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[Syn]: Syntax, Phraseologie  » nicht erledigt Semantisch-Syntaktische Valenz

25.03.2016, 18:35:44
Beitrag #1
Semantisch-Syntaktische Valenz
Hallo Leute,

und zwar muss ich im Rahmen der Klausurvorbereitung folgenden Satz nach semantisch-syntaktischer Valenz bestimmen:

"Die Übungsaufgaben helfen den Studierenden bei der Klausurvorbereitung"

Jetzt frage ich mich: Was ist hier Agens, Rezipient/Benefizient, Patiens oder anderes? Zuerst dachte ich "Die Übungsaufgaben" sei der Agens und "den Studierenden" der Benefizient, allerdings stellt sich mir die Frage, was demnach "Klausurvorbereitung" ist?

Und gibt es ein bestimmtes Schema, nach dem man dies bestimmt? Also die semantisch-syntaktische Valenz? Macht man das auch in einem Baumgraphen oder wie?

Vielen Dank im Voraus!

P.S. entschuldigt bitte mein linguistisches Unwissen. So interessant ich es auch finde, so sehr fehlt mir das mathematisch-analytische und vor allem logische Verständnis .

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04.04.2016, 17:01:20
Beitrag #2
RE: Semantisch-Syntaktische Valenz
Grundsätzlich kann man diese Rollen feststellen, wie man möchte. Ob durch die Fragemethode oder die Substitutionsmethode. Bäumchen braucht man dafür nicht unbedingt. Manchmal hilft es, den Satz auf ein Schema zu reduzieren:
A hilft B bei X
Dann ist A derjenige, der etwas tut, das nennt man gemeinhin Agens oder Subjekt.
B ist derjenige, dem etwas widerfäht. Das kann man Rezipient oder auch Target nennen. Der Benefizient, von dem du sprachst, wäre eher jemand, für den etwas passiert, wie in:
A macht (für) B (das) Y
Albert macht (für) Hugo ein Spiegelei.

In der Bochumer Tradition (Harweg) werden die semantischen Rollen Handlungsträger und Handlungsziel bzw. Handlungsgegenstand genannt, um überhaupt jede Assoziation mit den syntaktischen Subjekt- und Objektbegriffen zu vermeiden. Das ist isbesondere dann sinnvoll, wenn – wie bei Passiven – diese Rollen nicht zusammenfallen.

Die Valenz letztlich ist eine Zahl, die angibt, wie viele Argumente (Rollen, Mitspieler) ein Satz o-ä. hat. In den Schemata oben kann man das abzählen: jeder Großbuchstabe zählt für ein Argument.


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04.04.2016, 20:31:33
Beitrag #3
RE: Semantisch-Syntaktische Valenz
Das sehe ich etwas anders. Problematisch und wahrscheinlich auch der Grund, warum dieser Satz für eine Hausaufgabe ausgesucht wurde, ist die Tatsache, dass Übungsaufgaben nicht belebt ist. Gewöhnlich assoziieren wir mit dem Agens aber Belebtheit. Christian Lehmann setzt als zentrales Kriterium für Agenshaftigkeit an, dass das entsprechende Argument Kontrolle über das denotierte Prädikat haben muss, so auch Betrice Primus (2012), die verschiedene Tests anführt, um herauszufinden, obe ein Agens vorliegt:
Kann man den Satz mit freiwillig paraphrasieren? : #Die Übungsaufgaben helfen den Studierenden bei der Klausurvorbereitung freiwillig.
Kann man den Satz mit versuchen paraphrasieren? : #Die Übungsaufgaben versuchen, den Studierenden bei der Klausurvorbereitung zu helfen.
Kann man einen Imperativsatz bilden? : #Übungsaufgaben, helft den Studierenden bei der Klausurvorbereitung!

Keiner der Tests funktioniert hier. Man kann Übungsaufgaben also nicht als Agens ansehen. Stattdessen würde ich vorschlagen, sie als Instrument zu analysieren. Wie komme ich darauf? Passiviert man den Satz, so können Übungsaufgaben nicht wie sonst üblich mit von realisiert werden. Es geht aber ganz gut mit mit:

Den Studierenden wird mit Übungsaufgaben bei der Klausurvorbereitung geholfen.

Mit realisiert im Passiv für gewöhnlich jedoch nur Instrumente.

Noch eine Anmerkung zu janwo:
(04.04.2016 17:01:20)janwo schrieb:  Die Valenz letztlich ist eine Zahl, die angibt, wie viele Argumente (Rollen, Mitspieler) ein Satz o-ä. hat. In den Schemata oben kann man das abzählen: jeder Großbuchstabe zählt für ein Argument.
Diese Ansicht ist mehr als veraltet. Die Valenz ist eine lexikalische Eigenschaft, die die semantischen und syntaktischen Eigenschaften einer Verbform oder der Wortform eines anderen Valenzträgers im Lexikoneintrag festhält. Es wird nicht nur die Anzahl der Argumente und Komplemente, die realisiert werden müssen, festgehalten, sondern auch die thematischen Rollen der Argumente und die Kasus der Komplemente. In einer etwas komplexeren Valenzanalyse kann man nun noch weitere Eigenschaften festhalten, die die Situation betreffen, die realisiert wird. Ein klassisches Beispiel:

#Der Hausmeister findet stundenlang den Schlüssel.

Von der Valenz her sollte eigentlich alles in Ordnung sein. Doch ist finden ein sog. achievement-verb, d. h. ein telisches Verb, womit eine sofortige Zustandsänderung festgehalten wird. Deshalb kann es auch nicht zusammen mit durativen Adverbialen (wie bspw. stundenlang) realisiert werden. Diese Information ergibt sich aber nicht aus der Syntax oder der Morphologie. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine lexikalische Information, die direkt im Lexikoneintrag festgehalten werden muss.
Ich weiß, es war jetzt etwas länger. Aber den Passus zur Valenz konnte ich so nicht stehen lassen.

Viele Grüße
PeterSilie

Literatur: Primus, Beatrice (2012): Semantische Rollen. Heidelberg: Winter Verlag. (sehr gute Einführung in das Thema, wie fast alle Bändchen dieser Reihe!!!)


Hier könnte PeterSilie's Signatur stehen...
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04.04.2016, 21:22:01
Beitrag #4
RE: Semantisch-Syntaktische Valenz
Ergänzend zu dem, was Jan und (während ich am schreiben war auch) PeterSilie schrieben:

Das Unpraktische an den semantischen Rollen ist, dass sie in sehr vielen verschiedenen Varianten existieren, die teilweise unterschiedlich definiert werden. Welche Rollen habt ihr in eurem Kurs besprochen? Sind mal die Begriffe "Actor" und "Undergoer" bzw. "Proto-Rolle(n)" gefallen?

Falls ihr keine Aufzählung genannt bekommen habt, ist es vielleicht interessant mal in "Semantics" von John Saeed reinzuschauen, um einen Überblick zu bekommen. Bei tiefergehendem Interesse ist sicher auch das von PeterSilie genannte (Kurz)lehrbuch "Semantische Rollen" von Beatrice Primus (2012) einen Blick wert. Möglicherweise ist das aber schon etwas zu theoretisch, denn die Autorin forscht selbst zu diesem Thema und charakterisiert Rollen als Bündel von Merkmalen, beispielsweise der schon genannten Belebtheit. In vertiefenden Kursen ist das sicher interessant, meinem Eindruck nach ist es aber durchaus üblich zu Analyse-Zwecken (d.h. wenn man sich nicht explizit mit der Theorie semantischer Rollen befasst), einen Satz fester Rollen die so in etwa passen, vorzustellen und damit zu arbeiten, sowie Valenz so zu definieren, wie Jan das getan hat.

Zu der Frage nach einer formalen Darstellung: Soviel mir bekannt ist, gibt es keine allgemein übliche Notation für semantische Rollen. Sie tauchen allerdings in verschiedenen Formalismen als Bestandteil auf und können z.B. in der formalen Semantik (beispielsweise neo-davidsonische Ereignis Semantik) verwendet werden. Das ist allerdings eine Anwendung der Rollen, keine Notation für diese per se.

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