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 » nicht erledigt Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien

31.01.2015, 20:58:18
Beitrag #1
Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien
Hallo,
ich frage mich gerade, ob es Untersuchungen gibt über die Sprachenvielfalt in Gebieten, die als Urheimat für eine Sprachfamilie angesehen werden. Zum Beispiel besitzt Italien ja eine sehr große Vielfalt an romanischen Varietäten, wohingegen Länder wie Frankreich, Spanien und Portugal weniger Varietätenvielfalt relativ zu Italien haben.
Da die romanischen Sprachen vom Vulgärlatein abstammen und Latein vor allem in Italien urbeheimatet war, haben die vulgärlateinischen Sprachen hier mehr Zeit gehabt, um sich in mehrere Varietäten aufzuspliten, wohingegen Frankreich, Spanien, Portugal, Rumänien erst später besiedelt wurden und Vulgärlatein hier nicht heimische Sprache war. So würde ich mir das erklären. Gibt es dazu Untersuchungen? Gibt es andere Fallbeispiele, wo man ebenfalls ein Vielfaltsspektrum mit der Urheimat in Verbindung bringen kann?
Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass dies für Deutschland zutrifft, da es hier ja eine große Fülle an sehr unterschiedlichen Varietäten gibt, wohingegen Skandinavien und England wenig Varietäten haben, bzw. die Unterschiede der Varietäten nicht so stark sind wie in Deutschland.

Viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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01.02.2015, 00:46:28
Beitrag #2
RE: Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien
Hi,
das ganze gilt unter dem Namen Age-Area Hypothesis als eine der Grundhypothesen in der historischen Linguistik, wenn es um die Annahme von Urheimaten geht: die Region mit der größten Diversität wird als Stammland einer Sprachgruppe/-familie angenommen. Das ist aber nur eine mögliche Hypothese, bei der größere Wanderungsbewegungen oder zeitlich aufeinander folgende Wanderungen und Überlagerungen nicht berücksichtigt werden. [klick]


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01.02.2015, 00:56:56
Beitrag #3
RE: Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien
Hallo,
ah cool, danke. Das ist ja dann genau das, was ich meinte. Lächel Dann werde ich mich da mal reinlesen. Vielen Dank. Gibt es denn 'Konkurrenzhypothesen'? Anscheinend ist ja evident, dass in nachvollziehbaren Urheimaten die Diversität sehr hoch ist. Wie will man sich das denn anders erklären?


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Martin Solveig ~ Heart of Africa
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01.02.2015, 14:32:28
Beitrag #4
RE: Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien
In dem verlinkten Lexikon werden alternative Hypothesen und Szenarien genannt. Ansonsten auf die Schnelle:
  • Ruhlen, M.: A Guide to the World's Languages. Vol. 1: Classification. Arnold, 1987. (Relativ umstritten in seinen Interpretationen, aber zumindest gibt es viele Literaturhinweise für alle (un)möglichen Sprachfamilien.
  • Nichols, J.: Linguistic Diversity in Space and Time. U Chicago Pr., 1992. (Ein Standardwerk. Siehe auch diese hier.)
  • Hock, H.H. & Joseph, B.D.: Language History, Language Change, and Language Relationship. An Introduction to Historical and Comparative Linguistics. De Gruyter, 1996. (Aus diesem Buch habe ich den oben erwähnten Namen der Theorie.)
  • Aikhenvald, A. & Dixon, R.M.W. (eds.): Areal Diffusion and Genetic Inheritance. Problems in Comparative Linguistics. OUP, 2001.
  • Crowley, T. & Bowern, C.: An Introduction to Historical Linguistics. 4th ed. OUP, 2010. (Hier wird das alles mal für andere Sprachen als immer nur Europa dargestellt.)
  • Nettle, D.: Linguistic Diversity. UOP, 1999


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01.02.2015, 23:03:56
Beitrag #5
RE: Sprachenvielfalten in Urheimaten von Sprachfamilien
Oh, das ist ja eine ordentliche Auswahl, vielen Dank fürs Heraussuchen! Ich schaue morgen mal, welche davon es in meiner Uni gibt, dann lese ich mich da ein. Ich finde das Thema ziemlich interessant.


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