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[Graph]: Graphematik, Orthographie, Schriftforschung  » nicht erledigt Rechtschreibung für Dummies
▶ Vom Untergang des Abendlandes

25.09.2014, 13:08:41
Beitrag #1
Rechtschreibung für Dummies
Der ein oder andere hier hat bestimmt folgenden Artikel in der F.A.Z gelesen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fo...67836.html

Ich selbst bin kein Didaktiker oder Pädagoge, werde aber durch verschiedene Erfahrungsberichte von befreundeten Lehrern und eigene Erfahrungen an der Universität immer mal wieder mit dieser Thematik konfrontiert.

Der Artikel enthält natürlich einige "kontroverse" Aussagen à la

Zitat:Und selbst wenn man die Sprache unter pragmatischen Gesichtspunkten sehen und als „praktisches Bewusstsein“ deuten wollte - bedeutete eine stark vereinfachte Sprache nicht auch ein stark vereinfachtes Bewusstsein?

über die sich nun hervorragend diskutieren ließe (der Autor ist Philosophiedozent). Mich würde aber eher interessieren, wie Linguisten mit diesem Thema in ihrem akademischen Alltag umgehen. Macht ihr ähnliche Erfahrungen mit euren Studenten? Was macht ihr, wenn ihr bspw. feststellt, dass Studenten erhebliche Probleme haben, längere und komplexere Texte zu verfassen? Wie handhabt ihr etwa deren Seminararbeiten?
Habt ihr als Studenten vielleicht auch selbst die in diesem Artikel angesprochenen Probleme? Führt ihr diese dann auch auf einen mangelhaften (Recht-)Schreibunterricht in der Grundschule zurück? Könnt ihr euch überhaupt noch daran erinnern, wie euch das Schreiben beigebracht wurde?

Ich frage das alles hier, weil ich Studenten mit recht mangelhaftem schriftlichem Artikulationsvermögen gegenüber manchmal etwas ratlos bin und mich gerade auch in einem Bereich wie der Philologie/Linguistik öfter wundern muss, wie sorglos oder unreflektiert mit der geschriebenen Sprache umgegangen wird.

Zu guter Letzt würde mich noch interessieren, ob euch die im Artikel angesprochene radikale Vereinfachung der Sprache in verschiedenen (Gebrauchs-)Texten auch in der Studienliteratur, vor allem neuere Auflagen von Einführungswerken, bereits wo aufgefallen ist? Ich selbst konnte das zwar noch nicht genauer überprüfen, allerdings musste ich beim Lesen dieser Passage an ein ganzes Bücherregal voll von "... für Dummies"-Einführungen für verschiedene Fachbereiche (von Wirtschaftswissenschaften bis hin zur Biochemie) denken, welches nun zum anstehenden Semesterbeginn im örtlichen Hugendubel aufgestellt wurde. Die müsste ich mir einmal genauer ansehen, sofern es auch etwas zu meinen Fachgebieten gibt.

Wer will, kann sich aber natürlich auch zur politisch gewollten Verdummung der Bevölkerung äußern! Big Grin


barni5
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25.09.2014, 13:23:29
Beitrag #2
RE: Rechtschreibung für Dummies
Dass wir alle verdummen und die Sprache Schuld daran sei, das ist ein alter Topos, der sich wohl bis in die Antike zurück verfolgen lässt. Und dass Rechtschreibfähigkeiten irgend etwas mit Hochwertigkeit von Sprache und/oder Intellekt zu tun haben, das ist - gelinde gesagt - klassistischer, elitärer Quark.

Ganz abgesehen davon, dass es ja auch noch einen Unterschied gibt zwischen dem Zusammenhang von "Sprache" (Sprachfähigkeit) und "Denken" einerseits und "Sprache" (Sprachgebrauch) und ihrer schriftlichen Fixierung andererseits. Wieso soll denn die "falsche" Schreibung eines Wortes unser Bewusstsein trüben? Ach nee.... Als ob Analphabeten dumm seien bzw. nicht denekn könnten!


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26.09.2014, 13:22:23
Beitrag #3
RE: Rechtschreibung für Dummies
Ein Nachtrag, weil's so gut passt:
"Schreiben lernen: Welche Methode ist sinnvoll?" von Jana Hauschild in Spektrum der Wissenschaft
http://www.spektrum.de/news/schreiben-le...ll/1310138

Der Artikel geht im Wesentlichen um die Methode "Lesen durch Schreiben" und ihre Alternativen:
Spektrum der Wissenschaft schrieb:Am Anfang ihrer Schullaufbahn lernen viele Kinder, Wörter erst einmal so zu schreiben, wie man sie auch ausspricht. Darüber, wie sinnvoll dieses Konzept ist, streiten Experten seit Jahren – und werden es wohl auch weiterhin tun.

"Unterlassene Hilfeleistung" nennen es die einen. Andere sagen: "Wer diese Methode erfunden hat, der muss Kinder gut kennen und sie gerne haben." Das Unterrichtskonzept "Lesen durch Schreiben" und seine Ableger entzweien Eltern, Lehrer und Wissenschaftler deutschlandweit. Bereits seit Jahren werfen sich Sprachwissenschaftler und Pädagogen gegenseitig Studien und Theorien um die Ohren – für und gegen die Methode, mit der heute viele Kinder zum Schulbeginn ans Lesen und Schreiben herangeführt werden. Doch je nach Untersuchung, Studienleiter und Interpretation variieren die Befunde. Die Gemüter sind erhitzt, und die zentrale Frage bleibt bis heute offen: Wie sollten Kinder denn nun am besten Lesen und Schreiben lernen?

Sehr anschaulich sind die auf Facebook laufenden Kommentare dazu, vor allem von Leuten, die vom Thema keine Ahnung, dennoch aber mindestens eine Meinung dazu haben:
https://www.facebook.com/spektrumverlag/...2443696490


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