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 » Erledigt: Heute Heute Präteritopräsentia

06.12.2011, 21:01:57
Beitrag #1
Präteritopräsentia
Hallo,

da ihr mir gestern schon so super weitergeholfen habe, komme ich nun mit der nächsten Frage. Blush

Kann mir jemand das Präteritopräsentia erklären? Bezieht sich natürlich auf die deutsche Sprache.

Liebe grüße und vielen Dank :-)


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06.12.2011, 21:57:47
Beitrag #2
RE: Präteritopräsentia
Na ja, eigentlich ist das doch ein sprechender Name Zwinker

Vielleicht lohnt es sich, da etwas weiter auszuholen:
Innerhalb der germanischen Sprachen gibt es veschiedene Typen von Verben, die sich darin unterscheiden, mit welchen Strategien sie ihre Zeitformen bilden. Schwache Verben bilden ihr Präteritum durch ein sog. Dentalsuffix (im Deutschen '-t(e)'). Das ist eine Innovation der germanischen Sprachen, die es in den Vorgängerstufen so nicht gab, und auch die einzige produktive Methode, soweit ich weiß. Die starken Verben setzen urindogermanische Perfektstämme fort. Sie sind eine geschlossene Gruppe (also unproduktiv), die ihr Präteritum durch Ablaut bildet. Im Urindogermanischen gab es noch eine Reihe weiterer Stammtypen, die nur noch in Resten oder garnicht im Germanischen verfügbar sind. Im Deutschen könnte das evtl. 'heißen' betreffen, aber da bin ich unsicher.

Präteritopräsentia sind nun Verben, die ihre ursprüngliche Präsensform aus semantischen Gründen durch die ablautende ehemalige Präteritumsform ersetzt haben, und das Präteritum wie schwache Verben mit einem Dentalsuffix bilden. 'Wissen' - 'ich weiß' - 'ich wuss-te' dürfte auch im Deutschen ein Beispiel sein. Erklärt wird das meist so, dass quasi ein Bedeutungswandel von 'ich habe erfahren' oder sowas zu 'ich weiß' statt gefunden hat. Quasi so, dass die ehemalige Vergangenheitsform präsentische Bedeutung hat. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer, aber ich weiß nicht, welche davon im Deutschen vorhanden sind. Wie starke Verben auch, kann man Präteritopräsentia verschiedenen Ablautreihen zuordnen.

Ich glaube, der Wikipediaartikel dazu erklärt das auch nicht so schlecht.

Als Faustformel kann man sich vielleicht merken, dass das halt einfach ursprüngliche starke Verben sind, die im Präsens ablauten und ihr Präteritum mit '-te' bilden wie schwache Verben.

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06.12.2011, 22:38:37
Beitrag #3
RE: Präteritopräsentia
(06.12.2011 21:57:47)thf schrieb:  'ich wuss-te' dürfte auch im Deutschen ein Beispiel sein. Erklärt wird das meist so, dass quasi ein Bedeutungswandel von 'ich habe erfahren' oder sowas zu 'ich weiß' statt gefunden hat. Quasi so, dass die ehemalige Vergangenheitsform präsentische Bedeutung hat.
Das Verb wissen ist klar ein Präteritopräsentium,[wissen = erfahren haben] nur: wie erklärt man das eigentlich bei den Modalverben im Deutschen, denen ja auch die Personenendung -t in der 3. Pers. Sg. Präsens fehlt, gerade so, als ob es sich bei ihnen um ehemalige Präteritalformen handelte?
(06.12.2011 22:38:37)Gernot Back schrieb:  
(06.12.2011 21:57:47)thf schrieb:  'ich wuss-te' dürfte auch im Deutschen ein Beispiel sein. Erklärt wird das meist so, dass quasi ein Bedeutungswandel von 'ich habe erfahren' oder sowas zu 'ich weiß' statt gefunden hat. Quasi so, dass die ehemalige Vergangenheitsform präsentische Bedeutung hat.
Das Verb wissen ist klar ein Präteritopräsentium,[wissen = erfahren haben].

Nur: wie erklärt man das eigentlich bei den Modalverben im Deutschen, denen ja auch die Personenendung -t in der 3. Pers. Sg. Präsens fehlt, gerade so, als ob es sich bei ihnen um ehemalige Präteritalformen handelte?


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06.12.2011, 23:29:47
Beitrag #4
RE: Präteritopräsentia
Danke thfLächel
Ja hatte den Wiki Eintrag dazu auch gelesen.. aber irgendwie kam ich damit nicht wirklich weiter, ich denke jetzt komm ich weiter. Vielen Dank dir also!


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07.12.2011, 11:25:13
Beitrag #5
RE: Präteritopräsentia
Der indogermanische Perfekt hatte keine vorzeitigte, sonderen resultative Funktion. Im Prinzip drückt es also präsentisch den Zustand nach Abschluss der Verbalhandlung aus. Viele idg. Sprachen haben aber einen Wandel hin zu einem Vergangenheitstempus vollzogen, so im Germanischen, wo das idg. Perf. zum Prät. wird.

Eine weitere Besonderheit der germ .Präteritopräsentia ist, dass sie auch den Ablaut zwischen Singular und Plural, der im Deutschen in allen starken Präterita beseitigt ist, z.B.:

nhd.: ich weiß - wir wissen
got.: wait - witum
germ.: *u̯oi̯d-e - *u̯id-me

*u̯ei̯d- bedeutet nach Auskunft der anderen indogermanischen Sprachen "erblicken" (nicht "sehen", da es eine wohl Aorist-Wurzel war), vgl. lat. vīdī "sah", Präsens videō, gr. εἶδον "sah, erblickte" < *e-u̯ei̯d-om, der Kausativ in dt. weisen "erblicken machen".

Das Perfektopräs. "wissen" ist auch in vielen anderen Sprachen bezeugt:
Ai. veda "weiß", gr. οἶδα dss., aksl. vědě dss.

Weitere dt. Präteritopräsentia:
ahd. toug, tugum - "taugen", im nhd. regularisiert zu ich tauge, er taugt, taugen (statt **ich/er taug, **wir tugen.)

ahd. kann, kunnom, nhd. kann, können
ahd. darf, durfum, ndh. darf, dürfen
ahd. gitar, giturrum, "wagen"
ahd. scal, sculum, nhd. soll, sollen
ahd. mag, magum (ohne Ablaut), nhd. mag, mögen
ahd. muoʒ, muoʒum, nhd. muss, müssen


Zitat:Nur: wie erklärt man das eigentlich bei den Modalverben im Deutschen, denen ja auch die Personenendung -t in der 3. Pers. Sg. Präsens fehlt, gerade so, als ob es sich bei ihnen um ehemalige Präteritalformen handelte?

Bei diesen Verben handelt es sich wahrscheinlich um modal gebrauchte Präteritalformen im Germanischen, die dann als Modalverben lexikalisiert wurden und eine neue Vergangenheitsform benötigten, gibt es ja in vielen Sprachen, dass Vorzeitigkeit zur Äußerung von Wünschen benutzt wird, vgl. dt. ich wollte fragen, it. volevo, russ. хотел(а) u.ä.
So gehört "kann" eigentl. zu "kennen", "darf" vielleicht etymologisch zu *terp- "genießen".


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
Hier könnte meine Signatur stehen.
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