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[Phil]: Sprachphilosophie, Logik  » nicht erledigt Welten-Semantik, Wortbedeutung
▶ Zweidimensionale Semantik

08.10.2014, 14:29:08
Beitrag #1
Welten-Semantik, Wortbedeutung
Das ist einen Thread wert:
Zweidimensionale Semantik
Eine auch schon ältere Sache, die ich jetzt aber in einer Argumentation verwende, wie ich es nicht erwartet hätte.
Worum geht es?
Berühmt ist Putnams Twin-Earth-Gedankenspiel ("The Meaning of 'Meaning'"). In einer möglichen Welt, die nicht unsere Wirklichkeit ist, gibt es einen Planeten, auf dem sich alles so verhält wie auf unserer Erde. Das ist die Twin Earth oder Zwerde. Eins ist da anders als bei uns: Es gibt dort einen Stoff, der dieselbe Rolle spielt wie bei uns Wasser. Einziger Unterschied: Er hat nicht die Mikrostruktur H2O, sondern XYZ.
Dann ist dieser Stoff auf der Zwerde allerdings nicht Wasser, denn Wasser ist durch unsere Experten als H2O erkannt worden.
"Wasser", das Wort, hat eine primäre Intension: <das klare, durstlöschende, flüssige Zeug, das auch unsere Seen und Flüsse füllt>
Das ist in unserer Welt das, was die Mikrostruktur H2O hat.
Der empirische Blick auf unsere Welt bestimmt tatsächlich, was Wasser in allen möglichen Welten ist: das H2O-Zeug. Das ist die sekundäre Intension.

Ich finde das gerade toll, weil es sich wahrscheinlich auch noch auf andere Sachen als 'natural kinds' anwenden lässt. Chalmers verwendet es in der Philosophie des Geistes - dazu hoffentlich später mehr!
http://de.wikipedia.org/wiki/Zweidimensionale_Semantik
Ich dachte nur, dass es unter "Semantik" hier schon mal vorkommen sollte. Sollte ergänzt werden.

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18.10.2014, 12:00:34
Beitrag #2
RE: Welten-Semantik, Wortbedeutung
Als ich hier den Thread ‚zweidimensionale Semantik‘ eröffnete, begeisterte mich die Sache gerade im Rahmen einer Argumentation. Als Begeisterung ist es wieder weitgehend verflogen – warum, sage ich gleich. Aber das Thema sollte schon mal vorkommen unter Semantik.
Berühmt ist Putnams Gedankenspiel: Wir in der realen Welt kennen Wasser von dessen wahrnehmbaren Merkmalen. In einer anderen Welt, in der etwas x dieselben wahrnehmbaren Eigenschaften hat, ist x allerdings nur dann Wasser, wenn x dieselbe Mikrostruktur H2O hat wie Wasser in der realen Welt.
Chalmers („The Conscious Mind“, S. 59): „ Given that the primary intension (‚watery stuff‘) picks out H2O in the actual world, it follows from rigidification that the secondary intension picks out H2O in all possible worlds.” Die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Intension scheint mir wirklich unverzichtbar zu sein. Wozu die primäre Intension, wenn die sekundäre (<H2O>) schon festlegt, was unter den Begriff „Wasser“ fällt? Weil: Das, was in der Wirklichkeit watery stuff ist, ist tatsächlich H2O. Auch in einer Welt, in der wir noch nicht wissen, dass Wasser H2O ist, ist nur das Wasser, was dieselbe dafür relevante Mikrostruktur H2O hat wie das, was watery stuff ist. Watery stuff zu sein, bestimmt, dass Wasser H2O ist.

Wortsemantisch von besonderem Interesse scheint mir nun zu sein, dass wahrnehmbare Eigenschaften einerseits und nicht wahrnehmbare Eigenschaften andererseits jeweils für ein Wort semantisch unterschiedlich relevant sind: Für Stoffsubstantive wie „Wasser“ sind Mikroeigenschaften besonders relevant. Für andere Wörter sind wahrnehmbare Eigenschaften relevanter; z. B. für „Wolken“ (müssen wohl nicht aus Wasser sein) und noch mehr für „hell“ (bezieht sich wohl eher auf Eindrücke als auf Lichtstärken) und noch mehr für „kribbeln“. Ein schnödes Mehr-oder-weniger. 

Ich glaube, das ist ganz gut:
http://www.blutner.de/philos/bed2.html

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14.03.2016, 20:56:10
Beitrag #3
RE: Welten-Semantik, Wortbedeutung
Sein Twin-Earth-Gedankenspiel hat zusammen mit Kripkes Theorie der Eigennamen den semantischen Externalismus geprägt:
In einer Welt, in der alles so ist wie in unserer Welt, bis auf den Sachverhalt, dass das, was ihre Bewohner "Wasser" nennen, nicht H2O ist, sondern XYZ (wie sich nicht semantisch, sondern nur chemisch-empirisch ermitteln lässt), liegt es an der Welt, dass "Wasser" XYZ bezeichnet:

Hilary Putnam ist gestern gestorben.

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