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 » nicht erledigt Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb

17.07.2014, 13:55:07
Beitrag #1
Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Hallo,
ich stehe vor einem Dilemma. Ich studiere Niederlandistik und soll morgen im Fach Fachdidaktiv ein Referat halten. Meine ursprüngliche Intention war es, darzulegen, weshalb die Universalgrammatik unsinnig ist. Nun kam gestern die E-Mail, ich solle doch auch unbedingt den Schwenker zur Didaktik machen, vor allem Zweitspracherwerb. Das Dilemma ist nun, dass ich dazu ja eigentlich von der Gültigkeit der UG ausgehen muss, um daraus einen Nutzen für den Zweispracherwerb zu ziehen. Ich will mich aber auch nicht vorne hinstellen und die UG verteidigen.
Es geht mir vor allem um die Themenaufteilung, das Referat soll nur 15 Minuten gehen, aber ich werde darauf aufbauen später noch eine Hausarbeit schreiben. Wie kann ich einerseits die UG widerlegen und über Didaktik sprechen? Hat jemand vielleicht spontane Ideen?
Vielen Dank und viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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17.07.2014, 15:17:23
Beitrag #2
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Ich kann den Wunsch, sich gegen die Universalgrammatik auszusprechen natürlich nachvollziehen. Wenn der Titel des Referats aber eher "Die Universalgrammatik und ihre Anwendung im Zweitspracherwerb " als "Kritik an der Universalgrammatik und ihrer Anwendung im Zweitspracherwerb" lautet, würde ich in Erwägung ziehen, das Konzept zu überdenken. Kennen die Zuhörer die UG denn, oder wäre es deine Aufgabe sie vorzustellen? Um Kritik zuverstehen, muss man ja erstmal das Kritisierte kennen. Letztendlich geht es meiner Meinung nach bei solchem Referaten (wenn die Kritik halt nicht explizit das Thema ist) um eine neutrale Darstellung und weniger darum, die persönliche Ansicht zu verbreiten (auch wenn mir das bisweilen auch schwer fällt) Zwinker

Insofern würde ich zunächst eben die (Sprach)philosophischen Grundlagen vorstellen, dann die UG-Konzeption von Chomsky et al. und dessen/deren Argumente (sowie ggf. die Ansichten von Bickerton; 15 Minunten sind aber echt knapp), dann eben den Schwenk zu UG & Zweitspracherwerb. Und zum Schluss kannst du dann sagen, dass du das alles für Unsinn hälst. Ich glaube, damit wäre dein Problem umgangen und die Zuhörer hätten auch mehr davon, oder? Lächel

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17.07.2014, 15:35:55
Beitrag #3
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Hallo, danke für die Antwort.
Das Problem ist aber, ich kann denen nicht etwas vom bunten Hans erzählen und danach anekdotisch mein ganzes Referat nichtig machen, weil ich selbst gar nicht konform mit dem eben Gesagten gehe.
Es wird eigentlich davon ausgegangen, dass die meisten der Kursteilnehmer in der Linguistikeinführung von der UG schonmal gehört haben. Bisher ist mein Plan, dass ich zuerst vorstelle, was die UG ist (nicht fachhistorisch, sondern nur das Parameter-Prinzipien-Modell), dann sage, was die Verfechter sich davon für den Zweitspracherwerb erhoffen, dann kurz Pro und Kontra, ob die UG Sinn macht, dann konkludieren, warum sie Unsinn ist und dann irgendwie auf wunderliche Weise vorher noch herausfinden, was für Auswirkungen die Nichtexistenz von UG für die Didaktik im Zweit- oder Erstspracherwerb hat.
Ich habe nicht vor, die Kritik an der UG als persönliche Meinung abzutun, sondern es eigentlich als Widerspiegelung der heutigen Lehrmeinung der allgemeinen Linguistik zu verpacken. Bekanntlich bleibt die UG bei den Einzelphilologien länger hängen, in deren Einführung wurde uns auch von der Dozentin gesagt, sie sei eine Verfechterin davon. Mir erscheint so eine Haltung eher obsolet im Anbetracht der Forschungslage. Ich wollte den Kursteilnehmern das vor allem mitgeben, zumal ich der einzige bin, der nicht auf Lehramt studiert und Sprachwissenschaften als Hauptfach hat.


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17.07.2014, 16:05:05
Beitrag #4
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
(17.07.2014 15:35:55)Kevin schrieb:  Ich habe nicht vor, die Kritik an der UG als persönliche Meinung abzutun, sondern es eigentlich als Widerspiegelung der heutigen Lehrmeinung der allgemeinen Linguistik zu verpacken. Bekanntlich bleibt die UG bei den Einzelphilologien länger hängen, in deren Einführung wurde uns auch von der Dozentin gesagt, sie sei eine Verfechterin davon.

Vor ein bis zwei Jahren hätte ich dir auch zugestimmt (bzw. hab's ja sogar in älteren Threads hier); tatsächlich bin ich nach wie vor kein Anhänger der UG. Allerdings habe ich häufiger Leute getroffen, die allgemeine Sprachwissenschaftler sind und sich mindestens als Generativisten bezeichnen¹. Insofern ist es vielleicht doch nicht angemessen, von allgemeiner Lehrmeinung zu sprechen, auch, wenn ich das selbst gerne hätte, und mir dies in meinem Bachelor vermittelt wurde Traurig

(Das ist aber zugebenermaßen eine andere Debatte, die dir bei deinem Problem nicht hilft :/ )

¹Ich schließe daraus, dass sie zumindest implizit daher auch von einer UG ausgehen; die Frage, ob generative Grammatiktheorien auch ohne funktionieren, stelle ich mir schon länger, ist aber wohl ebenfalls eher ein Thema für einen anderen Thread.

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17.07.2014, 16:59:35
Beitrag #5
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Also, das sollte auch nicht allzu absolut klingen. Wirkliche Evidenz gibt es bislang wohl für keine der Theorien. Dennoch würde ich eher gemäß Okhams Rasiermesser davon ausgehen, dass es weniger Erklärung bedarf, wenn aus allgemeinen Lernprozessen heraus Sprachakquise erklärt werden kann, anstatt dass von wissenschaftlich nicht erklärbaren Übergängen von kultureller Sprache als Kommunikation in das menschliche Genom in Form von vorprogrammierter Sprachfähigkeit (welche Form eigtl. genau wissen die UGisten selbst nicht) die Rede ist. Warum sollte im menschlichen Genom verankert sein, dass manche Sprachen das unmarkierte Subjekt auslassen können und manche nicht - wenn doch mal alle Sprachen überhaupt ein Subjekt hätten.

Sicher kann man für alles argumentieren, nur scheint es meiner subjektiven Einstufung nach Konsens zu werden, dass UG nicht mehr wirklich aplizierbar ist. (Ich habe auch mal einen Beitrag hier gepostet über die Bedeutung von Lehrmeinung und diese als schlecht zu überprüfendes Totschlagargument und als subjektiv. Zwinker )

Ich hoffe, das Referat wird nicht allzusehr am Thema der Didaktik vorbeigehen. Ich studiere ja aber auch nicht auf Lehramt, sondern würde mich eher für allgemeinen Spracherwerb interessieren, anstatt der Nützlichkeit von Liedern, um Sprachen zu lernen.


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17.07.2014, 17:05:12
Beitrag #6
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Was man versuchen könnte, ist, das ganze auf der Basis der Fehleranalyse von Lernern zu machen. In den 70ern hat die Beschäftigung mit der UG zumindest dazu geführt, dass man angenommen hat (und auch noch annimmt, aber da entsprang die Idee), dass bestimmte Fehler zu bestimmten Zeitpunkten Auskunft über den Sprachstand der Kinder geben können. Ob man UG-Verfechter ist oder nicht hat zum Beispiel auch große Auswirkungen auf die Erstellung von Schulbüchern und Lehrplänen (Stichwort strikte Trennung von grammatischem und 'praktischem' Teil; in den unteren Klassen erst Grundlagen bevor man dann endlich die Sprache 'authentisch' benutzen darf in den höheren Klassen, etc.).
Ich glaube der größte Einfluss, den Chomsky mit seinen Ideen in der Hinsicht hatte, war die Unterscheidung in competence und performance. Dadurch kam man nämlich das erste Mal auf die Idee, dass Lerner so etwas wie ein Vorwissen über Sprache haben könnten, auf das man sich beim Zweitspracherwerbsunterricht stützen kann. Darüber findest du z.B. was in Ghadessy, M. (1977). Error analysis: a criterion for the development of materials in foreign language education. ELT Journal 31(3), 244-248.

Wenn du möchtest, kann ich dir dazu mal einen 5-seitigen Aufsatz schicken, der dir vielleicht da ein bisschen weiterhelfen kann. Leider ist da hinten keine Bibliographie mit eingescannt, aber er könnte auch so einen guten Überblick geben. Die Idee stammt aus der Anglistik, aber ist auch auf allgemeinen Zweitspracherwerb anwendbar, immerhin geht es da um grundlegende Prozesse.


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17.07.2014, 19:02:17
Beitrag #7
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
(Ich hoffe, dass es okay ist, wenn ich da drauf eingehe, sonst lagern wir das aus. Aber ich find' die Diskussion so spannend Lächel )

(17.07.2014 16:59:35)Kevin schrieb:  Also, das sollte auch nicht allzu absolut klingen. Wirkliche Evidenz gibt es bislang wohl für keine der Theorien.
Wissenschaftliche Theorien sollten -- zumindest wenn man sich Popper anschließt -- falsifizierbar sein. Und ich habe ernsthafte Zweifel, dass die Annahme einer angeborenen universellen Grammatik diesen Anspruch erfüllt. Im Kontext meines Interesses für NSM (Kurzfassung: Es gibt einen angeborenen universellen Minimalwortschatz, der in jeder Sprachelexikalisiert wird), denke ich schon länger darüber nach, wie man das experimentell überprüfen könnte -- und bisher ist mir nichts eingefallen. Die gewählten Konzepte sind so abstrakt, dass sie sich einer Operationalisierung, die für eine empirische Überprüfung die Grundlage wäre, entziehen. Insofern würde ich das unter "sprachphilosophische Konzepte" verbuchen (die UG stammt meines Wissens nach ja primär von Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts); und wie's bei philosophischen Konzepten so ist, kann man davon überzeugt sein, oder eben nicht.

(17.07.2014 16:59:35)Kevin schrieb:  Sicher kann man für alles argumentieren, nur scheint es meiner subjektiven Einstufung nach Konsens zu werden, dass UG nicht mehr wirklich aplizierbar ist. (Ich habe auch mal einen Beitrag hier gepostet über die Bedeutung von Lehrmeinung und diese als schlecht zu überprüfendes Totschlagargument und als subjektiv. Zwinker )

Ich weiß nicht so recht. Wenn Psycholinguisten Experimente zum Deutschen machen, dabei zu Erkenntnis X gelangen und dann der Meinung sind, auf der Basis irgendwas über menschliche Sprachverarbeitung an sich aussagen zu können, steckt da dann nicht unter der Haube doch irgendwie versteckt die Annahme einer Universalgrammatik (auch wenn sie abstrakter sein mag)? Ich denke, dass insbesondere philologische Linguistiken UG befürworten, weil sich das aus dem Untersuchungsgegenstand ergibt. Wenn man einerseits nur zum Deutschen/Englischen arbeiten kann/darf, andererseits aber irgendeine Universalität für die eigene Arbeit beanspruchen möchte, liegt die Befürwortung einer zugrunde liegenden Universalgrammatik sehr nahe, weil es die Sache einfach macht. Entsprechend höre ich halt von Philologen eben auch oft, dass sie von Einzelsprachen auf Sprache allgemein generalisieren.

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19.07.2014, 16:47:01
Beitrag #8
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Abgesehen davon, dass sich ja nun vielleicht noch eine schöne Diskussion entwickelt, wollte ich fragen, wie denn das Referat gelaufen ist? Lächel


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02.08.2014, 18:16:58
Beitrag #9
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
(19.07.2014 16:47:01)lingucat schrieb:  Abgesehen davon, dass sich ja nun vielleicht noch eine schöne Diskussion entwickelt, wollte ich fragen, wie denn das Referat gelaufen ist? Lächel

Leider war mein Versuch wohl etwas zu plump ... Zwinker Aber mich würd' auch interessieren, wie's gelaufen ist.

Und ansonsten noch, weil's mir erst gestern bei Simon Dik untergekommen ist und vielleicht passt:

"Note that a functional view of language does not preclude the existence of genetic factors guiding or facilitating the acquisition of a language. After all, natural language is a species-specific phenomenon. Such genetic factors, however,will be regarded as a last resort, to fall back upon when all other attempts at explaining the linguistic facts have failed."

Mich würde interessieren, was ihr zur dieser Aussage meint. Ich finde dieses Argument etwas merkwürdig. Wird diese Ansicht von weiteren vertreten?

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03.08.2014, 18:20:39
Beitrag #10
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Hallo,
es tut mir leid, mir wurde gar nicht angezeigt, dass du geantwortet hattest. Das Referat lief relativ okay, nur wurde der Dozentin zu wenig auf die Didaktik eingegangen. Damit hat sie zwar recht, aber ich studiere ja auch nicht auf Lehramt, sondern interessiere mich viel eher für die Theorie hinter dem Spracherwerb. In der Hausarbeit soll ich dann noch mehr die Didaktik aufarbeiten. Leider habe ich mir das Thema ja relativ blöd ausgesucht - zu argumentieren, dass die UG eigtl. nicht existiert und gleichzeitig Rückschlüsse für eine Zweitsprachendidaktik zu machen. Aber naja, mal schauen, wie ich das in der Hausarbeit hinkriege.
Wieso findest du das Argument merkwürdig? Es scheint doch ganz angebracht zu sein, von UG nur als etwas auszugehen, das als letzte Erklärung dienen sollte, wenn alle anderen scheitern.


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03.08.2014, 22:22:35
Beitrag #11
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Ich weiß nicht: Vielleicht verstehe ich ihn falsch, aber die Aussage ist ja im Prinzip "Wenn es sonst nix ist, dann sind es die Gene" (das ist halt ein bisschen, wie mit binären Merkmalen; Einheiten, die nur durch [-Merkmal] definiert sind, sind theoretisch nicht sehr zufriedenstellend Zwinker ). Warum denn dann die Gene und nicht etwas anderes? Ist das nicht etwas arbiträr? Rückt das diesen Teilbereich nicht in's Esoterische und macht ihn ungreifbar?

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04.08.2014, 06:26:06
Beitrag #12
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
(03.08.2014 18:20:39)Kevin schrieb:  Leider habe ich mir das Thema ja relativ blöd ausgesucht - zu argumentieren, dass die UG eigtl. nicht existiert und gleichzeitig Rückschlüsse für eine Zweitsprachendidaktik zu machen. Aber naja, mal schauen, wie ich das in der Hausarbeit hinkriege.

Du könntest ja versuchen, trotzdem darauf aufzubauen. Es gibt einige Ansätze, die auf grundsätzlichen Ideen, die die Generativisten in den 60ern groß gemacht haben, fußen, die aber gleichzeitig sagen, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Ich weiß nicht, auf welche didaktischen Aspekte du dich da stützen willst/sollst, aber gerade in der Wende zu einem Verständnis von Kommunikation als höchstem Ziel des Zweitsprachen-Lehrens (und damit classroom interactional competence als wichtige Lehrerkompetenz), wurde UG sowohl gleichzeitig abgelehnt als auch weiterentwickelt. Du könntest hier also zunächst auf die Einschränkungen der UG eingehen und dich schön theoretisch ausbreiten und dann darauf kommen, welche didaktiktheoretischen Konsequenzen darauf gezogen worden.

Z.B. Corder (1967) The Significance of Learner's Errors
Hymes (1971): The Concept of Communicative Competence
Dulay/Burt (1974): Sequences and Stages of SLA

Gerade Hymes spricht davon, wie unzureichend die UG im Hinblick auf Spracherwerb ist. Sein größter Kritikpunkt ist der, dass man mehr braucht um eine Sprache zu beherrschen als rein grammatisches Wissen. Darauf beruft sich ein ganzer Zweig der Sprachendidaktik, den du unter CLT (communicative language teaching) findest.

(03.08.2014 22:22:35)thf schrieb:  Ich weiß nicht: Vielleicht verstehe ich ihn falsch, aber die Aussage ist ja im Prinzip "Wenn es sonst nix ist, dann sind es die Gene" (das ist halt ein bisschen, wie mit binären Merkmalen; Einheiten, die nur durch [-Merkmal] definiert sind, sind theoretisch nicht sehr zufriedenstellend Zwinker ). Warum denn dann die Gene und nicht etwas anderes? Ist das nicht etwas arbiträr? Rückt das diesen Teilbereich nicht in's Esoterische und macht ihn ungreifbar?

Wenn man solche Ideen ex negativo definiert, hat das zumindest die Schwierigkeit, dass man möglichst viele weitere Paramenter kennen sollte, um sie auszuschließen. Esoterisch würde ich es nicht nennen, aber zumindest fragwürdig, da es ja tatsächlich ein wenig nach religiös angehauchten Argumenten riecht.

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04.08.2014, 12:03:19
Beitrag #13
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
Zitat:Ich weiß nicht: Vielleicht verstehe ich ihn falsch, aber die Aussage ist ja im Prinzip "Wenn es sonst nix ist, dann sind es die Gene" (das ist halt ein bisschen, wie mit binären Merkmalen; Einheiten, die nur durch [-Merkmal] definiert sind, sind theoretisch nicht sehr zufriedenstellend Zwinker ). Warum denn dann die Gene und nicht etwas anderes? Ist das nicht etwas arbiträr? Rückt das diesen Teilbereich nicht in's Esoterische und macht ihn ungreifbar?
Ich würde auch nicht wirklich Akkord gehen mit dem Argument und generalisierend zu sagen, dass alles genetisch ist, wenn man keine Argumente mehr hat, ist natürlich unwissenschaftlich. Aber er bezieht wohl eher darauf, dass selbst jetzt, ohne Ermangelung an Gegenargumenten, viele argumentier(t)en, dass es eine genetische Komponente hat. Weil man dafür so recht keine Beweise finden kann, bleibt es das Endargument, wenn alles versagt.
Allerdings haben wir dank Okhams Rasiermesser bereits Erklärungsmodelle, bei denen der Spracherwerb durch normale Lernprozesse erklärt werden kann. Daher ist das Endzeitargument eigentlich nichtig.

Tausend Dank, lingucat, für die Literaturtipps! Die werden mir bestimmt helfen. Ich glaube, ich werde auch in etwa so machen: Kurze Ausbreitung, weshalb man davon ausgehen sollte, dass eine UG unsinnig ist; Hymes Ansatz, dass die UG relativ irrelevent für den Spracherwerb ist und dann irgendwie ein Modell skizzieren, wie eine Didaktik auch ohne UG aussehen kann. Wird in deinen Literaturtipps auch auf diese Wende eingegangen, bei der die UG abgelehnt und weiterentwickelt wurde? Die Dozenten betont auch immer, dass das vorwiegende Didaktikmodell heute vor allem auf Kommunikation abzielt, daher wäre es ja gut, wenn ich da ansetze.

Viele Grüße,
Kevin


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04.08.2014, 12:18:28
Beitrag #14
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
(04.08.2014 12:03:19)Kevin schrieb:  Hymes Ansatz, dass die UG relativ irrelevent für den Spracherwerb ist und dann irgendwie ein Modell skizzieren, wie eine Didaktik auch ohne UG aussehen kann. Wird in deinen Literaturtipps auch auf diese Wende eingegangen, bei der die UG abgelehnt und weiterentwickelt wurde? Die Dozenten betont auch immer, dass das vorwiegende Didaktikmodell heute vor allem auf Kommunikation abzielt, daher wäre es ja gut, wenn ich da ansetze.

Ja, das findest du auch dort. Nämlich bei Hymes, den Absatz habe ich später dazu editiert, vielleicht hast du ihn nicht mehr gelesen:

(04.08.2014 06:26:06)lingucat schrieb:  Darauf beruft sich ein ganzer Zweig der Sprachendidaktik, den du unter CLT (communicative language teaching) findest.

Wie das konkret umgesetzt wurde findest du unter anderem im Europäischen Refernzrahmen für den Fremdsprachenunterricht . Dort findet sich das u.a. unter dem Aspekt "plurilingualism", der bereits bei Hymes mit dem "learner as a social agent" vorbereitet wird. Hier kannst du schön auf der soziolinguistischen Schiene fahren. Über den kommunikativen Aspkt findest du hier auch Tonnen. Wenn du dir dann noch die Lehrpläne für dein Bundesland anschaust und sowas wie in NRW (ich weiß es von Bremen leider nicht) und feststellst, dass die ganze CLT-Wende u.a. dazu geführt hat, dass z.B. mündliche Prüfungen in der Schule eingeführt wurden, ist deine Dozentin vielleicht auch mit dem Lehramts-Aspekt zufrieden. Zwinker


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04.08.2014, 14:26:48
Beitrag #15
RE: Referat: Universalgrammatik und Zweitspracherwerb
AH, perfekter Tipp. Vielen Dank, dann kann ja quasi nichts mehr schiefgehen. Zwinker Wenn ich die Hausarbeit geschrieben habe, kann ich sie ja hier online stellen. Ich schreibe sie allerdings entweder auf Niederdeutsch oder Niederländisch, mal schauen.


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