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 » Erledigt: Heute Heute Unregelmäßige Nomenflektion

27.06.2012, 14:33:57
Beitrag #1
Unregelmäßige Nomenflektion
Hallo,
ich habe mal eine Frage:
Wie nennt man die unregelmäßige Flektion wie zum Beispiel bei "der Typ"? Woher kommt sie? Und welche anderen Wörter im Deutschen kennt ihr, die sich so verhalten?
Bei "der Typ" kommen ja mittlerweile bei fast allen mal undeklinierte Formen vor wie: Ich habe den Typ gesehen.

Woher kommt denn sowas und wie heißt das?

Danke und viele Grüße,
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
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27.06.2012, 14:44:40
Beitrag #2
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
Was meinst du genau? Dass "Typ" nicht mehr schwach flektiert, sondern stark?

Also statt
der Typ
des Typen
dem Typen
den Typen


der Typ
des Typs
dem Typ
den Typ
?

Ich denke, hier handelt es sich einfach um Analogie nach dem Muster der häufigeren starken ("regelmäßigen") Substantive wie Mann, also endungslos in allen Kasus außer dem Genitiv, und -en wird als Pluralendung gedeutet.

Oder ich habe die Frage falsch verstanden.

Ich kenne es auch bei Herz ("im Herz" statt "im Herzen", Genitiv aber wohl weiterhin "Herzens" wegen des Auslauts), Bär ("einen Bär aufbinden"), Student ("des Students") ... ich denke, es gibt kaum ein schwaches Substantiv, bei dem es nicht auftreten kann.


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27.06.2012, 21:52:57
Beitrag #3
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
Hallo,
oh, an stark und schwach habe ich gar nicht gedacht. Das macht das ganze viel logisches, vielen Dank. Könnte man also sagen, dass die schwache Deklination so langsam bröckelt, bzw. die Kategorie sich immer mehr öffnet?
Gibt es auch Fälle, die andersrum laufen? Also von stark zu schwach?


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27.06.2012, 22:06:38
Beitrag #4
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
(27.06.2012 21:52:57)Kevin schrieb:  Hallo,
oh, an stark und schwach habe ich gar nicht gedacht. Das macht das ganze viel logisches, vielen Dank. Könnte man also sagen, dass die schwache Deklination so langsam bröckelt, bzw. die Kategorie sich immer mehr öffnet?
Gibt es auch Fälle, die andersrum laufen? Also von stark zu schwach?

Würde ich so sagen, ja, zumindest im Akk./Dat. geht die Endung -en zunehmend verloren, und das ist ja das Merkmal der schwachen Klasse.

Der Online-Duden, das Wort sei immer stark, wobei mein Sprachgefühl sagt, in der Bedeutung "Muster, Modell" ist es stark, in der Bedeutung "Kerl" schwach ("ein Flugzeug dieses Typs" vs. "diesen Typen habe ich gesehen").
(Wiktionary stimmt nur zu.)

Im Grimm (s.v. "Typus") heißt es auch
"während im singular die lat. form typus weitgehend bewahrt bleibt - die kurzform typ wird erst in neuerer umgangssprache, sowie als wort der technik geläufig - hat der plural schon früh die endung der schwachen deklination angenommen, die vereinzelt auch beim singular erscheint[.]"

Dann wäre "Typ" ein Wort, das - in einer Teilbedeutung - von der starken in die schwache Klasse und wieder zurückgewechselt hat.
Andere Fälle sind mir jetzt nicht bekannt.


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27.06.2012, 22:25:14
Beitrag #5
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
(27.06.2012 14:44:40)Mindaugas schrieb:  ich denke, es gibt kaum ein schwaches Substantiv, bei dem es nicht auftreten kann.

Das Internet weiß es besser: der Schwund des -en tritt nur bei schwachen Substantiven auf, die die Konsonant enden:

der Bauer - den Bauer, der Fink - den Fink, der Fürst - den Fürst, der Narr - den Narr

Nicht aber bei solchen, die auf -e enden:
der Bote - den ?Bote
der Russe - den *Russe
der Hase - den ?Hase
der Löwe - den ?Löwe
der Junge - den *Junge
[markiert von mir]

Hmm ... also "den Russen" und "den Jungen" muss sein. Aber bei Bote... ich denke, "ich sehe den Postbote", das ginge für mich umgangssprachlich schon.


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28.06.2012, 13:46:46
Beitrag #6
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
Wow, vielen Dank für die Hilfe. Jetzt bin ich um einiges schlauer.
Bei den Wörtern auf -e streikt mein Sprachgefühl, wenn ich es stark deklinieren will. Ich weiß nicht, ob es nur mir so dabei geht. Aber das habe ich bisher auch nocht von jemandem gehört.


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28.06.2012, 18:34:44
Beitrag #7
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
(28.06.2012 13:46:46)Kevin schrieb:  Bei den Wörtern auf -e streikt mein Sprachgefühl, wenn ich es stark deklinieren will. Ich weiß nicht, ob es nur mir so dabei geht.

Geht mir genauso. Liegt vielleicht daran, dass wir beide etwa aus der selben norddeutschen Gegend stammen.
Schriftsprachlich natürlich nur schwach, aber umgangssprachlich endungslos im Akkusativ ist bei manchen Wörtern ein Grenzfall ... muss ich mal verstärkt drauf achten.


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29.06.2012, 13:48:22
Beitrag #8
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
(28.06.2012 18:34:44)Mindaugas schrieb:  
(28.06.2012 13:46:46)Kevin schrieb:  Bei den Wörtern auf -e streikt mein Sprachgefühl, wenn ich es stark deklinieren will. Ich weiß nicht, ob es nur mir so dabei geht.

Geht mir genauso. Liegt vielleicht daran, dass wir beide etwa aus der selben norddeutschen Gegend stammen.

Ich erweitere das geographisch Mal um eine süddeutsche Perspektive und schließe mich der Beurteilung an. "Den Bote" aber kann ich mir auch in Umgangssprache nicht vorstellen. Bei den beiden Tieren klappt das schon eher, auch wenn ich mir zwangsneurotisch eine Kind im Zoo dazu vorstellen muss:
"Oh Mama schau! Ich liebe den Löwe!"
"Papa, wieso krieg ich keinen Hase?"

Bezüglich "Schriftsprachlich natürlich schwach": Ich hab mir gestern zufällig wieder Richard David Prechts Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? zu Gemüte geführt und überrascht festgestellt, dass vom Kleinhirn als einem Teil des Gerhins gesprochen wird, das bei anderen Wirbeltieren wesentlich ausgeprägter sei als, Zitat, "beim Mensch".


* 2012·06·12, 15:56
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29.06.2012, 14:34:36
Beitrag #9
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
Hey,
Das Zusammenfallen von verschiedenen Flexionsformen innerhalb eines Paradigmas, ist ein historisch gut belegter Prozess und wird Synkretimus genannt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismu...guistik%29


Hallo, ich bin Lucas und seit 06.06.2012 09:31 hier angemeldet.
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29.06.2012, 14:53:06
Beitrag #10
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
(29.06.2012 14:34:36)Lucas schrieb:  Hey,
Das Zusammenfallen von verschiedenen Flexionsformen innerhalb eines Paradigmas, ist ein historisch gut belegter Prozess und wird Synkretimus genannt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismu...guistik%29

Ich denke, hier kann man nicht von Synkretismus, sondern nur von Deklinationsklassenwechsel sprechen, ein häufiger Prozess in den germanischen Sprachen.

Bzw. sollte man nicht Ursache und Wirkung verwechseln: die schwachen Subst. übernehmen die Formen der starken und dadurch haben wir Synkretismus von Nom., Dat., Akk., und eben nicht so, dass Akk. und Nom. zusammenfallen und das Subst. deswegen stark wird.


@Phil
"Mensch" endet ja auch nicht auf -e, darauf bezog sich meine Aussage. Beim endungslosen Typus finden wir die starke Form auch in geschriebener Form, nur wenn uns der Hase schon solche Probleme macht, sollte man den nicht in der Literatur erwarten.

Aber im Internet:
"woher sie den Hase hatte"
"Zubehör für den Hase jetzt kaufen"
"Fang den Hase"
"ich habe den Bote abonniert" (schwierig, weil "Bote" hier Eigenname einer Zeitung ist)


Hallo, ich bin Mindaugas und seit 14.11.2011 19:21 hier angemeldet.
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01.07.2012, 14:38:37
Beitrag #11
RE: Unregelmäßige Nomenflektion
Ich hab das als Kasusnivellierung und Numerusprofilierung kennen gelernt.

Allerdings tendiert auch mein Sprachgefühl eher dazu, die endungslosen Formen als falsch zur Seite zu schieben, egal ob bei Substantiven, die auf Konsonant oder auf Vokal enden. Ich persönlich würde immer "den Bauern" und "den Narren" sagen. Und "den Hase" geht ja mal gar nicht Big Grin Verständlich ist es natürlich, aber es würde mir nie einfallen, das selber aktiv zu gebrauchen.


Hallo, ich bin kunterbunt und seit 20.11.2011 14:12 hier angemeldet.
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