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[Allg]: Allgemeines, Linguistik als Disziplin  » nicht erledigt Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
▶ Metasprache und Objektsprache

05.05.2014, 19:11:55
Beitrag #1
Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Hallo auch,

ich bin in der glücklichen Situation, meine Magisterarbeit nächste Woche abgeben zu dürfen. Doch gerade jetzt am Schluss stellen sich mir unendlich viele Fragen (v.a. formaler Art).
Da ich eine kontrastive Analyse mehrere Wörterbücher durchführe, kommt es zwangsläufig im Fließtext immer wieder zu Zitaten aus den Lemmaeinträgen. Da die Seite so mit Anführungszeichen geflutet wäre und das Leseempfinden beeinträchtigen dürfte, habe ich mich zur fortwährenden Kursivierung inhaltlicher Übernahmen entschlossen. Ein Problem stellt nun allerdings dar, dass ich keine metasprachlichen Ausdrücke mehr kursiv setzen kann. Folglich unterstreiche ich sie also. Allerdings fiel mir dadurch erst auf, dass ich mit allem, was ich sonst kursiv gesetzt hätte nun gar nicht mehr weiß, was ich machen soll.
Ich werde konkreter: es geht in meiner Arbeit um lexikographisches doing gender. Doing gender würde ich eigentlich kursiv setzen, aber weshalb eigentlich? Weil es ein Fachbegriff ist? Weil es ein fremdsprachlicher Ausdruck ist? In dt. Aufsätzen wird das zumindest zum Großteil kursiviert. Da diese Form der Auszeichnung nun allerdings schon reserviert ist, kann ich sie nicht mehr nutzen. Aber unterstreichen macht auch keinen Sinn oder stellt "doing gender" einen metasprachlichen Ausdruck in einer der folgenden Beispiele dar?
(1) "Keine Auflage vermag es darzustellen, dass doing gender auch ausgesetzt sein kann" oder
(2) "Der Begriff des doing genders umreißt..."

Man merkt, ich sehe gerade vor lauter Schreiberei den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Vielleicht mag mir ja jemand helfen.


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05.05.2014, 20:34:38
Beitrag #2
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Hallo,
es ist ungewöhnlich und unkonvetionell, inhaltliche Übernahmen durch Kursivierung zu kennzeichnen. Dafür dienen bei wörtlichen Übernahmen die Anführungszeichen, bei indirekten Zitaten ggf. der Konjunktiv, auf jeden Fall aber die Quellenangabe. Das ist dann auch ausreichend. Wenn die Anführungszeichen zu viel werden, kann man mitunter auch die Zitate als Blockzitate beidseitig einrücken und dann auf die Anführungszeichen verzichten.
Bei direkten/wörtlichen ZItaten muss man zudem auf die Zitiertreue achten. Nur was im Original kursiv ist, sollte im Zitat auch kursiv sein, andernfalls muss man es als eigene Hervorhebung kennzeichnen.

Den terminus doing gender würde ich nicht im ganzen Text kursivieren, sondern nur dort, wo er objektsprachlich verwendet wird, wie in deinem Beispiel (2). Alles andere ist falsch verstandene Konsistenz und verwirrt mehr, als dass es hilft.

Vielleicht helfen auch diese zwei Threads weiter:


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05.05.2014, 21:21:04
Beitrag #3
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Vielen Dank schon mal für die Antwort. Ich hätte nur wahrscheinlich noch mehr ausführen müssen. Dass ich statt Anführungszeichen zu setzen kursiviere, sprach ich bereits mit meiner Professorin ab. Sie segnete das ab, sofern ich das vorher in einem Absatz expliziere.

Es geht vor allem darum, dass ich mir die Einträge von Junge und Mädchen anschaue, dh. ich müsste immer wieder einzelne Wörter in Anführungszeichen setzen. Z.B.:
Während er als "großer", "stämmiger" und "wilder" Junge oder als Junge, der durch die Wälder streift beschrieben wird, gilt sie als "nett", "hübsch", "anständig" und wird als Objekt von ihm kennengelernt, geheiratet oder sitzengelassen.

- Problem 1: Der Text würde über 40 Seiten fast nur aus Anführungszeichen bestehen.
- Problem 2: Wenn ich Beispiele paraphrasiere, kann ich sie nicht in Anführungszeichen setzen (s. Junge, der durch die Wälder streift). Um dennoch kenntlich zu machen, dass sie seinem Eintrag entlehnt sind, würde ich dazu tendieren, sie kursiv zu setzen. Das würde aber zu einem ständigen Nebeneinander von Anführungszeichen und Kursivsetzungen führen. Zudem: Ich analysiere auch englische Wörterbücher, bei denen ich es so handhabte, dass ich ihre sinngemäßen Übersetzungen, sofern ich sie im Text indirekt wiedergab, kursivierte - um sie eben als entlehnt zu markieren. Ich fände es auch seltsam paraphrasierte Beispiele gar nicht als solche kenntlich zu machen. Z.B. oben "kennengelernt, geheiratet oder sitzengelassen" - da steht im Original "ein Mädchen kennenlernen, heiraten, sitzenlassen"
Oder bei "gefallenes Mädchen" vs. "dummer Junge" - Will ich sagen "Sie gilt als gefallen, er hingegen als dumm" kann ich keine Anführungszeichen setzen.
- Problem 3: Wie mit flektierten Formen umgehen? Wenn ich "Geliebte, Freundin" in meinen Satz einbauen möchte, geht das nur mit eckiger Klammer wahrscheinlich?
Bsp: Während Position 2 bei ihr aus der "Geliebte[n]" und "Freundin" besteht, ist [...]" oder noch schwieriger: "nettes, niedliches Mädchen" müsste ich dann wie folgt wiedergeben: Das "nette[s]" und "niedliche[s]" Mädchen hat in seinem Eintrag kein Pendant.
-> Das sähe doch alles zusammen schrecklich aus. Drum kam ich mit meiner Dozentin darauf, alles inhaltlich irgendwie Entlehnte einfach immer zu kursivieren.


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05.05.2014, 21:34:13
Beitrag #4
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Zu Problem 1 und 2: Naja, wenn es eben viele Anführungszeichen sein müssen, dann ist es eben so. Übrgens kann man die auch verschachteln, dazu gibt es Regeln im Duden, was die Abfolge von ", ' und « angeht.

Dir wird wohl, wenn du an der Kursivierung festhalten willst, nichts anderes übrig bleiben, als Objektsprache zu unterstreichen.

Was man sonst noch hervorheben möchte, muss dann entweder fett gesetzt werden (das ist aber unschön, da extrem auffällig), oder doppelt unterstrichen oder g e s p e r r t oder in Kapitälchen gesetzt werden. das sind ja auch verfügbare Hervorhebungen.

Zu Problem 3: Ja, das verlangt der Konflikt von Zitiertreue mit Kongruenz im eigenen Text. Da müssen die eckigen Klammern herhalten.


Wenn die betreuende Professorin es "abgesegnet" hat, ist es ja ok. (Das hier wäre übrigens jetzt salopper oder uneigentlicher Sprachgebrauch, da setzt man gemeinhin auch die "scarequotes", das ginge natürlich nicht auch noch.) Es ist ja leider so, dass die Arbeit zunächst einmal den begutachtenden Profs gefallen muss, auch typographisch. Sollte aus dem Text hinterher eine Publikation werden wollen, muss man sich eh wieder an die jeweiligen Stilvorgaben der Verlage halten und schlimmstenfalls alles umstricken.


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05.05.2014, 22:06:04
Beitrag #5
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Mh. Welche Lösung hättest Du denn für das Problem der paraphrasierten Beispiele, wenn man sie nicht kursivieren und nicht in Anführungszeichen setzen dürfte? Eben schlicht unmarkiert lassen? Das fand meine Dozentin eben insofern problematisch, als sie nicht direkt sehen könne, ob das nun aus dem Wörterbuch stammt (die Lemmaeinträge stehen den Analysen jeweils voran). Obwohl das für mich selbstverständlich war, da es ja nirgends anders herkommen kann...-aber ich habe da meinen Kopf auch vielleicht schon viel zu lange in dem Kram drin als dass ich das objektiv beurteilen könnte.

Noch eine Frage zu den einfachen Anführungszeichen. Wäre deren Gebrauch in folgenden Beispielen angebracht?

Wörterbucheintrag: Mädchen
1. weibliches Kind (sie haben ein Mädchen bekommen)
2. junge Frau (er pfiff dem Mädchen hinterher)
3. Geliebte, Freundin (er ging mit seinem Mädchen ins Kino)

Beispielssätze:
(1) Das Mädchen als 'junge Frau' gerät abermals in die Objekt-Position und [...]
(2) Als 'Geliebte' ist sie auch hier wieder das Objekt, über das er verfügt. (Muss hier überhaupt ein Komma hin?)

Nach meiner -ich-kursiviere-fast-alles-Regel habe ich diese Stellen nämlich momentan zumindest noch kursiv gesetzt.


Ansonsten: Danke für die kompetente Hilfe bis hierhin, so schnell hätte ich damit gar nicht gerechnet.


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05.05.2014, 22:18:54
Beitrag #6
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Es spricht doch nicht wirklich etwas dagegen, mit Anführungszeichen oder Kursivierung zu arbeiten. Wenn es sich nun einmal häuft, dann kann man das ja nicht einfach übergehen. In anderen Fachrichtungen wird in Examensarbeiten und Publikationen mit großer Hingabe Fußnote um Fußnote gesetzt, bis zwei Drittel der Seite voller kleingedruckter Spitzfindigkeiten sind. Das ist dann eben so, auch wenn es ästhetisch zu wünschen übrig lässt.

Bei den Beispielen ist ja im Grunde die Grenze zwischen indirektem Zitat und Objektsprache schon fließend, insofern fände ich da Kursivierung nicht unangebracht. Solltest du dann andernorts noch etwas Kursives weiter hervorheben wollen, bietet sih die Kombination "kursiv + gesperrt" an.

Nur noch nebenbei: In der Threadüberschrift ist von Metasprache die Rede. Wir kümmern uns aber gerade nicht um jene, sondern um die Hervorhebung objektsprachlicher Einheiten. Das sollte man tunlichst nicht verwehseln.

Noch ein nebenbei: ja, das Komma steht da richtig. Falsch hingegen ist *Beipielssätze, da muss ein S heraus. Teach


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05.05.2014, 23:01:37
Beitrag #7
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Das falsche "s" war nur ein Tippfehler, aber trotzdem falsch, richtig. Big Grin

Bei den genannten Beispielen haben also einfache Anführungszeichen gar nichts zu suchen? Also nicht 'Geliebte' als eine Bedeutung von Mädchen? Mädchen wäre nun aber metasprachlich?

Kann man sagen "das Lexem (oder sagt man nun Semem?)" Mädchen besteht aus folgenden Semen: [+belebt], [+menschlich], [+weiblich], [-erwachsen]? Nun ist "Mädchen" metasprachlich verwenden worden? Objektsprachlich hingegen, wenn ich schreibe "in ihrem Eintrag wird sie als nettes und niedliches Mädchen inszeniert"?

Objektsprachlich ist auch folgendes? (1) Der Begriff des doing genders etablierte sich in den 70er Jahren.
Nicht objektsprachlich ist jedoch folgendes? (2) Nur durch Streichung einiger Begriffe gelingt es der neueren Auflage deutlich weniger doing gender zu betreiben.
Wäre folgendes metasprachlich? (3) Dem Begriff doing gender liegt bereits die Bedeutung inne, dass es sich um etwas handelt, das getan wird. Oder wäre das nur doch wieder objektsprachlich?

Stellt es kein Problem dar, einen englischen Terminus wie in (2) zu gebrauchen? Es liest sich nicht-kursiv für mich seltsam, da es ja nach deutschen Regeln eigentlich zusammen- oder mit Bindestrich und großgeschrieben sein müsste.

Ich habe scheinbar wirkliche Probleme das zu unterscheiden.


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05.05.2014, 23:19:02
Beitrag #8
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
(05.05.2014 23:01:37)Nanek schrieb:  Bei den genannten Beispielen haben also einfache Anführungszeichen gar nichts zu suchen? Also nicht 'Geliebte' als eine Bedeutung von Mädchen? Mädchen wäre nun aber metasprachlich?

Kann man sagen "das Lexem (oder sagt man nun Semem?)" Mädchen besteht aus folgenden Semen: [+belebt], [+menschlich], [+weiblich], [-erwachsen]? Nun ist "Mädchen" metasprachlich verwenden worden? Objektsprachlich hingegen, wenn ich schreibe "in ihrem Eintrag wird sie als nettes und niedliches Mädchen inszeniert"?

Nee, du verwechselst "metasprachlich" und "objektsprachlich" oder ich habe gerade beim Lesen deiner Antwort ein Brett aus dem von dir erwähnten Wald vorm Kopf.

Ich hatte oben ja schon mal auf einen anderen Thread dazu gelinkt:
Objektsprache ist jede sprachliche Form, die Objekt der Betrachtung ist, also worüber wir etwas sagen. Das ist in der Regel markiert.
Metasprache ist die Sprache, vermittels derer wir etwas über das Objekt sagen. Die macht in den meisten Arbeiten den Hauptanteil aus und ist daher unmarkiert.

(05.05.2014 23:01:37)Nanek schrieb:  Objektsprachlich ist auch folgendes? (1) Der Begriff des doing genders etablierte sich in den 70er Jahren.
Nicht objektsprachlich ist jedoch folgendes? (2) Nur durch Streichung einiger Begriffe gelingt es der neueren Auflage deutlich weniger doing gender zu betreiben.
Wäre folgendes metasprachlich? (3) Dem Begriff doing gender liegt bereits die Bedeutung inne, dass es sich um etwas handelt, das getan wird. Oder wäre das nur doch wieder objektsprachlich?
(1) ja
(2) genau
(3) objektsprachlich, kursiv ist richtig


(05.05.2014 23:01:37)Nanek schrieb:  Stellt es kein Problem dar, einen englischen Terminus wie in (2) zu gebrauchen? Es liest sich nicht-kursiv für mich seltsam, da es ja nach deutschen Regeln eigentlich zusammen- oder mit Bindestrich und großgeschrieben sein müsste.

Das ist ok so und wird auch gemeinhin so gehandhabt.


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06.05.2014, 00:02:40
Beitrag #9
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Vielen Dank für deine Geduld.

Ich muss dann wohl meine Dozentin falsch verstanden haben. Ich habe mir in der letzten Sprechstunde aufgeschrieben, dass ich den metasprachlichen Gebrauch nun durch Unterstreichungen hervorheben müsse, damit er deutlich würde. Sie sagte, das sei ja aber wahrscheinlich eh nur sehr selten der Fall. Ist das also genau umgekehrt? Die objektsprachliche Verwendung von "Mädchen" und "Junge" dürfte selten der Fall sein? Das kann doch auch nicht sein?

Wie unterscheidet man denn, ob ich vom Mädchen als Person spreche oder über den Begriff?
Also: (1) Mädchen sind weibliche Kinder.
Oder: (2) Mädchen unterscheidet sich von Junge nicht nur durch das Sem [-männlich] bzw. [+weiblich], sondern auch durch [-verheiratet], während bei Junge das Sem [-erwachsen] vordergründig zu sein scheint.
Und (3) Mädchen hat mehrere Bedeutungen; es kann sich sowohl auf erwachsene junge Frauen wie auch auf weibliche Kinder beziehen.
Und (4) Es ist fraglich, ob in Mädchen bereits die Bedeutung der Jungfräulichkeit enthalten ist oder ob diese nicht erst durch den jeweiligen Kontext entsteht.

Eigentlich dachte ich: (1) = objektsprachlich; (2-4) = metasprachlich
So wäre doch aber die Metasprache eher die Ausnahme?

Bei der äußerst verlässlichen Quelle Wikipedia finde ich zu "Metasprache" folgendes:
Zitat:Gießen ist eine Stadt (Objektsprache).
‚Gießen‘ hat sechs Buchstaben (Metasprache).
Der Satz ‚Gießen ist eine Stadt‘ ist deskriptiv (Metasprache).

-> Wäre demzufolge nicht "das Semem Mädchen besteht aus [...]" auch metasprachlich?


Ich fand nun auch noch folgende Beispiele (http://www.fb10.uni-bremen.de/khwagner/g...itel2.aspx):
Linguistische Objektsprache:
(a) Hans ist ein Narr.
(b) Hans ist ein Nomen.
(c) Hans ist einsilbig.

Hier wird a) als objektsprachlicher Ausdruck, b) als metalinguistische Aussage beschrieben. Das müsste doch meinen Beispielen entsprechen? Oder wird nun innerhalb der Objektsprache nochmal differenziert? Nixweiss


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06.05.2014, 00:12:37
Beitrag #10
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Also, ich habe mich tatsächlich noch nie so blöd gefühlte wie am heutigen Tag. Ich durchsuche seit Stunden das Internet nach einer vermeintlich leichten Erklärung einer wahrscheinlich leichten Angelegenheit. Dennoch kommt mir alles was ich finde vor, als würde es stets dem Vorigen widersprechen.
Alleine hier: http://books.google.de/books?id=HVm4IFm4...iv&f=false

"Metasprachliche Ausdrücke sind solche, mit denen Aussagen über Sprache gemacht werden."
-> Anweisung: typographisch kenntlich machen, meist kursivieren

Hier (ich nehme an, auf deiner Seite) finde ich m.E. genau Umgekehrtes: http://www.jan-wohlgemuth.de/lehre/Hausarbeiten.pdf
"Kursivschriftist obligatorisch für jedes objektsprachliche Element, außer es steht in den unten erwähnten Klammern. Lautschrft sollte man nach Möglichkeit nicht kursiv setzen. Das Wort Wort hat vier Phoneme.

Ich nehme fast an, beides meint dasselbe, nur die Ausdrücke differieren?


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06.05.2014, 10:18:59
Beitrag #11
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Wir haben aneinander vorbei gedacht und geschrieben. Schieben wir's auf die vorgerückte TagesNachtzeit und auf Texte wie diesen:

(06.05.2014 00:12:37)Nanek schrieb:  Alleine hier: http://books.google.de/books?id=HVm4IFm4...iv&f=false

Zitat:"Metasprachliche Ausdrücke sind solche, mit denen Aussagen über Sprache gemacht werden."
-> Anweisung: typographisch kenntlich machen, meist kursivieren

Das ist falsch oder zumindest missverständlich. Was kenntlich gemacht wird ist Objektsprache, die in Metasprache eingebettet ist.

Bei dem bremer Beispiel ist der erste Satz (a) ja keine Aussage über Sprachliches. Also Objektsprache. Die wird im Alltagsgebrauch aber eben nicht markiert.

Eine sprachwissenschaftliche Arbeit ist dahingegen überwiegend metasprachlich. Dort, d.h. in der Metasprache, werden dann objektsprachliche Elemente hervorgehoben. In den Sätzen (b) und (c) müsste Hans entsprechend eigentlich kursiv sein, sofern in (c) etwas über das Wort gesagt wird und nicht eine metaphorische Aussage über das kommunikative Verhalten von Hans gemacht wird. Deine Vermutung mit deinen Sätzen (2) bis (4) trifft auch zu.


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08.05.2014, 22:58:02
Beitrag #12
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Okay, das klingt nun schon stimmiger für mich. Probleme habe ich nur immer noch ein wenig dabei, meine Hinweise zum typographischen Gebrauch zu schreiben.
1. Alles inhaltlich Zitierte, sei es flektiert oder nicht, sei es übersetzt oder nicht, wird kursiviert. (So drücke ich das natürlich nicht aus)
2. Metasprachlicher Gebrauch wird hingegen zur Differenzierung unterstrichen.
-> müsste es dann hier heißen objektsprachlicher Gebrauch? Wenn ich sage "Mädchen hat 7 Buchstaben und besteht aus einem Umlaut" dann stellt Mädchen doch nichts dar, was es objektsprachlich geben würde? Mädchen als Wort, also als reine Zusammensetzung von Buchstaben, steht in diesem Sinne ja in keinem Bezug zu einem realen Objekt?

Wenn ich schreibe "Mädchen besteht aus den Semen [X], [Y] und [Z]" oder "es ist fraglich, ob Mädchen bereits die Bedeutung der Ehelosigkeit zugrunde liegt" dann gebrauche ich das Wort Mädchen nun wie? Ich hätte nun gesagt "metasprachlich". Wie formuliere ich das korrekt in einem Hinweis?Traurig

Tut mir übrigens leid, dass ich so begriffsstutzig zu sein scheine. Zwinker


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09.05.2014, 10:23:43
Beitrag #13
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Die Begriffsstutzigkeit führe ich wirklich darauf zurück, dass "metasprachlicher Gebrauch" suggeriert, das zu kursivierende oder unterstreichende Wort sei metasprachlich. das ist eine nicht unübliche Verknappung, die nicht gerade zur Klarheit beitrgt. Also, kein Grund für Entschuldigungen oder Selbstbezichtigungen.
Was man mit dem Ausdruck meint ist ja eher: "Gegenstand (Objekt) einer metasprachllichen Äußerung".

(08.05.2014 22:58:02)Nanek schrieb:  2. Metasprachlicher Gebrauch wird hingegen zur Differenzierung unterstrichen.
-> müsste es dann hier heißen objektsprachlicher Gebrauch? Wenn ich sage "Mädchen hat 7 Buchstaben und besteht aus einem Umlaut" dann stellt Mädchen doch nichts dar, was es objektsprachlich geben würde? Mädchen als Wort, also als reine Zusammensetzung von Buchstaben, steht in diesem Sinne ja in keinem Bezug zu einem realen Objekt?
Nicht Objektbezug, das ist was anderes. Du machst ja eine Aussage über die lautliche und graphematische Struktur des Wortes, d.h. das Wort Mädchen ist das Objekt deiner Betrachtung. Du referierst also auf das Wort und nicht, wie in der Objektsprache üblich, auf die durch das Wort bezeichnete außersprachliche Wirklichkeit.

Ein einfacher Trick ist es, solche Zusätze wie "das Wort" oder "die Äußerung" vor das entsprechende Elemnt zu stellen. Ändert sich der Sinn des gesamten Satzes dadurch nicht, ist das solcherart qualifizierte Wort ein objektsprachlicher Ausdruck einer metasprachlichen Äußerung. Also
Zitat:Das Wort Mädchen hat 7 Buchstaben und einen Umlaut.
vs.
Zitat:Das Wort Das Mädchen geht am Fluss spazieren.

Gell?

(08.05.2014 22:58:02)Nanek schrieb:  Wenn ich schreibe "Mädchen besteht aus den Semen [X], [Y] und [Z]" oder "es ist fraglich, ob Mädchen bereits die Bedeutung der Ehelosigkeit zugrunde liegt" dann gebrauche ich das Wort Mädchen nun wie? Ich hätte nun gesagt "metasprachlich". Wie formuliere ich das korrekt in einem Hinweis?Traurig

Ich würde etwas wie "Gegenstand (Objekt) einer metasprachllichen Äußerung" vorschlagen.


Sorry, dass ich gestern Nacht nicht mehr geantwortet habe, da wr ich nicht mehr konzentrationsfähig genug.


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09.05.2014, 12:13:21
Beitrag #14
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
Du bist super! Ich glaube, nun ist mir einiges deutlicher. Nur bitte keine Entschuldigungen, dass Du mir nicht sofort und v.a. nachts noch antwortest. Dass Du Dir überhaupt die Zeit dafür nimmst, finde ich unglaublich nett. Also: Dickes Danke.

Einen kleinen Problemfall hätte ich da noch. Wenn ich über die Lemmaeinträge schreibe, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das unterstreichen muss, ob es also Objekt einer metasprachlichen Äußerung ist. BSP.: "Während das Mädchen hingegen stets als nett, niedlich und angepasst beschrieben wird, wird er in seinem Eintrag als wilder Bengel inszeniert." Also "Während das Wort Mädchen hingegen stets als [...]" kann ich nun nicht wirklich schreiben, die Probe funktioniert nicht. Allerdings ist es ja so, dass das Mädchen hier den prototypischen Gebrauch für das Wort Mädchen illustrieren soll. Wie also verfahren? Eigentlich (in meinem Fall) kursivieren und nicht unterstreichen, da es ja auf das greifbare Objekt "Lemmaeintrag" referiert?

Ähnliches Problem, wenn ich in meinem Ausblick die Empfehlung gebe, das Ganze thematisch breiter zu untersuchen, also auch Schwester, Bruder, Tochter, Sohn, Mutter, Vater etc. Da geht es ja nicht um die Untersuchung der Wörter an sich, sonder um ihre Darstellung in Wörterbüchern. Also um Lemmaeinträge. Wie also verfahren? Gar nicht hervorheben, unterstreichen (wie alles inhaltlich einigermaßen Zitierte) oder unterstreichen? Meine Dozentin hat in ihrem Aufsatz die zuletzt genannten Fällen kursiviert, was obiges angeht, ist sie jedoch unterschiedlich verfahren.

Ich gebe einmal ein abgeändertes Beispiel, da ich ja nicht möchte, dass Google hierher verweist, wenn man nach dem Aufsatz sucht:

Zitat:"Während in den 5 Zeilen von Position 3 bei der Frau belanglose Dinge aufgezählt werden, ist beim Mann und seinen 45 Zeilen von "X, Y", von "Z" und "A" die Rede. Hier fällt entsprechend auf, dass die Frau immer nur ist, z.B: b, c, d, [...]."

Daraus würde ich ableiten, dass ich Frau als Lemmaeintrag unterstreiche, wenn ich aber über die dort dargestellte Frau (also das Frauenbild) schreibe, lasse ich das hingegen unmarkiert?

Unglaublich, wie viele Probleme mir diese Kleinigkeiten machen, nachdem mir die 100 Seiten inhaltlich weniger schwerfielen.Undecided


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09.05.2014, 13:30:04
Beitrag #15
RE: Linguistische Auszeichnungen und metasprachliche Ausdrücke
(09.05.2014 12:13:21)Nanek schrieb:  Du bist super! Ich glaube, nun ist mir einiges deutlicher. Nur bitte keine Entschuldigungen, dass Du mir nicht sofort und v.a. nachts noch antwortest. Dass Du Dir überhaupt die Zeit dafür nimmst, finde ich unglaublich nett. Also: Dickes Danke.
Gerne doch! Die Thematik ist ganz sicher auch für andere interessant. Manche trauen sich aber nicht, derlei öffentlich zu fragen.

(09.05.2014 12:13:21)Nanek schrieb:  Einen kleinen Problemfall hätte ich da noch. Wenn ich über die Lemmaeinträge schreibe, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das unterstreichen muss, ob es also Objekt einer metasprachlichen Äußerung ist. BSP.: "Während das Mädchen hingegen stets als nett, niedlich und angepasst beschrieben wird, wird er in seinem Eintrag als wilder Bengel inszeniert." Also "Während das Wort Mädchen hingegen stets als [...]" kann ich nun nicht wirklich schreiben, die Probe funktioniert nicht. Allerdings ist es ja so, dass das Mädchen hier den prototypischen Gebrauch für das Wort Mädchen illustrieren soll. Wie also verfahren? Eigentlich (in meinem Fall) kursivieren und nicht unterstreichen, da es ja auf das greifbare Objekt "Lemmaeintrag" referiert?

Ich würde das so lösen:
Zitat:"Während Mädchen hingegen stets als nett, niedlich und angepasst beschrieben werden, werden Jungen in seinem Eintrag als wilde[r] Bengel inszeniert."

(09.05.2014 12:13:21)Nanek schrieb:  Ähnliches Problem, wenn ich in meinem Ausblick die Empfehlung gebe, das Ganze thematisch breiter zu untersuchen, also auch Schwester, Bruder, Tochter, Sohn, Mutter, Vater etc. Da geht es ja nicht um die Untersuchung der Wörter an sich, sonder um ihre Darstellung in Wörterbüchern. Also um Lemmaeinträge. Wie also verfahren? Gar nicht hervorheben, unterstreichen (wie alles inhaltlich einigermaßen Zitierte) oder unterstreichen? Meine Dozentin hat in ihrem Aufsatz die zuletzt genannten Fällen kursiviert, was obiges angeht, ist sie jedoch unterschiedlich verfahren.

Ein Ausweg wäre, entweder in der Tat zu krsivieren oder aber hier mit den Konzepten, den Bedeutungen zu arbeiten, also alles in 'Bedeutungshäkchen' zu setzen. auf diese Weise kann man auch eleganz Synonyme mit implizeren.

(09.05.2014 12:13:21)Nanek schrieb:  Ich gebe einmal ein abgeändertes Beispiel, da ich ja nicht möchte, dass Google hierher verweist, wenn man nach dem Aufsatz sucht:

schild_google finden's sowieso.

(09.05.2014 12:13:21)Nanek schrieb:  
Zitat:"Während in den 5 Zeilen von Position 3 bei der Frau belanglose Dinge aufgezählt werden, ist beim Mann und seinen 45 Zeilen von "X, Y", von "Z" und "A" die Rede. Hier fällt entsprechend auf, dass die Frau immer nur ist, z.B: b, c, d, [...]."

Daraus würde ich ableiten, dass ich Frau als Lemmaeintrag unterstreiche, wenn ich aber über die dort dargestellte Frau (also das Frauenbild) schreibe, lasse ich das hingegen unmarkiert?

Ja. Aber ich würde bei den Erwähnungen die Artikel weglassen:
Zitat:"Während in den 5 Zeilen von Position 3 bei Frau belanglose Dinge aufgezählt werden, ist bei Mann und seinen 45 ...
Eben weil es hier um das Wort bzw. dessen Lemmaeintrag geht und nicht einen generisch definiten Mann ("der Mann als solcher").


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