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[Syn]: Syntax, Phraseologie  » nicht erledigt Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
▶ Logisches Subjekt

11.09.2015, 11:35:52
Beitrag #1
Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
Hallo an alle!

Gerade bin ich auf der Facebookseite der Deutschen Welle (DW - Learn German) über folgende Übung gestolpert:

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, ...
a) Fußball zu gucken!
b) um Fußball zu gucken!


Welche Antwort ist da jetzt richtig; a) oder b)?

Ich würde sagen, dass streng genommen keine der vorgegebenen Vervollständigungen des Satzes richtig ist.

Nach den einschlägigen Grammatiken muss bei finalen Infinitivsätzen mit "um ... zu" sowie modalen Infinitivsätzen mit "ohne ... zu" und "anstatt ... zu" immer eine Identität zwischen dem gedachten "logischen" Subjekt des Infinitivsatzes und dem Subjekt des übergeordneten Hauptsatz bestehen.

Bei gewöhnlichen Infinitivsätzen ohne "anstatt", "ohne" und "um" ist das ja anders: Da kann das gedachte Subjekt des Infinitivsatzes je nach Verb des übergeordneten Hauptsatzes ja auch durchaus auch einmal mit einem anderen Aktanten dieses Hauptsatzes korrelieren.

Ich gestatte dir, nach Hause zu fahren.
(... dass du nach Hause fährst,
Korrelation mit dem Dativobjekt des Hauptsatzes)


Ich bitte dich, nach Hause zu fahren.
(... dass du nach Hause fährst,
Korrelation mit dem Akkusativobjekt des Hauptsatzes)


Ich bitte, dich nach Hause zu fahren.
(... dass jemand dich nach Hause fährt,
Korrelation mit einem impliziten indefiniten Akkusativobjekt des Hauptsatzes)


Wie ist das aber bei dem Satz

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, um Fußball zu gucken!
?

Ist der wirklich ungrammatisch, weil keine Subjektidentität zwischen Haupt- und Nebensatz gegeben ist?
Wäre ein Finalsatz mit "damit" wirklich besser?
Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, damit man (damit) Fußball gucken kann!
???
Klar, man könnte sich sofort mit einem anderen Satzbeginn aus der Affäre ziehen:
Ich finde diesen gigantischen Flachbildschirm super, um Fußball zu gucken!
Aber ich glaube, dass wenn ich bei einem großen Media-Geschäft vor den entsprechenden Monstren stände, mir doch eher die von DW - Learn German angebotene Variante b) über die Lippen käme.

Müsste hier nicht eher die Grammatikregel an die sprchliche Realität angepasst werden? Wurde dieses Problem schon einmal irgendwo in der Fachliteratur erörtert? Meine eigenen Recherchen zu den Stichworten "logisches Subjekt", "Finalsatz", "Subjektidentität" u. Ä. auf (Scholar-)Google haben dazu keine Ergebnisse gebracht.


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11.09.2015, 17:45:33
Beitrag #2
RE: Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
Es viel mir etwas schwer, deine Frage verstehen, aber JA:

ich stimme dir zu. Für mich ist der Satz in b) grammatisch.

Ich würde den untergeordneten Satz als eine Generalisierung über Ereignisse analysieren, die mit einer Generalisierung über logische Subjekte (also Agenten) einhergeht. Jedenfalls ist das Subjekt hier nicht der Fernseher. Die Formulierung der Regel scheint auf jeden Fall zu spezifisch. Auf jeden Fall scheint das Subjekt eines Infinitivsatzes (mit oder ohne Konjunktion) nicht im Infinitivsatz realisiert zu sein. Es gibt verschiedene Wege, das Subjekt zu spezifizieren. Raising oder Kontrolle (also Fälle, auf die sich die Regel bezieht) sind möglich, aber auch z.B. eine generische Interpretation des Subjekts (wie in b).

Das selbe ist möglich für nicht-finale Infinitvsätze (auch wenn diese nicht gebraucht werden, um einen Zweck zu spezifizieren).

Vgl. z.B. Es wäre gut, Fußball zu gucken.


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11.09.2015, 17:49:00
Beitrag #3
RE: Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
Achja, aber ich würde einen Satz wie

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super zum Fußball gucken.

auf jeden Fall bevorzugen. Wahrscheinlich, weil die generische Interpretation des Ereignisses gut eine Nominaliserung zulässt..


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11.09.2015, 18:29:15
Beitrag #4
RE: Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
(11.09.2015 17:49:00)loca schrieb:  Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super zum Fußball_gucken.
Klar ist das stilistisch besser, da würde ich dann aber das Leerzeichen eliminieren. Ich bezweifle aber, dass das an der generischen Interpretation alleine liegt. Wenn nämlich weitere Angaben zur finalen Infinitivkonstruktion hinzutreten, ist deren Nominalisierung ja nicht mehr so elegant:

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, um gemeinsam mit den Nachbarn im Garten Fußball zu gucken.Yeah
->
Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super zum nachbarschaftlich gemeinsamen Fußballgucken im Garten.
Confused


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12.09.2015, 11:54:43
Beitrag #5
RE: Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
Bei canoo.net steht etwas über Ausnahmen von der Subjektidentität zwischen Haupt- und Infinitivsatz:

canoo.net schrieb:Wenn der Hauptsatz ein Passivsatz mit einem unpersönlichen Agens oder mit einem durch von angefügten Agens ist, kommt um ... zu ebenfalls vor:

Der Damm wurde gebaut, um Überschwemmungen zu verhindern.
Die Bäume wurden vom Gärtner gefällt, um die Aussicht wieder frei zu machen.
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Komplex/Funktion/Adverbial/Final.html

canoo.net schrieb:Die Konjunktion um...zu kann gelegentlich auch dann stehen, wenn das Subjekt des Nebensatzes das unpersönliche man ist. Meist erscheint dann in der Infinitivkonstruktion ein Pronomen, das sich auf das Subjekt des Hauptsatzes bezieht. Diese Verwendung von um...zu wird aber nicht von allen als korrekt akzeptiert.

Das Wasser ist zu kalt, um (darin) zu baden
= Das Wasser ist zu kalt, als dass man (darin) baden könnte.

Politik ist zu wichtig, um sie allein den Politikern zu überlassen.
= Politik ist zu wichtig, als dass man sie allein den Politikern überlassen sollte.
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Komplex/Funktion/Adverbial/Konsekutiv.html?MenuId=Sentence6336#Anchor-Konjunktion-um-zu

Bei dem von der Deutschen Welle gegebenen Beispiel handelt es sich aber weder um einen finalen Infinitivsatz, der von einem Hauptsatz im Passiv mit unpersönlichem oder durch von eingeführtem Agens abhängt, noch um einen irrealen konsekutiven Infinitivsatz.

Ich würde
Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, um Fußball zu gucken!
als einen Hauptsatz im Aktiv mit abhängigem finalen Infinitivsatz analysieren. Ist diese Ausnahme von der Regel in irgendeiner Grammatik schon einmal beschrieben worden?


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07.11.2015, 02:02:19
Beitrag #6
RE: Subjektidentität bei finalen Infinitivsätzen im Deutschen
(11.09.2015 11:35:52)Gernot Back schrieb:  Hallo an alle!

Gerade bin ich auf der Facebookseite der Deutschen Welle (DW - Learn German) über folgende Übung gestolpert:

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, ...
a) Fußball zu gucken!
b) um Fußball zu gucken!


Welche Antwort ist da jetzt richtig; a) oder b)?

Für mich ist der erste Satz absolut ungrammatisch und der zweite mindestens stark markiert. Grammatisch falsch würde ich nur sagen, wenn ich es plausibel begründen könnte. Wohlgeformt wäre natürlich:

Dieser gigantische Flachbildschirm wäre super, um damit/ darauf Fussball zu gucken.

Wenn man bei allen deinen Beispielsätzen den Finalsatz voranstellt, hören sie sich ,meiner Auffassung nach, gleich korrekt an. Bei b) allerdings hört er sich imo noch weniger akzeptabel als zuvor an:

Um Fussball zu gucken, wäre dieser gigantische Flachbildschirm super.

...naja, nach langem Grübeln und ähnlichen Konstruktionen wird der Satz für mich korrekter, je länger ich mich damit beschäftige.

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