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 » nicht erledigt Weltverkehrssprachen

11.03.2015, 15:31:32
Beitrag #1
Weltverkehrssprachen
Sicher ist die Frage, welche Sprache(-n) in Diplomatie, in supranationalen Institutionen, im Handel, in der globalen Wissenschaft usw. gesprochen wird/werden, eine Luxusfrage. Viele andere Sprachen (und Sprachgemeinschaften) kämpfen ums nackte Überleben.

Trotzdem interessiert mich die Fixierung der Französischverfechter auf Englisch. Ich meine, dieser Kampf, sei schon verloren. Zwar hat Französisch enormes Wachstumspotenzial in Afrika; aber das Gleiche trifft auf Engl. zu, weshalb sich am Bedeutungsabstand zwischen Franz. und Engl. wenig ändern dürfte.

Ich denke, die eigentliche Konkurrenz besteht zu den anderen romanischen Weltsprachen (auch wenn man sich über die Definition streiten kann): Spanisch und Portugiesisch. Für Chinesen oder Papua-Neuguineer etwa sind die Unterschiede zwischen europäischen Sprachen –und erst recht zwischen romanischen – wohl sehr gering.

Sowohl das Institut français als auch das Instituto Cervantes meinen jeweils, dass ihre Sprache die am zweit häufigsten gelernte weltweit sei; nach Engl. versteht sich. Diese Daten zu erheben, auszuwerten und zu überprüfen muss sehr schwer sein.

Zudem fehlt es Franz. meines Erachtens an Muttersprachlern und dem franz.-sprachigen Afrika wohl an einer gemeinsamen Identität, wie es bei Hispanoamerika der Fall ist.

Die Unterstützer des Französischen führen symbolträchtig an, dass nur Engl. und Franz. auf allen fünf Kontinenten verbreitet sei. Abgesehen davon, dass eine kleine, abseits gelegene Insel das Ruder kaum herumreißt, halte ich diese These für falsch. Wenn man Muttersprachler sowie Zweit- oder Drittsprachler (Amtsprache oder Bildungssprache) mit einbezieht, komme ich zirka auf folgende geographische Verbreitung nach (Welt-)Sprache:

Englisch: Nordamerika, Südamerika (Guyana), Afrika, Europa, Asien (Süd- und Südostasien), Ozeanien

Französisch: Nordamerika (u. a. Québec), Südamerika (Franz.-Guayana), Europa, Afrika, Asien (Libanon; begrenzt auch in Laos, Kambodscha und Vietnam), Ozeanien (u. a. Neukaledonien, Franz.-Polynesien)

Spanisch: Nordamerika (u. a. Mexiko), Südamerika, Europa, Afrika (Kanaren, West-Sahara und Äquatorialguinea), Asien (begrenzt in den Philippinen), Ozeanien (u. a. Osterinsel, zu Chile gehörig)

Portugiesisch: Südamerika, Europa, Afrika (u. a. Angola und Mosambik), Asien (Macau und Osttimor)

Russisch: Europa, Asien

Arabisch: Afrika, Asien

Chinesisch: Asien

und von mir aus auch Deutsch: Europa und Afrika (Namibia)


So. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. :-)

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11.03.2015, 17:48:31
Beitrag #2
RE: Weltverkehrssprachen
Ich denke nicht, das Französisch noch viel Potential hat. Es wurde und wird in Afrika als Schulunterrichtssprache aufoktroyiert, ohne eine echte Sprecherbasis zu haben, die wirklich in dieser Sprache aufwächst. Es ist also die ewige Fremdsprache. Es hat seinen Status als Weltsprache aus historischen Gründen, als Sprache der Diplomatie, der olympischen Bewegung, der Philosophie, des Militärwesens, usw.

Wenn man Prognosen wagen möchte, wäre wohl Mandarin ein Kandidat für eine aufsteigende Weltsprache. Die Sprecherbasis ist enorm, und nicht nur im asiatischen Raum ist es eine wichtige Sprache internationaler Beziehungen. Das zeigt sich unter anderem in der wachsenden Zahl an Konfuzius-Instituten u.a. in Afrika. Die VR China ist längst nicht mehr nur aufgrund ihrer militärischen Stärke als Atommacht wichtig, sondern mehr und mehr auch als Wirtschaftsmacht. Gleichzeitig verspielt man andernorts immer mehr den Vorteil, den Russisch als Hauptsprache des Kommunismus hatte...


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25.03.2015, 02:14:58
Beitrag #3
RE: Weltverkehrssprachen
(11.03.2015 17:48:31)janwo schrieb:  Ich denke nicht, das Französisch noch viel Potential hat. Es wurde und wird in Afrika als Schulunterrichtssprache aufoktroyiert, ohne eine echte Sprecherbasis zu haben, die wirklich in dieser Sprache aufwächst. Es ist also die ewige Fremdsprache. Es hat seinen Status als Weltsprache aus historischen Gründen, als Sprache der Diplomatie, der olympischen Bewegung, der Philosophie, des Militärwesens, usw.

Wenn man Prognosen wagen möchte, wäre wohl Mandarin ein Kandidat für eine aufsteigende Weltsprache. Die Sprecherbasis ist enorm, und nicht nur im asiatischen Raum ist es eine wichtige Sprache internationaler Beziehungen. Das zeigt sich unter anderem in der wachsenden Zahl an Konfuzius-Instituten u.a. in Afrika. Die VR China ist längst nicht mehr nur aufgrund ihrer militärischen Stärke als Atommacht wichtig, sondern mehr und mehr auch als Wirtschaftsmacht. Gleichzeitig verspielt man andernorts immer mehr den Vorteil, den Russisch als Hauptsprache des Kommunismus hatte...

Hat das bei Dir, janwo, auch mit Sympathien bzw. Antipathien fürs Französische zu tun? Zumindest interessant, wie wir bisher bei den meisten Themen anderer, teils entgegengesetzter Meinung sind. ;-)

Sicher hast du recht, dass es dem Franz. an einer großer Sprecherbasis in Afrika fehlt. Jedoch gibt es Länder wie die Elfenbeinküste oder Gabun, in deren größen Städten an der Küste Franz. nicht mehr bloß Zweitsprache, sondern für viele schon zur Muttersprache geworden ist. Ob dies nur auf privilegierte, bildungsnahe Schichten zutrifft, weiß ich nicht. Fortgeschrittener ist dieser Sprachwechsel und Verdrängungsprozess sicherlich in Mosambik und vor allem in Angola mit dem Portugiesischen. Was für ein globales Kräftegleichgewicht hilfreich sein mag, ist eigtl. eine große Schande für die Sprachenvielfalt weltweit. Außerdem: Kann es z. B. einem Afrikaner oder Asiaten nicht im Grunde 'wurscht' sein, welche europäische Kolonial- oder Imperialsprache er/sie da lernt und benutzt?

Ich bin mir nicht sicher, ob der hype ums Mandarin noch viel länger anhält. Klar, die VR China wird wohl Weltwirtschaftsmacht Nr. eins werden, und Taiwan sowie Singapur haben auch eine (partiell) chinesischsprachige Bevölkerung. Chinesische Minderheiten existieren in ganz Südostasien und Nordamerika verteilt. Als Basis für eine Handelssprache ist das schon mal nicht übel. Aber wenn ich es richtig sehe, wird Mandarin höchstens zum Handel oder sonstigen Austausch mit der chinesischsprachigen Welt gebraucht. Sollten allerdings irgendwann beispielsweise Koreaner, Mongolen, Myanmarer und Vietnamesen untereinander Mandarin als Verkehrssprache verwenden, sähe die Situation m. E. anders aus.

Auch Spanisch wird ja wahnsinnig 'gehypt'. Sicher ist Hispanoamerika ein riesiger Markt und wichtiger Handelspartner, nur finde ich schade, wenn dabei andere Sprachkulturen vernachlässigt werden. Dass Portugiesisch nicht nur in Portugal gesprochen wird, Arabisch nicht bloß sicherheitspolitisch interessant ist, Russisch immer noch länderübergreifend parliert wird — all das und vieles mehr könnte man (interessierten) Schülern und Studenten doch vermitteln.

Apropos Russisch: Welchen verspielten Vorteil meinst Du?

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25.03.2015, 15:14:44
Beitrag #4
RE: Weltverkehrssprachen
(25.03.2015 02:14:58)Son of my comfort schrieb:  Hat das bei Dir, janwo, auch mit Sympathien bzw. Antipathien fürs Französische zu tun? Zumindest interessant, wie wir bisher bei den meisten Themen anderer, teils entgegengesetzter Meinung sind. ;-)

Als echter Typologe sollte man natürlich alle seine Kinder Sprachen gleich lieb haben, aber das geht ja doch nicht immer. So kleine Vorlieben hab ich halt schon, aber die liegen im Pazifikraum.
Nö, ich habe nichts gegen das Französische, ich glaube nur, dass es nicht die Weltsprache ist, die man ihm nachsagt.

(25.03.2015 02:14:58)Son of my comfort schrieb:  Sicher hast du recht, dass es dem Franz. an einer großer Sprecherbasis in Afrika fehlt. Jedoch gibt es Länder wie die Elfenbeinküste oder Gabun, in deren größen Städten an der Küste Franz. nicht mehr bloß Zweitsprache, sondern für viele schon zur Muttersprache geworden ist. Ob dies nur auf privilegierte, bildungsnahe Schichten zutrifft, weiß ich nicht. Fortgeschrittener ist dieser Sprachwechsel und Verdrängungsprozess sicherlich in Mosambik und vor allem in Angola mit dem Portugiesischen. Was für ein globales Kräftegleichgewicht hilfreich sein mag, ist eigtl. eine große Schande für die Sprachenvielfalt weltweit. Außerdem: Kann es z. B. einem Afrikaner oder Asiaten nicht im Grunde 'wurscht' sein, welche europäische Kolonial- oder Imperialsprache er/sie da lernt und benutzt?

Das ist ganz sicher ein Phänomen der bildungsnäheren/wohlhabenderen Schichten und der größeren Städte, vor allem eines, das sich stets selbst verstärkt. Auf dem Land ist Französisch wohl nur in wenigen Fällen echte Muttersprache.
Klar kann es denen Wurscht sein. Ist es aber nicht. Mit Fug und Recht werden daher regionale Sprachen zu lingue franche gemacht (oder in ihren ehemaligen Status als solche wiedereingesetzt). Die meisten Kolonialherren sind den lokalen Bevölkerungen in unangenehmer Erinnerung geblieben. Wieso sollte man dann nach ein bis drei Generationen Unabhängigkeit immer noch deren Kolonialsprache lernen?

(25.03.2015 02:14:58)Son of my comfort schrieb:  Ich bin mir nicht sicher, ob der hype ums Mandarin noch viel länger anhält. Klar, die VR China wird wohl Weltwirtschaftsmacht Nr. eins werden, und Taiwan sowie Singapur haben auch eine (partiell) chinesischsprachige Bevölkerung. Chinesische Minderheiten existieren in ganz Südostasien und Nordamerika verteilt. Als Basis für eine Handelssprache ist das schon mal nicht übel. Aber wenn ich es richtig sehe, wird Mandarin höchstens zum Handel oder sonstigen Austausch mit der chinesischsprachigen Welt gebraucht. Sollten allerdings irgendwann beispielsweise Koreaner, Mongolen, Myanmarer und Vietnamesen untereinander Mandarin als Verkehrssprache verwenden, sähe die Situation m. E. anders aus.

Diese chinesischsprachige Welt ist aber eine, deren Wirtschaftswachstum und -kraft bei weitem unterschätzt wird. (Die VR China hat allein im Jahr 2014 so viel Beton verbaut wie die USA seit ihrer Gründung.)

Ich bringe mal noch eine asiatsche Sprache in Spiel (jaja, die Vorlieben): Indonesisch/Malaiisch. Die Republik Indonesien hat das Potential bzw. das Risiko, in den kommenden 40 Jahren zum drittbevölkerungsreichsten Staat der Erde zu werden und zur dritten Nation mit über einer Milliarde Einwohnern. Und die Bahasa Indonesia hat gegenüber Mandarin den Vorteil der einfacherern Phonologie und Orthgraphie.

(25.03.2015 02:14:58)Son of my comfort schrieb:  Auch Spanisch wird ja wahnsinnig 'gehypt'. Sicher ist Hispanoamerika ein riesiger Markt und wichtiger Handelspartner, nur finde ich schade, wenn dabei andere Sprachkulturen vernachlässigt werden. Dass Portugiesisch nicht nur in Portugal gesprochen wird, Arabisch nicht bloß sicherheitspolitisch interessant ist, Russisch immer noch länderübergreifend parliert wird — all das und vieles mehr könnte man (interessierten) Schülern und Studenten doch vermitteln.
Ja, Aber dann sollten wir angesichts der Sprecherzahlen bite auch Hindi/Urdu, Indonesisch/Malaiisch, bengali, Javanisch, Japanisch ins Spiel bringen.

(25.03.2015 02:14:58)Son of my comfort schrieb:  Apropos Russisch: Welchen verspielten Vorteil meinst Du?
Bis zum zerfall der Sowjeunion war Russisch die wichtigste Sprache des sogenannten Ostblocks. Viele der seither entstandenen Nationen haben sich aber von Russland abgekehrt, ob nun nach Süden (z.B. Türkei und Mittlerer Osten), nach Osten (China, Korea) oder nach Westen (EU). Jedenfalls haben viele dort nun andere Interessen, als immer noch Russisch zu lernen. Klar können die vor 1991 Beschulten das alle noch sprechen, aber die jüngeren Generationen kommen oftmals auch oder sogar exklusiv in den Genuss anderer Fremdsprachen (darunter sogar Deutsch!). Und wenn ich mir so ansehe, wie die Russische Sprache ein (Schein-)Argument in der schrittweisen Einverleibung der Ukraine ist, kann ich mir gut vorstellen, dass manchen anderen Nachbarn die Lust darauf vergeht, die Russische Sprache zu fördern.


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