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[Morph]: Morphologie  » Erledigt: Heute Heute Suffix -eum

29.04.2014, 03:36:53
Beitrag #1
94_lightning Suffix -eum
Hallo ihr Lieben!!!

Ich habe eine Bitte!
Was ist die Bedeutung des Suffix -eum im Deutschen?
Woher kommt es? (Latein/Altgriechisch)
Was gibt es für andere Suffixe die ortsbestimmend sind?
bzw.
Gibt es andere Wörter mit dem Suffix -eum, wo diese nicht ortsbestimmend ist?

Ist das Suffix -eum überhaupt ein eigenständiges Suffix, oder ist es eigentlich -seum?

Ich weiß das sind viele Fragen und nicht wirklich eine Erklärung dazu warum, wieso und wozu ich das brauche.
Ich verspreche das Rätsel (wenn es überhaupt jemanden interessiert) aufzulösen.

Lg und danke im Voraus! Zunge

lori

janwo bearbeitete 29.04.2014 12:20:49 diesen Beitrag. Grund:

Threadtitel "Hilfe!!!" präzisiert.



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29.04.2014, 22:11:45
Beitrag #2
RE: Suffix -eum
Hallo,
die {-eum}-Form ist die lateinische (oder: latinisierte) Form, zurückgehend auf griechisch {-ειο(ν)}, das im Neugriechischen immer noch ein produktives Wortbildungsmittel ist. So weit ich es nachvollziehen kann, sind diese Suffixe immer für Bezeichnungen von Orten gebraucht.

Im Deutschen ist {-eum} meiner Ansicht nach kein produktives Suffix.1 Wir wenden es bestenfalls in neuen Bildungen lateinischer Bezeichnungen an. Und, nein, es ist nicht *{-seum}, sondern {-eum}.
Dem Ganzen am nächsten kommen dürfte als nativ deutsches Suffix {-(er)ei} wie in Molkerei, Wäscherei, Mongolei, Kanzlei, Dechanei.

Mir fallen auf die Schnelle nur zwei Suffixe (Konfixe?) ein, die ähnliche Funktionen haben. Das eine ist {-bo(r)stel} (geht zurück auf 'Stelle') als Bestandteil niederdeutscher Ortsnamen, das andere ist das indoiranische {-(i/e)stan} (urverwandt mit 'stehen', 'Stelle') in vielen zentralasiatischen Ortsbezeichnungen und Ländernamen.

Darüber hinaus gibt es natürlich in der Toponomastik bestimmte Namenbildungselemente wie -hausen, die aber keine Suffixe sind.

Und natürlich würd ich gerne wissen, wozu Du das fragst. Zwinker


1 auch wenn es jemand spaßeshalber in dem Wort Kapostropheum für eine Sammlung katastrophal falsch gesetzter Apostrophen verwendet.


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30.04.2014, 01:14:06
Beitrag #3
RE: Suffix -eum
Hallo!
danke für deine antwort!
ein guter freund von mir hat in der innenstadt ein geschäft eröffnet unweit davon gibt es große konkurenz.
die sich natürlich sofort mit einer klage an meinen freund gerichtet haben...
kleine selbständige sind immer gute zielscheiben...
die beiden teilen sich im namen nur die endung eum...
ansonsten klingen sie nicht mal ähnlich... aber mein guter freund ist natürlichbesorgt...
ich hab ihm aber eh gesagt, dass er sich aus linguistischer sicht keine sorge machen sollte... ist ja nur eine endung, die ja nicht einmal richtig gebräuchlich in der deutschen sprache ist.. es gibt ja nur eine handvoll worte mit dieser endung und die meisten sind anatomischer oder biologischer natur... außer natürlich den gebäuden/stätten mit der endung...
sein anwalt muss sich um die rechtliche seite kümmern...
ich finde es nur irre schade, dass man ihm das leben schwer macht wegen 3 buchstaben... aber so ist das leben... eben kein wunschkonzert und auch nicht immer fair...
aber da ich nicht aus den sprachwissenschaften komme und mich im jungel der grammatik und wortschöpfung nicht auskenne... und meine internet recherche auch etwas mühsam war... dachte ich mir, ich wende mich an experten in diesem gebiet... also dich in diesem fall! :-)

ich werd noch in die bibliothek gehen und mir ein buch suchen um ihm eine relevante quelle zu nennen ... falls du eine idee hast würde ich mich über jeden tip freuen!
ansonsten schaue ich mal was es so über wortschöpfung in der dt sprache gibt... vielleicht finde ich ja was... :-)

lg und danke nochmal!!!


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30.04.2014, 09:50:53
Beitrag #4
RE: Suffix -eum
Oha, Abmahn-Abzocke. Das ist ekelig.

Wenn ihr ein Gutachten braucht, meldet Euch bei mir.
Aus naheliegenden Gründen wirst du die streitgegenständlichen Namen hier nicht posten wollen, vielleicht schickst du mir aber eine PN, dann sag ich Euch auch was zur Ähnlichkeit.


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30.04.2014, 11:58:33
Beitrag #5
RE: Suffix -eum
(29.04.2014 22:11:45)janwo schrieb:  Im Deutschen ist {-eum} meiner Ansicht nach kein produktives Suffix.1 Wir wenden es bestenfalls in neuen Bildungen lateinischer Bezeichnungen an.

Ich war zwar noch nie da, aber ganz in meiner Nachbarschaft gibt es hier in Köln das Odysseum und das erst seit fünf Jahren; ein Museum, das in erster Linie für Kinder und Jugendliche interessant ist. Da gibt gibt es wohl querbeet allerlei Lustiges und Interessantes von Dinosauriern über Harry Potter bis hin zur Maus und dem Elefanten aus der Sendung mit der Maus zu erfahren. Das ist also kein Museum über Odysseus oder über seine Odyssee oder Irrfahrten im Allgemeinen (bei Analyse als Clipping-Compound würde ich die Produktivität ebenfalls bestreiten), sondern wohl eher eine Anstalt, in der man sich selbst in einer Art Odyssee verlieren kann.


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30.04.2014, 12:15:12
Beitrag #6
RE: Suffix -eum
Oder Das "Ozeaneum" in Stralsund. Egal welches Benennungsprinzip dahinter steckt, die Namen beziehen sich immer auf Einrichtungen, Orte, Gebäude, sind also Toponyme.

Vorläufige Recherchen ergeben, dass man {-(ε)ιο(ν)} im Neugriechischen nicht voll produktiv einsetzen kann, wohl aber kreativ-sprachspielerisch bei Namen von Geschäften u.ä., z.b. οινοποτίο (/inopotío/, 'wein+trink+io'). Ich bleibe am Ball.
Fürs Lateinische gibt es keine Sprecher, die ich fragen könnte. Aber die Beispiele hier im Thread zeigen ja, dass das lateinischstämmige Suffix im Deutschen für Namenbildungen durchaus verfügbar ist.


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30.04.2014, 23:27:03
Beitrag #7
RE: Suffix -eum
ich danke euch so sehr!!! es freut mich zu sehen, dass man nicht allein in der welt ist! 2 daumen hoch!!!
@janwo: ich meld mich sehr gern, wenn ich das mit meinem freund besprochen habe... danke!!!!! :-)


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01.05.2014, 14:31:53
Beitrag #8
RE: Suffix -eum
(29.04.2014 22:11:45)janwo schrieb:  Im Deutschen ist {-eum} meiner Ansicht nach kein produktives Suffix.1 Wir wenden es bestenfalls in neuen Bildungen lateinischer Bezeichnungen an. Und, nein, es ist nicht *{-seum}, sondern {-eum}.
[...]
Mir fallen auf die Schnelle nur zwei Suffixe (Konfixe?) ein, die ähnliche Funktionen haben.
[...]

Ich hab mir mal ad hoc ein Minikorpus aus Wikipedia-Artikelnamen gebastelt (s.u.), das nach allerlei Bereinigung 75 Items enthält (hab da recht radikal durchgefegt und aus dem Bauch heraus entschieden; einiges könnte fehlen, anderes ist wohl Unsinn, etwa lateinische Ortsnamen). Auf der Basis ist mein Eindruck, dass es ganz gob drei Kategorien gibt:

Blends aus Museum und einer Art "thematischem Bezeichner" (z.B. Newseum, Waloseum, Technoseum, oder mein Favorit Kohlosseum ). Da tritt dann teilweise auch '-seum' als Element auf, sowie ggf. eine '-o-' Fuge. Bei Formen wie "Gaseum" ist es schwierig, weil bereits ein /s/ enthalten ist.
Weitere Quellen zum "blenden" könnten Lyzeum oder Orpheum sein. Verwendet wird das insbesondere für Museen oder Veranstaltungsorte im weitesten Sinne.

Formen, die meiner Ansicht nach in Richtung Neo-Classical-Compounding gehen und ein griechisches/lateinisches Element enthalten, wie Arithmeum, Pyloneum, und vielleicht Ozeaneum oder Odysseum.

Bildungen aus einem (bevorzugt lateinischen oder latinisierten) Eigennamen (Augusteum, Johanneum, Dorotheum, Mozarteum, Darwineum; die beiden letzten könnten auch unter Kategorie 1 fallen). Hier finden sich vor allem Priesterseminare, Gymnasien und ähnliches (evtl. wegen Lyzeum?). Hier scheint es mir noch am wahrscheinlichsten, dass da tatsächlich das lateinische Suffix in der erwähnten Bedeutung zum Zuge kommt.

Nach diesem Eindruck würde ich dir zaghaft widersprechen, und vermuten, dass das Suffix im Deutschen vielleicht doch halbwegs produktiv ist.

Um so mehr ich drüber nachdenke, um so mehr Ausnahmen finde ich Zwinker Ist jedenfalls ein interessantes Thema.

(Neben vielen überwiegend biologischen Termini, tauchte übrigens interessanterweise einiges Koreanisches auf, was mir vorher nicht so klar war.)


Angehängte Datei(en)
.txt  eum.txt (Größe: 770 Bytes / Downloads: 10)

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01.05.2014, 20:23:28
Beitrag #9
RE: Suffix -eum
(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  Ich hab mir mal ad hoc ein Minikorpus aus Wikipedia-Artikelnamen gebastelt (s.u.), das nach allerlei Bereinigung 75 Items enthält (hab da recht radikal durchgefegt und aus dem Bauch heraus entschieden; einiges könnte fehlen, anderes ist wohl Unsinn, etwa lateinische Ortsnamen). Auf der Basis ist mein Eindruck, dass es ganz gob drei Kategorien gibt:

(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  Blends aus Museum und einer Art "thematischem Bezeichner" (z.B. Newseum, Waloseum, Technoseum, oder mein Favorit Kohlosseum ). Da tritt dann teilweise auch '-seum' als Element auf, sowie ggf. eine '-o-' Fuge. Bei Formen wie "Gaseum" ist es schwierig, weil bereits ein /s/ enthalten ist.
Weitere Quellen zum "blenden" könnten Lyzeum oder Orpheum sein. Verwendet wird das insbesondere für Museen oder Veranstaltungsorte im weitesten Sinne.
Bei Gaseum sind meiner Meinung nach die Verhältnisse klar. das /s/ gehört zum Stamm. Das wäre sehr ungewähnlich, wenn das Stamm-s zugunsten des Suffix-s wegfiele.
Diese Beispiele sprechen sehr dafür, dass {-eum} in der Tat produktiv gebraucht werden kann, aber wohl nur für einen bestimmten Teil des Namenwortschatzes.

(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  Formen, die meiner Ansicht nach in Richtung Neo-Classical-Compounding gehen und ein griechisches/lateinisches Element enthalten, wie Arithmeum, Pyloneum, und vielleicht Ozeaneum oder Odysseum.
Diese Bildungen sind vermutlich der Ausgangspunkt für die Reanalyse und Grammatikalisierung von {-eum}.

(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  Bildungen aus einem (bevorzugt lateinischen oder latinisierten) Eigennamen (Augusteum, Johanneum, Dorotheum, Mozarteum, Darwineum; die beiden letzten könnten auch unter Kategorie 1 fallen). Hier finden sich vor allem Priesterseminare, Gymnasien und ähnliches (evtl. wegen Lyzeum?). Hier scheint es mir noch am wahrscheinlichsten, dass da tatsächlich das lateinische Suffix in der erwähnten Bedeutung zum Zuge kommt.

Hier würde ich sagen, dass zwei Dinge konkurrieren. Ein einfaches {-(ian)us, -a, -um} das bei adjektivisch gebrauchten Namen mit den neutralen Bezugsnomina Gymnasium, Collegium, Lyceum kongruiert und das denominale Suffix {-eus, -a, -um}, das aber im Lateinischen gänzlich andere Funktionen hatte, als nur für Ortsbezeichnungen zu stehen, vor allem für Stoff- und Farbabjektive (aurum - aureus). Bei Ortsbezeichnungen kommt es, so weit ich es finden konnte, nur in griechischstämmigen Lehnwörtern vor.

(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  Nach diesem Eindruck würde ich dir zaghaft widersprechen, und vermuten, dass das Suffix im Deutschen vielleicht doch halbwegs produktiv ist.

Ja, auf "halbwegs" können wir uns einigen. Es wird zur Namenbildung, nicht aber zur Bildung neuer Lexeme herangezogen. Das ist eine spannende Einschränkung.

(01.05.2014 14:31:53)thf schrieb:  (Neben vielen überwiegend biologischen Termini, tauchte übrigens interessanterweise einiges Koreanisches auf, was mir vorher nicht so klar war.)
Ja, 음 <eum> /ɯ̈m/ scheint u.a. ein gängiges Verbalsuffix zu sein. (link)


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04.05.2014, 16:30:52
Beitrag #10
RE: Suffix -eum
(01.05.2014 20:23:28)janwo schrieb:  Bei Gaseum sind meiner Meinung nach die Verhältnisse klar. das /s/ gehört zum Stamm. Das wäre sehr ungewähnlich, wenn das Stamm-s zugunsten des Suffix-s wegfiele.
Diese Beispiele sprechen sehr dafür, dass {-eum} in der Tat produktiv gebraucht werden kann, aber wohl nur für einen bestimmten Teil des Namenwortschatzes.
Das Wegfallen des Stamm-S fänd' ich auch etwas merkwürdig. Ich dachte eher an eine Lösung, bei der beide /s/ zu einem verschmelzen (Degemination?), sodass gewissermaßen beide erhalten bleiben -- und irgendwie auch nicht.

Ggf. könnte man auch mit Silben argumentieren: Nimmt man an, dass das Suffix '-eum' tatsächlich aus Museum 'extrahiert' wurde, würde das hier auf subsilbischer Ebene (ab dem Nukleus) geschehen, was ich aus zwar theoretischen Gründen wenig plausibel finde, aber eigentlich glaube ich nicht so ungewöhnlich ist. Entsprechend könnte man mit der Silbenstruktur vielleicht auch weitere Dinge in dem Zusammenhang erklären (z.B. das Fugen /o/).

Insgesamt fallen mir vier Lösungen ein:
- Suffix '-eum', bei eventueller Behaltung eines auslautenden Stamm /s/
- Suffix '-seum', bei eventueller Tilgung eines auslautenden Stamm /s/
- Suffix '-seum, bei eventueller Assimilation(/Degemination) an ein auslautendes Stamm /s/
- Allophone '-eum' und '-seum', abhängig vom Kontext

Was davon jetzt die beste Lösung ist (oder ob es derer mehrere gibt), ist mir noch nicht ganz klar. Ich denke, dafür müsste man mehr Beispiele haben, und die phonologischen Gegebenheiten im Deutschen besser kennen als ich (ich weiß z.B. nicht, wie hoch - optimalitätstheoretisch gesprochen - die Aufrechterhaltung der Silben im Deutschen gerankt ist, oder wie es mit der Präferenz für CV Strukturen aussieht).

Spannend ist vielleicht auch, inwieweit es sich hier um einen übereinzelsprachlichen Mechanismus handelt und wie autonom resp. den Regeln einer Einzelsprache unterworfen ist; 'Newseum' etwa deutet darauf hin, dass das mindestens auch im Englischen geht.

(01.05.2014 20:23:28)janwo schrieb:  Hier würde ich sagen, dass zwei Dinge konkurrieren. Ein einfaches {-(ian)us, -a, -um} das bei adjektivisch gebrauchten Namen mit den neutralen Bezugsnomina Gymnasium, Collegium, Lyceum kongruiert und das denominale Suffix {-eus, -a, -um}, das aber im Lateinischen gänzlich andere Funktionen hatte, als nur für Ortsbezeichnungen zu stehen, vor allem für Stoff- und Farbabjektive (aurum - aureus). Bei Ortsbezeichnungen kommt es, so weit ich es finden konnte, nur in griechischstämmigen Lehnwörtern vor.
Also würde das möglicherweise dafür sprechen, dass es sich diachron gesehen (teilweise) um verschiedene Bildungen handelt (bzw. Formen, die auf dieselbe Grundform zurück gehen, aber auf verschiedenen Sprachstufen/von verschiedenen Ausgangsformen 'abgelöst' worden sind), die synchron aber einigermaßen einheitlich erscheinen?

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04.05.2014, 18:58:34
Beitrag #11
RE: Suffix -eum
Ich glaube eher, dass da kein /s/ im Suffix steckt, zumindest nicht defaultmäßig. Da spricht schon die Herkunftsgeschichte gegen.
Museum kommt aus Muse(n) + -eum, das /s/ ist dort definitiv Teil des Stamms. Das wird m.E. auch nicht reanalysiert.
Das Fugen-o ist eigentlich nur Teil der (neo)klassischen griechisch basierten Komposita sowie einiger Neubildungen mit {-o-meter}. Mehr dazu in Bälde. Zwinker

(04.05.2014 16:30:52)thf schrieb:  Was davon jetzt die beste Lösung ist (oder ob es derer mehrere gibt), ist mir noch nicht ganz klar. Ich denke, dafür müsste man mehr Beispiele haben, und die phonologischen Gegebenheiten im Deutschen besser kennen als ich (ich weiß z.B. nicht, wie hoch - optimalitätstheoretisch gesprochen - die Aufrechtung erhaltung der Silben im Deutschen gerankt ist, oder wie es mit der Präferenz für CV Strukturen aussieht).

Das wäre doch mal ein nettes MA-Thema. Ich notier's mir. Lächel
Wir haben im Deutschen, was ich beim ersten Lesen kontraintuitiv fand, einen recht hoch gerankten Parameter Maximize Onset, der bei komplexer Morphologie dafür sorgt, dass Silbengrenzen sich entsprechend verschieben.

(04.05.2014 16:30:52)thf schrieb:  Spannend ist vielleicht auch, inwieweit es sich hier um einen übereinzelsprachlichen Mechanismus handelt und wie autonom resp. den Regeln einer Einzelsprache unterworfen ist; 'Newseum' etwa deutet darauf hin, dass das mindestens auch im Englischen geht.
Nö. Damnit ist erst einmal nur bewiesen, dass das Muster im Deutschen auch mit englischstämmigen Basen funktioniert. Aetsch

(04.05.2014 16:30:52)thf schrieb:  
(01.05.2014 20:23:28)janwo schrieb:  Hier würde ich sagen, dass zwei Dinge konkurrieren. Ein einfaches {-(ian)us, -a, -um} das bei adjektivisch gebrauchten Namen mit den neutralen Bezugsnomina Gymnasium, Collegium, Lyceum kongruiert und das denominale Suffix {-eus, -a, -um}, das aber im Lateinischen gänzlich andere Funktionen hatte, als nur für Ortsbezeichnungen zu stehen, vor allem für Stoff- und Farbabjektive (aurum - aureus). Bei Ortsbezeichnungen kommt es, so weit ich es finden konnte, nur in griechischstämmigen Lehnwörtern vor.
Also würde das möglicherweise dafür sprechen, dass es sich diachron gesehen (teilweise) um verschiedene Bildungen handelt (bzw. Formen, die auf dieselbe Grundform zurück gehen, aber auf verschiedenen Sprachstufen/von verschiedenen Ausgangsformen 'abgelöst' worden sind), die synchron aber einigermaßen einheitlich erscheinen?

Könnte sein, ja.


P.S.: Ein netter Beitrag, in dem das lateinischen Farbsuffix vorgeführt wird: http://interretialia.tumblr.com/post/847...s-in-latin


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08.05.2014, 13:52:54
Beitrag #12
RE: Suffix -eum
(04.05.2014 18:58:34)janwo schrieb:  
(04.05.2014 16:30:52)thf schrieb:  Spannend ist vielleicht auch, inwieweit es sich hier um einen übereinzelsprachlichen Mechanismus handelt und wie autonom resp. den Regeln einer Einzelsprache unterworfen ist; 'Newseum' etwa deutet darauf hin, dass das mindestens auch im Englischen geht.
Nö. Damnit ist erst einmal nur bewiesen, dass das Muster im Deutschen auch mit englischstämmigen Basen funktioniert. Aetsch
Na ja, das betreffende Museum befindet sich in den USA, daher war ich mal davon ausgegangen, dass das auch im englischen Sprachraum funktioniert Zwinker. Ich hab mir auch noch mal (etwas oberflächlicher allerdings) die Artikelnamen der englischen Wikipedia angesehen, und neben Newseum noch ein paar weitere Beispiele gefunden, ToonSeum [sic!], Gulf Coast Exploreum Science Center und Storyeum, sowie Presseum(Südkorea) und Tenniseum (Frankreich). Bei dem südkoreanischen Beispiel kann ich mir vorstellen, dass es im Prinzip um eine englische Form handelt, bei Tenniseum wäre auch eine französischsprachige denkbar. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Produktivität im Englischen zwar wesentlich geringer ausfällt, als im Deutschen, und stärkeren Beschränkungen unterliegt, an sich aber schon gegeben ist. (Dabei ist natürlich generell zu beachten, dass Methode und Datenbasis allenfalls für einen groben ersten Eindruck, aber nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen).

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08.05.2014, 16:51:26
Beitrag #13
RE: Suffix -eum
OK, das wusste ich nicht. Dann ist es andersrum und das {-seum} funktionuckelt im Englischen.


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