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[Theor]: Sprach- und Grammatiktheorie  » nicht erledigt Spracherwerbstheorien - Konstruktivismus - Kognitivismus
▶ Spracherwerbstheorien für die Bachelorarbeit - Kognitivismus und Konstruktivimus oder doch ein und dieselbe Theorie???

05.06.2013, 12:52:20
Beitrag #1
Spracherwerbstheorien - Konstruktivismus - Kognitivismus
Hallo ihr Lieben,

im Moment schreibe ich meine Bachelorarbeit zu dem Thema "Erstspracherwerb von gesprochener Sprache und Gebärdensprache im Vergleich". Daher dachte ich mir es wäre gut, zu Beginn die wichtigsten Sprachtheorien kurz anzusprechen und diejenige genauer zu erklären, auf die ich mich in meiner Arbeit stütze.

Die wichtigsten vier sind ja Nativismus, Behaviourismus, Kognitivismus und Konstruktivimus, oder? Ich wollte genauer auf Kognitivismus und Konstruktivismus eingehen. Da ich gelesen habe, dass der Konstruktivismus auf den Kognitivismus nach Piaget aufbaut und es dort einige interessante Ansätze zu Gebärden und Gesten gibt.

Eben habe ich nochmal recherchiert und Google bringt ständig Einträge über den Konstruktivismus nach Piaget. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass der wichtigste Vertreter des Konstruktivismus Tomasello war und Piaget eben vom Kognitivismus. Da der Konstruktivismus sich auf den Kognitivismus stützt, gibt es ja auch den Begriff kognitiver Konstruktivismus.

Nun bin ich ein bisschen verwirrt und weiß nicht, ob es nun zwei einzelne Theorien sind oder beide von Piaget sind und es prinzipiell keinen Unterschied gibt? Ich hoffe, ihr könnt Licht ins Dunkel bringen ;-)

Habe eben noch mein Kapitel zum Thema Spracherwerbstheorien angehängt. So hatte ich es bisher verstanden. Freue mich über positive sowie auch negative Kritik! ;-)

Viele Grüße
Lingi


Angehängte Datei(en)
.pdf  Spracherwerbstheorien.pdf (Größe: 79,12 KB / Downloads: 42)


Hallo, ich bin Lingi und seit 05.06.2013 10:31 hier angemeldet.
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05.06.2013, 18:03:50
Beitrag #2
RE: Spracherwerbstheorien - Konstruktivismus - Kognitivismus
Moin Lingi,

die Beziehung zwischen den von dir genannten Denkrichtungen ist ein wenig kompliziert. "Kognitivismus" kann sich auf jeden Ansatz beziehen, der - im Gegensatz zum Behaviorismus - mentale/kognitive Funktionen als Studienobjekt ernstnimmt. D.h. sowohl Chomsky´s Nativismus wie auch die diversen Konstruktivismen (ja, es gibt mehr als einen) sind kognitivistische Ansätze. Piaget interessierte sich für die Konstruktion von Wissen in der Form mentaler Strukturen, daher ist er sowohl Kognitivist als auch Konstruktivist (konstruktivistischer Kognitivist), und Chomsky ist nativistischer Kognitivist.

Tomasello kommt eher von Vygotsky her, d.h. aus einer Denkrichtung, die zwar auch mentale/kognitive Funktionen ernstnimmt, sich aber v.a. für die Rolle sozialer Interaktion in der Konstruktion von Wissen und Sprache interessiert (Sozialkonstruktivismus). Da "Konstruktivismus" eher mit einer kognitivistischen als mit einer sozial-interaktionalen Ausrichtung in Verbindung gebracht wird, wird Tomasello nicht so häufig unter "Kognitivismus" eingeordnet (obwohl das nicht unbedingt verkehrt wäre), sondern eher unter Funktionalismus/Sozial-pragmatischer Ansatz etc.

Kurz gesagt, Behaviorismus und Kognitivismus sind die Oberbegriffe; innerhalb des Kognitivismus findest du Nativismus und Konstruktivismus, aber Konstruktivismus hat auch sozial-interaktionistische Ausrichtungen, die über reinen Kognitivismus hinausgehen.

Ich kann dir leider keine Referenz geben; das Wissen hab ich mir über mehrere Jahre Doktorandenstudium angeeignet Undecided

Viel Erfolg!

Tobias

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10.06.2013, 11:21:34
Beitrag #3
RE: Spracherwerbstheorien - Konstruktivismus - Kognitivismus
(05.06.2013 18:03:50)tak schrieb:  Moin Lingi,

die Beziehung zwischen den von dir genannten Denkrichtungen ist ein wenig kompliziert. "Kognitivismus" kann sich auf jeden Ansatz beziehen, der - im Gegensatz zum Behaviorismus - mentale/kognitive Funktionen als Studienobjekt ernstnimmt. D.h. sowohl Chomsky´s Nativismus wie auch die diversen Konstruktivismen (ja, es gibt mehr als einen) sind kognitivistische Ansätze. Piaget interessierte sich für die Konstruktion von Wissen in der Form mentaler Strukturen, daher ist er sowohl Kognitivist als auch Konstruktivist (konstruktivistischer Kognitivist), und Chomsky ist nativistischer Kognitivist.

Tomasello kommt eher von Vygotsky her, d.h. aus einer Denkrichtung, die zwar auch mentale/kognitive Funktionen ernstnimmt, sich aber v.a. für die Rolle sozialer Interaktion in der Konstruktion von Wissen und Sprache interessiert (Sozialkonstruktivismus). Da "Konstruktivismus" eher mit einer kognitivistischen als mit einer sozial-interaktionalen Ausrichtung in Verbindung gebracht wird, wird Tomasello nicht so häufig unter "Kognitivismus" eingeordnet (obwohl das nicht unbedingt verkehrt wäre), sondern eher unter Funktionalismus/Sozial-pragmatischer Ansatz etc.

Kurz gesagt, Behaviorismus und Kognitivismus sind die Oberbegriffe; innerhalb des Kognitivismus findest du Nativismus und Konstruktivismus, aber Konstruktivismus hat auch sozial-interaktionistische Ausrichtungen, die über reinen Kognitivismus hinausgehen.

Ich kann dir leider keine Referenz geben; das Wissen hab ich mir über mehrere Jahre Doktorandenstudium angeeignet Undecided
Viel Erfolg!

Tobias

Vielen Dank für deine Antwort, Tobias! :-) Habe jetzt auch in einem Spracherwerbsbuch gelesen, dass Tomasello zu den Funktionalisten gehört. So wie ich das jetzt verstanden habe, haben Kognitivisten und Funktionalisten ähnliche Ansichten im Bezug auf den Grammatikerwerb. Daher habe ich mir überlegt, die kognitivistische Theorie für meine BA zu benutzen und mich bei dem Grammatikerwerb auf den Funktionalismus zu berufen. Meist du das geht?
Zu den Haupttheorien gehören ja Behaviourismus, Nativismus, Kognitivismus und Interaktionismus, oder? Die Funktionalisten gehören demnach ja zum Interaktionismus, oder? Wäre es dann besser sich in der BA nur auf eine Theorie zu stützen in diesem Fall auf den Interaktionismus?
Habe bereits mein Kapitel über den Normalverlauf des Spracherwerbs von gesprochener Sprache und mich dabei auf die usage-based-theory von Tomasello gestützt. Und auch im Hinblick auf den Input meint Tomasello ja, dass Kinder nur durch Input Sprache lernen und daraus alle wichtigen Strukturen erwerben.

Wäre super, wenn du mir nochmal deine Meinung dazu sagst!
Viele Grüße
Lingi


Hallo, ich bin Lingi und seit 05.06.2013 10:31 hier angemeldet.
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14.10.2013, 00:35:33
Beitrag #4
RE: Spracherwerbstheorien - Konstruktivismus - Kognitivismus
Argh, hi lingi, sorry, ich hab da deine Antwort wohl übersehen. Hab wohl ungerechtfertigterweise vorausgesetzt, dass ich bei neuen Beiträgen benachrichtigt würde, und daher nicht mehr nachgeguckt. Ich nehme mal an, dass sich das mittlerweile erledigt hat?!

Beste Grüße

Tobias

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