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 » nicht erledigt Sprachpflege nutzlos?

21.11.2011, 02:05:43
Beitrag #16
RE: Sprachpflege nutzlos?
Tjaaa ... eine Grenze zu ziehen zwischen sprachlicher Korrektheit und sprachlich stattgefundenem Wandel ist oftmals sehr schwer. Ich selbst sehe mich als ein sprachlichen Veränderungen gegenüber sehr offener Mensch und Lehnwörter aus egal welcher Sprache eher als Bereicherung als als Gefahr. Ebenso finde ich es ganz natürlich, dass sich die Grammatik einer Sprache verändern kann. Theoretisch.

Und trotzdem gibt es in der Praxis Dinge, die ich einfach gar nicht hören kann und bei denen ich es mir nie verkneifen kann, es den Leuten unter die Nase zu reiben, zum Beispiel, wenn sie den Komparativ in Kombination mit "wie" anstelle von "als" verwenden. Das kann ich einfach nicht hören, davon kriege ich eine Gänsehaut. Aber wer weiß, vielleicht ist das in ein paar Jahrzehnten ja schon Standardsprache. Sprachpflege ist halt sehr subjektiv und beruht auf dem individuellen Wahrnehmen sprachlicher Korrektheit. Wichtig ist doch, dass man sich verständigen kann. Sprachen, die sich nicht mehr verändern, sind tot.

Darum: Ja, ich glaube, dass Sprachpflege oft wenig Sinn hat.
Der werte Herrn Sick hat zum Beispiel mal in einem Interview gesagt, der korrekte Konjunktiv von "ich schwimme" sei "ich schwömme" und nicht, wie oftmals fälschlicherweise angenommen, "ich schwämme". Im nächsten Satz hat er dann gesagt, dass "schwämme" zwar früher mal korrekt gewesen sei, aber heute nicht mehr. DAS finde ich dann unlogisch! Warum akzeptiert er bis heute stattgefundenen Sprachwandel, aber will die Sprache im Hier und Jetzt konservieren? Wie rechtfertigt er, dass das heutige Deutsch das richtige ist und nicht das von vor was-weiß-ich-wie-viel Jahren? Ich finde, dass er sich selbst widerspricht.

Ich frage mich auch, wo man sowas wie Rechtschreibreformen einordnen muss. Das bezieht sich jetzt zwar nur aufs Schriftliche, aber es ist ja ein bewusstes Eingreifen in die Sprache und treibt sie sozusagen künstlich voran anstatt sie zu erhalten. Leute, die noch mit der alten Rechtschreibung aufgewachsen sind, reagieren der neuen gegenüber oft ablehnend, ich persönlich empfinde die alte als falsch, weil ich nach der neuen schreiben gelernt habe und zu meinen Grundschulzeiten alles andere als falsch golt. Dienen Rechtschreibreformen der Sprachpflege?

Ich glaube, mir fehlt so ein grundsätzliches Konzept hinter der Sprachpflege. Einerseits wollen Leute wie Bastian Sick Altes bewahren, andererseits akzeptieren sie Neues widerstandslos als normativ. Ist das nicht willkürlich?

Zitat:Zu einer Sprache gehören auch Werte und Kultur.
Zitat:Meiner Meinung nach sind viele sprachlichen Phänomene aber das Resultat von zu geringerer Bildung und nicht unbedingt das Resultut von Sprachwandel.
Ich finde es nur natürlich, wenn jemand mit seiner Muttersprache Werte verbindet und die verteidigen will. Allerdings wird das wohl nichts daran ändern, dass die meisten Leute sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist Zwinker Wenn jemand falsches Deutsch spricht, tut er das ja normalerweise nicht, weil er bewusst gegen Regeln verstoßen will, sondern weil es seinem Sprachgefühl entspricht. Am Ende setzt sich dann doch eben das durch, was am meisten gesprochen wird und nicht das, was der ein oder andere Sprachschützer als richtig erklärt.


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02.12.2011, 21:07:54
Beitrag #17
RE: Sprachpflege nutzlos?
(21.11.2011 02:05:43)kunterbunt schrieb:  
Zitat:Meiner Meinung nach sind viele sprachlichen Phänomene aber das Resultat von zu geringerer Bildung und nicht unbedingt das Resultut von Sprachwandel.
Ich finde es nur natürlich, wenn jemand mit seiner Muttersprache Werte verbindet und die verteidigen will. Allerdings wird das wohl nichts daran ändern, dass die meisten Leute sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist Zwinker Wenn jemand falsches Deutsch spricht, tut er das ja normalerweise nicht, weil er bewusst gegen Regeln verstoßen will, sondern weil es seinem Sprachgefühl entspricht. Am Ende setzt sich dann doch eben das durch, was am meisten gesprochen wird und nicht das, was der ein oder andere Sprachschützer als richtig erklärt.

Eben. Und wenn diese (Zitat) "zu geringe Bildung" um sich greift und die angeblich aus ihr herrührenden Phänomene Teil der alltäglichen Gegenwartssprache werden, dann *ist* das Sprachwandel. Ich glaube, manche Leute haben auch eine romantisch verklärte Auffassung davon, was Sprachwandel ist und was nicht.


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17.01.2012, 22:52:31
Beitrag #18
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich finde, Sprachpflege ist keinesfalls zwecklos. Wie sich Sprache weiterentwickelt, hängt von der Entscheidung der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft ab. Somit kann jeder Einzelne eine Entscheidung im Sprachgebrauch treffen und bei anderen Überzeugungsarbeit leisten.

Übertriebene Anliegen haben keine Aussicht auf Erolg, weil man sich damit lächerlich macht.

Ich bin auch ein Verfechter für den Gebrauch von eigenem Wortgut, wenn es irgendwie geht. Zum eigenen Wortgut zählen auch Lehnwörter, aber nicht Fremdwörter. Im 19. Jahrhundert gab es ein paar sehr übertriebene Bestrebungen, wie z. B. der berühmte Gesichtserker. Dennoch verdanken wir den Sprachvereinen einige Verdeutschungen, die sich bis heute eingebürgert haben. Beispiele sind Bahnsteig, Briefwechsel oder Bürgersteig. Über ungelenk klingende Neuschöpfungen hat man sich damals schon lustig gemacht. Also waren die damaligen Sprachwahrer nicht ohne Erfolg. Warum sollte es heute anders sein?

So fällt mir auf Anhieb Zeugemutter für Natur als Beispiel für Übertreibungen ein.

Entlehnungen aus anderen Sprachen sind natürlich. Aber oftmals ist das Wortgut an die eigene Sprache angepaßt worden. Es wird der eigenen Sprachumgebung zurechtgemacht. Aus tegula wurde im Laufe der Zeiten Ziegel. Die neuen Dinge, welche die Germanen von den Römern kennengelernt haben, waren für sie wie Eigennamen.

Mir gefällt es nicht, wenn Fremdes übernommen wird, obwohl das eigene Wortgut genügend bereithält. Welche neue Entlehnung sinnvoll ist oder nicht, darüber läßt sich streiten. Kein Zweifel besteht an der Pizza, wo Fladen oder Flachbrot unpassend erscheinen. Es ist wie ein Eigenname. Man könnte das Wort aber zu Pitze umformen.

Der Begriff Sprachreinigung gefällt mir nich. Purifizierung ist ein Fremdwort und hat den gleichen Inhalt. Der Begriff sieht danach aus, daß das Fremde etwas Dreckiges sei. Es soll seinen Platz haben, aber eben in der anderen Sprache. Wie könnte man den Vorgang kurz und bündig noch benennen, wo Fremdwörter durch eigene ersetzt werden?

Sprachwandel läßt sich sehr wohl beeinflussen, wenn große Teile der Sprachgemeinschaft dahinterstecken.

Was in Frankreich betrieben wird, finde ich überzogen. Da wird zu sehr von oben genau bestimmt, was gutes Französisch ist. Gleichwohl finde ich es sinnvoll, daß Vorschläge für Neuschöpfungen erarbeitet werden. Couriel finde ich eine durchaus gelungene französische Neuschöpfung genauso wie bouffe-vite für fastfood.

Ich finde es seitens deutscher Sprachwahrer halbherzig, es nur auf englisches Wortgut abzusehen. Wenn man die Sprache wahren dann bitte richrig! Dazu gehört nun einmal auch, sich gegen unnötige nicht-englische Fremdwörter auszusprechen und deutsches Wortgut grundsätzlich zu pflegen.

Es ist einfach natürlich und menschlich, daß viele keine Überfremdung wollen, sei es in der Sprache oder im Einwohnervolk. Ich finde es genauso abartig, Überfremdung gutzuheißen wie das Überschätzen der eigenen Kultur.


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18.01.2012, 23:13:42
Beitrag #19
RE: Sprachpflege nutzlos?
(17.01.2012 22:52:31)AlexderFranke schrieb:  Ich finde es seitens deutscher Sprachwahrer halbherzig, es nur auf englisches Wortgut abzusehen. Wenn man die Sprache wahren dann bitte richrig! Dazu gehört nun einmal auch, sich gegen unnötige nicht-englische Fremdwörter auszusprechen und deutsches Wortgut grundsätzlich zu pflegen.
Ja, nur wo zieht man da die Grenze? Wenn wir alles Lehnwortgut der letzten 2000 Jahre aus dem Deutschen entfernen, ist das, was übrig bleibt etwas, was kaum einer noch für pflegenswert hielte. Zwinker

(17.01.2012 22:52:31)AlexderFranke schrieb:  Es ist einfach natürlich und menschlich, daß viele keine Überfremdung wollen, sei es in der Sprache oder im Einwohnervolk. Ich finde es genauso abartig, Überfremdung gutzuheißen wie das Überschätzen der eigenen Kultur.
Naja, es gibt ja nicht nur diese zwei Extreme. Dadurch, dass eine Sprache Lehnwörter aufnimmt, "überfremdet" sie ja nicht gleich. Da wären wir vielleicht bei Sprachtodszenarien, aber von denen ist das Deutsche sehr weit entfernt!


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19.01.2012, 02:38:58
Beitrag #20
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich habe ja oben geschrieben, daß ich sinnvolle Entlehnungen nicht ablehne. Wo wären wir ohne das Fenster oder die Ziegel? Sie sind Teil des eigenen Wortguts, wobei man sich an fremde Vorbilder anlehnt.

Lehnwörter sind nicht dasselbe wie Fremdwörter. Lehnwörter sehen nicht fremd aus und stören nicht das Klang- und Schriftbild. Fremdwörter sehr wohl, wenn sie nicht äußerst sparsam gebraucht werden. Für mich macht es einen guten Stil aus, wenn man sich mithilfe eigenen Wortguts treffend ausdrücken kann. Bei den meisten Fachaufsätzen und Werbeschriften schaudert es mich. Da finde ich den Begriff Sprachpanscherei passend! Gepanschter Wein ist auch nicht gerade beliebt.

Wo passende Neuschöpfungen möglich sind, brauchen wir keine Fremdwörter. In 90 von 100 Fällen ist dem so. Wo weder ein eigenes Wort noch eine passenden Neuschöpfung bereitsteht, bin ich für die Anpassung an unsere Sprache, so daß es kein Fremdwort mehr ist.


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19.01.2012, 14:51:08
Beitrag #21
RE: Sprachpflege nutzlos?
Zitat:Kein Zweifel besteht an der Pizza, wo Fladen oder Flachbrot unpassend erscheinen. Es ist wie ein Eigenname. Man könnte das Wort aber zu Pitze umformen.
Pizza ist sogar wahrscheinlich entfernt deutsch. Man vermutet, dass es aus dem Langobardischen kommt und 'Bissen' bedeutet.

Du gehst die ganze Zeit davon aus, dass eine Sprache, die viele Lehnwörter und Fremdwörter enthalt schlechter ist, als eher purifizierte Sprachen wie Isländisch. Natürlich hat der Gedanke daran seine gewisse Romantik. Allerdings ist nicht unbedingt realitätsnah. Sprache ist das, was die Menschen sprechen und wenn das mit vielen Fremdwörtern so geschieht, dann ist das halt so. Es gibt keine idealere puristische Form, an die man sich versuchen muss, anzulehnen.

Das Englische hat einen Anteil von 60% Fremdwörtern und beklagt da wenig drüber. Der Anteil der Fremdwörter ist eben nicht ausschlaggebend dafür, wie vital oder "toll" eine Sprache ist.
Und natürlich gibt es auch bewusste Vorgänge der breiten Sprechervolkschaft, wenn es um Einzelbegriffe gibt. Zum Beispiel wird versucht, die Begriffe Negerküsse oder Mohrkopf zu vermeiden, um keine rassistischen Konnotationen mitschwingen zu lassen. Aber im Großen und Ganzen sind solche sprachaktivistischen Bewegungen einer Sprecherschaft eher selten, außer in Einzelfällen. (Ein solcher wäre zum Beispiel Islands Sprachpurismus oder die bewusste und aktiv unternommene Entfernung der drei Sprachen Kroatisch, Bosnisch und Serbisch, die eigentlich alle auf den štokavischen Dialekt zurückgehen, oder im Allgemeineren bei Minderheitensprachen, die sich viel häufiger durch einen Sprachpurismus auszeichnen, da sie meistens unter einer sehr starken Fremdsprachdominanz standen.)


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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19.01.2012, 15:28:03
Beitrag #22
RE: Sprachpflege nutzlos?
(19.01.2012 14:51:08)Kevin schrieb:  
Zitat:Kein Zweifel besteht an der Pizza, wo Fladen oder Flachbrot unpassend erscheinen. Es ist wie ein Eigenname. Man könnte das Wort aber zu Pitze umformen.
Pizza ist sogar wahrscheinlich entfernt deutsch. Man vermutet, dass es aus dem Langobardischen kommt und 'Bissen' bedeutet.
Pizza gibt es so, oder als <pitsa> selbst im Isländischen und wird nach
meinem Eindruck auch häufiger gebraucht, als das "einheimische" <flatbaka>.
(Der Grund könnte sein, dass es sich gut in bestehende Flexionsklassen
eingliedert).
Generell ist selbst dort die Sprachplanung nicht so effektiv, dass die
Sprache vollständig von nicht-nativem Wortschatz frei wäre.
Das führt dann zum Beispiel zu Wörtern wie <næs>, als isländische
Schreibweise für engl. <nice>

Allerdings sind die historischen und sozialen Kontexte, die zu der heutigen Sprachpflege geführt haben relativ speziell, sodass man die Situation nicht
einfach übertragen kann.

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20.01.2012, 20:21:10
Beitrag #23
RE: Sprachpflege nutzlos?
(19.01.2012 14:51:08)Kevin schrieb:  Und natürlich gibt es auch bewusste Vorgänge der breiten Sprechervolkschaft, wenn es um Einzelbegriffe gibt. Zum Beispiel wird versucht, die Begriffe Negerküsse oder Mohrkopf zu vermeiden, um keine rassistischen Konnotationen mitschwingen zu lassen.

Passt zwar nur bedingt zum Thema, aber ich kanns mir grad nicht verkneifen:



Big Grin


Hallo, ich bin kunterbunt und seit 20.11.2011 14:12 hier angemeldet.
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21.01.2012, 01:46:02
Beitrag #24
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich finde Sprachen mit fast ausschließlich eigenen und umgeformten Wörtern fremder Herkunft einfach schöner in Klang und Schriftbild. Isländisch ist für mich ein schönes Vorbild, wie man es überall handhaben sollte, vielleicht ein bißchen weniger streng. Das ist Ausdruck von gesundem Eigenstolz.

Altenglisch finde ich schöner als das Gepansche im neuzeitlichen Englisch.

Aber die Sprachvereine des 19. Jahrhunderts haben bewirkt, daß das Sprachvolk viele Verdeutschungen in den allgemeinen Gebrauch bis heute übernommen hat. Warum sollte das heute nicht wieder gelingen?


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
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22.01.2012, 12:30:01
Beitrag #25
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich denke, der Gedanke einer "reinen" Sprache ist eine Illusion. Schon die ältesten altindogermanischen Sprachen zeigen Fremdeinflüsse: Akkadische und sumerische Lehnwörter im Hethitischen, drawidische im Sanskrit, die sogenannten ägäisch-pelasgischen im mykenischen Griechisch - die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Auch in Litauen gibt es eine staatliche Sprachkommission, die Richtlinien für den öffentlichen Sprachgebrauch herausgibt, nicht nur im Bereich der Terminologie, sondern auch auf lautlicher Ebene und teilweise Syntax (ansonsten beschränkt es sich meiner Wahrnehmung nach ja meist auf die Terminologie/Lehnwortfrage).

So gibt es die Tendenz, dass lange Vokale in unbetonten Endsilben kurz ausgesprochen werden, nach der Sprachkommission ein Fehler, der in den Medien auch geahndet werden kann, aber mein Eindruck ist, dass es keinen Einfluss auf die Umgangssprache hat, auch bei gebildeten Sprechern nicht. Vielmehr denke ich, es wird dazu führen, dass es eine artifizieller Aussprachenorm im Rundfunk gibt, die sich von der "Volkssprache" löst.

Ebenso im Bereich des Lexikons, zwar ist die offizielle Sprachregelung tinklaraštis für "Blog", aber blogas ist bei weitem gebräuchlicher, auch wenn es homograph mit dem Begriff für "schlecht" ist.


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
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22.01.2012, 22:31:38
Beitrag #26
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich habe nirgendwo geschrieben, daß ich lupenreine Sprachen möchte. Es muß einen vernünftigen Mittelweg geben, nämlich erst einmal aus eigenem Wortgut schöpfen, wozu auch einverleibte Lehnwörter, nicht aber Fremdwörter, gehören. Danach erst sollte Fremdes neu übernommen werden, wenn man aus eigenem Wortgut gar nichts Passendes zu finden ist oder einfach nur merkwürdig klingt.

Für Telefon gibt es die treffenden Wörter Fernsprecher oder Fernruf, je nach Zusammenhang. Die beiden Wörter sind sogar genauer.
Der Fotograf ist der Lichtbildner. Ein schönes, treffendes Wort. Ich benutze diese Wörter auch im eigenen Sprachgebrauch. Für "Roller Skates oder Blades" sage ich "Rollschlittschuhe". Es ist treffend und grenzt sich von den guten alten Rollschuhen ab.

Sport zähle ich zu den wenigen Wörtern, die ich übernehme. Man kann auch "Körperübungen" oder "Körperertüchtigung" oder benutzen. Aber wenn es um einen Überbegriff geht für Sportarten oder diesen Lebensbereich , dann paßt das besser und die rein deutschen Wörter klingen so ähnlich wie "Gesichtserker". Lautlich sieht es auch schon aus wie ein angepaßtes Lehnwort. Wenn es eher um einen selbst geht, verwende ich auch den deutschen Begriff.

Ich finde es daneben, den öffentlichen Sprachgebrauch von Menschen bis in Einzelheiten vorschreiben zu wollen. Bei Wortprägungen halte ich das Vorschlagen noch für besser als das Vorschreiben. Die Sprachvereine des 19. Jahrhunderts haben auch Wörter vorgeschlagen, die dann zum Teil aufgegriffen worden sind. Es wurde ein Wörterbuch der Verdeutschungen herausgegeben, wo ich schon nachgeschlagen habe.


Hallo, ich bin AlexderFranke und seit 17.01.2012 19:15 hier angemeldet.
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22.01.2012, 23:23:17
Beitrag #27
RE: Sprachpflege nutzlos?
Dieses a vor der ing-Form ist alt und hat sich in einigen Dialekten erhalten. Ich habe das ende letzten Jahres gelesen.


Hallo, ich bin Privileg und seit 01.07.2011 14:50:17 hier angemeldet.
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23.01.2012, 12:28:02
Beitrag #28
RE: Sprachpflege nutzlos?
Gerade beim Reden verwende ich gerne puristische Neubildungen, um zu versuchen, ob ich verstanden werde. Ich mache sie möglichst unauffällig und ich möchte das öfter tun.


Hallo, ich bin Privileg und seit 01.07.2011 14:50:17 hier angemeldet.
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23.01.2012, 12:33:06
Beitrag #29
RE: Sprachpflege nutzlos?
(22.01.2012 22:31:38)AlexderFranke schrieb:  Ich finde es daneben, den öffentlichen Sprachgebrauch von Menschen bis in Einzelheiten vorschreiben zu wollen. Bei Wortprägungen halte ich das Vorschlagen noch für besser als das Vorschreiben.

Ja, nur wenn die Allgemeinheit diese Vorschläge im Einzelnen odfer in ihrer Gesamtheit nicht beherzigt, muss man als Vorschlagender das auch akzeptieren.


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23.01.2012, 13:05:46
Beitrag #30
RE: Sprachpflege nutzlos?
Ich benutze auch beim Sprechen möglichst wenig Fremdwörter, ohne viel Aufhebens zu machen. Meistens ist bei deutschem Wortgut die Bedeutung einleuchtend. Neuschöpfungen, die unbeholfen klingen, benutze ich nicht.


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