Metahilfe: Was wir hier (nicht) tun - Informationen zum Thema Fragen und Hilfen im Forum.

Du kennst dich aus? — Prima. Unser Fragenbeantwortungs-Team freut sich immer über engagierte Verstärkung!



1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste
Antwort schreiben 
 » nicht erledigt Textlinguistik
▶ TEXTVERKNÜPFUNG explizite Textverknüpfung

18.01.2011, 18:16:30
Beitrag #1
Textlinguistik
Liebe Linguisten!

Ich hoffe ihr könnt mir helfen!

Ich muss für eine Seminararbeit einen Text analysieren auf Kohäsion, Kohärenz (usw.) und wir müssen den Text (ein Beispieltext von uns ausgesucht) nach den Kriterien von Linke/Nussbaumer/Portmann (Textlinguistik eine Einführung) analysieren!

Jetzt hab ich ein Problem, es geht um die explizite Textverknüpfung:

sprich: wenn "siehe oben" "wie oben schon erwähnt" oder ähnliches steht, handelt es sich um eine explizite Textverknüpfung. Das ist mir alles klar.

aber bei meinem Text wird eine Person mit Namen angesprochen und unten am Ende vom Text steht der Name noch einmal und in Klammer, welche Tätigkeit die Person ausübt. also zb: Max Müller präsentiert uns wieder einen besonderen Mix.

unten steht dann: Max Müller (Star-DJ)

also der Textrezipient versteht durch das, was unten in der Klammer beim Namen steht, worum es in dem Satz geht --> also, dass er einen Musikmix präsentiert usw...

aber es erfolgt keine explizite Textverknüpfung, weil nirgends "siehe unten" oder sonst was steht ...

was für eine Textverknüpfung ist das dann???? Bitte helft mir.

Lg Andrea

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
20.01.2011, 10:55:55
Beitrag #2
RE: Textlinguistik
Hallo,

ich habe gerade nur ganz schnell noch einmal überflogen, was Linke/Nussbaumer/Portmann zu Textkohäsion und Textkohärenz sagen. Die beiden Begriffe "implizite" und "explizite" Verknüpfung finde ich problematisch.
Was damit wohl gemeint sein soll, ist Folgendes:

Explizite Textverknüpfungen liegen vor, wenn es direkte kohäsive Verbindungen gibt, die dem Text inhärent sind.
Bsp: "Die Frau da vorne ist hübsch. Sie trägt einen roten Mantel."
Wir haben hier eine grammatische Kongruenz zwischen "die Frau" und "sie" und somit eine kohäsive Textverknüpfung, die durch Bezüge im Sprachmaterial entsteht.

"siehe oben" ist nicht implizit, weil "oben" ja ein ziemlich weiter Begriff ist.
Es bezieht sich zwar auf das konkrete Sprachmaterial, aber eben nur auf "irgendwas davon" und keine direkten Begriffe.

Unter impliziter Verknüpfung verstehe ich außerdem so etwas wie hier:
Bsp: "Das Mädchen ist hübsch. Sie trägt einen roten Mantel."
Hier liegt keine Kongruenz vor, "sie" bezieht sich grammatikalisch nicht auf "das Mädchen". Trotzdem inferieren wir, leiten logisch ab, dass "sie" sich hier auf das Mädchen als weibliche Person beziehen soll.
Wir arbeiten mit Welt-, Kontext- oder Handlungswissen (siehe Linke et al. 2001: 227, Kap. 6.2.3).

Wenn also das Beispiel, das du anführst, so etwas wie "implizite" Verknüpfung nachweisen soll, dann deswegen, weil wir aus "Mix" in deinem Beispielsatz so etwas wie "Musikmix" interpretieren, weil wir später erfahren, dass die Person ein DJ ist. Und da wir mit DJ und Mix nun einmal Musik in Verbindung bringen, folgern wir logisch daraus, dass es sich nur um einen solchen Musikmix handeln kann. Bezüge im Sprachmaterial selbst, zum Beispiel grammatischer Art, liegen aber nicht vor. Deswegen spricht man von Kohärenz und nicht von Kohäsion.

Webseite des Benutzers besuchenAlle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
13.06.2011, 16:18:07
Beitrag #3
RE: Textlinguistik
Ich weiss zwar nicht, ob das Thema noch aktuell ist; bis jetzt hat der Threadersteller aber keine Rückmeldung gegeben, weshalb ich einfach auch mal meinen Senf dazu gebe.

So wie ich das einschätze, wäre das nach Linke/Nussbaumer/Portmann eine Substitution (Kapitel 6.1.2). Zwei Textelemente verweisen auf denselben ausserpsrachlichen Referenten: in diesem Falle Das Individuum namens Max Müller.
Die Substitution schliesst Synonyme, Unterbegriffe (Hyponyme) sowie Überbegriffe (Hyperonyme) mit ein. Wie also z.B. der Drache in Linke/Nussbaumer/Portmann ein Lindwurm ist, ist Max Müller bei deinem Beispiel ein Star DJ Zwinker Schliesslich wird mit dem Ausdruck in Klammern nicht auf einen beliebigen Star DJ, sondern genau auf den Max hingewiesen.
"Max Müller" im letzten Teil deines Textes ist eine Rekurrenz, aber das ist dir vermutlich klar.


Hallo, ich bin thomy und seit 10.06.2011 13:23:44 hier angemeldet.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
10.07.2013, 16:37:04
Beitrag #4
RE: Textlinguistik
Da ich für meine komische Frage keinen Thread beginnen wollte, suchte ich nach "Textlinguistik". Passender wäre vielleicht "Differentialpsychologische Textlinguistik".
Kennt jemand Arbeiten über persönlichkeitsbedingte Vorlieben für bzw. Abneigungen gegenüber Darstellungsweisen von Argumentation? Man kann ja einen Gedankengang - wie in Kulturwissenschaften meistens - in einem 'Fließtext' wiedergeben. Dadurch entstehen die typischen dicken Bücher, üblicherweise mit viel Redundanz, aber am ehesten bestsellertauglich. Eine andere Möglichkeit, oft integriert in 'Fließtexten', sind diagrammatische Darstellungen, wobei ziemlich unklar ist, wie die jeweils 'funktionieren' (siehe z. B. http://stauffenburg.de/restore/asp/books.asp?id=1194 ). Ebenfalls integriert in 'Fließtexten' können Bilder i. e. S. zur Darstellung von Argumentation beitragen. Und in der Mathe wird ein Großteil des Argumentierens formal bewerkstelligt.

Was mich zu der Frage motiviert, ist meine überhaupt nicht abnehmende (manche behaupten, man lese zunehmend gern Schwafeliges, je älter man wird) Abneigung gegenüber jenen 'Fließtexten'. (Ganz selten und immer seltener lese ich z. B. literarische Prosa.) Dabei heißt es ja manchmal, der Mensch sei ein 'narratives Wesen'. Nicht dass ich alles in Formeln haben wollte - aber: wenn mitgeteilt, dann bitte kurz und möglichst übersichtlich; und da sind Zeile für Zeile bedruckte Seiten einfach nur zum Kotzen. Jedenfalls in der Wissenschaft, im Gespräch sehe ich das völlig anders. Ist das persönlichkeitsbedingt? Gibt es da Untersuchungen (die sich für Linguisten wohl in einem Grenzbereich bewegten)?

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitierenReturn to top
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema:VerfasserAntworten:Ansichten:Letzter Beitrag
98_exclamation [Text] Hausarbeit Textlinguistik Mellilain 3 1.776 12.08.2016 20:24:12
Letzter Beitrag: NadjaAm8
  Textlinguistik: Intertextualität Sprachwissenschaftlerin95 1 1.436 29.08.2015 16:48:51
Letzter Beitrag: lingucat
  [Text] Textlinguistik SMS sabeille 6 5.532 30.03.2015 16:51:26
Letzter Beitrag: Forum
  Hilfe beim Thema Textdiskurs bzw. Textlinguistik Mauseline 1 12.668 22.09.2014 09:46:05
Letzter Beitrag: neous

Gehe zu:


1 Benutzer in diesem Thread: (0 Mitglieder, und 1 Besucher). 1 Gast/Gäste