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 » nicht erledigt Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)

14.02.2015, 01:12:00
Beitrag #1
Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Hallo liebe Linguisten!

"Wissensgesellschaft" wurde bei uns einmal paraphrasiert als "Gesellschaft, die Wissen besitzt" => Possessive Bedeutung
Ich fand aber erstens die Paraphrase schon recht wenig überzeugend, zweitens befinden sich bei Fleischer/Barz unter "Possessiv" nur ein Beispiel wie "Gemeindewald" - als 'A besitzt B' und nicht umgekehrt! Was denkt ihr?

Ein zweites Beispiel: "(Das) Umfragetief" (der SPD)".
Mit Fl/B komme ich auch hier nicht recht weiter. Folgende Überlegungen habe ich angestellt:
"das Tief, in dem sich die Umfrage(n) befindet/n" (vgl. Wo(!) sind die Umfragen gerade?) => lokal (i.w.S.). Allerdings: Fl/B nennt lokal nur solche Kompositionen, wo die erste Konstituente der Ort für die zweite ist (etwas wie "Bankguthaben")!
eine andere Paraphrase, die ich erwägen würde (ganz vorbei an Fl/B), operiert mit dem Ausdruck "Stadium": "'Das Tief' ist ein Stadium, in dem sich die Umfragen befinden"?

Bin gespannt auf eure Meinung(en)!
Bis bald!
Glottisschläger :-)


si quis vestrum quaesierit, cui ego linguae praecipue operam dem, sciat - atque gaudeat - me nulla lingua magis delectari quam Latina, quae iure atque merito omnium linguarum regina per multa saecula habebatur. quam quidem non ita docendam esse censeo, ut nunc temporis ubique fere terrarum fieri solet - quasi non omnino sit lingua -, sed ita ut in illis linguis fieri solet, quae vivae dicuntur - id est loquendo, scribendo, audiendo. ita enim fiet, ut discipuli Latine vere discant ac denique mirificus quidam aditus eis patefiat ad cultum atque humanitatem Europaeam plus duorum milium annorum :-)
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14.02.2015, 11:51:20
Beitrag #2
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Ob man da nur mit Fleischer/Barz weiterkommt? Irmhild Barz hat 1988 noch spezieller dazu ein Buch geschrieben: Nomination durch Wortbildung, Leipzig: VEB Enzyklopädie. Das hilft auf der semantischen Seite vielleicht weiter und ist terminologisch mit F/B kompatibel. Ansonsten:
  • Ullmer-Ehrich, Veronika: Zur Syntax und Semantik von Substantivierungen im Deutschen. Kronberg/Ts.: Scriptor, 1977.
  • Herbermann, C.-P.: Wort, Basis, Lexem und die Grenze zwischen Wörterbuch und Grammatik. München. Fink, 1981. (von F/B verwendet)


Das Tief im Umfragetief ist eine Ortsangabe, bezüglich eines (Tiefst-)Punktes auf einem Graphen (wer auch immer sich dazu berufen fühlt, darf meine mathematische Unkenntnis gerne terminologisch verbessern!). Das wäre für mich deutlich lokal, bestenfalls mit einer metaphorischen Komponente. Die Umfrage befindet sich nirgends, auch nicht in einem Zustand (sie ist ja offenkundig abgeschlossen und ausgewertet), sondern deren Resultate oder Werte, dargestellt in einer Fieberkurve o.ä. Hier liegt also ein metoynmisches Verhältnis vor.


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14.02.2015, 11:52:51
Beitrag #3
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Hallo Glottisschläger!

Wenn ich dich richtig verstehe, suchst du nach Kategorien für Substantivkompositionen (bzw. haben Fl/B solche Kategorien aufgelistet), die dann bestimmen, wie der Ausdruck interpretiert wird.

Das ist aber mMn nicht, wie solche Kompositionen funktionieren. Die schiere Menge und Macht der Zusammensetzungen im heutigen Deutschen lässt ja vermuten, dass der Prozess an sich überhaupt nicht aus Kategorien langsam zurechtgestapelt wird, sondern da hat jemand mal ein System entdeckt (das System, Substantive nebeneinanderzustellen und zu vereinigen) und jetzt hämmert die gesamte Sprachgemeinschaft mächtig darauf herum, um zu schauen, wo denn die Grenzen der Bedeutungsmöglichkeit von Kompositionen liegen. Kategorien sind erst sekundär.

Die Substantivzusammensetzungen gehen ja ursprünglich aus Genitivkonstruktionen hervor. Die Idee der Zusammensetzungen ist also ursprünglich der des Genitivs sehr nahe, um nicht zu sagen dieselbe. Und zwar ist das nichts anderes als ein gedanklicher Bezug: In Nom.-Gen.-Zusammensetzungen bezieht sich das Wort im Nom. auf das im Gen., oder besser: es zeichnet sich dadurch aus. Ich behaupte, dass es immer (!) vom Wesen der Sache abhängt (also in ein paar Fällen, sprich: nur ganz ganz selten, auch vom Kontext; vgl. das lateinische "amor patris" als Liebe des Vaters/Liebe zum Vater), wie dieser Bezug oder dieses Auszeichnen dann interpretiert wird.

Wissensgesellschaft = eine Gesellschaft, die sich durch Wissen auszeichnet. Aus dem Wesen der Sache ergibt sich, dass die Menschen in der Gesellschaft über Wissen verfügen/Wissen schätzen.

Gemeindewald = ein Wald, der sich durch eine Gemeinde auszeichnet. Aus dem Wesen der Sache ergibt sich, dass die Gemeinde im Besitz des Waldes ist.

Umfragetief = ein Tief, das sich durch Umfragen auszeichnet. Nämlich durch die Umfragen, in denen es sich ergeben hat. Man könnte auch sagen: ein Tief in Bezug auf die Umfragen, in denen es sich ergeben hat. (Das klappt im Hirn eines jeden Deutschsprechers einwandfrei, obwohl ja gar nicht die Umfragen selbst tief sind, sondern die Umfragewerte!)

Bankguthaben = ein Guthaben, das sich durch eine Bank auszeichnet. Aus dem Wesen der Sache ergibt sich, dass das Guthaben auf einem Konto der jew. Bank besteht.

Probier mal selbst das Wörterbuch an zwei Stellen aufzuschlagen und zwei beliebige Substantive miteinander zu verbinden. Ich wage zu behaupten, dass das immer klappt, und dass du automatisch weißt (oder dir sehr schnell erschließen kannst), was das neu gebildete Wort bedeutet.

So. Ich hoffe ich hab jetzt nicht an deiner Frage vorbeigeredet und konnte ein wenig helfen. Lächel

LG
Shomjo

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14.02.2015, 12:19:49
Beitrag #4
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Danke für eure Antworten!
Mir ist klar, dass sich die Umfragen nicht eigentlich irgendwo befinden. Doch wir formulieren auch außerhalb dieser Bildung, teilweise so, als verhalte es sich gerade so.
z.B. "Wo sind die Umfragen gerade? Sie befinden sich in einem Tief"
;-)


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14.02.2015, 12:23:18
Beitrag #5
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
danke auch dir, Shomjo!
Das leuchtet mir sehr gut ein, ich sehe es ganz ähnlich - leider aber vielleicht nicht die Korrektoren meines Staatsexamens ;-) Bis das in einem Monat rum ist, muss ich mich noch dem Korsett der Wortbildungsbedeutungen fügen bzw. mich in ihm verheddern ...


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14.02.2015, 12:39:16
Beitrag #6
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Nur die besten Wünsche dafür.

(Dann wär es doch vielleicht großartig, beim Umfragetief weiter zu graben, also: Wie ist es bei anderen Zusammensetzungen mit Substantiven aus gleichlautenden Adjektiven (tief -> das Tief), wenn es da überhaupt genug gibt? Hat es was damit zu tun, dass tief eine Position angibt? Kann man sich unter Umfragetiefe was vorstellen? usw.)

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14.02.2015, 17:54:49
Beitrag #7
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Umfragetief ist analog zu Stimmungstief, aber nicht zu Ortsnamen wie Challengertief oder zu das Tief (Kurzwortbildung aus Tiefdruckgebiet). Adjektivkomposita sind knietief, hüfttief usw., allesamt nicht metonymisch/metaphorisch.

Die Semantik der Komposita kann man nicht gut mit der allzu allgemeinen Formel "A das sich durch B auszeichnet" erklären. Besser ist es, den Benennungsprinzipien auf den Grund zu gehen:
  • Zweck (teleologisch), z.B. Zündholz, Baustoff,
  • Material (hylologisch), z.B. Schwefelholz, Fleischwurst
  • Art der Anwendung (technologisch), z.B. Streichholz, Streichwurst, Bratwurst, Singspiel
  • Ort der Herkunft oder Anwendung (topologisch), z.B. Schwedenholz, Damaszenerstahl, Hamburger (Brötchen)
  • Anwender, Nutznießer:, z.B. Hasenklee, Kinderwurst
  • Zeitbezogen (horologisch), z.B. Morgenstern, Frühblüher, Teewurst
  • Merkmalsbezogen (phänomenologisch), z.B. Rundling, Grünspan, Großkatze, Stachelrochen
  • usw. usw.

Für das Umfragetief wäre das topologisch (auch wenn es eine übertragene Bedeutung ist), für die Wissensgesellschaft wäre es phänomenologisch.


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14.02.2015, 18:05:15
Beitrag #8
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
ist die Teewurst ein Blindgänger?
hallo, janwo, welche darstellung der wortbildung benutzt die von dir vorgeschlagene kategorisierung?


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14.02.2015, 19:20:24
Beitrag #9
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Teewurst - weil sie zur Tea time konsumiert wurde. Kein Blindgänger, auch kein Irrläufer.

Die Benennungsprinzipien kommen aus
Herbermann, C.P.: Benennungsprinzipien und Benennungssituationen. In: Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Jochen Splett zum 60. Geburtstag. hsrg. v. Eva Schmitsdorf, Nina Hartl[/sc.] u. [sc]Barbara Meurer. Münster u.a.: Waxmann, 1998. S. 70-91.[PDF, 22MB]


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20.02.2015, 23:28:38
Beitrag #10
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
hey lieber janwo, mit welchem schlauen wort könnte man denn die bildung münzgeld ('geld in form von münzen') beschreiben? phänomenologisch? material??? ;-)


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21.02.2015, 12:47:36
Beitrag #11
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Material wäre hylologisch, das wäre bei Kupfergeld, Silbermünze usw. so.
Grob gesagt ist es phänomenologisch, klar, man könnte es nach der Form dann auch morphologisch (unglücklich, da anderweitig schon belegt) oder eidologisch (= gestaltbezogen; eine Neuprägung von mir hier und jetzt) nennen.


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02.03.2015, 11:41:55
Beitrag #12
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
Hallo, Leute :-)
Hier ein paar weitere Fälle, wo ich mir mit Paraphrase und WB-Bedeutung schwer tue:

beglaubigen < Glaube: 'bewirken, dass einer Sache Glauben geschenkt wird' ???
beendigen < Ende: 'eine Sache mit einem Ende versehen' (ornativ???)
strukturieren < Struktur: Im Kurs wurde paraphrasiert 'eine Struktur hervorbringen' (= 'effizieren'). Allerdings wird die Struktur ja AN/IN einer Sache hervorgebracht, die Sache wird mit ihr sozusagen ausgestattet (= 'ornativ')?

danke euch :-)


si quis vestrum quaesierit, cui ego linguae praecipue operam dem, sciat - atque gaudeat - me nulla lingua magis delectari quam Latina, quae iure atque merito omnium linguarum regina per multa saecula habebatur. quam quidem non ita docendam esse censeo, ut nunc temporis ubique fere terrarum fieri solet - quasi non omnino sit lingua -, sed ita ut in illis linguis fieri solet, quae vivae dicuntur - id est loquendo, scribendo, audiendo. ita enim fiet, ut discipuli Latine vere discant ac denique mirificus quidam aditus eis patefiat ad cultum atque humanitatem Europaeam plus duorum milium annorum :-)
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02.03.2015, 11:52:53
Beitrag #13
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
ich möchte hinzufügen:

ein spielerisches Verfahren
spieler|isch bzw. spiel|erisch

;-)


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02.03.2015, 12:13:34
Beitrag #14
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
und noch ein komisches Wort:
verkaufen - es ist das situative Komplement (= auf meinem Mist gewachsen) zu kaufen. nur wie paraphrasiert man das und gibt es dafür einen Fachterminus? ;-)


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02.03.2015, 21:03:19
Beitrag #15
RE: Wortbildungsbildungsbedeutung und -paraphrase (Wissensgesellschaft u.a.)
(02.03.2015 11:41:55)Glottisschläger schrieb:  Hallo, Leute :-)
Hier ein paar weitere Fälle, wo ich mir mit Paraphrase und WB-Bedeutung schwer tue:

beglaubigen < Glaube: 'bewirken, dass einer Sache Glauben geschenkt wird' ???
beendigen < Ende: 'eine Sache mit einem Ende versehen' (ornativ???)
strukturieren < Struktur: Im Kurs wurde paraphrasiert 'eine Struktur hervorbringen' (= 'effizieren'). Allerdings wird die Struktur ja AN/IN einer Sache hervorgebracht, die Sache wird mit ihr sozusagen ausgestattet (= 'ornativ')?

danke euch :-)
beglaubigen - ornativ/applikativ; Basis Glauben - 'dem Objekt seinen Glauben schenken, i.S.v. Vertrauen ausdrücken'
beendigen - applikativ/ornativ; Basis Ende - 'das Objekt mit einem Ende versehen'
usw. usf. Ja, Ornativ ist da ok, Applikativ ist etwas schillernd aber als Oberbegriff auch nicht ganz verkehrt

(02.03.2015 11:52:53)Glottisschläger schrieb:  ich möchte hinzufügen:

ein spielerisches Verfahren
spieler|isch bzw. spiel|erisch

;-)

Uff. Mir fällt gerade kein gutes Beispiel ein, wo man genauer sehen kann, was die Basis ist. Irgendein nettes umlautfähiges Verb, dessen Nomen Agentis den Umlaut auch hat (wie backen : Bäcker; aber leider *bäckerisch/*backerisch). Aus dem (leeren) Bauchgefühl heraus würde ich dazu tenrieren, dass die Formen vom Nomen Agentis abgeleitet sind, also spieler+isch.

(02.03.2015 12:13:34)Glottisschläger schrieb:  und noch ein komisches Wort:
verkaufen - es ist das situative Komplement (= auf meinem Mist gewachsen) zu kaufen. nur wie paraphrasiert man das und gibt es dafür einen Fachterminus? ;-)

Ich habe mal irgendwo "exhaustiv" und "terminativ" gelesen. Viele, aber nicht alle, {ver-}-Verben haben eine Bedeutung, die ausdrücken soll, dass die Verbhandlung (voll-/all-)umfassend oder bis zum Ende ausgeführt wird bzw. zum Ende kommt: verwalten, verwesen, verdursten, verblühen. (Das ist was anderes als die "frustrativ" genannten {ver-}-Verben, die einen erfolglosen Versuch, die Verbhandlung zum gewünschten Abschluss zu bringen, bezeichnen: verschreiben, verlaufen1); bei verschreiben kann man dann sehr schön die andere Bedeutung ('einem Patienten ein Medikament verordnen') davon abheben.
Bei verkaufen würde ich schon sagen, dass da die exhaustive Bedeutung tonangebend ist. Die lässt sich dann noch steigern, indem man {ab-} oder {aus-} präfigiert.



1) Man hört natürlich auch Kollegen, die beharrlich der Meinung sind, verwalten sei ebenfalls frustrativ. Das sei hier dahingestellt. ;-)


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