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 » nicht erledigt Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?

06.10.2014, 18:55:06
Beitrag #1
Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
Hallo,

ich studiere als Nebenfach meines Bachelorstudiengangs germanistische Linguistik und habe dabei letztes Semester nach mühsamer Lernerei und vielen Knoten im Hirn die Prüfung im Semantikseminar bestanden.
Nun bin ich also in der Lage nach der fregeschen Methode Wahrheitsbedingungen zu "berechnen".
Nur für was man so etwas benutzt und warum es wichtig ist, dass jeder Bachelorstudent so etwas "durchrechnen" kann, verstehe ich noch immer nicht...
(Ich hab auch schon andere Studenten gefragt, ob sie es mir erklären können und Mails an meine Semantik-Dozenten geschickt, aber niemand konnte oder wollte mir eine "richtige" Antwort geben.)

Deshalb frage ich jetzt hier:


Welche Erkenntnisse liefert die "fregesche Semantik" bzw. für was wird sie in der Wissenschaft genutzt?

Ich verstehe jetzt, dass unsere Sprache hauptsächlich auf "Entitäten" aufgebaut ist, Verben diese Entitäten miteinander in Beziehung setzen und alles andere zu komplexeren, teilweise kaum lösbaren Verknüpfungen führt (wie z. B. das Wort "vielleicht").
Ich könnte mir vorstellen, dass man die fregesche Semantik z. B. auch für Folgendes benutzen könnte (aber bei solchen Vorstellungen liege ich leider häufig falsch):

Vielleicht kann man durch die "fregesche Analyse" erkennen wie komplex eine Sprache ist:
Z. B. könnte ich mir vorstellen dass Schriften der ältesten "Kulturen" vielleicht nur Nomen und Verben beinhalten, aber keine Adjektive oder Adverbien oder auch, dass Menschen mit einem bestimmten cerebralem Geburtsfehler vielleicht keine komplexeren Satzstrukturen, mit Wörtern die kompliziertere Typen haben, bilden können.
(Wenn ich mich richtig an die Spracherwerbvorlesung erinnere, verwenden Schimpansen ausschließlich Zeichen für Entitäten und Tätigkeiten in der ihnen beigebrachten Zeichensprache...)

Oder benutzt man das "Frege-Prinzip" um Sätze in (wichtigen) Argumentationen zu "korrigieren"?
Z. B.: Was Herr Prof. x sagt, ist zwar in der Sache richtig, seine These muss aber anders formuliert werden, da sie nach den Regeln der Semantik so nicht korrekt ist bzw. durch logische Ambivalenz zu Missverständnissen führen kann...

Oder geht es einfach darum die unterschiedlichen Muster, die den verschiedenen Sprachen der Welt zugrundeliegen, genauer analysieren zu können?
Gibt es, ähnlich der syntaktischen Regeln (z. B: SVO-Wortstellung im Englischen vs. SOV im Lateinischen), semantische Regeln, die durch das fregesche Prinzip erarbeitet werden oder wird durch die Semantik z. B. der Beweis erbracht, was tatsächlich die Grundwortstellung einer Sprache ist?


Ich hoffe hier kann mir jemand eine Antwort geben...

Vielen Dank
....................... Veit


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06.10.2014, 20:14:01
Beitrag #2
RE: Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
Die Frage ist für mich etwas unklar. Wahrheitsbedingungen sind ein sehr naheliegendes Thema für Semantik: Wenn ich weiß, was ein Satz bedeutet, weiß ich dann nicht auch, unter welchen Bedingungen er wahr ist? So nähert man sich mit der Frage nach Wahrheitsbedingungen dem, was wohl mit "Bedeutung" gemeint sein könnte.
Zitat:Nur für was man so etwas benutzt und warum es wichtig ist, dass jeder Bachelorstudent so etwas "durchrechnen" kann, verstehe ich noch immer nicht...
Zur Sprachwissenschaft gehört eben auch Satzsemantik. "Bedeutung von Sätzen" - ist das so fern für Sprachwissenschaft?

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06.10.2014, 21:46:51
Beitrag #3
RE: Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
Tut mir leid, ich will nicht "frech" sein oder ähnliches, aber Ihre Antwort ist für mich mindestens so unklar, wie für Sie meine Frage...

Ich versuche trotzdem meine Fragen nochmal zu spezifizieren:
In allen anderen Teilgebieten der Lingustik (Phonologie, Morphologie, Syntax, Pragmatik, Sprachgeschichte, Sprachentwicklung, Psycholinguistik, Korpuslinguistik, etc.) habe ich Wissen erworben, das ich immer wieder anwenden kann und das mir schon beim Lesen "normaler" Texte (Romane, Artikel, etc.) immer wieder ins Gedächtnis gerufen wird (z. B. Phonologie: "Dieses Wort muss ein Fremdwort sein, weil es nicht den phonologischen Regeln, des Deutschen entspricht" oder Sprachgeschichte / Morphologie: "An diesem Wort hier, kann man sehr schön den germanischen Ursprung erkennen, weil dieses Wortbildungsmuster heute nicht mehr produktiv ist" oder Pragmatik: "In diesem Dialog wird wunderschön deutlich, dass die Wortbedeutung kaum etwas damit zu tun hat, was der Sprecher wirklich ausdrücken will").

Aber in der Semantik stehe ich und auch alle anderen Studenten, die ich gefragt habe, vollkommen ratlos da.
Was habe ich da eigentlich gerade gelernt? Werde ich damit jemals wieder irgendetwas anfangen können?
Warum ist es den Professoren wichtig uns diese Methode beizubringen?

Das einzige, was mir persönlich einfällt, um diese Methode (im Rahmen der Philosophie oft als gescheiterten Versuch bewerteten) anzuwenden, ist die Mehrdeutigkeit eines Satzes aufzuzeigen, aber das kann ich auch indem ich zwei verschiedene Strukturbäume male, ganz ohne "genau dann wenn ... in der Situation ... wahr ist".

Wie gesagt, anscheinend gibt es ja wirklich Semantiker, die täglich mit dieser Methode arbeiten, nur konnte mir keiner sagen, wie man sich so etwas ungefähr in der Praxis vorstellen kann.

Warum will mir niemand sagen, was mit der Frege-Semantik gemacht wird, wenn sie doch so wichtig ist?
Wenn ich einen Korpuslinguisten frage, sagt er mir sofort: "Wir können durch unsere Methode z. B. "Muster" in der Sprache erkennen und dadurch dann automatisch erkennen, ob es sich um einen wissenschaftlichen oder literarischen Text handelt oder ob dieser von einem Muttersprachler oder DAZ-Lerner geschrieben wurde..."
Wenn ich einen Programmierer frage, wo der Unterschied zwischen bestimmten Programmiersprachen ist, sagt er mir z. B. "Mit dieser Sprache kann man sehr gut Videospiele schreiben, während die andere besser ist, um statistische Berechnungen anzustellen..."

Ist es wirklich nicht möglich, eine ähnliche Aussage über die Frege-Semantik zu machen?


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06.10.2014, 21:59:10
Beitrag #4
RE: Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
Zitat:Was habe ich da eigentlich gerade gelernt? Werde ich damit jemals wieder irgendetwas anfangen können?
Die Frage setzt wohl voraus, dass eine wissenschaftliche Tätigkeit jeweils direkt einem praktischen Ziel dienen soll. Das trifft zum Beispiel auch nicht auf theoretische Physik zu. Atombaumodelle haben sich dann allerdings als praktisch sehr relevant erwiesen - auch wenn zum Beispiel Bohr nicht an den Bau einer Bombe oder an Energiegewinnung gedacht haben dürfte.
"anfangen" - ich kann viel mit Prädikatenlogik anfangen, wenn mir prädikatenlogische Übersetzungen dazu dienen, Wahrheitsbedingungen von natürlichsprachlichen Äußerungen zu ermitteln.
Zitat:automatisch erkennen, ob es sich um einen wissenschaftlichen oder literarischen Text handelt
- ein anderes, eben satzsemantisches und auch pragmatisches, Kriterium für diese Zuordnung ist, ob es dem betr. Autor um die Wahrheit seiner wissenschaftlichen Äußerungen geht und er deshalb bemüht ist, die Wahrheitsbedingungen seiner wissenschaftlichen Äußerungen so deutlich wie möglich bzw. wie nötig (man muss ja i. d. R. nicht alles sagen) 'rüberzubringen'.

Nachträglich: Na, Gott sei Dank: Es gibt auch noch Zeitgenossen, die solch altmodisches Zeug behaupten:
http://www.uni-muenster.de/imperia/md/co...ftlich.pdf
"Die Wissenschaft fragt also nach Wahrheitsbedingungen, oder, falls man dem Begriff der 'Wahrheit' gegenüber besonders abgeneigt ist, zumindest nach Gültigkeitsbedingungen. Was muss erfüllt sein, damit eine bestimmte Aussage als gültig akzeptiert werden kann? Von welchen anderen Aussagen oder Phänomenen ist das abhängig? Dieser Anspruch gilt nicht nur für empirische Wissenschaften, sondern auch für formale."

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06.10.2014, 22:55:03
Beitrag #5
RE: Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
(06.10.2014 21:46:51)vitopetre schrieb:  Das einzige, was mir persönlich einfällt, um diese Methode (im Rahmen der Philosophie oft als gescheiterten Versuch bewerteten) anzuwenden, ist die Mehrdeutigkeit eines Satzes aufzuzeigen, aber das kann ich auch indem ich zwei verschiedene Strukturbäume male, ganz ohne "genau dann wenn ... in der Situation ... wahr ist".

Nehmen wir mal einen Beispielklassiker, bei dem Dir ein Strukturbaum nicht hilft:
  1. Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist dick.


Sehen wir einmal von der derzeitigen Amtsinhaberin ab, da sie eigentlich beim maskulinen Artikel und der maskulinen Amtsbezeichnung nicht gemeint ist (außer im verstaubten Behördendeutsch) und befassen uns lieber mit ihren drei Vorgängern. Da wird spätestens nach einem Blick in die Google Bildersuche klar, dass dieser Satz nur dann wahr ist, wenn er sich auf Helmut Kohl bezieht, nicht aber bei Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder.


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20.10.2014, 17:01:44
Beitrag #6
RE: Welche Erkenntnisse erhalten wir durch die Anwendung der Fregeschen Semantik?
Entschuldigung, ich bin zurzeit einfach zu faul und zu wenig interessiert an den Quantoren, genauer: an deren Verwendung speziell in kompositionalen Semantiken in der Tradition Montagues, Partees usw.
Aber: "Frege'sche Semantik" - fällt darunter auch schon der Anspruch, Wahrheitsbedingungen natürlichsprachlicher Aussagen prädikatenlogisch wiederzugeben? Wenn ja, dann ist ein Beispiel für eine Anwendung u.a. in "Was bedeutet ein 'dispositionales Merkmal'?" zu finden.

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