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 » Erledigt: Heute Heute Vorgriechisches Substrat

25.10.2011, 00:44:34
Beitrag #1
Vorgriechisches Substrat
Hallo,
ich beschäftige mich zurzeit mit einigen vorindogermanischen Themen und habe schon oft davon gelesen, dass auch im Griechischen untersucht wurde, welche Wörter nicht auf das Indogermanische zurückzuführen sind, sondern vermutlich durch Kontakt mit Vorindoeuropäern in das Griechische übernommen wurden.
Ich bin allerdings nicht gerade sehr erfolgreich dafür Informationen zu finden. Gibt es eine Liste dieser Wörter? Gibt es eine Seite oder einen Wikipedia-Artikel, die/der das näher beschreibt?
Für jegliche Tipps wäre ich sehr dankbar.

Vielen Dank und liebe Grüße
Kevin


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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25.10.2011, 18:24:18
Beitrag #2
RE: Vorgriechisches Substrat
Hmmm... Also an Literatur habe ich zufällig (wirklich!) gerade heute etwas in den Händen gehalten:
  • Krahe, Hans: Sprache und Vorzeit. Heidelberg: Quelle & Meyer, 1954.
  • Krahe, Hans: Die Indogermanisierung Griechenlands und Italiens. Zwei Vorträge. Heidelberg: Winter / Universitätsverlag, 1949.

Von Krahe gibt es sicherlich noch viel, viel mehr — such doch einfach mal in Bibliothekskatalogen oder auf Websites, die ihn erwähnen. Und auch andere (neuere) Studien zur Vorgeschichte des Raumes sollten Dir da weiterhelfen, ebenso ein etymologisches Wörterbuch des (Alt)griechischen.

Hast Du hier schon mal gestöbert? → http://titus.uni-frankfurt.de/indexe.htm...m#Etabelle (dann auf "Griechisch" klicken...)


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
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14.11.2011, 21:51:41
Beitrag #3
RE: Vorgriechisches Substrat
Das vorgriechische Substrat wird auch als "pelasgisches", "ägäisches" oder "mediterranes" Substrat bezeichnet.

Dazu gehören vor allem die Wörter auf -nthos (πλίνϑος "Ziegel", ὑάκινϑος, λαβύρινϑος) und die auf -(s)sos/-ttos (wie Κνόσσος, ϑάλαττα "Meer", νάρκισσος), die oftmals schon im Mykenischen bezeugt sind.

Weiterhin gelten als Substratwörter solche mit einem Wechsel e/i, d/l oder p/b/ph, entweder innerhalb des Griechischen und seiner Dialekte, oder zwischen Griechisch und Latein. Als Beispiel fällt mir gerade nur lat. lacrima, griech. δάκρυ "Träne" ein, es gibt aber weitere. Als Grund nimmt man an, dass die Substratsprache hier Laute hatte, die im Griechischen nicht vorkommen und daher mit unterschiedlichen griechischen Lauten wiedergegeben wurden.

Ebenso einige Kulturwörter wie ἄπιος *(a)pīsos, lat. pirum, "Birne", ku-ru-so /khrūsos/ χρυσός "Gold", a-sa-mi-to /asaminthos/ ἀσάμινϑος "Badewanne", sa-sa-ma /sāsama/ σήσαμον "Sesam", die von der Lautgestalt oder Wortstruktur ungriechische oder unindogermanische Züge aufweisen.

Vgl. hierzu auch:
BARTONĚK, A. (2003): Handbuch des mykenischen Griechisch.


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15.11.2011, 14:28:58
Beitrag #4
RE: Vorgriechisches Substrat
Gestern Abend habe ich, gestützt auf alte Vorlesungsmitschriften, die ägäischen/pelasgischen Lehnwörter mit den semitischen durcheinander geworfen.

Heute konnte ich mich nochmal bei Bartonek vergewissern:

Griechische Entlehnungen:
Lexikalisches „ägäisches“ Substrat
a) im Mykenischen bezeugt
e-ra-wa /elaiwā/ ἐλαία olīva „Olive“
e-ra3-wo /elaiwon/ ἔλαιον oleum „Öl“
ku-pa-ri-so /Kuparissos/ κυπάρισσος cupressus „Zypresse“
mi-ta /minthā/ μίνθη mentha „Minze“
mo-ri-wo-do /moliwdos/ μόλιβδος, μόλυβδος, plumbum „Blei“
wo-do-we /wordowen/ ῥόδον, rosa „Rose
su-za συκέα, συκία, fīcus „Feige“

b) später bezeugt
λείριον, lilium „Lilie“
μᾶλον, μῆλον, mālum „Apfel“
οἶνος, vīnum „Wein“
σπόγγος, σφόγγος, fungus „Schwamm“
δάφνη, λάφνη, laurus „Lorbeer“
κυβερνήτης, gubernātor „Steuermann“
θώραξ, θώρηξ, lōrīca „Brustpanzer“

c) ohne lateinische Parallele
a-sa-mi-to /asaminthos/ ἀσάμινθος „Badewanne“
da-pu2-ri-to-jo /daburinthojjo/ λαβύρινθος „Labyrinth“
ko-ri-a2-da-na /korihandnon/ κορίαννον, κορίανδρον „Koriander“
ku-pa-ro /kupairos/ κύπαιρος, κύπειρος, κύπερος
ma-ra-tu-wo /marathwon/ μάραθον „Fenchel“
qa-si-re-u /gwasileus/ βασιλεύς „König“
se-ri-no /selīnon/ σέλινον „Eppich“
se-me-te-u /Smintheus/ Σμινθεύς
si-a2-ro /sihalons/ σίαλος „Mastschwein“
si-to /sītos/ σῖτος „Getreide“
wa-na-ka /wanaks/ ἄναξ „Herrscher“

B. morphologische und phonologische Substratphänomena
a) morphologisch
-nthos
-ttos/-ssos

b) phonologisch
da-pu2-ri-to-jo /daburinthojjo/ λαβύρινθος „Labyrinth“
δίσκος, dialektal auch λίσκος
Ὀδυσσεύς, lat. Ulixes
δάφνη - λάφνη
σπόγγος - σφόγγος
πρύτανις - βρυτανεῖον

c) ein /s/, das nicht sprachgeschichtlich aus *tj, *tw oder *ss herleitbar ist

χιτών, χρυσός, σήσαμον etc. sind hingegen Entlehnungen aus semitischen Sprachen.
Vgl. hierzu Bartonek 2006, S. 490-492.


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