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 » Erledigt: Heute Heute Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
▶ PhD, Studium, Abläufe, Fristen

02.09.2011, 13:39:04
Beitrag #1
Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
Ich hoffe, jemand kann mir mit einigen Erfahrungen bezüglich eines PhD-Studiums helfen. Natürlich werde ich auch in die Beratung gehen, um Fragen zu klären, aber vielleicht können hier einige vorläufige Fragen ja schonmal kompetent beantwortet werden :-)

Ich bin in ziemlich genau einem Jahr mit meinem MA-Studiengang Comparative Studies of English and American Language, Literature and Culture (Schwerpunkt Linguistik) fertig und würde gerne eine akademische Laufbahn einschlagen. Nun sieht die Professorenlage an meiner Uni momentan schlecht aus, da der aktuelle Professor in spätestens zwei Jahren in Rente geht - und was ich so von den Einstellungprozessen neuer Professoren mitbekommen habe, kann das ja noch dauern. Ich werde mich also wohl nach einer anderen Uni umsehen müssen. Meine erste Frage wäre nun also, wann ich anfangen sollte, mir einen Professor zu suchen, und wie man das generell angeht. Schreibe ich einfach die Lehrstuhlinhaber an den Unis an, oder suche ich nach Ausschreibungen? Wird von mir erwartet, dass ich bereits einen konkreten Forschungsansatz habe? "Reichen" den Leuten meine Noten (habe bis jetzt einen Schnitt von 1,0) oder gibt es da ein richtiges Bewerbungsgespräch?

Dann würde mich interessieren, ob jemand Erfahrungen hat mit den Vor- und Nachteilen von PhD-Studiengang vs. Promotion neben dem Beruf. Von der Statistik her ist es ja so, dass Frauen öfter im Beruf hängen bleiben anstatt in die akademische RIchtung zu gehen, was auf fehlende Kontake und das "Nicht-am-Ort-sein" zurückgeführt wird. Ich habe einen ganz guten Studentenjob und jetzt auch einen Lehrauftrag an meiner Uni bekommen, darum würde ich eigentlich ein (Fern-)Promotionsstudium bevorzugen.

Apropos. Wie funktioniert das mit einem Fernstudium, wenn man das so nennen kann? Ich habe z.B. die Ausschreibung von Amsterdam gesehen, die von linguisten.de auf Facebook gepostet wurde. Würde ich dafür in der jeweiligen Uni eingeschrieben sein?

Die wichtigste Frage wäre erstmal die nach den üblichen Bewerbungsfristen, damit ich gucken kann, ab wann ich mir Sorgen machen muss :-)

Vielen Dank!

PS.: Gratulation zu dem Forum, ich bin ganz begeistert und werde in Zukunft öfter hier sein.


Starfleet Yeah
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02.09.2011, 20:40:48
Beitrag #2
RE: Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
Das sind ja ganz viele Fragen auf einmal. Ich versuche mal, sie so gut ich kann zu beantworten. Ich kann dir meine Erfahrungen und die Erfahrungen von Leuten, die ich kenne, vermitteln.

Am besten arbeite ich mal Absatz für Absatz ab. Zwinker

Es ist erstmal gut, dass du dir schon vor Ende deines Studiums Gedanken darüber machst. Dann kannst du eine stärker forschungsorientierte Masterarbeit schreiben. Wenn du nicht schon SHK bist, dann könntest du auch versuchen, noch eine SHK-Stelle zu bekommen oder mal schauen, was es so für interessante Forschungsprojekte an deiner Uni (oder in der Nähe) gibt. Dort kannst du eventuell ein Praktikum machen. Das hilft dir dann vielleicht ein Thema zu finden und du siehst auch schonmal, wie so der Forschungsalltag aussieht.

Generell gibt es zwei Wege, wie man an Betreuer für die Doktorarbeit kommen kann:
  • man sucht ihn/sie sich selbst
  • man bewirbt sich auf eine ausgeschriebene Projektstelle (der/die Projektleiter(in) wird dann meist automatisch Betreuer)

Wenn du dir selbst jemanden suchen willst, dann solltest du wissen, über was du forschen willst. Du musst sicherlich noch kein komplett ausgearbeitetes Exposé/Research Proposal haben, aber du solltest wissen, in welche Richtung es gehen wird. Jeder Professor hat seine eigenen Forschungsschwerpunkte und nimmt meistens auch nur Doktoranden an, die ein für ihn/sie interessantes Thema bearbeiten wollen.

Du solltest bei der Themenwahl auch nicht nur darauf achten, was es vielleicht an deiner jetzigen Heimatuni so gibt, sondern dir etwas suchen, was dich wirklich interessiert. Denn du musst ja mindestens drei Jahre mit diesem Thema dann zusammenleben. Du solltest dich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht so sehr auf ein ganz spezielles Thema versteifen, weil dein zukünftiger Betreuer sicherlich auch noch die eine oder andere Idee hat. Da wird sich, wenn es dann ernst wird, bestimmt noch einiges ändern. Aber das ist völlig normal, viele Leute promovieren schließlich zu Themen, an die sie vorher nicht gedacht hatten. Aber du solltest auf jeden Fall mit einer ordentlich ausgearbeiteten und originellen Idee beim Kontakt aufwarten, denn das zeigt ja erstmal, dass du in der Lage bist, dir selbst etwas ganz neues zu erarbeiten und Forschungsfragen zu formulieren, auf die die Wissenschaft noch gewartet hat.

Wenn du dann weißt, über was du forschen willst, dann solltest du dich auf die Suche nach einem geeigneten Betreuer machen. Das muss kein Professor sein, auch Juniorprofessoren und andere habilitierte Uni-Mitarbeiter dürfen Promotionen betreuen. Dein potentieller Betreuer muss auch noch nicht habilitiert sein, vielleicht hat er das ja noch vor und macht das, bevor du deine Dissertation einreichst. Das sollte also nicht das wichtigste Kriterium sein. Das sollte eher sein, dass du jemanden findest, von dem du denkst, dass
  • du von ihm/ihr noch viel lernen kannst
  • sich in deinem angepeilten Forschungsgebiet gut auskennt
  • er/sie dich gut und zuverlässig betreuen kann

Wenn du dir also einen oder mehrere potentielle Betreuer ausgesucht hast, dann kannst du ihnen einfach eine E-Mail schreiben und dich vorstellen und sagen, dass du vorhast in dem und dem Bereich zu promovieren und dass du findest, dass sein/ihr Forschungsprofil da sehr gut dazu passt. Du kannst auch gleich noch einen Lebenslauf beifügen. Dann können sich die Leute ein Bild von dir machen. Ich persönlich finde es besser, einfach eine etwas längere E-Mail zu schreiben und darin das Vorhaben oder die Idee kurz zu umreißen und das Research Proposal dann auf Anfrage, also wenn der/die Kontaktierte Interesse hat, zu schicken. Andere würden das Proposal vielleicht gleich mitschicken, das ist Geschmackssache. Aber eine E-Mail liest sich schneller als 6-7 Seiten Text und die meisten Professoren sind sehr beschäftigt und sind erstmal froh, wenn sie nicht so viel lesen müssen um einzuschätzen, ob sie das jetzt gut oder schlecht finden.

Wenn der/die Angeschriebene das dann toll findet, dann wird er/sie dich vielleicht mal einladen, zu ihm/ihr an die Uni zu kommen, damit ihr euch unterhalten könnt und du deine Idee ein bisschen besser vorstellen kannst.

Ich denke, auf die Noten kommt es nicht so sehr an. Man sollte nicht immer knapp an der 5 vorbeigeschrammt sein, aber am Ende kommt es darauf an, dass man eine gute Idee hat. Auch jemand, der immer nur 1,0 hat, kann völlig uninspiriert und ungeeignet sein.

In der Linguistik wird die ganze Suche nach einem Betreuer relativ informell ablaufen. Du wirst zwar schon mit den Leuten reden müssen und da einen guten Eindruck abgeben müssen, aber so lange es nicht um ein Stipendium oder um eine Stelle geht, wird sich kein Professor die Mühe machen, ein richtiges Bewerbungsgespräch zu inszenieren. Ein paar längere Gespräche werden ihm/ihr wahrscheinlich mehr bringen.

Zur Promotion neben dem Beruf: Es kommt darauf an, was du unter "Beruf" verstehst. Wenn das die Lehrtätigkeit an einer Uni ist, dann denke ich nicht, dass das schlecht ist. Das ist eher gut, denn so sammelst du Lehrerfahrung – das ist gut für deinen weiteren Werdegang. Wenn du allerdings 18 SWS oder so unterrichten musst, dann wird es unrealistisch, nebenbei noch zu promovieren. Man sollte den Zeitaufwand wirklich nicht unterschätzen und wenn du nicht zehn Jahre, sondern nur drei bis vier, promovieren willst, solltest du versuchen, nicht mehr als 10-15 Stunden/Woche in forschungsfremde bzw. nicht sehr nahe an deinem Diss-Thema stehende Arbeiten zu investieren. Das ist meine persönliche Einschätzung. Wenn man viel Disziplin hat, wird da sicherlich auch mehr gehen.

Ein damit verbundener Punkt ist auch die Finanzierung: Du kannst überlegen, ob du lieber ein Stipendium oder lieber eine Stelle haben würdest. Stellen sind rar, Stipendien auch. Ein Stipendium hat den Vorteil, dass du dein eigener Herr bist und keine Arbeitszeiten oder so einhalten musst. Bei einer Stelle kann dein Chef (wahrscheinlich dein Betreuer) dir zwar auch andere Aufgaben aufbrummen, aber dafür bist du sozial abgesichert und hast auch schonmal was in die Rentenkasse eingezahlt.

Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, auch schon bei der Kontaktaufnahme zu sagen, dass man sich z.B. eine Bewerbung auf ein Stipendium gut vorstellen kann.

Zu Promotionsstudiengängen vs. Fernpromotion: Die Unterscheidung ist nicht ganz so gut. Ich würde eher zwischen [±Promotionsstudiengang] und [±Anwesenheit am Promotionsort] unterscheiden. Der Vorteil bei einem Promotionsstudiengang ist, dass du a) noch etwas lernen kannst (ev. neue Methoden o.ä., die du für deine Diss brauchst) und b) andere Doktoranden in deiner Klasse hast, mit denen du dich austauschen kannst. Die Möglichkeit zum Austausch finde ich sehr wichtig, weil man so noch viele neue Impulse und Anregungen bekommen und auch mal die täglich anfallenden Fragen und Probleme besprechen kann (das kann man mit dem Betreuer natürlich auch, aber mit Gleichgestellten geht manches einfach einfacher). Ob man denkt, dass man noch was lernen muss, ist aber subjektiv und somit Geschmackssache.

Die Anwesenheit am Promotionsort finde ich schon wichtiger. Wenn du an eine neue Uni wechselst, dann wirst du das ja auch deswegen tun, weil du denkst, dass man dort besser Wissenschaft machen kann als an deiner alten Uni. Da wäre es doch doof, wenn du deine neuen Chancen da nicht nutzt. An einer neuen Uni gibt es viele andere Wissenschaftler und viele neue Sachen zu entdecken. Du kommst dann halt auch mal aus deiner bekannten Uni raus. Wenn man halt immer nur "zu Hause" bleibt, besteht die Gefahr, dass man nie über seinen Tellerrand hinausschaut und viele Sachen in der Wissenschaftswelt verpasst; das finde ich zumindest. Normalerweise schreibt man sich dann auch an der Uni ein, du willst ja die Studentenvergünstigungen nutzen und ev. Seminare und andere Kurse besuchen.

Wenn du dich auf eine Ausschreibung bewirbst, dann erwarten die Geldgeber (also das ausschreibende Institut) i.d.R. schon, dass du anwesend bist und dort aktiv mitarbeitest. Die Bewerbung auf eine Ausschreibung hat halt den Vorteil, dass du, wenn du es bekommst, dir keine Sorgen ums Geld machen musst. Du musst allerdings dann auch die Betreuer nehmen, die mit der Ausschreibung verbunden sind. Der Grad der Ausarbeitung der Idee bzw. des Research Proposals variiert auch sehr von Ausschreibung zu Ausschreibung. Manche wollen schon zehn Seiten von dir (wenn es was Stipendien-ähnliches ist), manche sagen einfach, dass das Thema So-und-So zu bearbeiten ist.

Eine dritte Finanzierungsmöglichkeit ist auch noch, dass du mit deinem Betreuer zusammen ein DFG-Projekt beantragst, damit deine Stelle finanziert ist. Das ist mit einigem Aufwand verbunden, aber vielleicht ist dein Betreuer so sehr von dir und deiner Idee überzeugt, dass er/sie diese Mühen auf sich nehmen will.

Um Bewerbungsfristen musst du dir nur Gedanken machen, wenn du dich auf ein Stipendium bewerben willst oder auf eine Ausschreibung antwortest. In der Ausschreibung steht ja drin, was die Bewerbungsfrist ist. Die verschiedenen Stiftungen haben unterschiedliche Fristen. Friedrich Ebert nimmt z.B. laufend Bewerbungen an, während Heinrich Böll nur einmal im Jahr Bewerbungen annimmt.

So, ich hoffe, das konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Rolleyes Wenn du noch Fragen hast, tu dir keinen Zwang an.

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02.09.2011, 21:09:23
Beitrag #3
RE: Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
Wow, ich bin ja ganz begeistert - mit so einer ausführlichen Antwort hatte ich bei Weitem nicht gerechnet. Vielen Dank dafür! Dann folge ich mal deinem Schema :-)

Ich bin seit einem Semester SHK und werde das auch hoffentlich bis zum Ende des Studiums bleiben. Das hängt davon ab, ob der neue Professor mich behalten will oder nicht. Dazu habe ich jetzt auch einen Lehrauftrag, den ich auf jeden Fall bis zum Ende des Studiums behalten kann. Die Sache ist nur, dass beide Stellen am Chair of Medieval Studies sind - in dem pünktlich zu meinem Abschluss die Linguistik ausgegliedert und durch Cultural Studies ersetzt wird. Am Lehrstuhl für Linguistics gibt es nur einenHabilitierten, der in zwei Jahren in Rente geht - aber netterweise meine MA noch übernimmt. Da fällt mir gerade ein, dass ich noch garnicht über den Lehrstuhl Allgemeine Sprachwissenschaft nachgedacht habe. Da könnte ich mich ja auch informieren.

So grob weiß ich schon, was ich forschen will. Ganz allgemein interessiere ich mich sehr für Sprachwandel und habe bereits meine BA zu dem Thema verfasst (Case Loss in Texas German untersucht, also quasi Strichlein in Sprachatlanten gezählt bzw. Aufnahmen angehört und ausgewertet). Das hat mir sehr Spaß gemacht und ist auf jeden Fall für die Forschung interessant. Eigentlich wollte ich sie auch veröffentlicht haben, aber irgendwie komme ich nciht so richtig dazu :-/

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich vor so einem Fachgespräch ziemliche Angst habe. Meinen Ruf an meiner Heimatuni habe ich mir jetzt ja über 4 Jahre aufgebaut, und die Dozenten wissen, was ich drauf habe. Leider vergesse ich auch wieder sehr schnell was ich gelernt habe - wie es wohl jedem geht. Wenn ich mich auf ein Thema vorbereiten kann und in der Materie bin ist das garkein Problem, dann kann ich mich auch gut verkaufen. Nur wenn ich über Basics abgefragt würde wäre das tödlich.

Mit Beruf meinte ich, während eines "normalen" Berufs zu promovieren. Das wäre für mich die schlechteste Lösung, weil ich schon gerne an der Uni eingebunden wäre.

Zu den Stunden: Ich bin ein kleiner Workaholic. Momentan mache ich halt den MA, dazu SHK, Lehrauftrag 2SWS und ein 20-Stunden Studentenjob. Mein Chef meinte auch schon, dass es mich auch während einer Promotion behalten würde. Die Option hätte ich also auf jeden Fall schonmal. Wenn ich allerdings nicht an meiner Heimatuni promovieren kann, wäre die Pendelei wahrscheinlich unerträglich.

Eine Frage hätte ich dann noch: Wenn ich auf eine Ausschreibung reagiere, wie weit im Voraus rechnen die Ausschreiber da so ca? Also, wenn ich im Oktober 2012 fertig bin, sollte ich dann schon ein halbes Jahr vorher nach Angeboten suchen, oder erst auf meine Note warten, oder gar jetzt schon anfangen?

Nochmal vielen Dank. Ich werde deinen Beitrag morgen nochmal mit wacherem Kopf lesen, vielleicht fällt mir dann ja noch was ein :-)


Starfleet Yeah
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02.09.2011, 21:42:24
Beitrag #4
RE: Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
Wenn du zu Texas German forschen willst, dann ist Hans Boas vielleicht ganz interessant für dich.

Du solltest auf jeden Fall auch nach Leuten schauen, die nicht nur an deiner Uni sind. So wie du es beschreibst, wird die Linguistik da gerade ein bisschen eingedampft und das sind vielleicht nicht die schönsten Voraussetzungen. Aber die Größe der Arbeitsgruppe ist natürlich nur ein Kriterium unter vielen.

Wenn du ein Promotionsstipendium oder eine Doktorandenstelle bekommen würdest, dann musst du ja nicht mehr 20 Stunden pro Woche in einem Studentenjob arbeiten. Und wenn du ein Workaholic bist, dann umso besser. Dann kannst du neben deiner Dissertation schon ein paar Artikel schreiben und veröffentlichen.

Ich sage es auch nochmal: zieh auf jeden Fall eine Luftveränderung in Betracht. Fast alle meiner Kommilitionen (inkl mirZwinker), die jetzt auch promovieren, haben das gemacht (obwohl es bei uns eine sehr, sehr gute Linguistik gibt) und es hat (glaub ich) keiner bereut. Ich finde, dass man gerade durch einen Wechsel (an eine bessere (?) Uni) sehr gut ausloten kann, wo man steht und was man kann und was man noch lernen muss. Oftmals merkt man nach einer Luftveränderung erst, was an der Heimatuni gefehlt hat und lernt ganz neue Sachen kennen, von deren Existenz man nicht einmal wusste.

Wenn du an deiner Heimatuni jemanden hast, den du ganz besonders toll findest und der auch alle wichtigen Kriterien erfüllt (ruhig kritisch sein, es geht um den wichtigsten Schritt in deiner wissenschaftlichen Karriere), dann kannst du ihn/sie natürlich auch als Erstbetreuer wählen und dir von woanders noch jemanden als Zweitbetreuer suchen. Oder umgekehrt. In Deutschland ist es bis jetzt sehr üblich, dass man nur einen Doktorvater oder eine Doktormutter hat, in anderen Ländern gibt es aber oft PhD Committees in denen dann zwei oder drei Hochschullehrer sitzen und einen betreuen. Auch, wenn es solche Kommissionen an deutschen Unis oft nicht gibt, kann man trotzdem mit zwei potentiellen Betreuern ausmachen, dass man von beiden gleichberechtigt betreut werden will. Dann hat man doppelt Input und kann von zwei Netzwerken profitieren.

Du musst dir auch nicht so viele Gedanken wegen eines möglichen Gesprächs machen. Das ist ja keine Prüfung. Dein Gesprächspartner wird dann nicht sagen: "Definieren sie mir doch einmal Kasus." Es geht dann eher um dein Thema und da kennst du dich ja dann sicherlich aus. Und wenn du z.B. etwas mit Syntax machen willst, dann wird dich niemand was zu Formanten fragen. Außerdem ist es auch nicht schlimm, wenn man etwas mal nicht weiß, das kann man ja immer noch lernen. Lehrjahre sind ja keine Herrenjahre.

Du kannst natürlich schon ein halbes Jahr bevor du deinen Abschluss hast, auf Ausschreibungen reagieren. Aber ich denke mal, dass du zumindest deine Masterarbeit schon geschrieben haben solltest. Bei so etwas konkurrierst du dann immer mit Leuten, die schon seit ein paar Monaten (oder länger) fertig sind. Meine Erfahrung ist, dass man so ungefähr ein Jahr zwischen Ende des Studiums und Beginn der bezahlten Promotion braucht. D.h. in dieser Zeit bewirbt man sich auf alles, was man kriegen kann, oder man hat schon was und wartet bis es los geht. Das heißt aber nicht, dass man in dieser Zeit nicht an seinem Proposal oder an etwas anderem Produktivem arbeiten kann. Die beste Zeit um mit dem Schauen nach Ausschreibungen zu beginnen ist wahrscheinlich dann, wenn man die MA abgegeben hat oder kurz davor ist, sie abzugeben. Aber wenn du vorher was ganz tolles siehst, kannst du dich da natürlich schon drauf bewerben. Du wirst halt wahrscheinlich noch keine so sehr ausgearbeitete Idee haben, mit der du dann ankommen kannst (falls es was Stipendien-mäßiges ist).

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02.09.2011, 22:46:28
Beitrag #5
RE: Kann mir jemand bei Fragen zu meiner PhD-Planung helfen?
Herr Boas hat mir schon bei meiner BA geholfen Big Grin Ich habe ihn an der Uni in Austin getroffen und wir stehen auch noch in (sporadischem) Emailkontakt.

Nun ja. Dann lasse ich mir mal alles durch den Kopf gehen. Vielen Dank nochmal!


Starfleet Yeah
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