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Umfrage: Sollten Vorlesungen als Lehrform abgeschafft werden?
Auf jeden Fall, ja.
Nur die langweiligen.
Kann man so allgemein nicht sagen.
Auf gar keinen Fall, nein.
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 » nicht erledigt Vorlesungen abschaffen?

24.05.2011, 10:13:42
Beitrag #1
Vorlesungen abschaffen?
In dem Artikel "Hier rein, da raus - Universitäten sollten endlich die Vorlesung abschaffen" (DIE ZEIT, 19.5.2011 Nr. 21) behauptet Autor Martin Spiewak, dass Vorlesungen didaktisch überholt und ineffektiv seien. Wie seht Ihr das? Ist es wirklich so, dass in den Vorlesungen generell gähnende Langeweile herrscht und man nichts lernt?


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24.05.2011, 10:36:28
Beitrag #2
RE: Vorlesungen abschaffen?
Es haengt natuerlich auch davon ab, was man unter "Vorlesung" versteht. Man koennte sicher auf die verzichten, bei denen der Dozent nur einen vorformulierten Text vorliest. Aber eine Veranstaltung, in der der Dozent lebhaft was erzaehlt, hat ganz bestimmt ihre Berechtigung.

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24.05.2011, 15:09:16
Beitrag #3
RE: Vorlesungen abschaffen?
Also ich finde nicht, dass sie abgeschafft werden sollten. Wenn einen das Thema interessiert und der Dozent nicht völlig pädagogisch unbegabt ist, kriegt man so am meisten Wissen mit auf den Weg. In einem Seminar lernt man doch kaum etwas, weil hier einmal über etwas geredet wird und mal dort. Wenn die Vorlesung ein komplexes Thema behandelt sollte es auch immer Tutorien dazu geben. Ansonsten ist das für mich immer noch die Wissens- und Lernquelle überhaupt.


"So the whole reason the French people can't really dance
Is because they haven't got the beat in their blood.
And why don't they live and breathe the beat?
Because their language has no tonic accent."
Martin Solveig ~ Heart of Africa
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24.05.2011, 16:46:56
Beitrag #4
RE: Vorlesungen abschaffen?
Kann man die einzelnen universitären Veranstaltungstypen denn so ohne weiteres auseinander halten?
An dem Institut, an dem ich studiere, gibt es zumindest dem Namen nach keine Vorlesungen; in meinem anderen Fach auf das gesamte Studium verteilt einige wenige.
Was ist denn eine Vorlesung, was ein Seminar, was eine Übung?
Insbesondere wenn ich mit Freunden rede, die was ganz anderes studieren, habe ich das Gefühl, dass der Name gleich ist, aber etwas anderes bezeichnet. So hörte ich zum Beispiel, dass im Bereich Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften Seminare begleitend zu Vorlesungen stattfinden, während ich Übungen zu Seminaren kenne.
Unterscheiden sich diese Veranstaltungstypen durch den Grad der möglichen Partizipation?
Unterscheiden sie sich durch die Art des Leistungsnachweises?
Unterscheiden sie sich durch die Teilnahmemodalitäten?
Unterscheiden sie sich durch die Qualifikation des Dozenten?

Geht man nach der Partizipation hatte ich schon Seminare, insbesondere zu Studienbeginn, die eher Vorlesungen waren, umgekehrt aber auch Vorlesungen, in denen relativ viel gefragt wurde.

Generell ist es meist so, dass man nicht "die Vorlesung von XY" oder "das Seminar bei XY" besucht, sondern einen "XY-Kurs", weil jeder Dozierende einen ihm eigenen Stil hat, der von der Deklaration im Vorlesungsverzeichnis weitestgehend unbeeinflusst bleibt; dass jemand es versteht, mit den verschiedenen Veranstaltungsformaten gut zu jonglieren, sie auszunutzen und dem Stoff angemssen zu wählen, habe ich eher selten gesehen. Wie gut das gelingt hängt vielleicht auch davon ab, wie viel Spaß die Lehrperson am unterrichten hat, wie sehr sie sich für Didaktik interessiert und wie viel ihr am Dialog mit den Lernenden liegt.

Vorlesungen, die von einem guten Redner gehalten werden können mich ebenso begeistern, wie Seminare in denen viel diskutiert wird. Vorlesungen, die im wesentlichen aus einem monotonen Ablesevortrag bestehen finde ich dagegen ebenso unspannend, wie Seminare, die sich zu 90% aus Referaten speisen oder in denen der Dozent sich alle Mühe geben muss, um mal eine Wortmeldung zu bekommen.

Ich denke deshalb, dass es nicht um den Veranstaltungstyp "Vorlesung" als solches geht, sondern um die Qualität des akademischen Unterrichts an sich, ebenso wie die Bereitschaft der Dozenten sich mit dem Vermitteln von Inhalten zu befassen. Dazu gehört dann vielleicht auch ein Stück weit, sich mit denen eigenen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen. Außerdem hängt es vielleicht auch etwas vom Stoff ab, welche Art der Veranstaltung gewählt wird. Das Abschaffen von "Vorlesungen" ist da höchstens eine Behandlung der Symptome, aber keine der Ursachen.

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24.05.2011, 16:54:59
Beitrag #5
RE: Vorlesungen abschaffen?
Ich sehe das ganz ähnlich. Unsere Vorlesungen waren auch vergleichsweise interaktiv, da hatte jeder ein Handout bekommen, das man gemeinsam durchgesprochen hat. Es hatte fast Seminarcharakter - auch, wenn man beachtet, dass einige Seminare bei uns genau so abliefen, da war der Übergang teilweise fließend. Ich habe es immer als entschlacktes Seminar wahr genommen, die Leseanforderungen waren niedriger und man konnte sich (da kein Leistungsnachweistress im Magister) einfach auch mal berieseln lassen.

Es scheint aber disziplin- bzw. insitutsabhängig zu sein. In der Literaturwissenschaft hat ein Prof tatsächlich immer ein wohl formuliertes aber nicht für die akustische Übermittlung gedachtes Schriftstück vorgelesen (vermutlich schon seit Jahren); ganz alte Schule halt. Für jemanden, der mit Sprache arbeitet, eigentlich ein Armutszeugnis, aber wohl offenbar keine Seltenheit. Dann könnte er das Skript zum Selberlesen eigentlich verteilen und gut ist. Die Aufnahmefähigkeit ist bei dieser Textart gleich Null, vor allem, wenn man mit der Thematik so grundsätzliche Interessensprobleme hat. Zwar war die Vorlesung keine Pflichtveranstaltung für uns, aber man hatte halt doch die Hoffnung, dass man da trotzdem was für den literaturwissenschaftlichen Prüfungsteil mitnehmen kann. (Oder sich einen Prüfer suchen, der kein Literaturthema voraussetzt, aber das war damals so ein mystisches Gerücht, dass wir uns auch in Literatur prüfen lassen müssen, aber das führe jetzt zu weit...)

In den Massenfächern wie BWL wurde im Grundstudium ja nur in Vorlesungen gelehrt. Ok, da gab's dann mal Kurse, da waren nur 50 Leute drin und das nannten die dann "Seminar" (wobei man fairerweise sagen muss, dass auch die Seminare in Linguistik und Politik selten unter 40-60 Leuten abliefen, also in der prä-Bachelor-Zeit, da war die Uni schon extrem beschissen organisiert und finanziert). Aber da saßen viele Leute drin mit Laptop oder haben gelesen oder sonst was. Die meinten dann, dass man sich das ja dann zu Hause im Skript anlesen könnte. Ok, wenn du aber keine Anwesenheitspflicht hat, dann kannste doch eigentlich zu Hause bleiben. Auch wenn ich nicht das Vorbild in studentischer Arbeitsorganisation war, DAS habe ich nie verstanden.

Ich bin übrigens großer Fan von Onlinevorlesungen. Jetzt nicht für den eigenen Studiengang, aber zum Reinschnuppern oder zur Weiterbildung ist das phänomenal.

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22.04.2013, 21:44:38
Beitrag #6
RE: Vorlesungen abschaffen?
Das Thema wurde mal wieder aufgegriffen: http://cspannagel.wordpress.com/2013/04/...e-zukunft/

Auch auf Facebook diskutieren wir dieses Thema: https://www.facebook.com/linguisten/post...6380638245


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26.08.2016, 08:20:12
Beitrag #7
RE: Vorlesungen abschaffen?
Diesmal hat sich academics.de (Die ZEIT; so schließt sich der Kreis) des Themas angenommen:
https://www.academics.de/wissenschaft/di...58467.html

Zitat:Die Vorlesung: Ein Auslaufmodell?
VON CHRISTIANE BENDER
Das Lehrformat "Vorlesung" hat - ohne die Vergangenheit idealisieren zu wollen - schon bessere Zeiten erlebt. Die Gründe dafür sind vielfältig; der Frust der Lehrenden und Lernenden scheint offensichtlich. Was ist passiert? Ein Deutungsversuch.


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29.08.2016, 23:31:51
Beitrag #8
RE: Vorlesungen abschaffen?
Da ich mir ungern die ganzen Schinken reinziehe und vielleicht auch nicht der Beste im Diagonal-Lesen bin, habe ich in Vorlesungen immer sehr viel gelernt. Meine Profs waren aber auch in Vorlesungen fast so offen für Zwischenfragen wie in Seminaren und sind dann auch mal spontan ganz von ihrem Konzept abgewichen, wenn eine interessante Frage aufkam. Manchmal haben sie dann die Frage auch bei der nächsten Sitzung wieder aufgegriffen und vertieft. Da hatte ich Glück.


Ich bin ein Star Cool; holt mich hier raus!
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