Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
 » Erledigt: Heute Heute Kasussynkretismus

05.12.2011, 19:39:36
Beitrag #1
Kasussynkretismus
Hallo,

da ich mich grade für eine Grammatikklausur vorbereite und gemerkt habe, ich komme an einem Punkt nicht weiter und kann in meinen Notizen nichts darüber finden, wende ich mich nun an euch.

Es geht um den Kasussynkretismus? Kann mir jemand sagen was genau das ist und wie ich den erkennen kann? Bei mir steht nur als Punkt: Sonderstellung Artikel, aber irgendwie kann ich damit nichts anfangen.

Liebe Grüße
Pinki


Die Schutzengel unseres Lebens fliegen manchmal so hoch, dass wir sie nicht mehr sehen können, doch sie verlieren uns niemals aus den Augen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:16:07
Beitrag #2
RE: Kasussynkretismus
Kasussynkretismus bezeichnet im Allgemeinen den Zusammenfall ursprünglich getrennter Kasus. Im Urindogermanischen gab's zum Beispiel Acht oder möglicherweise Neun, im Deutschen haben wir davon nur noch vier, im Dänischen i.d.R. zwei.

Inbezug auf das Deutsche (falls es dir darum geht) ist es wohl das, was Sick mit "der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" bezeichnen würde. In welchen Fällen sind die Kasus im Deutschen denn formal nicht mehr unterscheidbar?

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:18:23
Beitrag #3
RE: Kasussynkretismus
Erstmal vielen Dank für deine Antwort.
Ja es geht um das Deutsche, aber wie meinst du das mit den "formal nicht mehr unterscheidbar"?


Die Schutzengel unseres Lebens fliegen manchmal so hoch, dass wir sie nicht mehr sehen können, doch sie verlieren uns niemals aus den Augen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:20:38
Beitrag #4
RE: Kasussynkretismus
Hallo,
Synkretismus ist immer der Zusammenfall von Formen verschiedener Funktionen. Wenn im Deutschen alle Wörter im Plural den weiblichen Artikel bekommen, ist das ein Genussynkretismus.
Hier ist eine pdf-Datei, wo am Anfang etwas dazu gesagt wird:
http://amor.cms.hu-berlin.de/~h2816i3x/T...tismus.pdf

Als Kasussynkretismus werden auch der Zusammenfall von Dativ und Akkusativ zum Objektfall in vielen deutschen Varietäten gezählt. Das heißt, dass die unterschiedlichen Funktionen, Dativ und Akkusativ, nun zusammengefallen sind zu einer Kategorie.
Die Artikel spielen eine große Rolle dabei, weil sie bei den meisten Nomen im Gegensatz zu ebigem den Kasus anzeigen. Allerdings gibt es dort auch großen Synkretismus, wenn die einzelnen Formen zusammenfallen, denn nicht alle drei Artikel haben in jedem Kasus eine unterschiedliche Form.

Oh, da wurde schon vor mir geantwortet. Zwinker


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:23:28
Beitrag #5
RE: Kasussynkretismus
Hallo Kevin,

auch vielen Dank für deine Antwort.
Kannst du mir dazu mal ein Beispiel geben?


Die Schutzengel unseres Lebens fliegen manchmal so hoch, dass wir sie nicht mehr sehen können, doch sie verlieren uns niemals aus den Augen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:41:59
Beitrag #6
RE: Kasussynkretismus
(05.12.2011 20:18:23)pinki187 schrieb:  [...] wie meinst du das mit den "formal nicht mehr unterscheidbar"?
In dem von Kevin verlinkten PDF gibt es das Beispiel mit der Kerze.
In den Sätzen "die Kerze (Nom.) brennt" und "ich lösche die Kerze (Akk.)" steht jeweils derselbe Artikel vor dem Wort, sodass "die Kerze" in beiden Sätzen formal identisch ist, obwohl der Artikel einmal den Nominativ und im zweiten Satz den Akkusativ denotiert.

Ein weiteres Beispiel aus dem Isländischen:
Nom. Sg. 'Amm-a' (Großmutter [unbest.])
Akk. Sg. 'Ömm-u'
Dat. Sg. 'Ömm-u'
Gen. Sg. 'Ömm-u'

In allen obliquen Kasus (d.h. alles außer Nominativ) steht im Singular jeweils dieselbe Endung, die aber je nach Kontext unterschiedliche Kasus bezeichnet.

Ist das so veständlich? Lächel

(05.12.2011 20:20:38)Kevin schrieb:  Oh, da wurde schon vor mir geantwortet. Zwinker
Dafür warst du ausführlicher Zwinker

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 20:45:49
Beitrag #7
RE: Kasussynkretismus
Vielen vielen Dank!

Ich denke schon, ansonsten werde ich nochmal nachfragen :-)
Wird eh jetzt hin und wieder mal vorkommen..Grammatik und ich sind einfach keine Freunde :-)


Die Schutzengel unseres Lebens fliegen manchmal so hoch, dass wir sie nicht mehr sehen können, doch sie verlieren uns niemals aus den Augen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 21:14:55
Beitrag #8
RE: Kasussynkretismus
Synkretismen heist ganz allgemein Formgleichheit bei Bedeutungsunterscheidung. Das heist, wenn du zwei Formen hast, die gleich aussehen, aber (oberflächlich) eine andere Bedeutung codieren, hast du einen Synkretismus.

Beispielsweise bilden die Verbformen der 1. Person Plural und die der dritten Person Plural systematische Synkretismen im Deutschen, da diese immer gleich aussehen (wir/sie V-en). Bei Nomen gibt es das gleiche, etwa bei „Planet“ bilden die die Genitiv-, die Akkusativ-, die Dativ- und alle Pluralformen Synkretismen, da sie alle „Planeten“ heißen. Bei anderen Nomen gibt es entsprechend den Flexionsklassen Synkretismen bezüglich anderer Kasus, etwa „Mann“:

Nom: Mann-ø / M-ä-nn-er
Akk: Mann-ø / M-ä-nn-er
Dat: Mann-ø / M-ä-nn-er-n
Gen Mann-es / M-ä-nn-er

Bei diesem Wort kommt es zu Synkretismen zwischen Nom/Akk/Gen-Plural (die/die/der Männer) sowie zwischen Nom/Akk/Dat Singular (der/den/dem Mann), wenn man die obsolete Form „Mann-e“ für Dativ mal ignoriert.

Kasussynkretismen sind nun speziell Formen, bei denen systematisch alle Formen zweier bestimmter Kasus zusammenfallen, so dass wir diese beiden Kasus nun (morphologisch) nicht mehr unterscheiden können. Ein Beispiel dafür wäre der Vokativ, also der „Anredekasus“, der im Laufe der letzen paar hundert Jahre mit dem Nominativ zusammengefallen ist, auch wenn man syntaktisch und semantisch immer noch zwischen einem „Anrede-Nominativ“ und einem „Satz-Nominativ“ unterscheiden könnte.


Hallo, ich bin Lupino und seit 05.12.2011 18:48 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
05.12.2011, 21:36:29
Beitrag #9
RE: Kasussynkretismus
Danke!

Ich hoffe mit den Informationen komme ich nun erstmal weiter :-)


Die Schutzengel unseres Lebens fliegen manchmal so hoch, dass wir sie nicht mehr sehen können, doch sie verlieren uns niemals aus den Augen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste