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 » Erledigt: Heute Heute Numeralsysteme und Zahlen
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04.05.2012, 11:56:07
Beitrag #16
RE: Numeralsysteme und Zahlen
(03.05.2012 00:22:01)Sebastian schrieb:  Kapitel 131: Numeral Bases (und die zugehörige Karte) im WALS passt zwar nicht direkt zur gerade geführten Diskussion, ist aber trotzdem interessant. Zunge

Das hat was von "ceterum censeo WALSem esse legendam."

Doch halt: das kam schon:
(13.11.2011 10:11:34)janwo schrieb:  Siehe auch WALS Kapitel 131.



Die Bezeichnungen für Uhrzeiten sind eigentlich schon keine Zahlsysteme mehr sondern deren konkrete Anwendung. Bei Gewichten, Hohlmaßen und Münzwerten gibt es ähnliche Idiosynkrasien.


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06.05.2012, 13:54:04
Beitrag #17
RE: Numeralsysteme und Zahlen
(04.05.2012 11:56:07)janwo schrieb:  
(03.05.2012 00:22:01)Sebastian schrieb:  Kapitel 131: Numeral Bases (und die zugehörige Karte) im WALS passt zwar nicht direkt zur gerade geführten Diskussion, ist aber trotzdem interessant. Zunge

Das hat was von "ceterum censeo WALSem esse legendam."
Och, das kann man prinzipiell doch ruhig machen Zwinker Wenn von Numeralsystemen die Rede ist, kommt relativ schnell die Sache mit den Basen in's Spiel. Das finde ich etwas ungünstig, weil damit gleich eine Festlegung auf einen bestimmten Subtyp statt findet (Numeralsysteme, die überhaupt Multiplikation bzw. Basen haben) und es noch weitere Möglichkeiten zur Klassifizierung solcher Systeme gibt; Dezimalsystem ist auch nicht gleich Dezimalsystem

Dann zu den Fragen von Hutschi:

Ich denke, das, was du alles aufzählst, kann man besser unter der Kategorie der "Quan(tifika)toren" fassen (siehe z.B. Gil (2001); den Verweis habe ich aus der schon erwähnten Magisterarbeit von Hanke (2005)). Quantifikatoren sind zum Beispiel 'viele', 'manche', 'einige', 'alle', 'keiner', 'fünfzehn' usw. Vielleicht kann man als (etwas schwaimmige) Arbeitsdefinition sagen, dass darunter alles fällt, was bestimmte oder unbestimmte Mengen angibt? Numeralia sind dann dadurch gekennzeichnet, dass sie eben konkrete Mengen angeben. In Systemen mit einer sehr geringen (also niedrigen einstelligen) Anzahl an Numeralia folgt oft 'viele', sodass man einen Übergang zwischen beidem sehr gut sehen kann.

In der Literatur (etwa bei Greenberg 1978, 2002 oder Stampe 1976; Seitenzahlen muss ich nachreichen) finden sich übrigens auch Hinweise zu Bezugnahmen auf verwandte Kategorien wie die der Numeralklassifikatoren oder des Numerus.

Um in die Fragen, was nun als Numerale gibt und was das Numeralsystem einer Sprache konstituiert etrwas Klarheit zubekommen, sind die Unterscheidungen von Greenberg (1978) vielleicht ganz brauchbar. Er untersucht erstmal nur "Kardinalzahlen", also natürliche Zahlen, diezum zählen verwendet werden. Auch in diesem Bereich kann zwischen Form und Bedeutung unterscheiden werden; in diesem Fall zwischen einer abstrakten Zahl (etwa 5) und einem konkreten Ausdruck ("numeral expression"), der diese versprachlicht (z.B. 'fünf' oder 'five', aber auch 'Wurzel aus 25'). Eine Untermenge dieser möglichen numeralen Ausrücke einer Sprache sind nun die Numeralia, die zum zählen verwendet, also quasi durch die Operation "zählen" ausgewählt werden ('numerals proper'). (ich hoffe, das ist so einigermaßen verständlich..:rolleyesLächel

Innerhalb dieses Rahmens kann man also nun sagen, dass z.B. 'duzend' zwar ein möglicher numeraler Ausdruck der deutschen Sprache, aber kein 'numeral proper' und somit kein Teil des Numeralsystems ist, weil es nicht zum zählen verwendet wird (also im Prinzip das, was du auch schon sagtest).

Ob Ordinalzahlen (und alle anderen) in jeder Sprache immer von den Kardinalzahlen abgeleitet sind, kann ich nicht sagen. Soweit ich das überblicke wird in der (linguistischen) Literatur aber schon davon ausgegangen, dass die Kardinalzahlen auf die eine oder andere Weise zugrunde liegen (bei Greenberg z.B. durch den zentralen Begriff der Markiertheit). Entsprechend findet man vorallem was zu diesen 'Zählzahlen', am Rande mal was zu Ordinalzahlen, und zu anderen Begriffen (Distributivzahlen, Multiplikativa, Iterativa etc.) quasi nichts. Dass alle anderen Typen als abgeleitet aufgefasst werden, kann man evtl. so begründet, dass sie jeweils noch weitere, über die eigentliche numerale Bedeutung hinausgehende semantische Inhalte denotieren.

Zu den etymologischen Fragen kann ich nicht so viel sagen. Allerdings gibt es mit Gvozdanović (1992) einen Sammelband zu Numeralia in den indo-europäischen Sprachen, der u.a. einen recht langen Artikel zu den Numeralia im Germanischen enthält; vielleicht wird man da fündig.


Gil, David. 2001. Quantifiers: 92. In Martin Haspelmath, Ekkehard König, Wulf Oesterreicher & Wolfgang Raible (eds.), Language Typology and Language Universals. An International Handbook (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft), 1274–1295. Berlin + New York: Mouton DeGruyter.

Gvozdanović, Jadranka (Hrsg.) 1992. Indo-european Numerals. Berlin: De Gruyter.

Greenberg, Joseph H. 1978. Generalizations about Numeral Systems. In Joseph H. Greenberg (ed.), Universals of Human Language, 249–295: Stanford University Press.

Greenberg, Joseph H. 2000. Numeral: 75. In Geert Booij, Lehmann, Christian & Joachim Mugdan (eds.), Morphology. An International Handbook on Inflection and Word-

Stampe, David. 1976. Cardinal Number Systems. In Slikoko S. a. W. C. A. Mufwene & Sanford B. Steever (eds.), Papers from the twelfth regional meeting. Chicago Linguistic Society, 594–609.

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18.03.2013, 19:52:19
Beitrag #18
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Ein kleiner Nachtrag (als 9G7. / C3G. / HA0. / 4047. / 7000. / 1B58. / 15530. / 1231120. / 1101101011000. / Beitrag im Forum) zu den Basen und Systemen sei gestattet:

http://mentalfloss.com/article/31879/12-...-languages

Wer einmal selbst von allen in alle konvertieren möchte: http://www.unitconversion.org/unit_conve...mbers.html


Do you know where your towel is?
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18.03.2013, 21:04:51
Beitrag #19
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Sehr interessant, danke für den Hinweis Lächel


Ach ja: 4074 Zwinker

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27.04.2013, 11:56:05
Beitrag #20
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Würdet ihr eigentlich die Betrachtung von Numeralsystemen zur lexikalischen Typologie zählen?

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27.04.2013, 12:50:45
Beitrag #21
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Uff. Ganz ohne Semantik und Morphologie kommt man bei Zahlsystemen aber auch nicht aus. Ich glaube, am besten fährt man damit, die als eigenen Typologiezweig zu betrachten.

Ich hab's bei fakebook mal als Umfrage gestellt: https://www.facebook.com/linguisten/post...3237058226


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28.04.2013, 11:28:50
Beitrag #22
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Cooles Beispiel für die SchwieUnmgöglichkeit, Lexis, Grammatik und den kognitiven Apparatus trennen zu wollen/können/sollen Lächel

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28.04.2013, 15:37:56
Beitrag #23
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Danke Jan, dass du dich der Sache angenommen hast, mal sehen, ob/was dabei raus kommt Lächel

Die Frage kam dadurch zustande, dass ich mir verschiedentlich im Netz verfügbares Material (z.B. hier) angesehen, und mich gewundert habe, dass dort Körperteilbezeichnungen, Verwandtschaftstermionologie, Farbtermini, "Aquamotion" oder Temperatur, nicht aber Numeralia als "Objektbereich" genannt werden; ich hätte das intuitiv dazu gezählt, möglicherweise habe ich aber auch was noch nicht richtig verstanden. Ein paar Dinge sprechen dafür, ein paar dagegen. In jedem Fall ist es ein klar umrissener Bereich des Lexikons, der eine interne Strukturierung aufweist, zumindest prinzipiell extralinguistisch eindeutig definierbar ist, und Schnittstellen zu Syntax und Morphologie aufweist.

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01.05.2013, 14:04:40
Beitrag #24
RE: Numeralsysteme und Zahlen
Zumindest bin ich mit meiner Meinung nicht vollständig alleine Zwinker Die Zahlen sprechen aber schon - soweit man das bei der Stichprobe sagen kann - für euch.

Die Antwort "Quantifikatioren" (bzw. Quantoren) find' ich auch interessant. Meiner Meinung nach bildet das aber nur einen Teilaspekt von Numeralsystemen und nicht alle Numeralia ab; unter dem Gesichtspunkt fiele es dann aber eher in die semantische Typologie, nicht?

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