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 » nicht erledigt Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten

24.05.2014, 16:43:37
Beitrag #1
Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Hey zusammen,

es gibt ein paar Aufaben, bei denen ich nicht so recht weiß, ob sie stimmen und würde mich freuen, wenn mir jemand sagen könnte, ob meine Überlegungen stimmen. Lächel

Aufgabe: Bestimme die Wertigkeit des Verbs und die semantischen Rollen seiner Aktanten. Kennzeichne auch, welche Phrase in diesem Satz realisiert und begründe deine Antwort.

1.) Anna hört ein Geräusch.

- zweiwertiges Verb
-Anna = Experiencer, da sie das Geräusch wahrnimmt.
Meine Frage ist hier, ob "das Geräusch" hier das Thema ist, denn laut Definition handelt es sich um ein Thema, wenn an etwas eine Handlung vollzogen wird/ eine Veränderung ersichtlich wird usw... was bei "Geräusch ja nicht der Fall ist.

2.) Ich mag Fußball.

-zweiwertiges Verb
- "Ich" = Agens, da ich die "Handlung" ausführe, "Fußball" = Thema. Hier stellt sich mir jedoch die gleiche Frage, denn an "Fußball" wird ja nichts ausgeführt oder verändert, deswegen weiß ich nicht, ob man hier vom Thema sprechen kann.

3.) Ich renne, um rechtzeitig anzukommen.

-ein- oder zweiwertiges Verb
- "Ich" = Agens, da damit die Person bezeichnet, die die "Handlung" ausführt.

4.) Ich reise immer im Flugzeug

- zwei- oder dreiwertiges Verb
- "Ich" = Agens, "im Flugzeug" = Mittel

5.) Ein grünes Blatt trieb auf dem See.

- zweiwertiges Verb
- "Ein grünes Blatt"= Thema, da an dem Blatt eine Handlung vollzogen wird.
- "auf dem See" = Ort

6.) Kinder wachsen sehr schnell.

- einwertiges Verb
- "Kinder" = Thema, da an ihnen eine "Handlung" vollzogen wird.

7.) Sebastian wird mir eine Nachricht übermitteln

- dreiwertiges Verb

"Sebastian" = Agens, da er derjenige ist, der handelt, "mir" = Empfänger, da ich die nachricht erhalte, "eine Nachricht" = Thema, da an der Nachricht eine Handlung vollzogen wird.

8.) Patricia kommt aus London.

- ein- oder zweiwertiges Verb
- "Patricia" = Agens, da sie diejenige ist, die eine Handlung vollzieht. Allerdings spricht man doch von einem Agens, wenn jemand willentlich etwas tut, oder? Wenn man hier betonen will, dass London ihre Heimatstadt ist, kann man dann überhaupt von einem Agens sprechen, denn sie hatte ja keinen Einfluss darauf, welche Stadt ihre Heimatstadt ist.
Meine Überlegung war hier, dass man von einem Agens sprechen kann, wenn man den Satz so deutet, dass Patricia gerade in London wohnt und beschlossen hat, ihre Familie in Deutschland zu besuchen und somit "aus London kommt".

- "aus London" ist somit die Quelle, da sie von dort aus nach Deutschland kommt.

Vielleicht kann ja der ein oder andere mir seine Gedanken hierzu mitteilen, vielen Dank! Lächel




-


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24.05.2014, 17:02:17
Beitrag #2
Bestimmung der Argumentstruktur
Bei einer Aufgabe weiß ich nicht so recht, was ich machen soll bzw. worauf sich die Argumentstruktur bezieht. Auf die Verben oder auf die Adjektive oder auf beide? Müssen hier auch die Thematischen Rollen genannt werden=

Aufgabe:

Wie würdest du bei folgenden Sätzen die Argumentstruktur bestimmen?

a) Petra ist zufrieden.
b) Meine Mutter ist eine anständige Frau.

Meine Überlegungen:

a) "Petra" = Agens, wobei für mich zweifelhaft ist, ob man hier von einem Agens sprechen kann, da "zufrieden sein" ja nicht immer etwas ist, was man beschließt oder willentlich tut.

- "sein" = einwertiges Verb
- "zufrieden" = einwertiges Adjektiv

b) "Meine Mutter" = Agens, da sie willentlich beschließt, als anständig gelten zu wollen.
- "sein" = einwertiges Verb

- "anständig" = einwertiges Adjektiv

Ich verstehe die Aufgabe einfach nicht so recht und weiß nicht, was eigentlich mit Argumentationsstruktur gemeint ist, da wir das nicht behandelt haben.

Danke für's Lesen und eventuell Kommentieren! Lächel

janwo bearbeitete 25.05.2014 17:59:42 diesen Beitrag. Grund:

Aus 2 Threads einen gemacht



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24.05.2014, 17:17:00
Beitrag #3
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Bei den Rollen kommt es ein wenig darauf an, welche ihr verwendet habt; da gibt es unterschiedliche Auffassungen und Konzeptionen. Bei Experiencer-Verben wie in Satz 1 und 2 ist es denke ich gängig, die Rollen Experiencer ("Anna"/"Ich") und Stimulus ("ein Geräusch"/"Fußball") anzusetzen.

Weiterhin gibt es ja auch verschiedene überlegungen zu Proto-/Makrorollen, bei denen Rollen semantisch weiter "aufgedröselt" und gruppiert/generalisiert werden, und die ggf. helfen könnten, einige der Probleme, die du bei der Einordnung hattest zu lösen, oder zumindest besser benennen zu können. Falls ihr darüber allerdings nicht gesprochen habt, wäre das in einem Kurszusammenhang vielleicht nicht so gut, das anzuführen.

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24.05.2014, 20:46:58
Beitrag #4
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
(24.05.2014 17:17:00)thf schrieb:  Bei den Rollen kommt es ein wenig darauf an, welche ihr verwendet habt; da gibt es unterschiedliche Auffassungen und Konzeptionen. Bei Experiencer-Verben wie in Satz 1 und 2 ist es denke ich gängig, die Rollen Experiencer ("Anna"/"Ich") und Stimulus ("ein Geräusch"/"Fußball") anzusetzen.

Weiterhin gibt es ja auch verschiedene überlegungen zu Proto-/Makrorollen, bei denen Rollen semantisch weiter "aufgedröselt" und gruppiert/generalisiert werden, und die ggf. helfen könnten, einige der Probleme, die du bei der Einordnung hattest zu lösen, oder zumindest besser benennen zu können. Falls ihr darüber allerdings nicht gesprochen habt, wäre das in einem Kurszusammenhang vielleicht nicht so gut, das anzuführen.

Vielen Dank für deine Antwort!
Thematische Rollen, die wir behandlt haben, sind: Agens, Thema, Experiencer, Empfänger, Ort, Ziel und Quelle.

Von Makro- Protorollen hab ich bisher noch nichts gehört und wir haben auch die thematischen Rollen nur kurz angeschnitten bzw. eben von der Folie abgelesen. Leider hab ich das Gefühl, nicht allzu viel in dem Seminar zu verstehen und komme mir völlig hilflos vor, wenn ich dann die Aufgaben bearbeiten soll.


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25.05.2014, 18:01:33
Beitrag #5
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Bei Petra ist zufrieden würde ich sagen, dass das Subjekt Petra eher Experiencer als Agens ist.


Mitmachen, mitgestalten, mitwissen: Glottopedia: the free encyclopedia of linguistics
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25.05.2014, 20:07:17
Beitrag #6
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Habe darüber nachgedacht und stelle mir die Frage, ob Experiencer oder Thema, denn eigentlich ist an ihr ja ein Ereignis ersichtlich (sie ist zufrieden).
Ach, ich tu mir ein bisschen schwer mit dem Ganzen...


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26.05.2014, 00:59:08
Beitrag #7
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
(24.05.2014 20:46:58)Pájaro schrieb:  Thematische Rollen, die wir behandlt haben, sind: Agens, Thema, Experiencer, Empfänger, Ort, Ziel und Quelle.
Viele würden denke ich mindestens noch 'Patiens' hinzunehmen.

(25.05.2014 20:07:17)Pájaro schrieb:  Habe darüber nachgedacht und stelle mir die Frage, ob Experiencer oder Thema, denn eigentlich ist an ihr ja ein Ereignis ersichtlich (sie ist zufrieden).
Ach, ich tu mir ein bisschen schwer mit dem Ganzen...

Saeed (2009: 153) charakterisiert Theme als "[...] the entity which is moved by an action, or whose location is described [...]". Das war auch so c.a. die Definition, die ich im Kopf hatte und insofern würde ich Jans Einschätzung, es handle sich um eine Experiencer Rolle, teilen.

Aber da geht es schon los: Ich habe mich mal ein wenig umgeschaut und verschiedene Vorlesungsfolien und ähnliches gefunden, die darunter entweder etwas komplett anderes verstehen (z.B. Lehmann: "wovon eine kognitive/ kommunikative/ emotionale Situation handelt"), oder andere Kriterien nennen (die z.T. zur Gleichsetzung von Patiens und Theme führen; evtl. erklärt das, warum Theme bei euch nicht auftauchte). Letztendlich werden bei der Einschätzung, ob es sich jetzt um Rolle X oder Y handelt, diverse semantische Kriterien herangezogen, wie Belebtheit, willentliches Ausführen einer Handlung, Grad der Affiziertheit usw. Und das wäre dann eben der Fall, wo Generalisierungen und weitergehende theoretische Überlegungen in's Spiel kommen (die aber vielleicht am Anfang, wenn man erst beginnt sich damit zu befassen, nicht so interessant sind).

Falls du etwas dazu lesen möchtest, wäre meiner Meinung nach Kapitel 6 in dem schon erwähnten "Semantics" Buch von John Saeed vielleicht ganz interessant. Außerdem gibt es von von Beatrice Primus ein kurzes Lehrbuch zu semantischen Rollen, das die einzelnen semantischen Kriterien glaube ich ganz gut beschreibt (dabei wäre aber evtl. zu beachten, dass sie eben zu diesen Proto-Rollen recht viel gearbeitet hat).

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02.06.2014, 21:03:02
Beitrag #8
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
(26.05.2014 00:59:08)thf schrieb:  
(24.05.2014 20:46:58)Pájaro schrieb:  Thematische Rollen, die wir behandlt haben, sind: Agens, Thema, Experiencer, Empfänger, Ort, Ziel und Quelle.
Viele würden denke ich mindestens noch 'Patiens' hinzunehmen.

(25.05.2014 20:07:17)Pájaro schrieb:  Habe darüber nachgedacht und stelle mir die Frage, ob Experiencer oder Thema, denn eigentlich ist an ihr ja ein Ereignis ersichtlich (sie ist zufrieden).
Ach, ich tu mir ein bisschen schwer mit dem Ganzen...

Saeed (2009: 153) charakterisiert Theme als "[...] the entity which is moved by an action, or whose location is described [...]". Das war auch so c.a. die Definition, die ich im Kopf hatte und insofern würde ich Jans Einschätzung, es handle sich um eine Experiencer Rolle, teilen.

Aber da geht es schon los: Ich habe mich mal ein wenig umgeschaut und verschiedene Vorlesungsfolien und ähnliches gefunden, die darunter entweder etwas komplett anderes verstehen (z.B. Lehmann: "wovon eine kognitive/ kommunikative/ emotionale Situation handelt"), oder andere Kriterien nennen (die z.T. zur Gleichsetzung von Patiens und Theme führen; evtl. erklärt das, warum Theme bei euch nicht auftauchte). Letztendlich werden bei der Einschätzung, ob es sich jetzt um Rolle X oder Y handelt, diverse semantische Kriterien herangezogen, wie Belebtheit, willentliches Ausführen einer Handlung, Grad der Affiziertheit usw. Und das wäre dann eben der Fall, wo Generalisierungen und weitergehende theoretische Überlegungen in's Spiel kommen (die aber vielleicht am Anfang, wenn man erst beginnt sich damit zu befassen, nicht so interessant sind).

Falls du etwas dazu lesen möchtest, wäre meiner Meinung nach Kapitel 6 in dem schon erwähnten "Semantics" Buch von John Saeed vielleicht ganz interessant. Außerdem gibt es von von Beatrice Primus ein kurzes Lehrbuch zu semantischen Rollen, das die einzelnen semantischen Kriterien glaube ich ganz gut beschreibt (dabei wäre aber evtl. zu beachten, dass sie eben zu diesen Proto-Rollen recht viel gearbeitet hat).

Vielen Dank für deine Antwort und für die nützlichen Hinweise! Das hift mir bei der Klausurvorbereitung denke ich schon weiter...
So langsam bekomme ich einen besseren Überblick über das Ganze... Lächel


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20.03.2016, 00:34:04
Beitrag #9
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Hallo zusammen,

könnt ihr bitte mir auch mit diesen semantischen Rollen helfen?
Ich muss in manchen russischen Idioms die semantische Rolle von Tieren festzustellen und in manchen Fällen bin ganz verwirrt.
DIe Rollen,die z.B. Lehman anführt, sind mir mehr oder weniger klar, aber in manchen Sätzen...oh, ich komme mir so dumm vor ;(

z.B. Er ist weder Fisch, noch Fleich.
Welche Rolle hat hier Fisch?

Oder:
Jemandem einen Bärendienst erweisen? Hat das Wort Bär hier überhaupt irgendeine Rolle?

Oder:
Aus einer Mücke/Fliege einen Elefanten machen
Was ist hier Mücke und Elefant? Ursprung und Ziel????

Oder:
Schauen wie ein WOlf.
as ist hier Wolf

Wenn mir jeman helfen könnte, wäre ich euch SEHR dankbar!

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20.03.2016, 13:07:31
Beitrag #10
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Liebe Zabyjaka,

da hast Du Dir aber ein ganz schön kniffliges Thema ausgesucht. Persönlich bin ich der Meinung, dass ab einem bestimmten Idiomatizitätsgrad eine Analyse der semantischen Rollen kein Sinn mehr macht. Wie komme ich zu der Meinung?
Dazu muss man sich erstmal anschauen, was Idiome bzw. Phraseologismen aus grammatischer Perspektive sind. Schaut man sich zunächst die syntaktischen Eigenschaften an, so stellt man meistens kaum Auffälligkeiten fest. Manchmal ist vielleicht die Argumentstruktur des Verbs abweichend (bspw. bei an jem. einen Clown gefressen haben) oder von nicht-intentionalen Verben kann der Imperativ gebildet werden (Sei nicht so dumm!), etc.
Auffällig ist jedoch die Semantik von Idiomen bzw. Phraseologismen. Geht man von einem derivationellen Ansatz aus (die semantischen Rollen wurden für derivationelle Ansätze entwickelt), dann sollte sich aus der syntaktischen Struktur die Bedeutung ergeben. Das ist bei Idiomen jedoch selten der Fall. Das ist ja gerade der Witz an Idiomen. Es lässt sich also nicht aus dem Wissen, was Subjekt und was Objekt eines konkreten Verbs ist, ableiten, welches Argument welche semantische Rolle bekommt. Gut ausgearbeitet wurde das bspw. von Jackendoff (1997, 2002), wo einer komplexen syntaktischen Struktur holistisch eine Bedeutung zugeordnet wird:

[ins Gras beißen] -> [sterben]

SYN: Peter(NP, SUBJEKT)i hat ins Gras(PP, LOKALADVERBIAL)j gebissen.
SEM: Peter(AGENS)i ist gestorben.

Anhand der Koindizierung sieht man, dass das valenzgeforderte Subjekt und das valenzgeforderte Adverbial syntaktisch vorhanden sind; doch nur das Subjekt hat eine semantische Entsprechung. Hieran kann man ganz gut sehen, dass nichtmal jedem Komplement ein Argument gegenüberstehen muss.

Vielversprechend ist da der Ansatz von Nunberg et al. (1994): Darin wird einem Idiom eine Art Übersetzung zur Seite gestellt, für die man dann bspw. auch die semantischen Rollen ermitteln kann. Es wird also einem opaken Ausdruck eine Übersetzung mit völlig kompositionaler Struktur zur Seite gestellt. Das klassische Beispiel geht so:

[Dampf ablassen] -> [Ärger abreagieren]

Während man sich schon arg verbiegen müsste, um für Dampf die Thema-Rolle annehmen zu können, geht das für Ärger in der kompositionalen Struktur problemlos.

Nach dieser Methode würde ich Folgendes vorschlagen:
[Er ist weder Fisch noch Fleisch.] -> [Er besitzt weder die Eigenschaft A noch B]: keine semantischen Rollen für Fisch bzw. Fleisch
[Jemanden einen Bärendienst erweisen.] -> [Jemandem einen Gefallen tun.]: Bärendienst ist Thema
[Er macht aus eine Mücke einen Elefanten.] -> [Er übertreibt maßlos.]: keine semantischen Rollen für Mücke und Elefant
[Er schaut wie ein Wolf.] -> ? Den Phraseologismus kenne ich nicht. Ich rate jetzt aber mal: [Peter schaut lauernd/aggressiv.]: keine semantische Rolle für Wolf

Dieser Ansatz hat natürlich seine Schwächen, bringt aber in den meisten Fällen ein ganz brauchbares Ergebnis.


Literatur:
Jackendoff, Ray (1997): The Architecture of the Language Faculty. MIT Press.
Jackendoff, Ray (2002): Foundations of Language. Oxford University Press.
Nunberg, Geoffrey; Ivan Sag & Tom Wasow (1994): Idioms. In Language 70,3. 491-538.

Viele Grüße
PeterSilie


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20.03.2016, 19:32:32
Beitrag #11
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Hm, Versuch einer Überprüfung, wie weit vielleicht doch die semantisch primäre Beschreibung einer Redensartquelle zu Strukturerkenntnissen und Verständnisaufhellung der Endbedeutung führen kann:

1. Kopula, Hilfsverben: Er ist weder Fisch noch Fleisch


Als semantisch relativ leere Verben sind Kopula und Hilfsverben (sein, werden, scheinen, heißen...) kaum mit Handlungskomponenten versehen. Vielmehr liefern sie prototypisch den Bezug auf ein anderes Argument, sei es eine Eigenschaftszuschreibung, sei es eine Klassenzuschreibung (was sich nicht unbedingt trennen lässt).

So versteht sich eben
Er ist weder Fisch noch Fleisch
a) als Zuschreibung zu zwei Kategorien und nicht zu einem Handlungsschema/konzept
b) diese zwei Kategorien gelten in bestimmten Diskursen als exhaustive Basiskategorien, so z.B. in der Fauna, daraus abgleitet dann etwa bestimmte Fastenzeitregeln, welche Fisch erlauben, weil er kein Fleisch ist.
c) die exhaustive Beschreibung einer Klasse Fauna lässt nun Mischwesen als Ausnahmen oder Absonderlichkeiten oder als negativ konnotierte Exemplare unterhalb der Idealtypen erscheinen, so jedenfalls die Implikatur, die über "weder..noch" abgerufen wird und einen Mangel in der geforderten, vollgültigen Ausstattung moniert.
d) In der (metaphorischen) Übertragung von der Fauna auf den Menschen kann nun auch das intentionale Handeln eines Menschen verbildlicht (und kritisiert) werden: jemand verhält sich so, dass er einer (erforderlichen, wünschbaren) Eindeutigkeit aus dem Weg geht.

Fazit (vorläufiges):
X und sein Verhalten sind nicht in einer geforderten Kategorie einzuordnen. Dabei gilt: X ist Patiens und Agens, insofern sein moniertes Verhalten wohl mit seiner Handlungs- und Verhaltenskontrollfähigkeit zu tun hat (er könnte sich eindeutig geben), er sich aber einer normativen Vorgabe der Klarheit entzieht...

2. Vollverben: X beißt ins Gras

Der Ausdruck "x beißt ins Gras" lässt sich sich vielleicht doch recht gut in metaphorischer Zweistufigkeit verstehen. Das Verb "beißen" ist mindestens zweistellig, hat neben einem Subjekt ein affiziertes Objekt oder ein Präpositionalobjekt/Adverbiale.

In der Kombination mit einem Lebewesen hat "beißen" die Wertigkeit, das Lebewesen als Agens mit selbstinduzierter Bewegung, nicht unbedingt mit Handlungskontrolle zu charakterisieren, insofern hier auch spontane Reflexe ins Rollenspiel kommen.

In dieser Quellbedeutung scheint die Proposition aber relativ sinnfern, da menschliche Beißvorgänge normalerweise nicht auf Gras bezogen sind. :angel:Also setzt sich hier ein Interpretationsstimulus frei. Die Redesituation verlangt, nach und in einem/einen anderen Sinnbezirk zu wechseln und probeweise die Annahme bestehende Handlungskontrolle auszusetzen, dafür den Verlust der Handlungskontrolle zu akzentuieren:

Wer im Kampf "fällt", bewegt sich/stürzt auf den Boden und auf eine typische Bodenpflanze, das Gras, er stirbt. Vermutlich verliert er dabei sogar die Kontrolle über seine Bewegungen, seine Kiefernmuskeln dürften erschlaffen, er fällt vielleicht kopfüber, ohne sich aufzustützen, so dass er mit geöffnetem Mund in das Gras zu beißen scheint, aber eben genau deswegen nun die Agensqualität des Beißens und überhaupt alles Agieren verliert. Vielmehr findet sich nun eine aktionsartbezogene Patiens-Dimension vom Typus "Die Rose verdorrte", "Er verlor das Leben" (vgl etwa Beatrice Primus, Semantische Rollen, S.80.

So gesehen hat "Er beißt ins Gras" durchaus eine Lokalrolle "ins Gras" und über die Polysemie von "willentlich/unwillentlich" beißen eine Oszillation von Agens zu Patiens, eine Verfremdung des ursprünglichen Konzepts, das in "beißen" steckt. Eine Entautomatisierung des primären Schemas und eine markante Betonung des Sterbensvorgangs, insofern (leicht) widersprüchliche Marker aufgerufen werden.

3. Metapher, Automatisierung, Narkotisierung, Verblasstheitsgrad

[Bild: h9gl338]

Gewiss geht es bei diesen Redensarten, metaphorischen, automatisierten, verblassten, frischen, narkotisierten, revitalisierten ..., häufig um Propositionen mit Elementen, deren poröse, sich reibende oder widersprüchliche Konstellation nicht mehr im Rezipientenbewusstsein aufleuchtet und nicht mehr "akustisch zu knirschen beginnt", um so Aufmerksamkeit auf die Äußerung zu lenken.

Immerhin aber kann die entsprechende Analyse von Quellbedeutung und Zielbedeutung das Verfahren und auch das mehr oder weniger verzögerte Verstehen von Redensarten abbilden und aufhellen.

"Dampf/Überdruck ablassen", um nicht überzukochen, scheint mir ähnlich zu funktionieren.... und viele der Redensarten, in denen tierische Modelle in die Zieldomäne menschliches Zusammenleben, kulturelle, technische Produkte... getragen werden, auch. Man vergleiche etwa Constanze Spieß/Michael Köpcke (Hrsg.): Metapher und Metonymie. Theoretische, methodische und empirische Zugänge Berlin 2015, z.B. S. 143- 160: Metaphern und ihr persuasives Inferenzpotential von Monika Schwarz-Friesel)

[Bild: h4ef4k3]


Hallo, ich bin Willi Wamser und seit 09.04.2012 15:42 hier angemeldet.
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28.03.2016, 21:44:51
Beitrag #12
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Hallo

vielen-vielen Dank euch!
Iht habt mir wirklich geholfen.

@PeterSilie @ vielen Dank für den Tipp. Der Artikel von Nunberg und Geoffrey war wircklich nützlich für mich

@Willi Wamser@ du schreibst fast genau so wie unser Professor Lächel Hast du in LMU studiert?

Könnt ihr mir bitte mit weiteren Idiomen helfen?

Es gibt im Russischen und Polnischen Idiom "unter der Fliege sein" mit der Bedeutung angetrunken sein.
Spielt hier Fliege irgendeine semantische Rolle?Welche?

LG
zabyjaka

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29.03.2016, 08:50:41
Beitrag #13
RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
(28.03.2016 21:44:51)zabyjaka schrieb:  @PeterSilie @ vielen Dank für den Tipp. Der Artikel von Nunberg und Geoffrey war wircklich nützlich für mich

Der erste Autor heißt Geoffrey Numberg. Das ist eine Person.


Do you know where your towel is?
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29.03.2016, 10:49:01
Beitrag #14
84_rolleyes RE: Wertigkeit der Verben und semantische Rollen der Aktanten
Hm, Zabyjaka (jemanden niederhauen?),

da wäre dann doch genauer die wörtliche Bedeutung der Redensart unter der Fliege sein zu umschreiben.
Das zeigen die vorigen Versuche im jeweiligen Start und die Redensart mit "unter 30 grady".

ВИДАТЬ ПТИЦУ (СОКОЛА) ПО ПОЛЁТУ

Tippt


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