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[Syn]: Syntax, Phraseologie  » nicht erledigt Topologische Felder - Einordnungsproblem

04.08.2014, 14:50:32
Beitrag #1
Topologische Felder - Einordnungsproblem
Hallo auch,

mich plagt mal wieder eine Frage. Ich bin gerade dabei, mich in das/die Modell/e der topologischen Felder (wieder) einzuarbeiten. Wenn man von dem allgemeinen Schema "Vorfeld, linke Satzklammer, Mittelfeld, rechte Satzklammer, Nachfeld" ausgeht, wie kann ich dann einen Nebensatz wie "wenn ich damals hätte den Hund füttern wollen" einordnen? Probleme bereitet mir das "hätte", da es weder in LSK noch RSK stehen kann. Kann mir jemand weiterhelfen und sagen, wie man solche Konstellationen analysiert?


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04.08.2014, 21:20:16
Beitrag #2
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
Hallo Nanek,

in der Regel ist es ja so, dass in der linken SK entweder das finite Verb (V1 und V2-Sätze) oder eine Konjunktion (VL) stehen. Im Grunde genommen ist das die Cº-Position.
Die rechte SK ist für das Verbkomplex mit dem finiten Verb und seinen Begleitern reserviert. Alles andere kommt davor und danach. In deinem Fall steht also wenn in der lSK und das finite Verb in der rSK. Bei einer neutralen Wortstellung hätte man die NP[den Hund] im Mittelfeld und alle Verbformen zusammen in der rSK. Hier ist der Teil der VP [den Hund füttern wollen] nach rechts extraponiert worden und steht somit im Nachfeld.
Die Analyse, so wie ich sie gerade gemacht habe, ist soweit ich weiß am gängigsten. Natürlich gibt es auch welche, die in der rSK nur das finite Verb haben und andere Verben im Nachfeld landen, auch wenn es sich nicht um Rechtsversetzungen handelt. Habe auch schon mal gesehen, dass die Verben im Mittelfeld stehen, da die rSK mit einem phonetisch leerem Operator gefüllt ist, welcher die Nachfeldbesetzung lizensiert. Dann würde also das "hätte" im MF stehen, die rSK bliebe leer und der Rest wäre im NF.
Vielleicht findest du selbst eine geschicktere Lösung, der Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt Lächel

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04.08.2014, 23:00:49
Beitrag #3
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
Vielen Dank für deine erklärenden Worte, Anna. Deine Analyse erscheint mir nachvollziehbar. In meinem Text von Höhle wurde das allerdings mit deiner zweiten Variante gelöst. D.h. "hätte" setzt er ins MF, was mir völlig unbekannt anmutete, da ich noch nie davon hörte, dass hier finite Verben stehen können. Könntest Du mir evtl. die Sache mit dem "phonetisch leeren Operator" diesbezüglich nochmal kurz erläutern? Und es würde dann neben "hätte" der ganze Abschnitt " ich damals hätte den Hund" im MF stehen? Eine unbequeme Lösung für mein Empfinden.


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04.08.2014, 23:35:38
Beitrag #4
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
Da ich mich mit dem Feldermodell nicht so gut auskenne, dass ich dir spontan Referenzen empfehlen könnte, versuche ich es mal zu rekonstruieren:
Man geht ja davon aus, dass sowohl das Vorfeld als auch das Nachfeld im Deutschen (und anderen Sprachen z.T.) aufgrund von informationsstrukturellen Gegebenheiten besetzt werden: weil man etwas besonders betonen möchte, da es im Fokus steht, oder besonders im Nachfeld, da es sich um lange und komplexe Konstituenten (z.B. Heavy NP shift) handelt; Konjunktionen zeigen z.B. an, dass es sich um einen VL-Satz handelt, etc.
Für das Vorfeld (die linke Satzperipherie) gibt es ja die Theorie von Rizzi, dass das Vorfeld aus unterschiedlichen Köpfen aufgebaut sind, die Operatoren sind und Elemente "anlocken". Wenn also bspw. ein Element im Fokus stehen soll und dies an der ersten Position als solcher besonders hervorgehoben wird, ist der Foc-Operator aktiv und löst die Bewegung von diesem Element ins Vorfeld aus.
Für das Feldermodell kann man also sagen, dass die linke Satzklammer eine solche Funktion hat und Konstituenten davor zulässt. Man hat da einen phonetischen Input in Form von den finiten Verben oder der Konjunktion.
Wenn nun Elemente nach rechts versetzt werden, sollte in der Theorie auch ein Operator dafür zuständig sein, der entsprechend in der rSK steht. Nur ist er nicht phonetisch realisiert. Alles andere steht im Mittelfeld.
Für deinen Satz oben würde man zunächst annehmen, dass alles nach der Konjunktion im MF steht. In der rSK steht ein Operator, der besonders hervorgehobene Elemente ins NF verschieben möchte. Das geschieht dann mit dem Teil der VP, sodass der Satz in meinen Augen markierter erscheint als in der neutralen Wortstellung.
Diese Analyse ist funktionaler Ausgerichtet als das deskriptive Feldermodell, da hier nicht nur die Positionen beschrieben werden, sondern den Satzklammern auch Funktionen zugewiesen werden.

Das ist jetzt nicht die schönste und eleganteste Weise zur Beschreibung von Syntax, ich hoffe aber, dass der Kerngedanke verständlich wird.

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09.11.2014, 02:01:47
Beitrag #5
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
Erschlagen von dieser geballten Information, bedankte ich mich scheinbar gar nicht für diese. Was mir auch erst wieder auffällt, nachdem mich erneute Fragen plagen. Also erstmal: Danke!

Ich hoffe, hier schaut noch einmal jemand herein und kann mir bei meinen anderen zwei Problemen weiterhelfen. So komplex dürften sie nicht sein. Da ich allerdings bereits Montagmorgen meine Abschlussprüfung habe, eilt es natürlich. Dennoch wäre ich froh, könnte sich jemand meiner erbarmen.

Zum Problem:

Wie verhält es sich mit nebengeordneten Sätzen? Also: "Morgen schneit es oder es regnet". Steht "oder es regnet" im NF und wird dann in einem zweiten Schritt so analysiert, dass "oder" in einem Feld vor dem Vorfeld steht? Also etwa in "Koord"? Die Anschlussposition dürfte es ja nicht sein, da hier nur Diskurspartikel stehen sollten. Leider kommt in meinen Prüfungsunterlagen nicht einmal so ein banaler Satz mit Beispiel vor und es wird auch nicht die Position "Koord" erwähnt.

Anderes Problem: Wie verhält es sich mit Aufzählungen? "Er schlug, trat und biss seinen Zellengenossen." In der LSK kann ja nur ein finites Verb stehen, sollen die anderen finiten Verben nun einfach im MF stehen? Oder werden sie wie Nebensätze in folgenden Zeilen selbst neu analysiert? Also "trat und biss seinen Z." und schließlich "und biss seinen Z."?
Genauso bei VL-Stellung: "Ich weiß, dass sie ihn schlug, trat und demütigte." Steht nun "trat und demütigte" im NF, nachdem man für den gesamten Nebensatz eine neue Analyse ansetzte?

Ich hoffe, auf Hilfe. Lächel


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09.11.2014, 16:25:02
Beitrag #6
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
In der Tat ist es so, dass man elliptische Sätze oder Koordinationen in der Literatur nicht gerade als Paradebeispiele zur Analyse vorfindet Undecided

Da das Federmodell nicht gerade mein Steckenpferd ist und man in der Linguistik nicht wirklich von richtig oder falsch sprechen kann, versuche ich mal mit etwas Überlegung ranzugehen:
Zitat:Zum Problem:

Wie verhält es sich mit nebengeordneten Sätzen? Also: "Morgen schneit es oder es regnet". Steht "oder es regnet" im NF und wird dann in einem zweiten Schritt so analysiert, dass "oder" in einem Feld vor dem Vorfeld steht? Also etwa in "Koord"? Die Anschlussposition dürfte es ja nicht sein, da hier nur Diskurspartikel stehen sollten. Leider kommt in meinen Prüfungsunterlagen nicht einmal so ein banaler Satz mit Beispiel vor und es wird auch nicht die Position "Koord" erwähnt.

Das Nachfeld hat ja die Funktion, die Nebensätze zu beherbergen bzw. versetztes Material: Also alles Elemente, die in irgendeiner Weise vom Hauptsatz und seiner Aussage abhängen. Bei Koordination ist es weniger der Fall, da stehen die Sätze nebeneinander, sodass ich sie nicht im Nachfeld sehe, sondern eher als neue und eigenständige Sätze. Die Frage ist nun, wo man das "oder" unterbringt: Ich würde auf ein Vor-Vorfeld oder auf eine mehrfache Vorfeldbesetzung tippen, da es in meinen Augen keinen Sinn macht, sie in den vorangehenden Satz zu integrieren.

Zitat:Anderes Problem: Wie verhält es sich mit Aufzählungen? "Er schlug, trat und biss seinen Zellengenossen." In der LSK kann ja nur ein finites Verb stehen, sollen die anderen finiten Verben nun einfach im MF stehen? Oder werden sie wie Nebensätze in folgenden Zeilen selbst neu analysiert? Also "trat und biss seinen Z." und schließlich "und biss seinen Z."?

Genauso bei VL-Stellung: "Ich weiß, dass sie ihn schlug, trat und demütigte." Steht nun "trat und demütigte" im NF, nachdem man für den gesamten Nebensatz eine neue Analyse ansetzte?

Meiner Meinung nach sind beide Varianten möglich: wenn es nur darum geht, den Satz und seine Bestandteile zu erfassen, ohne auf eine Rekonstruktion der drei Einzelsätze Rücksicht zu nehmen, kann man einfach die Teile im MF stehen lassen. Wenn man jedoch darauf abzielt, sich die gelöschten Elemente genauer darzustellen, würde ich es in der von dir beschriebenen Variante machen (äquivalent zum Nebensatz)

Fuer den letzten Satz mit "Ich weiss, dass …" kann man ebenso drei unterschiedliche Sätze annehmen, die nebeneinander stehen, mit den Nebensätzen jeweils im Nachfeld, der Rest ist dann eben phonetisch leer.

Das sind gerade nur Vermutungen, da ich spontan nicht weiss, wie Experten es im Fall der Fälle analysieren würden. Wenn es für dich keinen Sinn macht und du eine andere Meinung hast, und sie auch entsprechend begründen kannst, ist es im Zweifelsfall immer die bessere Lösung! Zwinker

Vielleicht meldet sich hier noch jemand, der es besser weiss!
Wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg bei der Prüfung!

LG Anna

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10.11.2014, 22:48:14
Beitrag #7
RE: Topologische Felder - Einordnungsproblem
Vielen Dank, Anna. Sowohl für deine hilfreichen Erläuterungen als auch für die Erfolgswünsche. Ganz wirkungslos waren sie nicht. Zwinker


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