Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
 » nicht erledigt Oben vs. unten offene Skalen

11.07.2013, 11:00:11
Beitrag #1
Oben vs. unten offene Skalen
Hallo zusammen!

Im Seminar hat sich eben die Frage ergeben, wie man entscheidet, ob eine nur zu einer Seite geöffnete Skala nun nach OBEN oder UNTEN geöffnet ist.

Bsp:
Oben offen: trocken -----> feucht
Unten offen: gefährlich <------ sicher

Warum wird "gefährlich" als unten und nicht als oben definiert?

Habt ihr eine Idee bzw. Erklärung?
Kennt ihr diesbezüglich auch einen Lektüretipp zum Nachlesen?


Hallo, ich bin Wilhelmine und seit 11.07.2013 08:52 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
11.07.2013, 12:44:58
Beitrag #2
RE: Oben vs. unten offene Skalen
Das riecht nach Lakoff/Johnson. :-))))))))))
Vgl. z. B. http://www.qualitative-research.net/inde...y/621/1345

Zitat:Im vierten Abschnitt des Buches findet sich die zweite wesentliche Erneuerung des Begriffs der Metapher: Bisher strukturierten metaphorische Konzepte ein Phänomen in Bildern eines anderen ("Zeit ist Geld"). Es gibt jedoch noch andere metaphorische Mechanismen, die auf Raumorientierungen basieren: LAKOFF und JOHNSON nennen sie "Orientierungsmetaphern". Sich "obenauf" zu fühlen, eine "Hochstimmung" und die Gegensätze dazu, "gesunkene" Stimmungen und sich "unten" zu fühlen, verweisen auf eine räumliche Strukturierung des Erlebens. Dieses Muster kehrt auch in abstrakteren Diskursphänomenen wieder: Die Redewendungen, die Kontrolle "über" jemanden zu haben, auf "der Höhe" der Macht zu sein, folgen dieser räumlichen Metaphorik für die Bebilderung des Phänomens der Macht. Ebenso erscheint Tugend in dieser Dichotomie: "hohe" moralische Standards vs. "niederträchtige" Handlungen. LAKOFF und JOHNSON fassen dies als kulturell übliches Konzept zusammen: "Gut ist oben". [11]

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
11.07.2013, 16:30:16
Beitrag #3
RE: Oben vs. unten offene Skalen
Hallo kunnukun, herzlichen Dank für den Hinweis! Das Konzept "Gut ist oben" scheint hier tatsächlich zu greifen, zumindest in Bezug auf das Adjektivpaar gefährlich/sicher und seiner Skala.
Bei Adjektivpaaren wie trocken/feucht oder leise/laut bleibt mir das Ganze unverständlich, zumal hier eine Einteilung in gut/schlecht wenig Sinn machen möchte bzw. nach individuellem Empfinden anders ausfallen kann: Ich z.B. hab es lieber "leise" als "laut" – warum wird laut dann als rechts stehend definiert?

Hier gilt wohl: Accept the mystery.

Lächel


Hallo, ich bin Wilhelmine und seit 11.07.2013 08:52 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
11.07.2013, 18:13:29
Beitrag #4
RE: Oben vs. unten offene Skalen
Die Metaphernforschung ist ein Feld für 'dreckige' Empirie, wobei Weltwissen immer wieder hineinspielt. "feucht" mag ja in bestimmten Kontexten, die zur Entstehung der Metapher beigetragen haben, durchaus mit Wertung verbunden sein. Da bleibt einem wohl nur, in die Diachronie einzusteigen.

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
11.07.2013, 19:30:07
Beitrag #5
RE: Oben vs. unten offene Skalen
(11.07.2013 16:30:16)Wilhelmine schrieb:  Hier gilt wohl: Accept the mystery.

Das ist aber sehr un-wissen-schaft-lich. Mit dem Motto hätten wir es nicht mal bis in die Steinzeit geschafft. Work


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste