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 » nicht erledigt Verbformen in der Chatsprache
▶ [geteilt] Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind

25.08.2015, 18:07:17
Beitrag #1
Verbformen in der Chatsprache
Okay, jetzt einmal eine dumme Frage (nicht dass meine anderen sonst vor Intellekt strotzen Zwinker):
In Chatsprache gibt es ja oft diese Verben in Sternchen wie *grins*, *lach*, *frag* etc. Welche Verbform ist das? Ist die überhaupt finit oder ist das einfach der Verbstamm? Wie kommt man darauf genau diese Form zu benutzen und nicht den Infinitiv?


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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25.08.2015, 18:32:48
Beitrag #2
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Ich kenne das unter der Bezeichnung Inflektive. Vielleicht hilft dir das als Ausgangspunkt für deine Fragen:
http://www.mediensprache.net/de/websprac...nflektive/
http://dx.doi.org/10.1515/zfgl.2001.013

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25.08.2015, 20:29:52
Beitrag #3
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
Je nach dem, wie Du Stamm definieren willst, ist es nicht einfach der bloße Stamm, sondern das flexionslose Verb. Derivationspräfixe bleiben ja erhalten: *umkipp*, genau so wie Komposita: *spazierengeh* oder ganze Phraseme: *lieb guck*.


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26.08.2015, 02:50:19
Beitrag #4
RE: Fragen kunterbunt, die einzeln keinen Thread wert sind
(25.08.2015 18:32:48)thf schrieb:  Ich kenne das unter der Bezeichnung Inflektive.
Eisenberg ("Der Satz", S. 100):
"[...] die Präsensstammform [wird] zum sog. Inflektiv (keuch, durchdreh, kaputtlach)"

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26.08.2015, 13:21:32
Beitrag #5
RE: Verbformen in der Chatsprache
(25.08.2015 18:07:17)Kevin schrieb:  Ist die überhaupt finit oder ist das einfach der Verbstamm?

Der Terminus Inflektiv selbst weist übrigens darauf hin, dass die Form nicht flektiert ist. Damit kann sie nicht finit sein.

(25.08.2015 18:07:17)Kevin schrieb:  Wie kommt man darauf genau diese Form zu benutzen und nicht den Infinitiv?

Hypothese meinerseits: Das ganze ist eine Verlegenheitsform, die entstanden ist, um merkwürdige Flexionskonflikte zu vermeiden. Interessanterweise gibt es ja in der Chatsprache auch formen, die wir hier im Forum mal nachgestellt haben und in der die Verben in der dritten Person stehen. Das gibt es ja auch als analoge Funktion in Chats. In beiden Fällen soll paralinguistisches / nichtverbales Verhalten übermittelt werden. Tut man dies in der Sprecherperspektive, müsste man die erste Person verwenden *überlege*, tut man dies mit Berücksichtigung der Adressatenperspektive, müsste es eigentlich die dritte Person sein *überlegt* — gänzlich unflektiert ist es einfacher und kürzer und wird trotzdem verstanden. Der Infinitiv könnte eher als Aufforderung missverstanden werden.

Ich frage mich gerade, was im Englischen üblicher ist, infinitiv/1.SG (ist ja seltenst unterscheidbar) oder 3.SG? Manche Formen der 3.SG sehen ja aus wie Nomina im Plural: kisses, grins, smiles, das könnte eine Rolle spielen.


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26.08.2015, 13:55:37
Beitrag #6
RE: Verbformen in der Chatsprache
(26.08.2015 13:21:32)janwo schrieb:  Interessanterweise gibt es ja in der Chatsprache auch formen, die wir hier im Forum mal nachgestellt haben und in der die Verben in der dritten Person stehen. Das gibt es ja auch als analoge Funktion in Chats. In beiden Fällen soll paralinguistisches / nichtverbales Verhalten übermittelt werden.
Randbemerkung: Ich kenne das -- insb. aus Computerspielen und IRC-Chats -- als Emote; was allerdings, anders als Inflektiv, kein Fachterminus ist. Inflektive sind mMn. Subtypen von Emotes, auch wenn Inflektive wohl älter sind und schon zuvor in Comics vertreten waren.

Die spezifische Form von Inflektiven habe ich mir bisher über die Nähe zu Onomatopoetika erklärt. Allerdings ist deine Erklärung natürlich tiefgehender Lächel

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26.08.2015, 16:54:30
Beitrag #7
RE: Verbformen in der Chatsprache
(26.08.2015 13:55:37)thf schrieb:  Die spezifische Form von Inflektiven habe ich mir bisher über die Nähe zu Onomatopoetika erklärt. Allerdings ist deine Erklärung natürlich tiefgehender Lächel

Das wäre kongruent mit dem Aufkommen der Erikative nach 1950.


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