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[Morph]: Morphologie  » nicht erledigt Morphologische Analyse einiger Wörter

12.03.2013, 03:55:46
Beitrag #1
Morphologische Analyse einiger Wörter
Ich habe mich in letzter Zeit aus persönlichem Interesse mit Morphologie beschäftigt. Ich finde die Materie sehr spannend, aber nicht gerade leicht zugänglich. Ich wäre deshalb sehr dankbar, wenn ihr einem Laien ein wenig auf die Sprünge helfen könntet.

arbeitslos
{arbeit} frei, lexikalisch: substantivischtes (oder verbales?) Basismorphem
{-s} gebunden, grammatikalisch, Flexionssuffix
{-los} gebunden, grammatikalisch, Suffix.
Frage: „los“ kann, wenn auch mit anderer Bedeutung durchaus alleine stehen.
Ist das ein anderes Morphem?


Nachkommenschaft
{nach}, frei, grammatikalisch: präpositionales Basismorphem
{komm} frei, lexikalisch: verbales Basismorphem
{en} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungssuffix
{-schaft} gebunden, grammatikalisch, Wortbildungsmorphem (Suffix) Ist {-schaft} ein Allomorph nebst {-heit},{-keit} etc.?
Wie bei „los“ kann auch „Schaft“ alleine stehen – mit anderer Bedeutung natürlich. Gilt es deshalb als frei oder ist „Schaft“ auf Grund der unterschiedlichen lexikalischen Bedeutung ein anderes Morphem?

Generell gefragt: Gehe ich richtig in der Annahme, dass Morphe mit mehreren Bedeutungen (je nach Verwendungsweise) entsprechend unterschiedlichen Morphemen entsprechen? Also wäre z.B. „schaft“ je nach Verwendung ein gebundenes, grammatikalisches Wortbildungsmorphem oder ein freies, lexikalisches Basismorphem?

Bereich
{Bereich} Simplex
oder: {be-} gebundenes, grammatikalisches Wortibldungsaffix (Präfix)
{Reich} freies Basismorphem?

Vorwäsche
{vor} frei, grammatikalisch: präpositionales Basismorphem
{wäsch} gebunden, lexikalisch: verbales Basismorphem Ist das ein Allomorph zum Morphem {wasch}?
{e} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungssuffix

Aufsässigsten
{auf} frei, grammatikalisch: präpositonales Basismorphem
{säss} gebunden, lexikalisch: verbales Basismorphem (oder nur Morph?)
Allomorph zum Morphem {sitz}?
{ig} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungsmorphem: Suffix oder Infix?
{s} und {ten} oder {sten}? Flexionsmorphem(e)


Freundliche Grüße
Lonas


Hallo, ich bin Lonas und seit 04.03.2013 21:23 hier angemeldet.
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12.03.2013, 12:12:26
Beitrag #2
RE: Morphologische Analyse einiger Wörter
Hast du dich bei diesen Analysen an einem bestimmten Lehrbuch bzw. Modell orientiert?

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12.03.2013, 14:52:17
Beitrag #3
RE: Morphologische Analyse einiger Wörter
(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Ich habe mich in letzter Zeit aus persönlichem Interesse mit Morphologie beschäftigt. Ich finde die Materie sehr spannend, aber nicht gerade leicht zugänglich. Ich wäre deshalb sehr dankbar, wenn ihr einem Laien ein wenig auf die Sprünge helfen könntet.

Nicht falsch verstehen, aber wie kommt man auf so ein "Hobby"?
Ich find's toll. Deswegen auch meine Kommentare jetzt.


(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  arbeitslos
{arbeit} frei, lexikalisch: substantivischtes (oder verbales?) Basismorphem
{-s} gebunden, grammatikalisch, Flexionssuffix
{-los} gebunden, grammatikalisch, Suffix.
Frage: „los“ kann, wenn auch mit anderer Bedeutung durchaus alleine stehen.
Ist das ein anderes Morphem?
Das {-s} würde ich als Fugenelement (Interfix) behandeln, es dient ja hier nicht der Flexion. (Es gibt keine Genitivform *der Arbeits und keinen Plural *die Arbeits).
Historisch gesehen sind {los} und los dasselbe. Heutzutage muss man wohl wegen der von Dir beschriebenen Vorkommensunterschiede von zwei unterschiedlichen Morphemen ausgehen.

(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Nachkommenschaft
{nach}, frei, grammatikalisch: präpositionales Basismorphem
{komm} frei, lexikalisch: verbales Basismorphem
{en} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungssuffix
{-schaft} gebunden, grammatikalisch, Wortbildungsmorphem (Suffix) Ist {-schaft} ein Allomorph nebst {-heit},{-keit} etc.?
Wie bei „los“ kann auch „Schaft“ alleine stehen – mit anderer Bedeutung natürlich. Gilt es deshalb als frei oder ist „Schaft“ auf Grund der unterschiedlichen lexikalischen Bedeutung ein anderes Morphem?

Je nach Theorie muss der Verbstamm {komm-} mit dem Bindestrich aufhören um anzuzeigen, dass er nicht ganz frei ist.
Das {-en} ist wohl ein Flexionsaffix (Plural).
{-schaft} ist, wie {-heit} ein Wortbildungssuffix zur Bildung abstrakter Kollektivplurale. UNd, ja, das ist ein anderes Morphem als {Schaft}.

(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Generell gefragt: Gehe ich richtig in der Annahme, dass Morphe mit mehreren Bedeutungen (je nach Verwendungsweise) entsprechend unterschiedlichen Morphemen entsprechen? Also wäre z.B. „schaft“ je nach Verwendung ein gebundenes, grammatikalisches Wortbildungsmorphem oder ein freies, lexikalisches Basismorphem?
abersowasvon

(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Bereich
{Bereich} Simplex
oder: {be-} gebundenes, grammatikalisches Wortibldungsaffix (Präfix)
{Reich} freies Basismorphem?
In der Gegenwartssprache würde ich das als Simplex analysieren (bzw. eben nicht analysieren, aber Du verstehst schon!), historisch gesehen ist es in der Tat {be + reich}

(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Vorwäsche
{vor} frei, grammatikalisch: präpositionales Basismorphem
{wäsch} gebunden, lexikalisch: verbales Basismorphem Ist das ein Allomorph zum Morphem {wasch}?
{e} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungssuffix

Exakt. Wbei {wäsch-} in keiner Verbform auftaucht und insofern nicht unbedingt ein "verbales" Basismorphem ist, eher ein "deverbales". aber da werden wir spitzfindig...

(12.03.2013 03:55:46)Lonas schrieb:  Aufsässigsten
{auf} frei, grammatikalisch: präpositonales Basismorphem
{säss} gebunden, lexikalisch: verbales Basismorphem (oder nur Morph?)
Allomorph zum Morphem {sitz}?
{ig} gebunden, grammatikalisch: Wortbildungsmorphem: Suffix oder Infix?
{s} und {ten} oder {sten}? Flexionsmorphem(e)
Das {sässig} ist ein problemfall. Laut etymologischen Wörterbuch ist es erst in nachmittelhochdeutscher Zeit belegt, folgt aber mittelhochdeutschen Bildungsmustern. Man kann es wohl an säße und damit an sitzen anlehnen (wie Gesäß eben auch)., aber rein gegenwartssprachlich muss man sagen, dass {sässig} nicht analysierbar ist.
{-st} und {-en} sind Flexionssuffixe, das erste für den Superlativ, das zweite für Kasus- und Numerusflexion.


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12.03.2013, 23:58:45
Beitrag #4
RE: Morphologische Analyse einiger Wörter
@janwo

Du hast etwas kleines vergessen Zunge
Zitat:arbeitslos
{arbeit} frei, lexikalisch: substantivischtes (oder verbales?) Basismorphem

Ich erwähne das deshalb, da ich mir diese Frage auch mal gestellt habe.
Es müsste sich bei [arbeit] eher um ein verbales Basismorphem handeln, da es zunächst das Verb gegeben hat und das Nomen aus dem Verb folgte. Indes ist [arbeit] ein verbales Basismorphem ?


Hochachtungsvolle Grüße


Hallo, ich bin FlorianAir und seit 11.01.2013 19:25 hier angemeldet.
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13.03.2013, 05:49:00
Beitrag #5
RE: Morphologische Analyse einiger Wörter
Vielen Dank für die Hilfe.

Ich habe die Einteilung nach „Germanistische Linguistik 2. Auflage von Busch und Stenschke, Tab 5.3 S. 83 vorgenommen.

In der germanistisch-linguistischen Welt wird man anscheinend sehr freundlich begrüßt. Heute eben sprach mich ein Mann im Zug and an fragte, ob ich auch Germanist sei, als er mein Buch sah. Lächel

Auf Linguistik stiess ich zufällig beim Lernen einer Fremdsprache und war sofort fasiziert. Es gibt meines Erachtens wenig Interessanteres als unsere Sprache. 10 Jahre und ein Studium früher könnte ich mir durchaus vorstellen Linguistik zu studieren. Ich hoffe, ich kann auch als Laie ein wenig in die linguistische Welt eintfauchen.

Frundliche Grüße
Lonas


Hallo, ich bin Lonas und seit 04.03.2013 21:23 hier angemeldet.
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13.03.2013, 09:28:53
Beitrag #6
RE: Morphologische Analyse einiger Wörter
(12.03.2013 23:58:45)FlorianAir schrieb:  Indes ist [arbeit] ein verbales Basismorphem?

Man darf da eigentlich nicht historisch argumentieren. In der Gegenwartssprache ist nach meiner Intuition die nominale Basis primär, das Verb daraus abgeleitet. (Nullkonversion).


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