r" richtig rollend sprechen zu können.

In Russisch hatten wir das "Zungenspitzen-r", das konnte ich nie richtig sprechen, es klingt für mich aber anders, als das normale "gerollte" deutsche "r".


Hallo, ich bin Hutschi und seit 28.04.2012 10:13 hier angemeldet.
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