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 » Erledigt: Heute Heute Sprachwandel

09.01.2012, 22:28:58
Beitrag #1
Sprachwandel
Guten Tag!

Ich stieß dieser Tage auf ein eigenartiges Phänomen - doch zunächst der Reihe nach:

Ich lerne seit zwei Jahren Arabisch, in der Bibliothek fiel mir - eher durch Zufall - ein Buch über das Akkadische, so wie es vor über viertausend Jahren in Mesopotamien im Gebrauch war, in die Hände. Die Keilschrift war glücklicherweise Rolleyes ins lateinische Alphabet transskribiert.

Auf Anhieb fand ich mindestens zwanzig akkadische Wörter, die sich von ihrem arabischen Gegenstück nicht oder nur geringfügig unterscheiden.

In der Schule lasen wir im Deutschunterricht Teile des Nibelungenliedes und althochdeutsche Texte wie die Mersburger Zaubersprüche. Letztere waren ohne Hilfestellung für uns Schüler nicht zu verstehen, das mittelhochdeutsche Nibelungenlied nur zum Teil.

Wie kommt es, dass das Deutsche, und auch die anderen europäischen Sprachen, sich im Laufe der letzten Jahrhunderte so stark veränderten, während in den beiden semitischen Sprachen Wörter über die Jahrtausende gleich blieben?


Ciao

Claus Peter


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10.01.2012, 12:29:27
Beitrag #2
RE: Sprachwandel
Ich würde sagen, das täuscht. Die Gleichheit/Verschiedenheit ist relativ. Bei Deiner Muttersprache fallen Dir auch kleinste Unterschiede eher auf, weil sie Dir einfach vertrauter ist. Zwei verwandte Fremdsprachen scheinen einem da ähnlicher, weil man über Nuancen z.B. der Aussprache eher hinweg sieht.
Außerdem ist "mindestens 20 Wörter wiedererkennen" noch eine andere Qualität als einen Text sinnentnehmend lesen zu können. Ich denke, das wird einem gebildeten Arabischsprecher mit dem Akkadischen auch nicht ohne Weiteres gelingen. Hier möge mich aber bitte gerne jemand mit Kenntnissen in der Semitistik korrigieren.

Etwas allgemeiner gefasst: Es gibt immer einzelne Sprachen, aber auch einzelne Wörter oder Formen, die hinsichtlich Sprachwandels konservativer sind als andere.


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15.01.2012, 13:06:11
Beitrag #3
RE: Sprachwandel
Hallo,

zunächst vielen Dank für Deine Antwort.

Das Akkadische hat ohnedies sehr viel von einem nichtsemitischen Substrat, dem Sumerischen nämlich, übernommen. Besonders auffällig ist, neben der Übernahme sumerischer Wörter, die vom Semitischen, wo das Prädikat in der Regel am Anfang eines Satzes steht, abweichende Satzstruktur. Daß ein heute lebender Araber diese Sprache versteht, vermutete ich auch nicht; es sei denn, er hätte Akkadisch erlernt.

Was mich wunderte war, daß ich gleich auf eine Anzahl von gleichen oder ähnlichen Wörtern stieß, es dürftern deutlich mehr als zwanzig sein. In unserem Arabischunterricht wird immer wieder auf hebräische und aramäische Wörter hingewiesen. Allerdings findet man dort sehr häufig Metathesen, der Form, daß Wurzelkonsonaten abweichen.

Gerade diese Wurzelkonsonanten hatte ich als Träger der von mir vermuteten Konstanz zwischen beiden Sprachen vermutet. Wenn auch die Aussprache verschiedener Wörter in den arabischen Dialekten voneinander abweicht, so bleibt die konsonantische Wurzelstruktur meistens gleich, auch wenn, wie z. B. in manchen Gegenden Ägyptens das Qaf als Hamza ("Glottal Stop", wie heißt denn das auf deutschLächel), das als vollwertiger Konsonant gilt, ersetzt wird.

In den von mir oben angesprochenen Merseburger Zaubersprüchen kam mir eigentlich erst nach einigem Überlegen, das eine oder andere bekannt vor.

Ciao!


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15.01.2012, 13:09:22
Beitrag #4
RE: Sprachwandel
(15.01.2012 13:06:11)Kardamom schrieb:  ("Glottal Stop", wie heißt denn das auf deutschLächel),

Such's Dir aus:
  • Stimmloser glottaler Plosiv
  • Knacklaut
  • Glottisverschluss
  • Glottisschlag
  • Hiatus (wobei das eigentlich was ganz anderes bezeichnet)


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15.01.2012, 21:39:32
Beitrag #5
RE: Sprachwandel
Wenn ich ncohmal etwas länger drüber nachgrüble... Die Ähnlichkeit von (trikonsonantischen) Wurzeln ist noch etwas anderes (und leichter zu "erreichen") als eine Ähnlichkeit eines "echten" Worts (wenn ich es so mal nennen darf). Da sollten einen Ähnlichkeiten im Grunde noch weniger wundern. Nimm doch mal ein althochdeutsches Wort und entferne die Vokale, dann sieht es seinem neuhochdeutschen (ebenfalls vokalbereinigten) Pendant auch gleich ähnlicher.


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18.01.2012, 13:29:50
Beitrag #6
RE: Sprachwandel
Hallo,

zunächst mal vielen Dank, werde ich ausprobieren.


Kardamom;123 schrieb:Wenn auch die Aussprache verschiedener Wörter in den arabischen Dialekten voneinander abweicht, so bleibt die konsonantische Wurzelstruktur meistens gleich,

Das stimmt so nicht, wie ich mittlerweile weiß. Die Konsonanten werden in den Dialekten durchaus unterschiedlich ausgesprochen.


Ciao!


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