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 » nicht erledigt Lateinische Dialekte
▶ Latein, Dialekte, Varianten

16.07.2011, 22:10:08
Beitrag #1
Lateinische Dialekte
Hallo Ihr,

mir fällt zu diesem Thema keine Frage ein und darum möchte ich gleich anfangen selbst zu schreiben. Über Fragen und Kommentare von Euch freue ich mich aber.

Lateinisch hat einige Varianten, die ich gerne Dialekte nenne. Es gab solche schon früher bei den Römern und auch noch jetzt im Neulatein.

Von den Dialekten früher weiß man wenig, aber wenigstens ein Bisschen etwas. Zum Beispiel war 'au' in manchen Gegenden langes 'o', man ist sich nicht sicher wo überall, aber es kam unter anderem in Rom, in der Stadt vor. Die romanischen Sprachen stammen von Dialekten mit 'au' ab.

Die größten Unterschiede kann man noch zwischen afrikanischem und gallischem Latein erkennen. Ich schreibe jetzt nicht alles, weil der Beitrag zu groß würde.

Mittelalterliches Latein hat je nach Gegend besondere Wörter, die zu einem großen Teil aus den Muttersprachen der Schreiber kommen. Dabei war es aber nicht einheitlich, sondern hing davon ab, was der Schreiber für Texte und Glossare gelesen hatte.

Schon lange gibt es auch verschiedene traditionelle Aussprachen, die sich parallel zu den und unter Einfluss der Aussprachen der romanischen Sprachen entwickelt haben.

Heutiges Latein ist von der Grammatik her sehr einheitlich, aber hat immer noch Einflüsse aus den modernen Sprachen, besonders in der Aufnahme von Lehnbedeutungen und Lehnübersetzungen.

Ich schließe den Überblick mit diesem Absatz ab und und freue mich, dass ich so viel erzählen konnte.

Liebe Grüße

Euer Privileg


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11.08.2011, 13:12:04
Beitrag #2
RE: Lateinische Dialekte
Vor einpaar Tagen habe ich einen Text in afrikanischem Latein zugeschickt bekommen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn hier hinein schreiben darf und ich kann die Quelle nicht angeben. Mir gefällt dort das Wort 'incad', das anscheinend von 'indicat' kommt und in dem Zusammenhang dort anscheinend 'betrifft' heißt.

Afrikanisches Latein scheint viele Assimilationen und Synkopen zu haben.

Euer Privileg


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11.08.2011, 13:19:30
Beitrag #3
RE: Lateinische Dialekte
Den ganzen Text zu reproduzieren würde vermutlich ein Urheberrechtsproblem darstellen. Ein Zitat für wissenschaftliche Zwecke ist aber kein Problem. Wieso kannst Du die Quelle nicht angeben?


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16.08.2011, 19:53:38
Beitrag #4
RE: Lateinische Dialekte
Ich kann die Quelle nicht nennen, weil ich sie nicht kenne. Man hat mir das ohne Quellenangabe zu lesen gegeben.


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16.08.2011, 22:57:00
Beitrag #5
RE: Lateinische Dialekte
Kannst du denn sagen, ob es sich um einen literarischen, oder um einen Gebrauchstext im weitesten Sinne handelt? Soweit ich weiß, gab es ja einige Schriftsteller der Region, wie etwa Apuleius. Falls das der Fall ist, könntest du Glück haben, dass es eine freie Ausgabe des Textes gibt. Verfütter doch einfach mal einen irgendwie herausstechenden Teil an Google (ggf. in Anführungszeichen setzen) und vielleicht wissen wir dann mehr über die Quelle.

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09.09.2011, 12:44:26
Beitrag #6
RE: Lateinische Dialekte
Hallo,

ich habe erst heute gesehen, dass hier nochmal jemand etwas geschrieben hat, sonst hätte ich früher geantwortet.

Der afrikanische Text ist ein Fluch, aus frühchristlicher Zeit. Er ist so groß wie ein normaler Absatz. Ich nehme an, dass er auf einem Stück Blech oder Ton geschrieben wurde. Gerade habe ich ihn tatsächlich auf einer Seite gefunden.

http://edh-www.adw.uni-heidelberg.de/EDH...start=3701

Es ist der Text HD022662, weit unten, auf jener Seite.

Ein gutes Beispiel für modernes Latein, mit regionalem Einfluss ist die lateinische Ausgabe vom ersten Band von Winnie Puh. Zum Beispiel wird dort das Wort "pathetice" verwendet, um "pathetic" zu übersetzen, das auf Englisch beinahe umgangssprachlich ist. Außer dem kommt "quaercus" für "quercus" vor. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Buch nicht für die restituierte Aussprache gedacht ist. Mir kommt da schon ein angenehmer, mittellateinischer Schauer. Weil Englisch viele lateinische und griechische Fremdwörter hat, werden auch in geschriebenem Latein gerne Wörter mit der englischen Bedeutung verwendet.

Liebe grüße

Privileg


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22.12.2011, 00:11:08
Beitrag #7
RE: Lateinische Dialekte
Hallo,

mir ist aufgefallen, dass viele Menschen lateinische Wörter, die nach den klassischen Vokallängen auf der drittletzten Silbe betont sind, auf der zweitletzten Silbe betonen. Besonders oft kommt es bei Wörtern mit '-idus' vor. Bei '-eram' und ähnlichen Formen habe ich sogar einmal irgendwo gelesen, dass man das bei deutschem Latein so macht. Vielleicht hat das jemand beobachtet und dann aufgeschrieben. Es ist schwierig zu sagen, ab wann etwas eine traditionelle Aussprache ist. Zum Beispiel habe ich gelesen, dass es auch in der deutschen Lateinaussprache wichtig sei, die Endvokale deutlich zu sprechen, aber ich habe schon oft gehört, dass man das eben nicht macht.

Was habt ihr dazu beobachtet und wie könnte man es werten?

Gruß vom

Privileg


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22.12.2011, 20:04:30
Beitrag #8
RE: Lateinische Dialekte
(22.12.2011 00:11:08)Privileg schrieb:  mir ist aufgefallen, dass viele Menschen lateinische Wörter, die nach den klassischen Vokallängen auf der drittletzten Silbe betont sind, auf der zweitletzten Silbe betonen. Besonders oft kommt es bei Wörtern mit '-idus' vor. Bei '-eram' und ähnlichen Formen habe ich sogar einmal irgendwo gelesen, dass man das bei deutschem Latein so macht.

Die deutschen Sprecher übertragen hier wahrscheinlich Regeln aus ihrer Muttersprache. Gerade was die Vokalquantität angeht, nämlich offene Silben lang (wie in -idus) und vor Konsonantgruppen kurz. (Im Latein ist die Quantität ja lexikalisch und kann nicht aus der Schreibung abgeleitet werden.) Daher rührt dann auch die Betonung, denn im Deutschen zieht der letzte Langvokal im Wort die Betonung auf sich.

Außerdem unterscheidet man im Deutschen Quantität nur in der betonten Silbe, d.h. deutsche Sprecher sprechen alle unbetonten Silben, insbesondere Endsilben kurz. Es ist sehr schwierig, sich das abzutrainieren und nicht automatisch die Endung zu betonen, wenn man die Quantität hervorheben will.


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08.01.2012, 14:54:28
Beitrag #9
RE: Lateinische Dialekte
Dazu habe ich jetzt interessehalber mal eine grundsätzliche Frage: Gibt es überhaupt Überlieferungen bezüglich der korrekten Aussprache des Lateinischen? Wenn ja, worauf basieren die? Denn im Prinzip ist es doch bei einer Sprache, die sowieso keine Muttersprachler mehr hat, egal, wie man sie ausspricht, oder? Diskussionen über die korrekte Ausprache wären dann doch nur Spekulation.

Das mit den Lehnbedeutungen, beispielsweise aus dem Englischen, finde ich aber sehr interessant ...


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08.01.2012, 15:02:09
Beitrag #10
RE: Lateinische Dialekte
(08.01.2012 14:54:28)kunterbunt schrieb:  Denn im Prinzip ist es doch bei einer Sprache, die sowieso keine Muttersprachler mehr hat, egal, wie man sie ausspricht, oder? Diskussionen über die korrekte Ausprache wären dann doch nur Spekulation.

Spekulativ ist das ganz sicher, und eine 100%ige Sicherheit bekäme man (wenn überhaupt!) nur per Zeitreise. Dazu käme ja noch das Problem, ob es überhaupt die eine einzig wahre Aussprache des Latein gegeben hat.

Egal ist das vielleicht nicht unbedingt, wenn man sprachhistorische Untersuchungen anstellen will.


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09.01.2012, 21:03:48
Beitrag #11
RE: Lateinische Dialekte
Huhu,

man könnte mit einem Raumschiff zweitausend Lichtjahre weit weg reisen und mit einer sehr guten Kamera die Erde filmen und den Römern von den Lippen ablesen, so lange sie es nach oben sagen. Das ist meine Idee. Klaut sie ja nicht.

Wieder angesehen habe ich mir das Thema, weil ich noch etwas fragen möchte. Nämlich folgendes: ein Bekannter hat mir gesagt, dass altlateinische Sätze manche Ausdrücke getrennt geschrieben hatten, oder zusammen, die beim neueren Latein umgekehrt waren, also dass bei einem die Wörter genau nebeneinander standen und beim anderen der Ausdruck getrennt auf den Satz verteilt wurde. Weiß von euch jemand worum es genauer geht und was es sonst für Besonderheiten im altlateinischen Satzbau gibt? Ich bin da neugierig.

Liebe Grüße

Privileg


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14.01.2012, 18:28:07
Beitrag #12
RE: Lateinische Dialekte
Irgendwo habe ich gelesen, dass es auf den britischen Inseln früher zwei verschiedene Lateinaussprachen gab. Die eine war, dass man zuerst eine alte Aussprache hatte, eine anglikanische und eine katholische. Eine der Aussprachen war in der Gegend älter und die andere, die jetzt noch verwendet wird, ist der italienischen Kirchenaussprache angenähert. So weit ich das noch weiß, wurde in der einen Aussprache noch an allen Stellen 'k' für 'c' ausgesprochen, weshalb man noch 'Patrick' sagt.


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20.01.2012, 22:59:14
Beitrag #13
RE: Lateinische Dialekte
(14.01.2012 18:28:07)Privileg schrieb:  ...weshalb man noch 'Patrick' sagt.

Irgendwie sehe ich da den Zusammenhang nicht. Es handelt sich hier ja um einen keltischen/irischen Namen, nicht um einen Lateinischen. Dort hat man den Namen eigentlich immer mit einem velaren Plosiv am Ende gesprochen, heute schreibt er sich Pádraig, spr. [paːdrəɡʲ] (vermute ich). Ich denke nicht, dass der Name den Umweg über das lateinische Patricius gemacht hat. Davon ist dann eher die französische Variante Patrice abgeleitet, weil das lateinische <c>, spr. [k], sich vor Vordervokalen eben veränderte (eben zu [t͡s], [s], [t͡ʃ] usw.).


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21.01.2012, 17:22:28
Beitrag #14
RE: Lateinische Dialekte
Ich habe das auch anderswo gelesen, dass man auf britischem Englisch früher immer 'k' gesagt habe. Man sagt doch, dass der Name von Patricius her kommt. Hast du etwas Anderes gelesen? So weit ich weiß, hast du Pádraig richtig umgeschrieben.

Gute Bücher, die die altertümliche lateinische Aussprache behandeln sind "Vox Latina" von Sidney Allen, "Handbuch der lateinischen Aussprache", von Vera Scherr und "Historische Laut- und Formenlehre der lateinischen Sprache", von Gerhard Meiser. Warum man die Aussprache so annimmt, steht am genauesten in dem Buch von Sidney Allen.


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23.01.2012, 03:42:51
Beitrag #15
RE: Lateinische Dialekte
(21.01.2012 17:22:28)Privileg schrieb:  Man sagt doch, dass der Name von Patricius her kommt. Hast du etwas Anderes gelesen?

Ich kann keine Quellen zitieren, aber ich dachte eigentlich immer, "Patrick" wäre direkt aus dem (Alt-)Irischen ins Englische entlehnt und nicht erst über latinisierende Umwege. Aber ich kann mich irren.


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